20.06.2013 02:47 Merkliste 0

Glawischnig: "Pröll war moderner als Spindelegger"

03.07.2012 | 18:15 |  THOMAS PRIOR (Die Presse)

Die Kritik am Euro-Rettungsschirm kann Eva Glawischnig nachvollziehen. Dafür ist sie trotzdem. Mit der SPÖ würde die Grünen-Chefin lieber regieren als mit der ÖVP.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Die Presse: Haben wir neuerdings eine Dreierkoalition in der Regierung?

Eva Glawischnig: Nein, warum?

 

Weil die Grünen ein verlässlicher Regierungspartner sind, wenn es um große Gesetzesvorhaben geht: am Montag die Einigung zum Euro-Rettungsschirm (ESM), vor einer Woche der Beschluss zur Parteientransparenz.

Na ja, das ist ziemlich überschaubar: Im Vorjahr haben wir das Ökostromgesetz erfolgreich verhandelt, heuer das Medientransparenzgesetz, jetzt die gläsernen Parteikassen und den ESM. Das ergibt neben der Aufdeckungsarbeit im Untersuchungsausschuss ein differenziertes Bild für eine Oppositionspartei. Die Ergebnisse sind durchwegs gut.

 

Das sehen nicht alle in Ihrer Partei so. Der Wiener Abgeordnete Martin Margulies hat die Unterstützung des ESM als schweren Fehler bezeichnet.

Das stimmt nicht ganz. Er hat gesagt, man hätte aus den Verhandlungen mehr herausholen können.

 

Das auch: Vermögensteuern nämlich. Aber das ändert nichts an der Kritik.

Es ist immer leicht von der Outlinie zu sagen, was man besser hätte machen können. Ich hüte mich davor, zu bewerten, wie schwer es ist, mit der Wiener SPÖ zu verhandeln.

Hätte man es besser machen können?

Mein Stellvertreter Werner Kogler ist unser bester Verhandler – ein echter Eisenhintern. Und Alexander Van der Bellen kann gehörig auf stur schalten. Wer einmal mit Maria Fekter verhandelt hat, weiß, das ist nicht lustig. Wir haben zuerst circa 20.000 Mal „Nein“ gehört.

 

Halten Sie die Kritik am ESM, die auch von Experten kommt, für unberechtigt?

Nein, man kann den ESM durchaus ambivalent sehen. Nur: Was ist die Alternative? Es kann doch nicht in unserem Interesse sein, dass Spanien und Italien straucheln. Italien ist einer unserer wichtigsten Handelspartner. Zu glauben, das hat keine Auswirkungen auf Österreich– so viel Naivität und Blödheit sind nur bei den Rechten zu Hause.

Wieso ist eigentlich nie eine Volksabstimmung zum ESM zur Debatte gestanden? Basisdemokratie ist doch eines der Grundelemente der Grünen.

Man kann über alles abstimmen. Man kann auch über die Rettung der Hypo Alpe Adria und Kärntens abstimmen lassen. Aber der ESM ist eine Notmaßnahme, er sollte relativ bald seine Arbeit aufnehmen.

 

Eine Volksabstimmung wäre also Zeitverschwendung.

Der ESM ist notwendig, aber nicht ausreichend. Bei den grundlegenden Entscheidungen über die wirtschaftspolitische Ausrichtung der künftigen Union bin ich für eine europaweite Volksabstimmung. Aber vorher brauchen wir einen EU-Konvent, bei dem das diskutiert wird. Und die Regierung hat sich verpflichtet, das einzufordern.

 

In den Verhandlungen mit der Regierung zur Parteikassen-Transparenz hätten Sie verhindern können, dass die Parteienförderung verdoppelt wird. Warum haben Sie das nicht getan?

Das sind beides Dinge, die wir wollten: ein strenges Transparenzpaket und keine Erhöhung der Parteienförderung. Junktimieren kann man nur dann, wenn beide Verhandlungspartner ein Anliegen haben. Ich verstehe Ihre Logik nicht.

 

Ich verstehe die Logik der Grünen schon: Sie profitieren genauso davon.

Das BZÖ ist genau diesem Irrtum aufgesessen. Die haben gesagt: Keine höhere Parteienförderung, sonst verhandeln sie nicht mit. Hätten auch wir diese Position vertreten, gäbe es keine gläsernen Parteikassen und trotzdem eine Erhöhung.

 

Haben Sie sich schon ausgerechnet, wie hoch Ihre Mehreinnahmen aus der Parteienförderung künftig sein werden?

Es wird sich in der Größenordnung von 900.000 Euro im Jahr abspielen.

Das ist eine stattliche Summe.

Wir hätten keinen Cent mehr gewollt. Deshalb sollen die Verantwortung auch jene übernehmen, die das beschlossen und offensichtlich auch notwendig haben.

 

Die nächste Zweidrittel-Materie kommt bestimmt: Nationalratspräsidentin Barbara Prammer will Zwischenrufer im Parlament bestrafen – mit bis zu 1000 Euro. Werden Sie da auch mitstimmen?

Wir haben das im grünen Klub noch nicht ausdiskutiert: Die Frauen sind eher dafür – und die Gegner fast ausschließlich Männer.

 

Sie sind also dafür.

Ja, aber es darf natürlich nicht sein, dass politisch begründete Bezeichnungen wie Rechtsextremist einer Strafe unterzogen werden. Aber Beschimpfungen wie Volksverräter oder Schoßkätzchen schon.

 

Mit Geldstrafen bis zu 1000 Euro?

Das würde das Niveau im Nationalrat deutlich erhöhen. Und das wäre eine Wohltat für die Zuschauer.

 

Dass die Grünen regieren wollen, muss nicht mehr extra erwähnt werden. Aber mit wem würden Sie das lieber tun, wenn es sich ausgeht: SPÖ oder ÖVP?

Wenn es eine Mehrheit mit der SPÖ gibt, werden wir verhandeln. Aber ich schließe das auch mit der ÖVP nicht aus. Dort gibt es jedoch Personen, mit denen eine inhaltliche Zusammenarbeit schwierig ist.

 

Wen denn?

Umweltminister Nikolaus Berlakovich vor allem. Mich haut es jedes Mal aus den Schuhen, wenn er die FPÖ für regierungsfähig erklärt und uns für Chaoten. Da denke ich mir: Junge, wo ist dein Realitätsbezug?

 

Nur Berlakovich ist das Problem?

Ich tue mir generell mit der Ausrichtung der ÖVP unter Michael Spindelegger schwer. Da war ein Josef Pröll deutlich moderner.

 

Wie halten Sie es mit einer Dreierkoalition aus SPÖ, ÖVP und Grünen?

Alles ist offen. Aber vom Bauchgefühl her: eher nicht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.07.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

58 Kommentare
 
12

Erklären Sie es uns!

Ich weiß schon nach welchen Kriterien sie "Modernität" beurteilen! Aber sagen Sie es auch der Öffentlichkeit!
(Es ist gut dass Josef Pröll weg ist, den Schaden hat er leider nicht mitgenommen!)

Gast: africano
04.07.2012 18:27
1 0

Die GRÜNEN ,waren und sind immer nur GRÜN hinter den Ohren !


Re: Die GRÜNEN ,waren und sind immer nur GRÜN hinter den Ohren !

Naja, alles was irgendwie Grün oder Bio ist ist doch suspekt. Wo ist der längst gestorbene Wald, wo das Ozonloch? Wo die Auswirkungen von "Umweltzonen" auf die Luftqualität und das Klima? Und wie oft hat man bereits festgestellt, dass bio nicht wirklich bio ist? Die Grünen sind eigentlich nichts anderes als ehemalige Kommunisten mit grüner Verpackung.

Die grüne Basis

rebelliert schon gegen diese Tussi.
Ich hoffe, dass sie ihr dafür den Sessel vor die Hütte stellen !

"Was ist die Alternative?"

Na, das von Finnland vorgeschlagene Modell der Pfandbriefe, welche durch Vermögen des Schuldnerstaates besichert sind.
Zahlt z.B. Griechenland die Schuld nicht zurück, fällt die griechische Insel an die Gläubiger zur Verwertung.

Durch die Grundsatzentscheidung der Grünen zum ESM

haben diese einen hrer Grundwerte, nämlich jenen der Basisdemokratie über Bord geworfen. Wenn die Grünen also in Zukunft nach mehr Bürgermitbestimmung schreien ist dies leicht als Stimmenfang einzustufen. Sind den Spitzen der Grünen Posten wichtiger als deren Wähler bzw. Prinzipien?

http://www.wienerzeitung.at/wzo/meinungen/gastkommentare/468638_entscheidungen_die_die_welt_veraendern.html

http://regionaut.meinbezirk.at/schoenkirchen-reyersdorf/wirtschaft/goodbye-euro-d201491.html

4 0

die grünen beweisen immer wieder nur eines,

nämlich wie in Berlin bspw, was sie anrichten können ohne dafür Verantwortlich zu übernehmen !

Ebenso ist es beim ESM, da stimmen sie zu und wenn alles scheif geht (woran es keine Zweifel gibt), waren wieder einmal alle anderen schuld, nie nur sie selbst ?!

Die stört ja auch heute nicht mehr das sie dadurch allein Banken und Finanzmärkte "retten" wohl eher grösser werden lassen.

Gast: nicholasblarney
04.07.2012 10:29
8 0

"Modern" allein...

...ist zuwenig, Frau Abgeordnete!

Einen Blankoscheck unterschreiben und dann sagen, dass Kritiker es immer leicht haben .....

.... ja HALLO ABER AUCH!

Die Frau ist genial .... wenn man es nur selber lang genug glaubt und wiederholt!


Gast: LegendIn
04.07.2012 09:13
8 0

Pröll: die Einen nenne es "nach allen Seiten offen", die Anderen sagen dazu "nicht ganz dicht"!


Gast: Volksabstimmung
04.07.2012 09:11
9 0

ESM

Wo bleibt die Volksabstimmung, dass Recht geht vom Volk aus, oder?

typisch frau

"....vom Bauchgefühl her: eher nicht....."in der politik will ich aber nicht irgendwas von einem bauchgefühl hören, sondern klare fakten...da gehts schlisslich nicht um eine billige seifenoper sondern um ein land !

aber das checkt ja diese eva mit ihren gend erverunstalteten kollegINNEN nicht

also wenn die grüninnen bei der nächsten wahl nicht unter 5% kommen dann weiss ich auch nicht !


13 0

Weil die Grünen ein verlässlicher Regierungspartner sind

kann Frau Glawischnig an Jagdausflügen teilnehmen.

5 0

ESM ohne Fiskalpakt bei den Grünen

Eingentlich gehören sie zusammen und müßten laut Merkel beide mit 2/3 Mehrheit beschlossen werden.
Aber auch das wird leider durchgehen, weil alles durchgeht was den Banken dient.

Gast: hansvstein
04.07.2012 07:47
6 0

die Grünen sind nicht dumm sie glauben halt nur ihre eigenen Schmäh´s !!!!


Billigste Anbiederung

Die Dame hätte sich heute allein in meinem bescheidenen Umfeld umhören müssen, dann hätte sie eine Ahnung davon, wie "unten durch" ihre Truppe ist...Und wenn sie die erhöhte Parteienförderung so gar nicht wollen, könnten die Grünen sie ja sinnvoll und demonstrativ spenden oder Demokratiepreise stiften etc. - wer hindert sie daran? Wie verlogen!

5 0

Einmal angenommen, . . . .

. . . . der Nationalrat stimmt dem ESM zu, und der Bundespräsident unterschreibt;

. . . . die Regierungen Finnlands und der Niederlande machen ihre Andeutungen/Ankündigungen wahr, und sie treten dem ESM n i c h t bei;

. . . . der Bundesgerichtshof in Karlsruhe weist den Deutschen den Notausgang, und die schlüpfen durch;

. . . . die Ratingagenturen "graden" Frankreich in der zweiten Jahreshälfte nach Strich und Faden "down";

wäre das dann nicht vielleicht doch eine Situation, von der Frau Glawischnig mit Recht sagen kann: "Das Mitspracherecht Österreichs ist europaweit einzigartig ?"

Man soll ihr nicht unrecht tun. Vielleicht ist sie eine Prophetin.

2 0

Ohnmacht der Kleinen

Sind Frankreich, Italien und Deutschland dabei, ist alles Andere egal.

Re: Einmal angenommen, . . . .


Man kann ihr gar nicht Unrecht tun: Von nichts auch nur den Ansatz einer Ahnung haben, und dieses Manko mit permanentem Sprech-Durchfall kompensieren wollen.

Wie in der Bibel: Zur Bestrafung schickte der Herr eine große Dürre...

Weltfremder gehts nimmer...

Eine wirtschaftsliberale Partei als altmodisch zu bezeichnen. Rechtsextremist als Zwischenruf zu rechtfertigen. diese Frau dreht sich doch jede Gesetzesauslegung so hin, wie es ihr passt!!
Echt eine Schande diese Grünen!!!!

Gast: bildungsferne katze
03.07.2012 22:42
11 0

statt schoszkätzchen ?

Es kann doch nicht in unserem Interesse sein, dass Spanien und Italien straucheln. Italien ist einer unserer wichtigsten Handelspartner. Zu glauben, das hat keine Auswirkungen auf Österreich– so viel Naivität und Blödheit sind nur bei den Rechten zu Hause.

alsdann .. im stil glawischnigs

Es kann doch nicht in unserem Interesse sein, das wir kein Geld mehr für die Altenpflege haben. Die Leute haben Schmerzen ohne fachgerechte Pflege.
Zu glauben, dass das Geld für mehr als drei Monate reichen wird, um die Zinsen künstlich unten zu halten, so viel Naivität und Blödheit sind nur bei den Grünen zu Hause.


Bei den grundlegenden Entscheidungen über die wirtschaftspolitische Ausrichtung der künftigen Union bin ich für eine europaweite Volksabstimmung. Aber vorher brauchen wir einen EU-Konvent, bei dem das diskutiert wird. Und die Regierung hat sich verpflichtet, das einzufordern.

Gibt nicht viele, die derart naiv sind. Und warum es *notwenig* sein soll, österreichisches Bildungsbudget zu kürzen um damit Firmen durchzufüttern, die den Beweis, dass sie mit Geld nicht umgehen können, bereits erbracht haben, bleibt auch ein Geheimnis.

Aber wenigstens wissen wir jetzt, dass der ESM nicht ausreichend sein wird.

Gast: Der freie Luchs
03.07.2012 22:09
4 0

Es wird sich in der Größenordnung von 900.000 Euro im Jahr abspielen.

Mit dieser Summe und der Hälfte eurer Gehälter könnte man sicher der Caritas sehr helfen.

Abgeordnete des Nationalrats

springt bitte wenigstens einmal über euren Schatten des Fraktionszwanges und handelt im Sinne der Bevölkerung der ihr verpflichtet seid. Lehnt diesen ESM- Vertrag ab und gebt ihn zur Volksabstimmung frei. Nützt dann die Zeit bis dahin, alles genauest zu durchleuchten, abzuwiegen und alle Für (leider keine) und Wider zu bedenken. Das Volk hat hier ein mehr an Hausverstand als man ihm zutraut.

Gast: Der Pirat
03.07.2012 21:19
12 1

Mit ihrer morgigen Zustimmung zum EMS sorgt die Tante und ihre Partei dafür, dass sich Griechenland weiter seine vielen Staatsbediensteten (etliche von ihnen verlegen bei Badewetter ihren Arbeitsdienst auch schon mal - ganz MA 2412 - an den Strand) leisten kann.


Sie hilft auch dem neuen, sozialdemokratischen Präsident Frankreichs, der so seine Wahlzuckerln (u. a. HERABSETZUNG DES PENSIONSALTERS!) einlösen kann. Weil durch den vergrößerten Rettungsschirm nun wieder genügend Geld im Umlauf ist.

Ganz solidarisch, wie es die Grünen gerne haben, schnallen wir jetzt in Österreich die Gürtel enger, damit unsere Freunde im Süden weiter ihr gemütliches Leben haben.

 
12