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Deutsche gegen ESM: Allein statt rechts vereint

07.07.2012 | 18:30 |  von Karl Gaulhofer (Die Presse)

Der Rettungsschirm-Protest ist in Deutschland breit gestreut: Einzelkämpfer in Union und FDP, konservative Professoren und Postkommunisten. Doch eine rechte Anti-Europa-Partei bleibt ein Tabu.

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Am letzten Freitag im Juni kam Karlsruhe nicht zur Ruhe. Beim deutschen Verfassungsgericht herrschte zu nachtschlafener Stunde hektische Betriebsamkeit. Ein Bote des CSU-Urgesteins Peter Gauweiler traf ein. Den Geschäftsführer aufmarschieren ließ der Verein „Mehr Demokratie“ – er vereint die frühere SPD-Justizministerin Herta Däubler-Gmelin, den Bund der Steuerzahler, die Freien Wähler und 12.000 Bürger. Die Linkspartei weckte das Faxgerät aus dem Dornröschenschlaf. Und einige Professoren wurden persönlich vorstellig, pünktlich um fünf vor zwölf. Eine seltsame Allianz mit einem gemeinsamen Ziel: den ESM verhindern.

Bundestag und Bundesrat hatten gerade den permanenten Rettungsschirm abgesegnet, mit den Stimmen von SPD und Grünen. Nun war es höchste Zeit für die Eilanträge, damit Präsident Gauck das Gesetz nicht gleich unterschreibt. Auch in der Regierungskoalition hatte es 26 „Abweichler“ gegeben. Es sind Einzelkämpfer, die sich auf ihr Gewissen berufen. Ihre Kollegen in Union und FDP respektieren die Sturköpfe mittlerweile. Das war nicht immer so: Kanzleramtschef Pofalla rief Wolfgang Bosbach im Herbst zu, er könne seine „Fresse nicht mehr sehen“.

Geschlossen gegen den Stabilitätsmechanismus stimmte die Linkspartei. Dabei sind die Postkommunisten sonst vorn dabei, wenn es darum geht, Schulden zu vergemeinschaften, etwa durch Eurobonds. Was ihnen beim ESM inhaltlich missfällt, sind die Sparprogramme. Dass sie als Gegenleistung für Hilfen gefordert werden, dass Delegationen ihre Umsetzung kontrollieren sollen: Das erinnert sie fatal an den Erzfeind IWF. Ihre Klage aber ähnelt jener der konservativen Honoratioren: Deutschland gebe den Kern seiner Staatsgewalt auf, das Parlament habe nichts mehr zu vermelden – und das alles geschehe an den Bürgern vorbei.

Dem Klägerverein beigetreten sind auch die Berliner Piraten. Bislang hatte ihr Lager zu Eurofragen nur ein cooles Achselzucken parat. Die Grünen geben sich staatstragender als in Österreich. Sie stimmten auch für den Fiskalpakt, weil für einen großen Teil ihrer Klientel sparsames Wirtschaften zum Nachhaltigkeits-Credo gehört. Anders als in Österreich gibt es freilich keine rechte Partei, die den Unmut des Volkes gegen die Eurorettung bündelt. Die Einzigen, die das versuchen, sind die „Freien Wähler“. Außerhalb Bayerns haben sie aber noch nirgends einen Fuß in die Tür bekommen.

Liberaler Zwiespalt. Das kommt nicht von ungefähr. Gegen die Eurorettung, gegen den Euro, gegen die EU – mit allen drei Parolen fischt man im selben Teich, sieht man von fein differenzierenden Intellektuellen ab, mit denen sich keine Fünf-Prozent-Hürde überspringen lässt. Eine antieuropäische Bewegung aber ist weiterhin ein Tabu. Es ist Selbstverständnis der Deutschen, dass sie aus ihrer Vergangenheit gelernt haben und nun gute Europäer sind. Ein Zwiespalt für die Liberalen: Für die FDP müsste die Eurorettung, bei der laufend der Markt ausgeschaltet wird, ein rotes Tuch sein. Aber ihre Tradition als proeuropäische Partei wirkt als verlässliche Beißhemmung nach.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.07.2012)

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12 Kommentare

Wer gegen einen europäischen Bundesstaat ist, muß nicht Antieuropäer sein!

Jene, die wegen der zunehmend autoritär regierenden Ratsmitglieder besorgt sind und das Demokratiedefizit der EU beklagen zu verunglimpfen, ist mehr als unfair. Die Mehrheit der Eurpäer, mit Sicherheit die Mehrheit der Deutschen und Österreicher will derzeit keinen europäischen Bundesstaat! Die Zeit ist einfach noch nicht reif dafür. Schäuble hat unrecht, nur gegen den Willen der Völker ist ein Bundesstaat umsetzbar d.h. das Ganze ist ein ELITENSTAATSSTREICH VON OBEN!

Gast: GEfe
09.07.2012 09:24
2 0

Europäer?

"Es ist Selbstverständnis der Deutschen, dass sie aus ihrer Vergangenheit gelernt haben und nun gute Europäer sind." So ein Kack!!!
Zu Zahlmeistern über Generationen verdammt.
Was sind gute Europäer?? Gutmenschen, Multikultis, 68er Sklaven??
Da bin ich lieber ein böser unabhängiger, freier deutscher Österreicher.

Gast: Angela M.
08.07.2012 13:52
2 4

Doch eine rechte Anti-Europa-Partei bleibt ein Tabu.

Eine rechte Partei brauchen wir in Deutschland wirklich nicht, wir haben ja unseren Verfassungsschutz.

Gast: Gerd Deutinger
08.07.2012 13:16
7 1

ESM = Ermächtigungsgesetz Der Vertrag zur Einrichtung des Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) stellt ein Ermächtigungsgesetz zur faktischen Abschaffung weitreichender und grundlegender demokratischer Befugnisse der Euro-Länder dar. Der Euro wird damit endgültig ein Macht-, Herrschafts-, Umverteilungs- und Enteignungsinstrument.



Der Entwurf für den Vertrag zur Einrichtung des Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM), winkte kürzlich das deut.Kabinett durch.
Der Vertrag stellt ein Ermächtigungsgesetz zur faktischen Abschaffung weitreichender und grundlegender demokratischer Befugnisse der Euro-Länder dar, diesmal ein wenig subtiler eingefädelt und formuliert, als es im Falle des europäischen Verfassungsentwurfes des früheren französischen Präsidenten Giscard d’Estaing oder beim Vertrag von Lissabon der Fall war. Die Einrichtung (Politiker bevorzugen den Begriff „Fazilität“) soll auch als Bank agieren dürfen und mit hinterlegten Titeln dann auch von der EZB Geld leihen können. In Wahrheit ist das natürlich nichts anderes als die Umgehung des Staatsfinanzierungsverbots aus der Notenpresse. Augenscheinlich wurde dies nur noch nicht erkannt.

Der Euro wird endgültig ein Macht-, Herrschafts-, Umverteilungs- und Enteignungsinstrument.

Verstärkte Inflation, Verarmung der hiesigen
Bevölkerung, da Umverteilung nach Süden,
sind die verheerende Folge ....

http://www.esm-vertrag.com/up/datei/esm_vertrag_mega_bank___super_gau___kurzanalyse_vom_bund_der_steuerzahler.

http://deutsch.taxpayers-europe.com/infos/aktuell/39/162-esm-stoppen-die-eu-buerger-zahlendie-zeche.html


8 1

Der Unterschied:

In Deutschland gibt es seit mehr als einem halben Jahr eine öffentliche Diskussion um den ESM und selbst hier meint Gauk, dass die Bevölkerung zu wenig Aufgeklärt wird.

Bei uns: glauben ein paar Hobbyentscheider alleinig über dieses wichtige Thema hinwegentscheiden zu müssen.
Da weder Rot, Schwarz noch grün keine Anstalten machten um auch nur eine einzige Frage aufkommen zu lassen ist es durchaus verständlich, dass sie die Blauen dieses Themas annehmen. (das ist auch gut so)

Meine Frage nun an Herrn Gaulhofer:
Wäre es Ihnen lieber, wenn wir alle stumm und dämlich alles hinnehmen was und die paar Politiker verkaufen wollen?

Gast: Mr.
08.07.2012 11:38
10 1

Ein sehr seltsamer Beitrag.

Viele Deutsche sind gegen die EU und auch gegen die Eurohilfspakete und nicht wenige stehen auf der Rechten seite der Politik.
Das einzige was sie in Deutschland davon abhält ihren Unmut öffentlich auszutragen ist dass sie sofort fertig gemacht werden würden und dass den Menschen sofort wieder ein schlechtes Gewissen wegen ihrer Geschichte eingeredet wird.
Wobei andere Länder haben in ihrer Geschichte auch viel Misst gebaut und die Menschen sind und dürfen trotzdem Patriotisch und sogar gegen die EU sein.

Gegen die EU zu sein und patriotisch zu sein ist nicht der erste Weg in die nächste Diktatur.

Auch Österreicher kämpfen gegen den ESM

Setzen wir ein gemeinsames Zeichen:

http://www.avaaz.org/de/petition/Vorabprufung_von_ESM_und_Fiskalpakt_durch_osterr_Verfassungsgerichtshof/?cGfQldb

Petition lesen, bei Gefallen unterschreiben und an Freunde und Bekannte weiterleiten.

Diese permanente Falschberichterstattung!

Es geht hier gegen einen Vertrag, der die Steuerzahler (egal ob Deutscher oder Ö) für die Schulden von Bankern aufkommen muss...

Zudem sind Bestandteile des Vertrags sitten- und verfassungswidrig!

In D gibt es noch ein Bürgertum, dass sich gott-sei-Dank zur Wehr setzt!

In Ö, ist durch das Parteibuch- und Proporzsystem und dem Klubzwang jegliche andere Meinung unmöglich!

Antworten Gast: gunterz
08.07.2012 09:37
1 1

Re: Diese permanente Falschberichterstattung!

Wer List und nimmt diese ösi schmirblläter ernst oder wer schaut noch rotfunk ?

Re: Re: Diese permanente Falschberichterstattung!

zu viele!!

5 4

Mitte statt rechts und links

Österreich hat es da viel besser. Da gibt es eine Partei in der politischen Mitte, die für den EU-Austritt ist.
"Die Presse"-Leser haben davon vermutlich noch nichts gelesen, da "Die Presse" darüber nicht berichtet.
Zum Glück gibt es das Internet
=> http://www.euaustrittspartei.at/

Gast: 1. Parteiloser
07.07.2012 19:21
13 1

Es ist mehr als GENUG!

Es wird höchste Zeit, dass die Entscheidungsträger endlich eine Verantwortung nach den Menschenrechten anerkennen und auch umsetzen.

Das betrifft einmal die Entscheidungsträger selber, welche sich ja um die Verantwortung für die Bürger Europas beworben haben, diese aber kaum mehr erkennen können.

Es betrifft aber noch viel mehr die Menschenrechte. Es sind Menschenrechte, welche auch Pflichten beinhalten. Es geht um Eigenverantwortung der einzelnen Regierungen der Eurostaaten aber auch den Eigenverantwortungen des Individuums.

Es gilt endlich diese Pflichten genauso einzufordern und nicht nur exzessiv umzuverteilen. Der ESM ist ja nur einer kleiner Teil des Umverteilungswahnsinns kann aber durchaus als brauchbares Symbol für das Regierungsversagen auf allen Ebenen, in allen Staaten und der EU selbst betrachtet werden.

Politiker, welche das nicht können, also die grundlegenden Menschenrechte wie Freiheit, Gleichberechtigung und Eigenverantwortungen nicht umsetzen können, diese sollten die Verantwortung freiwillig an andere Menschen übertragen.

Verfassungsbrecher, Menschenrechtsbrecher, korrupte Inseratenkanzler, amtsmissbrauchende Außenminister, korrupte LH Stellvertreter, u.v.m. sind einfach nur wegzusperren.