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Stickler: „Telekom und Novomatic planten Staatsstreich“

11.07.2012 | 20:52 |   (Die Presse)

Lotterien-Chef Friedrich Stickler hat bei ÖVP und BZÖ interveniert, um 2006 eine Lockerung des Monopols zu verhindern. Zuvor hatte Stickler einen Einblick in die Entscheidungsstrukturen bei den Casinos gegeben.

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Wien/Eid/M.S. Er war 40 Jahre Boss der Casinos Austria. Über den Schreibtisch von Leo Wallner gingen alle Projekte, die den Glücksspielkonzern betrafen. Wallners Unterschrift steht auch auf der Rechnung, mit der die Casinos 2006 der BZÖ-Werbeagentur Orange 300.000 Euro für eine nur neun Seiten dünne Studie zum Thema „Verantwortungsvolles Glücksspiel“ überwiesen.

War das verdeckte Parteienfinanzierung? Oder sollte das damals in der Regierung sitzende BZÖ davon abgebracht werden, einer Liberalisierung des Glücksspielmonopols zuzustimmen? Die Hoffnung der Abgeordneten im U-Ausschuss, dass Wallner über den Versuch zur Änderung des Glücksspielgesetzes auspacken werde, verpuffte rasch. Aus Gründen seiner Gesundheit wurde die Befragung des 75-Jährigen abgebrochen. Zuvor hatte aber Lotterien-Vorstand Friedrich Stickler einen Einblick in die Abläufe bei den Casinos gegeben, wenn es heikel war. Und die Causa war heikel: Für eine Online-Spielplattform brauchten Novomatic und Telekom eine zweite Konzession für elektronische Lotterien und damit eine Gesetzesnovelle. Diese sollte – an den Casinos und deren Tochter Lotterien vorbei – ohne Begutachtung durchgedrückt werden. Das Lobbying machten Walter Meischberger und Peter Hochegger. Das Gesetz kam aber nicht zustande.

Warum? „Ich habe das am Abend des 11. Juli 2006, zwei Tage vor der Nationalratssitzung, erfahren, eine Reise abgebrochen und zu telefonieren begonnen“, sagte Stickler zur Novelle: „Telekom und Novomatic planten einen Staatsstreich.“ Er und Wallner hätten dann ÖVP-Abgeordnete und den damaligen BZÖ-Chef Peter Westenthaler angerufen. Nach einem Wirbel in der ÖVP sei der Antrag zurückgezogen worden. Dass die Casinos 2008 eine Wahlkampfveranstaltung des einstigen ÖVP-Klubchefs Wilhelm Molterer sponserten – als Dank, wie Stefan Petzner (BZÖ) meinte –, davon will Stickler gewusst haben. Er sah auch keinen Konnex zwischen dem gescheiterten Gesetz und der Orange-Studie.

Novomatic-Chef Franz Wohlfahrt bestätigte die Zahlung von 600.000 Euro an die Valora Solutions von Hochegger und Meischberger. Das hielt der Grüne Peter Pilz am Dienstag Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser vor. Grasser, der Gesellschafter der Valora war, erklärte, davon nichts gewusst zu haben. Das Geld sei für „Marketingstrategien“ geflossen, sagte Wohlfahrt. „Nur Meischberger hat daran gearbeitet.“

Streit um Akten vor der Sommerpause

 Am Mittwoch war die letzte Sitzung des U-Ausschusses vor der Sommerpause – und sie endete im Streit: SPÖ, ÖVP und das BZÖ beantragten, dass weitere Aktenlieferungen der Justiz zu bereits behandelten Gegenständen (darunter Telekom und Buwog) gestoppt werden. FPÖ und Grüne halten einen Stopp für unmöglich, weil das einem früheren, einstimmigen „Beweisbeschluss“ widerspreche. Das BZÖ will jetzt eine rechtliche Prüfung der Frage.

Auf einen Blick

Am letzten Sitzungstag des Korruptionsuntersuchungsausschusses vor der Sommerpause wurden mehrere Protagonisten aus der Wirtschaft zum Thema Glücksspiel befragt. So sprach Lotterien-Vorstand Friedrich Stickler von einem von ÖVP und BZÖ vorbereiteten „Staatsstreich“: Die beiden Parteien hätten „überfallsartig“ das Glücksspielmonopol abschaffen wollen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.07.2012)

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37 Kommentare
 
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Gast: Hermann vom Gipfel
07.09.2012 21:37
0 0

Das ist noch immer so.

Die Korruptionäre sitzen noch immer in ihren Managerposten bei der Telekom und Novomatik.

Gast: 7 auf einen Streich
21.08.2012 21:41
1 0

183 Nationalräte

Für was brauchen wir 183 Nationalräte, wenn beim Abstimmen , wie immer zu sehen ist, jede Fraktion gemeinsam aufsteht oder sitzen bleibt
und kein Abgeordneter Konsequenzen für sein Verhalten befürchten muss.Da würden jo pro Partei einer zum Aufzeigen genügen.Eine Menge Einspaarpotential!!!!!!
Denn ob ein Gesetz beschlossen wird oder nicht, entscheidet ja anscheinend 2 Tage vor der Sitzung ein Telefonanruf.

achach, Stickler!

Nach 4o Jahren in so einer Position schwillt schon die Macht und auch der Kamm!
Aber dass er einen "Staatsstreich" verhindert hätte, glaubt Hr Stickler selbst nicht und wir auch nicht!

Eines habe ich unten bei meinem Beitrag vergessen

Die Medien glauben das wichtigste für die Leser ist, das sie täglich erfahren wie der Stuhlgang vom Brad Pitt ist, ob die Angelina letzte Nacht einen Orgasmus hatte, dass die Cousine von Kate ihre nackten Titten zeigt, was Harry den ganzen Tag treibt, dass ZsaZsa Gabor einen Vormund braucht usw.

Gast: Me Again
12.07.2012 08:39
1 0

Muenze und Natonalbank

Hinter den Casinos stehen als Eigentuemer und Waechter die Muenze Oesterreich, 100 Prozent Tochter der Natioinalbank - und dammit in direkter Linie das Finanzministerium - und damit wieder die Republik - eine Schlange die sich in den Schwanz beisst,

9 0

Sehr interessant

Der Herr GD der Casinos Austria (oder sonstiger großer Konzerne) braucht nur einmal zum Telefon greifen und schon wird eine Gesetzesvorlage auch noch 2 Tage vor Beschluss anstandslos versenkt.

Das Volk kann sich hingegen die Hacken wundlaufen und zu Hunderttausenden unterschreiben (Volksbegehren), Petitionen verfassen, Mails senden, protestieren und demonstrieren. All das ändert nicht einmal einen Beistrich in den Parlamentsbeschlüssen. Anschaulicher kann man wohl gar nicht mehr darstellen wie machtlos und ausgeschaltet das Volk in dieser angeblichen Demokratie namens Republik Österreich ist. Dafür feiern Korruption und Mauschlertum fröhliche Urständ. Kein Wunder, dass unsere Politbonzen angefangen vom Bundespräsideten und ihre staatsnahen Haberer von direkter Demokratie nichts wissen wollen. Würde es doch ernsthaft ihr Speckmaden-Habitat gefährden.

Zeit wäre es. Die Zustände sind nur noch ekelhaft und skandalös.

Antworten Gast: hosenträger
12.07.2012 09:15
1 0

Re: Sehr interessant

(direktere) demokratie und lobbyismus passen nie zusammen..leider steht die övp momentan für beides.
damit: unglaubwürdig.

aufstehen

aufstehen und die ganzen drecksmalversationen mit persönlicher haftung belegen.

mindestpension für diese ganzen typen!

Hätten wir in Österreich freie Presse statt Staatsmedien könnten alle Sauereien diese Bananenrepublik schon viel früher recherchiert werden

Denkt einmal nach, hat in Österreich schon einmal ein "Journalist" eine Staatssauerei aufgedeckt?
Der Pilz wäre arbeitslos, hätten wir eine unabhängige Presse.
In der Schweiz bekommen die Medien billigere Postzustellung und niedrigere Mehrwertsteuer.

Das sagt ein Schweizer über Medienförderung
"Die Medien müssen den Staat kontrollieren, nicht
umgekehrt."
Filippo Leutenegger, Nationalrat
Präsident Aktion Medienfreiheit

na supa

Revolution. Das gibt's alles nur in Österreich. Lg. Ein mündiger, aber doch noch ein zufriedener Österreicher.

so krank

so krank ist mir der Wallner nicht vorgekommen beim letzten fernsehauftritt.

naja, beim ÖOC passiert ihm ja auch nix....

schnäppchen

"...300.000 Euro für eine nur neun Seiten dünne Studie ..."

eh ein schnäppchen.

der brirnbacher macht sowas nicht unter 6 millionen.

die seitenpreise in österreich sind echt enorm.


Sag ich ja, diese Herrschaften lachen uns in ihren eigenen vier Wänden aus!

Und wie müssen erst die EU ESM Befürworter uns den Finger zeigen, wenn sie mitbekommen das es Leute gibt, die diesen Vertrag für sauber halten?

Gast: Wolfi der Schussel
11.07.2012 18:48
5 0

Nur ein kleiner Personenkreis um Westenthaler und den damaligen VP-Klubobmann Wilhelm Molterer hätten den Abändeurngsantrag für das Glücksspielgesetz vorbereitet. Weder der Finanzausschuss noch die Abgeordneten hätten den Antrag in der Hand gehabt, kritisierte er.

Ich habe von all dem nichts gewusst!

11 0

UNGLAUBLICH!!!

....ist
1. dass sich da einer ganz ungeniert sagen traut, dass der Fall eines Monopols ein "Staatsstreich" wäre, und das offensichtlich in vollem Ernst sagt.
2. dass sich da einer zu sagen traut er habe etwas halt einfach unterschrieben.
3. dass man, wie es zumindest scheint, das Nichteinbringen eines Gesetzes (auch wenn Herr Stickler diesen Zusammenhang nicht kapiert haben will) um 300 000,- bekommt.

12 0

Stickler Rücktritt sofort

So ein Mensch ist ja wohl nicht mehr tragbar als Chef des österr Glückspielmonopol-Firma. Liest nicht einmal die Verträge, die er unterschreibt. (falls man ihm das glauben soll)
Unfassbar.
Wann tritt Stickler endlich zurück?
Wann kommt die Abberufung Sticklers seitens der Eigentümer?

Gast: Schnauze voll
11.07.2012 17:56
9 0

Justizversagen auf der ganzen Linie

Bitte die Justizministerin Karl und ihre Staatsanwälte in Klagenfurt plus die "Gutachter" nicht vergessen.
Eine Schande und Blamage für die Österreichische "Justiz". Wenn man das überhaupt noch Justiz nennen kann.

Gast: Schnauze voll
11.07.2012 17:31
3 0

Es geht nur über die Medien

Die Medien müssen jetzt Druck machen damit auch Westentaler,Scheibner und Stummvoll befragt werden dürfen.
Sonst sehe ich da keine Chance. Eigentlich eine bodenlose Frechheit von ÖVP und BZÖ. Wollten so Spindelegger und Bucher aufklären ?
Wir Bürger haben ein Recht auf Aufklärung.

Monopol warum ?

Alle Monopole falle warum dieses nicht ?
Abzocken das eigene Volk da kann man Konkurrenz nicht brauchen den die könnte vielleicht nicht so gierig sein und mehr Auszahlen und den Umsatz gefährden also hat man über Korrupte Politiker versucht das auch Private ein teil mit Abzuzocken.
Aber das Elend Schulden der Spieler bekommt der Steuerzahler die Rechnung und die ist fünffach so hoch Hunderte Millionen Hauptsache die anderen sind Reich.Traurig 80% der Österreicher würden es auch genau so tun.

11 1

Monopol

Tja, da sah jemand seine Felle davon schwimmen. Die Idylle eines Monopolbetriebes tauscht man halt nicht so gern gegen die rauhe Welt der Privatwirtschaft. Wer setzt sich schon gern vom Daunenpolster auf den Betonboden.

Gast: Gruftmaus
11.07.2012 15:17
4 0

no seavas !

Bei SOLCHEN Aussagen kommen düstere Ahnungen auf, WER aller hinter dem "erneuerten" Glücksspielsystem stecken mag.
(nostalgisch: wie gehts eigentlich der alten Korosec?)
Numismatik und Kalafati war einmal, nun krümmt sich der Wurm eben anderst.

Gast: Silvercoin
11.07.2012 15:08
8 5

Besser ein staatliches Monopol im Besitze des Volkes als ein privates Monopol im Besitze weniger.


Antworten Gast: OberGscheit
11.07.2012 18:30
3 0

Re: Besser ein staatliches Monopol im Besitze des Volkes als ein privates Monopol im Besitze weniger.

Die Casions Austria ist sicher kein Staatsbetrieb - Eigentümer sind:

33,6 % - Medial Beteiligungs GmbH - deren größte Aktionäre Leipnik-Lundenburger, Raiffeisen Österreich, die Donau Versicherung und die UNIQA Versicherungen AG sind.
33,2 % - Münze Österreich.
16,0 % MTB Privatstiftung

Antworten Antworten Gast: Silvercoin
11.07.2012 22:15
0 0

Re: Re: Besser ein staatliches Monopol im Besitze des Volkes als ein privates Monopol im Besitze weniger.

Danke für die Information. Stimmt. Wikipedia nennt:
-33,6 % - Größter Aktionär (2005) ist die Medial Beteiligungs GmbH - deren größte Aktionäre Leipnik-Lundenburger, Raiffeisen Österreich, die Donau Versicherung und die UNIQA Versicherungen AG sind.
-33,2 % - Münze Österreich.
-16,0 % MTB Privatstiftung
-5,3 % Bankhaus Schelhammer & Schattera
-5,0 % Privatstiftung Josef Melchart
-1,9 % Dkfm. Dr. Leo Wallner Vizepräsident im Aufsichtsrat
-5,0 % Streubesitz

Leo Wallner hält folglich 1.9%.
Weiters: Der Betrieb gilt als einer der größten österreichischen Steuerzahler.
http://de.wikipedia.org/wiki/Casinos_Austria

Gibt es öffentlich zugängliche Daten, was alles (überhaupt) in Staatsbesitz (=Volksbesitz) (noch) ist bzw. was im letzten Jahrzehnt bzw. auch davor alles (schon) privatisiert wurde?

Novomatic-Söldner Hahn

Johannes Hahn hat politisch immer nur Novomatic vertreten und die ÖVP dafür benutzt.

... nur das das schon eine kleine Ewigkeit bekannt ist!


 
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