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Parlament: Die etwas getrübte Transparenz-Show

27.06.2012 | 18:28 |  von Philipp Aichinger (Die Presse)

Der Nationalrat beschloss das Transparenzpaket. Eine Chance für die Politik, sich reinzuwaschen. Doch die höhere Parteienförderung störte die Inszenierung.

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Wien. „Darf ich um ein bisserl mehr Aufmerksamkeit bitten?“ Nationalratspräsidentin Barbara Prammer (SPÖ) war unzufrieden damit, dass die Abgeordneten zu Beginn der Sondersitzung lieber schwätzten, als dem Vorsitz zu lauschen. Schließlich sollte gerade am gestrigen Mittwoch demonstriert werden, wie anständig die Politik sein will: Der Beschluss des Transparenzpakets, das strengere Korruptionsregeln und gläserne Parteikassen bringen soll, stand an.

„Klare, ja fast radikale Regelungen“ beschließe man, betonte SPÖ-Klubchef Josef Cap. Der Untersuchungsausschuss habe zwar einiges Verwerfliches zutage gebracht, genau deswegen benötige man ja nun die neuen Gesetze. Aber der Großteil der Mandatare sei „fleißig“, arbeite „unter einem fast 24-stündigen Einsatz“ und gebe „über Parteigrenzen hinweg ihr Bestes“. Während Cap seine Thesen mit der rechten Hand auf- und abwärts gestikulierend vortrug, las ÖVP-Mandatar Günther Stummvoll in Ruhe Zeitung. Das sollte sich zunächst auch nicht ändern, als ÖVP-Klubchef Karlheinz Kopf in seiner Rede für die Novelle warb. Als Kopf aber die höhere Parteienförderung verteidigte und die Worte „Parteien sind das Grundinstrument für unsere Demokratie“ sprach, war ihm die volle Aufmerksamkeit plötzlich sicher. Es setzte spontan Applaus vom gesamten ÖVP-Klub ein, dem zuvor ebenfalls mit ernster Mimik auftretenden Kopf entkam nun ein Lächeln.

Auch Kopf lobte die „strengsten Transparenzregeln, die es in Europa gibt“. Die Novelle sieht vor, dass Parteispenden ab 3500 Euro künftig offengelegt werden müssen. Zudem werden Lücken im Korruptionsstrafrecht geschlossen und etwa das „Anfüttern“ (größere Geschenke an Amtsträger ohne sofortiges Gegengeschäft) wieder verboten. Diese Punkte wurden auch von der Opposition gutgeheißen. Dass aber im selben Atemzug die jährliche Förderung der Bundesparteien von 15,259 auf 29,13 Millionen Euro erhöht wird, stieß FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache sauer auf. Er nahm insbesondere die Grünen in die Pflicht, die in einer „Koalition des Grauens“ mit der Regierung das Paket verhandelt haben – und so auch die höhere Summe für Parteien verantworten müssten.

 

Wohin mit dem zusätzlichen Geld?

„Wir werden das Geld zweckgebunden für direkte Demokratie ausgeben“, versprach Strache – und wurde dabei so richtig laut. Grünen-Chefin Eva Glawischnig nahm den Ball auf: „Wenn Strache sagt, er will die Parteienförderung in die direkte Demokratie stecken, dann kommt auf uns die nächste Plakatserie zu, in der er als Parteiobmann selber plakatiert wird“, spottete Glawischnig. Sie betonte, gegen die „inakzeptable“, höhere Parteienförderung gewesen zu sein. Aber es sei trotzdem besser, mit der Regierung zu verhandeln - statt wie die FPÖ „beleidigt aus dem Sitzungssaal hinauszugehen“. BZÖ-Chef Josef Bucher hatte gleich eine Reihe von Pointen mitgebracht: Wenn die Grünen mitverhandeln, bedeute dies für den Steuerzahler die „teuerste Millionenshow ohne Publikumsjoker“. Die höhere Parteienförderung sei ein „Rettungsschirm“ für die verschuldeten Großparteien. Und mächtige Landeshauptleute wie Erwin Pröll hätten nun eine „Pröll“-gefüllte Wahlkampftasche.

Die Regierungsbank wusste den gepflegten Wortwitz nicht zu schätzen. „Herr Bucher, ich weiß nicht, warum Sie so laut schreien. Ist das Ihre Art, sich in Ihrem Klub zu verständigen?“, meinte Kanzler Werner Faymann. Für ihn bedeutet die Novelle, „ein Stück Vertrauen“ zu schaffen. ÖVP-Justizministerin Beatrix Karl ortete gar den „Grundstein für mehr Ehrlichkeit und Transparenz“. Ein Feiertag war gestern jedenfalls für Karlheinz Kopf, er hatte den 55. Geburtstag. Da gratulierte sogar die Opposition artig.

Auf einen Blick

Das Transparenzpaket (strengere Regeln für Korruption, Lobbyistenregister und gläserne Parteikassen) wurde gestern vom Nationalrat beschlossen und wird ab 1. Juli gelten. Ab dann gilt auch die höhere Parteienförderung.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.06.2012)

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116 Kommentare
 
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Wir sind heute so weit,

daß wir unsere Politiker allzu gerne in die Wüste jagen würden. leider verhindert das die Demokratie,leider!

Gast: Hazet
28.06.2012 18:30
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Der schlechte Ruf unserer Politiker

wird wieder einmal eindrucksvoll bestätigt!
Gelten Sparprogramme nur für die Bürger,
nicht aber für Parteien und ihre Bonzen?
Wie recht hatte Orwell, als er die regierenden Schweine in " Farm der Tiere " sagen ließ:
" Alle sind gleich, aber manche sind gleicher ".
Damals war das als Parabel auf die Sowjetunion gedacht......

Bei näheren Hinsehen genaugenommen Undiskutabel.

Interessant das in "Gesamtheit" immer alle Parteien dabei sind. Man ist dagegen aber man nimmt trotzdem.

Man ist für die direkte Demokratie aber wie die Vergangenheit gezeigt hat nur für die bedeutungslosen 3 VVV.

In den letzten Wochen war "Demaskierung" aller Parteien der Machtpolitik einschließlich ihrer Funktionäre. Heute folgte der Abschluss.

Ich vergaß zur "Ablenkung, Augenauswischerei" und Belanglosigkeit ist der 18. UA verkommen. Hier geht es ja auch nur um "politische Verantwortung" abgegangener Betroffener die sich genau genommen keiner "politischen Verantwortung" mehr stellen müssen.

Allein die Erhöhung der Parteiförderung um 60% zeigt wie die Machtpolitik "aller Parteien" den Bürgern offen ins Gesicht spuckt, wenn man die Rechtfertigungsgründe hört.

Re: Bei näheren Hinsehen genaugenommen Undiskutabel.

Die größten Pharisäer Blender aus meiner Sicht ist derzeit die grüne Damenriege samt Anhang. Sie haben schon lange den Weg der Bürgerbewegung verlassen und versuchen sich in der Machtpolitik der Parteien zu integrieren. Sie stimmen dagegen wo sie genau wissen das sie trotzdem zum Zuge kommen. Wir sind dagegen weil wir wissen dass es ohnedies erfolglos ist. Man äußert sich negetaiv u.a. vorsichtigerweise nur gegen die FPÖ, aber das Geld nehmen wir trotzdem.

ein vorschlag

grüne, fpö und bzö haben gegen das gesetz gestimmt. die fpö hat versprochen, das geld in direkte demokratie zu investieren. doch von reinen lippenbekenntnissen halte ich nicht viel, dazu habe ich zu wenig vertrauen in unsere politiker, wenn es ums geld geht.
die opposition sollte den berechenbaren überschuss auf ein treuhandkonto einzahlen, um beispielsweise in korruptionsbekämpfung (die strategien/taktiken/maßnahmen sind noch zu klären. sicher nicht einfach) zu investieren.

doch das wird es wohl nicht spielen, schließlich wird die opposition argumentieren, dass sie dadurch einen nachteil im business demokratie hätten. daher müssen maßnahmen her, die für sie alle einen großen image-vorteil bringt. utopisch?

Gast: 1. Parteiloser
28.06.2012 13:49
6 0

Der Misthaufen macht Österreich kaputt!

Eine Demokratie wo sich die gewählten Parteien unlimitiert an den Leistungen der Österreich fett machen dürfen, eine solche Demokratie entspricht niemals dem Sinn der Verfassung. Der Wille geht dann nicht mehr vom Volk aus.

Eine Demokratie, wo die Parteien sich Gesetze machen die Transparenz nicht zu leben und diese mit selber geschaffenen Gesetzen auch noch legalisieren, kann doch niemals funktionieren. Das entspricht doch eher den Vorgangweisen von Despoten.

Eine Demokratie, wo die Parteien nur noch Interessensvertreter (Lobbyisten) zur Abstimmung über die Gesetze entsenden, kann auch nur eine Gesetzgebung gegen das Land und dessen Menschen sein. Tatsächlich zeigen Österreichs gewaltige gesellschaftliche und wirtschaftliche Disbalacen genauo die grausigen Umverteilungen an die Interessensvertreter auf. Es war also schon eine Gesetzgebung von Lobbyisten für Lobbyisten! Krank, oder?

Die Parteien, ich nehme die Oppositionsparteien gar nicht aus, sind Parteien, welche sich der Selbstbedienung und einer Arbeit gegen die Österreicher verschrieben haben. Eigentlich waren die Vorgänge schon lange Staatsverrate, es bleibt beim laufenden und vorsätzlichen Staatsverrat. Diese kranke Demokratie ist aber nicht fähig sich davon zu befreien.

Dieser gesamte Misthaufen gehört sofort, wahrscheinlich zigtausende dieser stinkenden Typen aller Farben, in die Wüste Gobi exportiert.

Arbeit: dürfte nicht für jeden so verständlcih sein!

„Klare, ja fast radikale Regelungen“ beschließe man, betonte SPÖ-Klubchef Josef Cap. Der Untersuchungsausschuss habe zwar einiges Verwerfliches zutage gebracht, genau deswegen benötige man ja nun die neuen Gesetze. Aber der Großteil der Mandatare sei „fleißig“, arbeite „unter einem fast 24-stündigen Einsatz“ und gebe „über Parteigrenzen hinweg ihr Bestes“.

Möchte nur wissen ob er und arbeiten das gleiche versteht, wie unter Transparenz!
Einfach lächerlich der Typ -- in der Privatwirtschaft würde Cap wohl beim AMS gemeldet sein!

8 0

Sauerei.

und vollkommene Abgehobenheit. Mehr gibts dazu eigentlich nicht zu sagen.

oder doch: geht wieder auf die Strasse. Diese Parteien haben die Idee der Demokratie beerdigt

Gast: tc_t
28.06.2012 09:38
5 0

was nun ist transparent??

transparent ist, dass wir mehr für etwas zahlen müssen - diese parteien - die das geld nicht einmal im ansatz wert sind! schröpfen des bürgers bis zum ende

Verzichten und punkten!

Würden die Oppis auf das Geld verzichten, würden sie bei der nächsten Wahl punkten!
Alles andere ist unglaubwürdig!
Abgesehen von den gigantischen Einkünfte der Politiker, könnten diese prozentuell ( 1% vom Bruttolohn) etwas in die eigenen Parteikassa einzahlen.
Aber die machen es sich leicht und holen sich den Zaster von denen, die schon für alles aufkommen müssen, nämlich von der Bevölkerung!

Antworten Gast: VictoriaII
28.06.2012 13:40
2 0

Re: Verzichten und punkten!

Vor einigen Jahren hat es den Fall gegeben (ich weiß nicht mehr genau um was es dabei ging), dass die FPÖ auf eine Erhöhung verzichtet hat. Die Folge war, dass ÖVP und SPÖ den entsprechenden Betrag untereinander aufgeteilt haben, weil es nicht möglich sei, auf solche Zuwendungen des Staates zu verzichten. Das einzige Ergebnis eines Verzichts von FPÖ und BZÖ wäre also, dass die beiden Regierungsparteien sich auf Kosten des Steuerzahlers noch etwas mehr überweisen könnten.

Re: Verzichten und punkten!

Das sehe ich anders!

Wie soll man in diesem Land unter diesen Voraussetzungen (bei all diesen linkslastigen Medien) die Botschaft an den Mann bringen, wenn man letztlich merklich weniger Geld zur Verfügung hat, als die anderen Parteien?

Wären alle Österreicher intelligent/hätten einen Hausverstand (und würden sich daher auch nicht manipulieren lassen), würden sie sich das vielleicht bis zur nächsten Wahl merken, aber dem ist großteils nunmal nicht so.

Vertrauen schaffen mittels Vorschlaghammer!

Der Herr Bundeskanzler glaubt das wohl selber nicht?
Wie kann einer der kein Vertrauen der Bevölkerung mehr hat, dieses mit einem Vorschlaghammer einfordern!

Gast: Humberto E.
28.06.2012 09:12
0 0

3500 pro Beleg?

Bis jetzt konnte ich nirgends lesen oder hören für welchen Zeitraum die 3500 Offenlegungsgrenze gilt. Etwa pro Beleg?

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Re: 3500 pro Beleg?

Cap sprach in seiner Rede von 3500 „pro Jahr“

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unsere lieben Politiker

Sind sie nicht lieb, unsere Politiker!
Mit der einen Hand zeigen sie großartig auf die Transparenzvereinbarung und zitieren die "gläsernen" Parteikassen, während sie sich mit der anderen Hand die Säcke vollstopfen.
Als wären´s beim Grafen in die Lehre gegangen, wird ungeniert das Geld der Steuerzahler eingesackt.
Aber beim Wahltag dürfen wir dann wieder das "Kreuzerl" machen und hinterher setzen sie sich wieder zusammen und lachen laut über unsere Dummheit....

Gast: jimmel
28.06.2012 08:30
0 1

spenden

jetzt kann mann sich vorstellen wie hoch die private parteienfinanzierung bis dato ausfiel und nun hat keiner mehr die courage zu seinen privaten parteienzuwendungen zu stehen da diese den geruch von schmiergeldzahlung haben.
die erhöhung deckt nur die schmiergeldzahlungen ab !!!!!!

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Re: spenden

falsch gesehen!
Die Schmiergeldzahlungen bleiben - nur das Mascherl dazu wird ausgetauscht!

Die Halsabschneider haben Saison!

Schämt euch!

Was macht ihr mit uns?

Bis jetzt konnte man als steuerzahlender Bürger in der schweren Wirtschaftssituation mit unsereren regierenden Politikern ein gewisses Mass an Verständnis aufbringen. Aber diese Erhöhung der Parteienförderung auf Kosten der zum Sparen aufgeforderten Bevölkerung, mit dem Argument: "Wenn ihr eine Demokratie haben wollt, so sollt ihr auch für die Parteienwerbungen bezahlen!", das ist die unverschämteste Frechheit dieser Zeit. Adieu mit euch!

die erhöhung der parteienförderung

ist nur ein vorgriff auf kommende entwicklungen:

der pöbel giert nach direktabstimmungen.
das bedeutet: mindestens 2 oder 3 mal pro jahr ein wahlkampf mit all den 'schönen' plakaten...

das kostet geld. viel geld.

sollen die parteien lieber alte frauen abstieren?

Antworten Gast: rosalia
28.06.2012 13:13
2 0

Re: die erhöhung der parteienförderung


caramba, herr oberst, abgestiert werden längst nicht nur alte frauen (pensionistinnen)!

guten morgen!


Die Argumentation ist etwas eigenartig:

Wir nehmen Euch mehr Geld weg, damit sich die Gefahr, dass ich korrupt werde.
Eine "ehrenwerte Gesellschaft".
Wer wählt denn solche Menschen?

In oe muessen schoen langsam........

alle gauckler und komoedianten arbeitslos sein und hungern - man koente fast lachen, wenn es nicht so trauig waere...............

Gast: Gast 2012
27.06.2012 22:08
19 2

SPÖVP + Grün verkaufen Österreich an die EU

und zum Ausgleich stopfen sie sich noch selbst die Taschen mit Steuergeld voll...

Re: SPÖVP + Grün verkaufen Österreich an die EU

nur damit kein missverständnis entsteht. das gesetz wurde von övp/spö beschlossen. die grünen haben dagegen gestimmt.

"Parteien-Förderungsgesetz 2012 - PartFörG
(…)
Parlamentarisches Verfahren
(…)
27.06.2012 163. Sitzung des Nationalrates:
(…)
Gesetzesvorschlag in zweiter Lesung angenommen

Dafür: S, V, dagegen: F, G, B"

quelle: http://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XXIV/I/I_01845/index.shtml

 
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