Klagenfurt. Ein besetztes Haus inmitten von Klagenfurt. Aus einem Hubschrauber springen fünf Fallschirmspringer und landen in der nahe gelegenen Wiese – in Gefechtsbereitschaft. Ein zweiter Black Hawk seilt einen schweren Granatwerfer ab. Ein Soldat ist verletzt, eine grüne Rauchschwade alarmiert den Notarzthubschrauber. Trotz allem: Der Feind wurde gefasst.
Was nach einem Kriegsfilm klingt – und auch aussieht – ist eine Gefechtsvorführung der siebten Jägerbrigade in der Khevenhüller-Kaserne in Kärnten. Verteidigungsminister Norbert Darabos (SPÖ) will den anwesenden Journalisten damit die „Leistungsfähigkeit des Bundesheeres“ vorführen, die „bestens gegeben ist“. Und das passiert nicht zufällig hier in Kärnten: Das Jägerbataillon 25 nimmt an einem der drei Pilotprojekte des Ministers zur Erprobung des Berufsheeres teil und ist sozusagen Versuchskaninchen für das Projekt „Professionalisierung von Verbänden – Musterverband“. Ziel dieses Projekts: In Zukunft sollen hier lediglich Berufs- und Zeitsoldaten im Einsatz sein. Das Bataillon soll bis Mitte 2014 neben den bereits heute bestehenden 150 Berufssoldaten über rund 350 weitere Berufs- und Zeitsoldaten verfügen. Bis Anfang 2014 soll das Bataillon über erste Einsatzbereitschaft für Inlandsaufgaben, ab Juli 2014 über volle Einsatzbereitschaft verfügen. Somit wäre es laut Darabos der einzige Luftlande-Verband im österreichischen Bundesheer, der jegliche Art von In- und Auslandseinsätzen „erfolgreich bewältigen“ könnte.
1370 Euro im Monat
Die Rekrutierung ist bereits gestartet. Gesucht werden unter anderem Kraftfahrer, Sanitäter, Scharfschützen und Funker. Junge Frauen und Männer sollen sich dafür freiwillig melden – Angst, dass sich dafür nicht allzu viele Begeisterte findet, hat man nicht. Das Heer wirbt mit einer „überdurchschnittlichen Bezahlung“ – etwa 1370 Euro netto im Monat. Wer einmal aufgenommen wurde, muss drei Jahre lang dienen – für jedes Monat im Inland gibt es zusätzlich eine Vergütung von etwa 240 Euro, für Einsätze im Ausland 1600 Euro netto.
Eine Verlängerung des Dienstes ist zwar möglich. Allerdings möchte man die Truppe verjüngen und die Soldaten nach einigen Jahren wieder in das „zivile“ Arbeitsleben zurückschicken – dafür gibt es ein eigenes Umstiegsprogramm. Nach drei Jahren Dienst bekommen die Soldaten für ein Jahr monatlich „Beihilfen“ in der Höhe von 75 Prozent des letzten Monatsbezuges. In dieser Zeit können sie sich weiterbilden.
Damit nimmt sich das Bundesheer finanziell viel vor: Zwei Millionen Euro werden in dieses Pilotprojekt hineingesteckt. Zusammen mit den beiden anderen Projekten kommt man sogar auf zehn Millionen Euro: Ein weiteres Pilotprojekt sieht vor, zwei Miliz-Pionierkompanien mit jeweils 115 Soldaten aufzustellen – mit einer Jahresprämie von 5000 Euro pro Kopf. Die Soldaten erklären sich also freiwillig bereit, pro Jahr rund zwei Wochen für Übungen und erforderliche Einsätze zur Verfügung zu stehen. Das dritte Projekt betrifft insgesamt sechs Standorte in der Steiermark, Kärnten und Wien: Sie werden in Zukunft auf die Verwendung von Grundwehrdienern als Systemerhalter verzichten. Das bedeutet, dass Köche, Wachsoldaten, Fahrer und Gehilfen aller Art durch Zivilbedienstete oder Lehrlinge ersetzt werden. Damit will Darabos beweisen, dass ein Berufsheer umsetzbar ist.
Am Dienstag meldete sich dazu übrigens Darabos' deutscher Amtskollege zu Wort: Nach einjährigem Jubiläum des Berufsheeres in Deutschland wolle Thomas de Maiziere (CDU) zwar „anderen Ländern keine Ratschläge“ erteilen. Doch stünden 55.000 Wehrpflichtigen in Deutschland mit 80 Millionen Einwohnern 30.000 Wehrpflichtige in Österreich mit knapp acht Millionen Einwohnern gegenüber. „Das sagt, dass die Wehrpflicht in Österreich breiter wirkt als in Deutschland.“
Drei Pilotprojekte sollen nach Plan von Verteidigungsminister Norbert Darabos (SPÖ) den Beweis bringen, dass ein Berufsheer in Österreich bestehen kann: Die Aufstellung einer Freiwilligenmiliz, die Reduktion von Systemerhaltern (wie Köchen und Fahrern) sowie die Professionalisierung von Verbänden – wie beim Jägerbataillon 25 in Kärnten, wo das Heer bereits Freiwillige sucht. Die Projekte laufen drei Jahre lang und kosten zehn Millionen Euro.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.06.2012)
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