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Jarolim: Kontrolle der Staatsanwälte ist "durchgeknallt"

29.06.2012 | 11:24 |   (DiePresse.com)

Der SP-Justizsprecher will nicht, dass das Parlament die Behörde direkt kontrolliert. Alle fünf Parteien hatten diese gefordert. Jarolim verlangt stattdessen einen Bundesstaatsanwalt.

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Der jüngst aufgeflammte Wunsch des Parlaments nach einer direkten Kontrolle der Staatsanwaltschaften ist nicht Konsens im Hohen Haus. SPÖ-Justizsprecher Hannes Jarolim bezeichnete die im Zuge der Causa Kampusch artikulierte Forderung nach einem kontrollierenden Unterausschuss als "komplett durchgeknallt" und "abenteuerlich". Sie sei eine Gefahr für die Gewaltentrennung.

Alle fünf Parlamentsfraktionen hatten am Donnerstag im Rahmen der Ergebnis-Präsentation des Kampusch-Untersuchungsausschusses eine Kontrolle der Staatsanwälte durch das Parlament gefordert. Konkret soll den Vorstellungen zufolge bei bereits geschlossenen Fällen eine nachprüfende Kontrolle in einem Unterausschuss verwirklicht werden.

"Es ist bedauerlich, dass alle fünf Parteien diese unsinnige Forderung erheben", sagte Jarolim am Freitag. Die Idee sei völlig undurchdacht und nicht unbedingt getragen von juristischem bzw. verfassungsjuristischen Sachverstand.

"Hohe Gut" der Gewaltenteilung ist gefährdet

Im Hinblick auf auf Abgeordnete, die bereits selbst vor Gericht gestanden sind, sagt Jarolim: "Ich will in keinem Staat leben, wo der Herr Westenthaler (Peter, BZÖ, Anm.) als letzte Instanz die Staatsanwälte befragt." Das wäre ein Paradebeispiel für direkten politischen Druck auf die Strafverfolgungsbehörden und gefährde das "hohe Gut" der Gewaltenteilung.

Nach Jarolims Ansicht muss aber so schnell wie möglich ein Bundesstaatsanwalt mit Berichtspflicht an das Parlament eingerichtet werden. Justizministerin Beatrix Karl (ÖVP) sei hier gefordert, endlich das politische Weisungsrecht zu reformieren, das im Europavergleich "antiquiert" sei. Jarolim möchte diese Fragen nach dem Sommer in einer parlamentarischen Enquete erörtern.

Ausschuss tagt äußerst selten

Der parlamentarischen Arbeit wolle man nicht vorgreifen, sagte ein Spracher Karls mit Hinweis auf einen Untersuchungsausschuss, der sich bereits dem Thema widmet. Allerdings: Im Ausschuss passiere nichts, entgegnet Jarolim. Und tatsächlich hat der Ausschuss seit seiner konstituierenden Sitzung im November 2011 erst ein weiteres Mal getagt. Bei der Zusammenkunft am 17. April des Jahres wurde "kein neuer Termin vereinbart", steht auf der Website des Parlaments.

Von Seiten der Staatsanwälte selbst kam am Freitag ein striktes Nein zu parlamentarischen Kontrollinstanzen. Die Behörden würden ohnehin umfassend kontrolliert, sagte Standesvertreter Gerhard Jarosch.

FPÖ und BZÖ kritisieren Jarolim

Die Wortwahl Jarolims findet FPÖ-Justizsprecher Peter Fichtenbauer zu extrem. Er ruft dazu auf, die Stellungnahme der Kampusch-Kommission "nicht mit der Apothekerwaage" zu wägen. Die Frage der Kontrolle der Staatsanwälte gehöre "abgesondert" von diesem Anlassfall debattiert.

Eine wilde Attacke gegen Jarolim und die Staatsanwaltschaften ritt BZÖ-Justizsprecher Gerald Grosz. Ersterer wehre sich aus Eigeninteresse "gegen eine Verbesserung des Justizsystems", zweitere seien "zutiefst subjektive Anklagebehörden des Staates und sollen daher auch einer nachträglichen Kontrolle des Staates unterliegen".

(APA)

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50 Kommentare
 
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Gast: TT1
01.07.2012 13:31
2 0

Wie krank ist das denn!!!!

Statt die Justiz ENDLICH aus dem Gängelband von schwarzrotblau wegzukriegen, fordern die schwarzen noch mehr Bürokratie und Kontrolle! Klar: Mensdorff Prozess kommt, KHG ist noch offen. Gerade die ÖVP nähert sich immer mehr an das Niveau eines Putins an. Was für eine verachtenswerte Partei.

Gast: ungeliebter Heike
01.07.2012 11:58
13 0

Das FBI hat schon dazugesenft:

RZESZUT: Das FBI kann unter Umständen beraten. Das haben wir in der Evaluierungskommission auch schon gehabt. Es waren DREI Leute vom FBI da, die uns zwei Tage lang unterrichtet haben. (NEWS, Mai 2012)

Das Ergebnis ist bekannt:
ADAMOVICH: Kampusch-Bericht zeigt Fehler - aber "nicht gravierend"
http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/archiv/84588_Kampusch-Bericht-zeigt-Fehler-aber-nicht-gravierend.html
Adamovich, hat Innenminister Günther Platter am Freitag seinen zweiten Zwischenbericht übergeben. Dieser kommt zum Schluss, dass es Fehler gegeben hat, diese aber keine RECHTLICHEN Konsequenzen haben werden, weil sie - so Adamovich - nicht so "gravierend" waren.

Kampusch wurde eine staatliche ENTSCHÄDIGUNG verweigert, weil es angeblich KEINE schwerwiegenden Ermittlungsfehler gegeben hatte (dpa - 2012).

Eher fließt die Donau bergauf, als dass sich daran noch etwas ändert.
:-)

0 0

"Hohe Gut" der Gewaltenteilung ist gefährdet

Allein die Tatsache, daß Politiker aus den Parteien oberste Instanz der Verwaltung sind ist eine Verhönung für das "Hohe Gut" der Gewaltenteilung.

eh klar!

weil die Ministerin eine Schwarze ist, muss der kontrollierende Bundesstaatsanwalt ein Roter sein!
Am besten einer aus der Justizsektion des BSA...

Man sage nicht, dass die Roten aus der Club45 Geschichte nichts gelernt hätten ...

Gast: Die Wahrheit muß unterdrückt werden
29.06.2012 19:50
8 0

Alle Macht den Genossen!!!!!!!

Das allein ist gerecht und das ist Gerechtigkeit!

Die Gewaltentrennung

zwischen Legislative und Exekutive existiert bei uns nur am Papier.

Jarolim hat wieder einmal Recht

die justiz braucht solche minischerifs nicht. die Abgeordneten haben als zentrale Aufgabe die Gesetzgebung. sie sollten sich lieber einmal dieser Aufgabe ernsthaft zuwenden, und nicht bloß durchwinkend.

6 1

Gewaltentrennung??? Die Justiz ist in Österreich weisungsgebunden!!!


Das wäre schlecht!

Ich wüßte nicht was die Politik in Sachen Judikative verloren hätte. Die Kompetenz von ZahntechnikerInnen (sic!) und angelernten Apparatschicks auf diesem Feld dürfte eher enden wollend sein.
Eher könnte ich mir vorstellen, daß wesentliche Angelegenheiten (in allen Details) zur Durchsicht an die Parteien gereicht werden und diese dann unabhängig von einander eine Revision veranlassen können.
Wenn es Personalmangel gibt: Einfach mehr Personal einstellen, das Geld scheint ja vorhanden zu sein (Seitenhieb ESM/ EFSF usw.).
MMn würde dieser Vorschlag bei Umsetzung in einer Politjustiz enden, in der die Opposition verliert. Schlimm genug daß es polit. beeinflusste Juristen gibt (wäre ja eigentlich Befangenheit, oder?).

Re: Das wäre schlecht!

Aha.. verstehe. Aber über Mensdorf/Grasser/Strasser/Baluff/Faymann etc. aufregen.
Ist wohl der Neid, selber kein solches Netzwerk zu haben. Danke für den Hinweis an/durch rote(n) Stricherln.
Ich muß jetz sehr an den "Herrn Karl" vom Qualtinger denken.. seltsam.

Gast: Emilvandom
29.06.2012 17:12
8 0

und der Bundesstaatsanwalt am besten besetzt aus jenen Genossen, die man damals aufgerufen hat sich in die Justiz zu begeben, gell Herr Jarolim?!

Kontrolle durch das Parlament ist die einzige Möglichkeit, um nicht einer Partei allein die Justizmacht zu geben!!

Jarolim hat im Prinzip Recht.

Aus meiner Sicht ist das Problem einfach die Inkompetenz und der Mangel an Ambition der Justizbeamten. Und dann kommt noch die internationale Verflechtung dazu, die die Betreffenden natürlich im Wissen um die schiere Unmachbarkeit der Verfahren geschickt ausgenutzt haben; welchen Sinn sollten diese abenteuerlichen Konstrukte denn sonst haben? Was da fehlt ist einfach eine vernünftige Vernetzung bei dringendem Tatverdacht und der ist ja - wie man liest - angeblich gegeben.

Gast: Gast794
29.06.2012 16:54
11 0

Das Hauptproblem ist,

dass die StA Wien bei fast jedem Skandal (wiederholte Weitergabe geheimer Dokumente an die Schundmedien, keine Anklagen bei SPÖ-Skandalen (SPÖ Wien-Missbrauchsheime-Skandale, SPÖ-Skylink-Skandal, SPÖ-Prater-Vorplatz-Skandal, SPÖ-Auftragsvergabe-Skandale, SPÖ-Pleischl-Kampusch-Skandal, SPÖ-ÖBB-MAV-Cargo-mögliche Parteienfinanzierung-Skandal, SPÖ-Schmied-Kommunalkredit-Skandal, SPÖ-Darabos-Eurofighter-Rapid-Skandal, Faymann-Ostermayer-SPÖ-Asfinag-ÖBB-Inseraten-Medien-Skandale, SPÖ-Gewerkschaft-Bawag-Skandal, SPÖ-ORF-Skandale, SPÖ-Jarolim-deutsche Druckerei-Skandal, usw)) in Österreich involviert ist und (mit der SPÖ) dafür hauptverantwortlich ist, dass Österreich kein funktionierender Rechtsstaat mehr ist!

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Re: Das Hauptproblem ist,

Das und in zunehmenden Ausmass auch eine politisch orientierte Richterschaft...

Re: Das Hauptproblem ist, ...

... die StA und die OStA Wien...

Gast: Klarstellung:
29.06.2012 16:50
2 7

Das soll doch nur von den schwarz-blauen Korruptionsskandalen ablenken!


Und dafür soll diese arme Frau KAmpusch missbraucht werden.

Undankbares Volk

Da hat man sich über Jahrzehnte mühsam so ein schönes System aufgebaut, und jetzt droht alles zusammenzufallen. Riessige Apparate, die dem Bürger nachschnüffeln, ob er eh richtig geparkt hat, seinen Fernsehr angemeldet hat, das Vogelhäuserl eine Baugenehmigung hat, usw. Zehntausende Jobs für irgendwelche dummen Beamtensenate, Gerichte usw., die die Bevölkerung wegen Bagatellen schikanieren wo es geht und blind für alles andere machen. Und in der Zwischenzeit kann man sich als SPÖVP Haberer gemütlich die Republik unter den Nagel reissen u. keiner merkts. Gell Hr. Jarolim.

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Ihm ist natürlich lieber

dass die SPÖ die Kontrolle ausübt - wie bisher.

10 1

Alle Mühe umsonst?

Jahrelang hat man erfolgreich daran gearbeitet, die Staatsanwaltschaft rot einzufärben - und jetzt soll sie plötzlich der Kontrolle des Parlaments unterstellt werden.
Ja - geht´s noch?

Gast: Nemesis
29.06.2012 15:55
5 0

Klarer ausgedrückt: Niemand kontrolliert unsere Genossen von der Staatsanwaltschaft.

Das Vok versteht, wir verstehen.

Antworten Gast: Br2012
29.06.2012 16:18
1 0

Re: Klarer ausgedrückt: Niemand kontrolliert unsere Genossen von der Staatsanwaltschaft.

Das ist nun einmal die Grundsäule der Gewaltentrennung, dass die Exekutive nicht von der Legislative kontrolliert wird. Anders herum: Wenn der Nationalrat die Staatsanwälte kontrolliert, wer kann dann noch Bestechungen... der Politiker nachgehn???
Und ganz davon abgesehn, Sie meinen doch nicht ernsthaft, dass sich ein Politiker mehr als 2 min ZEit nimmt einen Akt nachzuprüfen?

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Also soweit ich das sehen konnte

wird keinem Delikt nachgegangen.

Weder bei der Telekom Eurofighter diverser Banken Blaulicht etc.
Der Korruption für die eigenen Firmen wollen wir gar nicht sprechen, sonst kommt der Herr Staatsanwalt. ;-)

Das war ein Witz oder?

Außerdem haben wir, wenn nicht Gesetzesbrecher, dann auch Vertragsbrecher, was auch eine Zivilklage nach sich ziehen würde als Regierungsverantwortliche.

jarolim

hat er Angst, dass die Unfähigkeit aufgedeckt wird?

Antworten Gast: Tigerzahn
29.06.2012 16:45
1 0

Re: jarolim

deine unfähigkeit, du lulu?

Warum ist Jarolim so nervös?


Re: Warum ist Jarolim so nervös?

jarolim hat echt angst, der vorschlag duerfte fuer die SPÖ nachteilig sein!

 
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