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Saualm: Das Asylwerberheim wirkt präventiv

07.07.2012 | 17:44 |   (Die Presse)

Schlechte Kost, keine adäquate psychologische Betreuung. Im Asylwerberheim auf der Saualm sind 28 Männer untergebracht. Betreiberin und der Flüchtlingsbeauftragte des Landes Kärnten sehen keinen Handlungsbedarf.

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Gespenstisch türmen sich die Wolken über der Pack auf. Die Bäume biegen sich unter den Sturmböen, die ein Sommergewitter ankündigen. Während es in Klagenfurt noch gut 30 Grad hat, sind es auf 1200 Meter Seehöhe nur mehr knapp 20. Doch die Aussicht von der Lichtung auf der Saualm ist sensationell. Den 28 Männern, die sich hier in der „Sonderanstalt für mutmaßlich straffällig gewordene Asylwerber" aufhalten müssen, wird der Ausblick ins Kärntner Lavanttal wohl ziemlich egal sein.
Fragen kann man die Männer danach nicht. Das Asylwerberheim ist in Privatbesitz und auf dem Grundstück herrscht für Unbefugte Zutrittsverbot. Bewacht wird es von zwei Security-Mitarbeitern, zum Haus lassen sie einen nicht vor. Diese beiden Herren kennt auch Pfarrer Johann Wornik, sie haben auch ihm in der vergangenen Woche den Zutritt verweigert. Vor einigen Wochen schon haben ihn Damen aus dem Ort, die in der Küche des Heims ausgeholfen haben, auf die Zustände aufmerksam gemacht. Das Essen sei schlecht, teilweise verdorben und viel zu wenig für die 28 Männer. „Das Essen ist inzwischen besser geworden", erzählt Wornik im Gespräch mit der „Presse am Sonntag". „Das wirkliche Problem ist die psychologische Betreuung. Die Männer sind sich dort oben selbst überlassen."

Das Asylwerberheim zu finden, ist schwierig. Wegweiser gibt es keine, man muss wissen, wo man hinfährt. Oder nach dem Weg fragen. Möglichkeiten dazu gibt es nicht viele, denn viele Bewohner gibt es hier oben nicht. Kilometerlang schlängelt sich die Straße an Wiesen vorbei, durch den Wald hinauf auf 1200 Meter Seehöhe. Rund um das ehemalige Kinderheim gibt es außer Natur und Gegend nicht viel. Es ist wie ein Gefängnis ohne Mauern.
Für Gernot Steiner, den Flüchtlingsbeauftragten des Landes Kärnten, ist auf der Saualm alles bestens: „Bei behördlichen Überprüfungen konnten, was Gebäude und die Verköstigung angeht, keinerlei Mängel festgestellt werden." Diesen Eindruck kann Pfarrer Wornik nicht teilen. Zu schwer wiegen die Vorwürfe, die in den letzten Wochen laut wurden. Betrieben wird das Heim von Herta Lechner, einer 78-jährigen Immobilienmaklerin, die in Villach noch ein zweites Asylheim führt. Ihr gehören Grundstück und Gebäude auf der Saualm. Geplant war, in der alpinen Abgeschiedenheit straffällige Asylwerber unterzubringen. Straffällig ist der Großteil nicht, eher schwer traumatisiert. „Sie haben keine professionelle Betreuung. Die einzigen ständigen Ansprechpartner sind die Security-Mitarbeiter", erzählt Wornik.

Unterschriften für Schließung. Um die Situation zu verbessern, versuchte Wornik, mit der Betreiberin zu sprechen. Bislang erfolglos. Dann startete er gemeinsam mit Mitgliedern seiner Pfarrgemeinde eine Unterschriftenaktion zur Schließung des Heims. Zuletzt gab es ein Treffen mit Steiner und Kärntens Landeshauptmann Gerhard Dörfler. „Eine Schließung ist keine Option", sagt Dörfler im Gespräch mit der „Presse am Sonntag". Er werde versuchen, zwischen Wornik und Lechner zu vermitteln. Termin sei noch keiner fixiert.
Herta Lechner betreibt das Heim seit 2008. Es war eine der letzten politischen Ideen des ehemaligen Landeshauptmanns Jörg Haider. Sie weist alle Vorwürfe zurück, hat über ihr Grundstück ein Zutrittsverbot verhängt und droht mit Klagen, wenn man sich negativ über sie äußert. Auf die Frage, wieso eine Immobilienmaklerin ein Asylwohnheim betreibe, antwortet Dörfler: „Das kann grundsätzlich jeder. Natürlich muss der Betreiber sich an gesetzliche Vorgaben und vertragliche Vereinbarungen halten. Deswegen gibt es Kontrollen und Überprüfungen."

Diese vertraglichen Vereinbarungen sieht Pfarrer Wornik nicht erfüllt. Zweimal pro Woche sollten die Asylwerber aufgrund des „besonderen Betreuungsbedarfs" die Möglichkeit zur Aussprache haben. Doch nichts würde geschehen. „Die sitzen den ganzen Tag auf der Alm und können nichts anderes tun als essen, schlafen und fernsehen." Betreuung im psycho-sozialen Bereich zusätzlich zum Angebot des Landes ist von der Betreiberin zur Verfügung zu stellen, bestätigt auch Steiner. Doch er fügt hinzu: „Das wird von den Asylwerbern nicht angenommen." Man könne von Frau Lechner nicht verlangen, ständig eine solch kostspielige Betreuung ohne Nachfrage zur Verfügung zu stellen. Zweimal die Woche schicke das Land Betreuerinnen, auch ein Deutschkurs werde „mit großem Zuspruch" abgehalten.

Der „besondere Betreuungsbedarf" ist auch in anderer Hinsicht relevant. Er bedeutet, dass die Betreiberin nicht 17 Euro pro Asylwerber und Tag bekommt, sondern 40 Euro. Das Land Kärnten kostet die „Sonderanstalt" jährlich 600.000 Euro. Laut Landesrechnungshof beliefen sich allein die Sicherheitskosten von 2008 bis Ende 2011 auf 411.000 Euro.

„Weniger Diebstähle". Steiner beruft sich immer wieder auf den gesetzlichen Rahmen und die durchgeführten Kontrollen. Auf die Frage, ob Frau Lechner geeignet sei, ein Asylwerberheim zu führen, meint der Landes-Flüchtlingsbeauftragte: „Das muss sie selbst entscheiden. Ich kann das nicht beurteilen." Auch er ist der Meinung, dass eine Schließung des Heims nicht zielführend wäre. Fast zynisch klingt es, wenn er sagt: „Das Asylwerberheim auf der Saualm wirkt präventiv. Die Diebstahlsdelikte unter Asylwerbern sind auch deswegen zurückgegangen."

 

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54 Kommentare
 
12
Gast: Pensador
11.07.2012 19:24
3 0

Es gibt so viele Staaten in Europa, die Asyl gewähren

Ja, da bricht einem ja das Herz, wie schlecht es diesen Määähhnschen geht!
Ein Vorschlag zur Besserung:
Sucht doch lieber um Asyl im EU-Staat Griechenland an oder in Ungarn, in der Slowakei, in Bulgarien usw.
Dort ist noch Platz für viele, viele Asylanten.
Nur eigenartig, dass es dort so wenige gibt.

Gespenstisch (?) türmen sich die Wolken...

wo ist denn der artikelverfasser angrennt?

man beachte vA die "Kurze Beschreibung" mit dem, was Dörfler von sich gibt und die "Zuschlagskriterien" bzw. deren Gewichtung bei der Ausschreibung. Und warum ist bei der Saualpenstraße nicht die Lechner angeführt?

"II.5) Kurze Beschreibung: Das Land Kärnten sucht für die Unterbringung
der Zielgruppe gem. Grundversorgungsvereinbarung a)
Beherbergungsbetriebe, b) Wohlfahrtsorganisationen, die bereit sind,
solche Personen nach Zuweisung durch das Land Kärnten entgeltlich zu
beherbergen, zu verpflegen und ihnen eine soziale Betreuung zukommen zu
lassen; sowie c) geeignete Wohnprojekte (ehemalige Beherbergungsbetriebe,
Wohnhäuser, etc.) in welchen je nach Größe des Objektes mehrere
Personen/Familien unter Anleitung und Verantwortung eines Betreuers
wohnen und sich selbst versorgen können.
ABSCHNITT IV: VERFAHREN
IV.1) Verfahrensart: Verhandlungsverfahren ohne vorherige Vergabebekanntmachung.
IV.2) Zuschlagskriterien: Das wirtschaftlich günstigste Angebot
bezüglich:
Ausstattung des Quartiers (40 %),
Betreuungsmöglichkeit (30 %),
Qualität des Essens (15 %),
Preis (15 %).
(…)
V.1) Zuschlag und Auftragswert
V.1.1) Name und Anschrift des Lieferanten, des Bauunternehmers bzw.
Dienstleisters, an den der Auftrag vergeben wurde: Julius Scharf, Att:
Julius Scharf, Saualpenstraße 18, A-9372 Eberstein.
(…)
V.1) Zuschlag und Auftragswert
V.1.1) Name und Anschrift des Lieferanten, des Bauunternehmers bzw.
Dienstleisters, an den der Auftrag vergeben wurde: Herta Lechner, Att:
Herta Lechner, Hauptstraße 42, A-9585 Gödersdorf."

quelle (uA): http://www.market.gov.rw/tenders/np-notice.do~751881#

Wie viele ÖSTERREICHER haben keine adäquate Ernährung und keine adäquate psychologische Betreuung?

Wie sieht es denn für Österreicher aus mit Psychotherapie auf Krankenschein?

Sorry, aber der Pfarrer soll für beides sorgen, dafür hat er doch Schäfchen!!

Vollkasko? Wie sieht es in den EIGENTLICH ZUSTAENDIGEN Schengenländern aus?

Haben diese Asylanten gesagt woher sie kommen und wie sie nach Österreich gereist sind?

Wenn ja, warum sind sie och in Österreich, wenn nein, bitte alle Beschwerden direkt an unsere Asylindustrie senden!

Gast: horst mayer
08.07.2012 18:33
1 17

kein humanistisch denkender mensch würde in dem land urlaub machen

diese politiker sind eine schande für jede zivilgesellschaft

Re: kein humanistisch denkender mensch würde in dem land urlaub machen

welchen kleinen teil der gesellschaft streichen sie hier heraus?

Gast: b754
08.07.2012 18:32
4 19

kärnten hat wunderbare seen ist aber eine schande für österreich


Antworten Gast: awdawdawdawdawdawdaw
08.07.2012 19:45
19 1

Re: kärnten hat wunderbare seen ist aber eine schande für österreich

Na und? Sie sind auch eine Schande für Österreich, haben aber nicht einmal schöne Seen!

Re: Re: kärnten hat wunderbare seen ist aber eine schande für österreich

lol

Österreich ist mit diesem Problem nicht allein

Auch in der liberalen Schweiz gibt es solche und ähnliche Probleme. Ich glaube, die Schwierigkeiten werden sich noch häufen. Der Bund in der Schweiz sucht händeringend Plätze für Asylanten, doch die Gemeinden wehren sich mit Händen und Füßen. Und die Polizei hat auch dort schlechte Karten. Das Thema Asyl wird uns und nicht nur uns noch viele Jahre beschäftigen. Wahre Flüchtlinge müssen wir aufnehmen, aber wir müssen aufpassen, dass..... sagt ein schweizer Polizist.http://www.blick.ch/news/schweiz/15000-polizisten-zu-wenig-in-der-schweiz-id1954738.html

18 1

essen, schlafen und fernsehen

... auf eigene kosten bei sich aufnehmen und das problem ist gelöst. die gutmenschen und klerikalen fordern halt nur solange es nicht die
eigene kasse betrifft.

Wie gut ist den die Kost in den - präventiv umfahrenen - ungarischen, slowakischen und rumänischen Asylheimen?


Wie definiert man schlechte Kost?

Gibt es dazu auch eine eNN-Gih-Oh Fachabteilung?

Verdorben. Steht aber im Artikel.

Zitat:
"Vor einigen Wochen schon haben ihn Damen aus dem Ort, die in der Küche des Heims ausgeholfen haben, auf die Zustände aufmerksam gemacht. Das Essen sei schlecht, teilweise verdorben und viel zu wenig für die 28 Männer"

Re: Wie definiert man schlechte Kost?

Das Essen der Österreicher mit Mindestpension.

2 1

Schlechte Kost, keine adäquate psychologische Betreuung.

sollen denn solche wie heutige Gefängnisse bereits sind, einladender sein als sich selbst versorgen zu müssen ???

Antworten Gast: esturm
08.07.2012 16:34
3 8

Re: Schlechte Kost

Die Anstalt ist eben kein Gefängnis, sondern ein Asylantenheim! Den Medienberichten zufolge können die Bewohner dort von einer Verpflegung wie in einem österreichischen Gefängnis aber nur träumen.

Da die psychologische Betreuung eine wesentliche Rechfertigung für das Heim war - schließlich haben viele Bewohner keinerlei Straftat begangen - bleibt der Einrichtung ohne diese Betreuung kaum eine Begründung mehr.

Die meisten hier verstehen einfach nichts

Man kann doch nicht die neu eingewanderten Software-Ingenieure aus Afrika und Arabien auf der Saualm unterbringen.
Nennt das Ding doch Kuhalm, vielleicht liegt es an der Sau.

19 4

Straffällig gewordene Asylwerber erhalten "schlechte" Kost

und haben keine adäquate psychologische Betreuung.
- Ich kämpfe mit den Tränen des Mitleids!

Antworten Gast: esturm
08.07.2012 16:18
2 6

Re: Straffällig gewordene Asylwerber erhalten "schlechte" Kost

Laut Journal Panorama vom 3. Juli ist nur ein Teil der Bewohner des Heims straffällig geworden. So war es laut Medienberichten auch immer. Viele Menschen wohl nur dort, um die Plätze zu füllen und der Anstalt eine Rechtfertigung zu geben.

Dabei kennt die österreichische Rechtsordnung keine Zusatzstrafen wie Verschickung in abgelegene Gebiete und verordneten Hunger. Auch dann nicht, wenn sie von Kärntner Verwaltungsbeamten verhängt werden.

Besonders abwegig ist es aber, dass diese Sonderstrafen und "Präventivmaßnahmen" von Politikern verteidigt werden, die als Amtsträger Verfassungsgerichtshof-Urteile ignoriert haben und denen Korruptionsanbahnung als Kaffeeklatsch erscheint - und selbstverständlich für ihresgleichen jede Konsequenz ablehnen, bevor ein Schuldspruch nicht auch in allerletzter Instanz bestätigt ist!

Gast: Be-obachter
08.07.2012 14:18
18 4

Nicht kriminell - nur traumatisiert?

So traumatisiert, dass sie einheimische Diskobesucher zu Pflegefällen prügeln müssen?
Dafür ist die Saualm ja viiiel zu schön!

Gast: IO
08.07.2012 14:08
20 5

Solange es ein Kindererholungsheim der roten AVS (Arbeitsvereinigung der Sozialhilfeverbände Kärntens) war, hat es niemanden gekümmert, jetzt wo Asylwerber oben untergebracht sind, wird plötzlich Skandal geschrien.

So schauts aus.

2 12

Re: Solange es ein Kindererholungsheim der roten AVS (Arbeitsvereinigung der Sozialhilfeverbände Kärntens) war, hat es niemanden gekümmert, jetzt wo Asylwerber oben untergebracht sind, wird plötzlich Skandal geschrien.

Ihr Post zeigt sehr gut, auf welchem verbl*detem Niveau hier argumentiert wird.
Es geht in dem Artikel nicht um das Gebäude, sondern um die dort angebotenen Mahlzeiten und die psychologische Betreuung. Ich glaube kaum, dass für Kinder auch psychologische Betreuung nötig war. Es ist auch davon auszugehen, dass zur Zeit, als es noch ein Kindererholungszentrum war, noch eine größere Menge in das angebotene Essen investiert wurde.

Gast: Wolfsbergerin
08.07.2012 12:39
6 13

Wie nahe steht diese Frau zu den BLAUEN?

In Kärnten erhalten all jene öffentliche Aufträge wenn sie sehr nahe zu den BLAUEN stehen!

Antworten Gast: Austrianer
08.07.2012 18:00
9 1

Re: Wie nahe steht diese Frau zu den BLAUEN?

Wie nahe steht Frau Bock zu den Rotgrünlingen?
In Wien erhalten all jene öffentliche Aufträge wenn sie sehr nahe zu den Rotgrünlingen stehen!

Wie immer hat die Medaille zwei Seiten.

Gast: Blaubart
08.07.2012 11:44
4 5

Wie hat die Frau Lechner denn den Auftrag bekommen? Wurde ein Vergabeverfahren durchgeführt? Welche Eignung wurde gefordert?

Hoffentlich haben die lieben Kärntner Behörden das alles gesetzmässig abgewickelt. Sonst könnten sie nämlich ein Problem haben... Wäre schön, wenn sich das jemand näher ansieht.

 
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