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Spindeleggers Mann fürs Blaue

12.07.2012 | 20:54 |  RAINER NOWAK UND THOMAS PRIOR (Die Presse)

Als Generalsekretär der ÖVP hatte Hannes Rauch noch kaum Zeit für inhaltliche Fragen. Die Fibel gegen Rot-Grün ist das erste Lebenszeichen. Ein kräftiges und typisches.

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Wien. Ein Mann der sanften Worte ist Hannes Rauch, anders als sein Parteichef Michael Spindelegger, nie gewesen. Falls es dafür noch eines weiteren Beweises bedurfte, so hat ihn der ÖVP-Generalsekretär nun erbracht: Er verfasste eine 61-seitige „Fibel" über das Ungemach, das Österreich drohe, wenn die SPÖ nach der Nationalratswahl 2013 mit den Grünen koaliere: Abtreibung auf Krankenschein. Haschisch. Noch mehr Schulden. Hohe Energiepreise. Und so weiter. Kurz: „Chaos und Anarchie".

Rauchs Opus nennt sich „Rot-Grün - eine gefährliche Drohung", es passt in jedes Trachtenanzugjacket und jedes umgehängte Gemeinderatssakko, weil es den ÖVP-Funktionären als Argumentationshilfe auf der Straße oder im Wirtshaus dienen soll. In Wahrheit hat die Fibel einen tiefenpsychologischen Zweck: Erst ein gemeinsamer Feind, der in die Köpfe projiziert wird, macht der Parteibasis bewusst, wie schlecht es der ÖVP - skandalbedingt und überhaupt - derzeit geht. Die Botschaft zwischen den Zeilen lautet: Jeder Einzelne wird ab sofort rennen müssen, wenn er nicht will, dass die Partei auf Platz drei hinter SPÖ und FPÖ zu liegen kommt. Oder noch schlimmer: in der Opposition.
Dass Rauch damit den Wahlkampf eröffnet hat, tat er auch um seiner selbst willen: Der 40-jährige Tiroler ist kein Friedensgeneralsekretär, kein Lobliedsinger auf die (ohnehin spärlich vorhandenen) Regierungserfolge. Er braucht das Match mit der Konkurrenz, die tägliche Herausforderung - und ja: auch das Schmutzige in der Politik. Dann funktioniert er am besten. Der Wahlkampf ist seine Zeit.

Viel von Ernst Strasser gelernt

Sein Geschäft hat der Kufsteiner, der Politikwissenschaften studiert hat, von einem Mann gelernt, der heute schlecht beleumundet ist: Innenminister Ernst Strasser machte ihn 2003 zum Pressesprecher. Rauch blieb, als Strasser ging, und diente auch unter Liese Prokop. Nach einem kurzen Gastspiel als Kommunikationschef der Bundes-ÖVP wechselte Rauch nach der Nationalratswahl 2006 wieder ins Innenministerium, diesmal als stellvertretender Sektionschef.
Über seine Zeit bei Strasser sagte Rauch später, dass er viel gelernt habe - die schmutzigen Aufträge habe Strasser jedoch anderen übergeben. Im Oktober 2007 holte ihn Landeshauptmann Herwig van Staa als Hauptgeschäftsführer der Tiroler Volkspartei nach Innsbruck zurück. Doch der schnelle Erfolg blieb aus: Bei der Landtagswahl im nächsten Jahr verlor die ÖVP die absolute Mehrheit. Nicht besser erging es Rauch im Tandem mit Van Staas Nachfolger Günther Platter: Bei den Gemeinderatswahlen 2010 ging die Volkspartei vieler ihrer einstigen Hochburgen, darunter Lienz, verlustig.

Im Frühjahr 2011 packte Rauch erneut die Koffer und übersiedelte nach Wien: Michael Spindelegger, neuer Parteichef und wie Rauch dem ÖAAB entstammend, hatte ihn gebeten, die Bundesgeschäftsführung zu übernehmen - vielleicht auch, weil der Tiroler so anders ist, als er selbst: eine Eisenfaust, wenn es darum geht, die ÖVP gegen Gegner zu verteidigen.

SPÖ-Politiker und Grüne werfen Rauch vor allem vor, mit den jüngsten Angriffen Stil, Rhetorik und Sprüche der FPÖ zu verwenden. In den Oppositionsparteien ätzt man zusätzlich über die Grenzen des Rauch'schen Intellekts. Derlei prallt an ihm ab, schon weil er solche Urteile gewohnt ist.
In seiner Heimatgemeinde Kufstein warnte Rauch schon einmal davor, dass der Ort ein Auffanglager für Ausländer werde. Bei den Grünen ortete er weltfremde Multikulti-Fantasien. Und im kleinen Kreis kritisierte Rauch immer wieder, dass sich die ÖVP zu sehr auf die Mitte konzentriere und rechts immer mehr an die FPÖ verliere. Dagegen kämpft er nun offenbar an.

Als Generalsekretär hatte er in den vergangenen Monaten kaum Zeit für inhaltliche Fragen: Er musste sich um die ständigen Korruptionsvorwürfe und die finanziellen Probleme der ÖVP kümmern. Rauch ordnete einen straffen Sparkurs in der Parteizentrale an und trennte sich von Mitarbeitern. Die Fibel ist - nach einer kleinen Welle von Spindelegger-Plakaten - das erste Lebenszeichen Rauchs. Ein kräftiges und typisches.

Zur Person

Hannes Rauch (40) ist seit April 2011 Generalsekretär der ÖVP. Davor war er unter anderem Pressesprecher der Innenminister Ernst Strasser und Liese Prokop, stellvertretender Sektionschef im Innenministerium, Geschäftsführer der Tiroler ÖVP und Landtagsabgeordneter. Er ist verheiratet und Vater zweier Töchter.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.07.2012)

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71 Kommentare
 
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Bravo, Hr.Rauch!

Diese ÖVP-Broschüre ist zu 100% in Ordnung, endlich wird einmal Klartext zu rot/grün gesprochen!

Gast: WTF2012
14.07.2012 14:34
1 0

Was "raucht" denn der?

Also solche bösen Sachen möcht ich auch nicht rauchen wie der OVP-Rauch. Bei so nem Müll fragt man sich gleich ob der vom falschen Zeugs so dumm dreinschaut, den falschen Dealer hat od. einfach nur bei der Geburt am Boden gefallen ist.

Gast: Mitdenker
14.07.2012 13:49
0 0

Typisch

"Erstes inhaltliches Lebenszeichen" würd ich so nicht unterschreiben, aber typisch wars auf jeden Fall ;)

Rot-Grün

wird sich auch nach der nächsten NR-Wahl nicht ausgehen, das ist wohl auch Herrn Rauch bekannt.

Gast: DieSteuerzahler
13.07.2012 20:53
1 0

Wer bezahlt den eigentlich die Rechnungen für die Herstellung dieser wertvollen Fibel?


Gast: Rauchermann
13.07.2012 19:34
2 0

Mehr als ein Lebenszeichen

Ist Zeit geworden, dass die ÖVP dem rot-grünen Treiben mal was entgegensetzt. Oder will wirklich irgendjemand Wiener Verhältnisse in ganz Österreich? In diesem Fall würde es heissen: Rettet euch vor den Gebühren!!!!

Ein Lebenszeichen d.ÖVP - spät aber doch ...

gegen die ausufernden fragwürdigen Zustände und linke Vereinnahmung.
Z.B. siehe das Gruselbeispiel in Wien vor unseren Augen... die roten Machtpolitiker (s.Machtclique u.Konsorten,Nomenklatura) sind kaum noch Volksvertreter, die haben sich mit Bürokraten, NGOs etc. zu einer polit. Kaste verselbständigt.
Unterstützt noch durch das linksgrüne Beiwagerl, das bzw. die gerne Erfüllungsgehilfen sind inkl. gesellschaftspolit. Experimente. Die Kluft wächst, in Wien lebt u. erlebt man eine Art Pseudo-Demokratie.

D.h. Rote und Grüne - zu ideologisch und Politik zum Abgewöhnen !
Und die sich in panischer Angst vor Verlust und Veränderung auf Gedeih und Verderb an einen Status quo klammert, der längst nur noch als Karikatur (s.div.Spitzenpolitiker ) seiner selbst aufrecht zu erhalten ist. Aber auch zum Schaden unseres Landes, immer mehr an Fehlentwicklungen sind erkennbar.

PS...scheinbar hat man mit der Fibel/Botschaft ins Schwarze getroffen, die Linken sind wie aufgescheucht (man hat den Nerv getroffen).

Re: Ein Lebenszeichen d.ÖVP - spät aber doch ...

Das Problem liegt m.E. darin, daß es bei uns keine moderne konservative Kraft gibt. Die ÖVP bekommt das wohl auch in 100 Jahren nicht hin.

Gast: Salatkopf
13.07.2012 17:42
0 0

Wenns inhaltlich nicht mehr geht,

muss man halt Schmutzkübeln. Und wenn einem die eigene Sche*ße bis zum hals steht warum nicht gleich damit ein bisschen um sich werfen? Aber gut ich hab noch nie verstanden wie man als Österreicher bzw. vor allem als Wiener aufsteht und die Tradition gegen die Ausländer verteidigen muss ohne zu verstehen das Österreich- Ungarn unsere Vergangenheit ist. Also ein Multikulti Staat... Aber gut das würde man als Rechter nie zu geben und darauf verweisen das die KuK Monarchie auch gescheitert ist, nur um sich dann umzudrehen und wenns niemand sieht sich mit Tränen und Wehmut den nächsten Sissi Film anzuschauen ;)

Re: Wenns inhaltlich nicht mehr geht,

Nur zur Info...Die K.u.K. Zeit galt als Völkerkerker.
Der Reichsrat(Parlament) war ein polit. Schlachtfeld (s. historische Dokumente).

Gast: Alles gepröllt Alter?
13.07.2012 15:40
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"Meistens verübte der Verdächtige im Schutz einer Strasser-Maske aus Vollgummi seine Überfälle, zwischendurch verwendete er zum Abdecken seines Gesichts auch eine Maske, die die unverkennbaren Züge der österreichischen Finanzministerin aufwies."


Gast: Julius Raab
13.07.2012 15:22
0 0

„Wenn ein Abgeordneter im Parlament nix redt, glauben die Leut, er versteht nix. Wann er was redt, wissen se’s genau.“


Solche Spitzen sind doch ganz normal

Da gabs schon ganz andere Generalsekretäre, in allen Parteien! Warum da jetzt die Linken so einen auf wehleidig machen versteh ich net. Sonst tut man sich auch leicht, wenn man jemanden verunglimpfen, verurteilen oder aufziehen möchte.

Ich glaub ja nicht alles was in solchen Papieren steht, sollte niemand tun, aber ich bin froh, dass der Rauch mal sein Profil schärft und Stellung bezieht!

Die Grünen sind eine gute Oppositionspartei, die auch Aufklärungsarbeit leistet. Das sollte sie meiner Meinung nach auch bleiben. In Wien sieht man ja, wie schnell sich das Blatt wendet und auf einmal alle früheren Aufdeckermaßnahmen ins Gegenteil gedreht wurden. Jetzt hilft man der SPÖ sogar beim Zudecken.

Gast: DerBürger
13.07.2012 12:47
0 3

Rauch: Viel von Ernst Strasser gelernt...

- hoffentlich hat er nicht zu viele Infos bekommen und gar zu viele Tricks gelernt...

Die "Krampfposter" von Rot-Grün haben sich anscheinend vom Standard Forum zur Presse verirrt...

Was sagt die "Fibel"... stimmen dort die getätigten Aussagen nicht... ich lese nur sehr wenig über die Aussagen, es herrscht nur allgemeine "Linke" Empörung über die Fibel - die Aussagen werden nicht erwähnt oder gar mit Gegenargumenten versucht zu entkräften.

Was in der "Fibel" steht stimmt!

Re: Die "Krampfposter" von Rot-Grün haben sich anscheinend vom Standard Forum zur Presse verirrt...

Ein attraktives Angebot wäre besser, finden Sie nicht?

Antworten Gast: Ex-Wahlhelfer
13.07.2012 16:58
0 0

Re: Die "Krampfposter" von Rot-Grün haben sich anscheinend vom Standard Forum zur Presse verirrt...

Wenn ich ein geistig Zurückgebliebener vom Land wäre, würde mich die Fibel vielleicht beeindrucken, aber ich bin es nicht, also tut es das nicht.

Re: Re: Die "Krampfposter" von Rot-Grün haben sich anscheinend vom Standard Forum zur Presse verirrt...

Ach sind sie freundlich, geht es auch ohne dumme Unterstellungen... die typische Argumentationsline von Linken!

Antworten Antworten Antworten Gast: na aber eh kloa
13.07.2012 22:30
0 0

Re: Re: Re: Die "Krampfposter" von Rot-Grün haben sich anscheinend vom Standard Forum zur Presse verirrt...

"es herrscht nur allgemeine "Linke" Empörung über die Fibel", sie unterstellen doch den linken hier was. ich sag ihnen was, ich als eher linker muss über diesen müll eher lachen. werfens sie also anderen menschen nicht etwas vor wenn sie ein paar sätze zuvor das selbe verhalten an den tag legen.

Re: Die "Krampfposter" von Rot-Grün haben sich anscheinend vom Standard Forum zur Presse verirrt...

WEnn man jede Aussage eines Funktionärs einer Partei auf die Goldwaage legt, da kämen wohl nicht nut 61 Seiten Blödheit heraus.
Allein die Aussagen vom intelligentsten BK aller Zeiten, als damaliger Wirtschaftsminister und als solcher auch für das Normeninstitut zuständig , dass Schallschutzfenster keiner Wartung bedürfen, liegen mir schriftlich vor und zeigen von absoluter dummheit, da es eben auch zu dieser Zeit ÖNORMEN für die Wartung von sChalldchutzfentern gab. SChon möglich, dasss Schüssel diesen Unsinn nicht selbst geschrieben hat. Aber ich habe ihm sicher nicht seine Mitarbeiter aufs treu sorgende Aufge gedrückt. Jeder Chef ist für die Handlungen seiner Mitarbeiter verarnatwortlich. Dies ist auch gesetzlich geregelt.

Re: Re: Die "Krampfposter" von Rot-Grün haben sich anscheinend vom Standard Forum zur Presse verirrt...

Also was wollen sie mir sagen... ja, sicher bei 183 NR Abgeordneten 100 Gemeinderäten u.s.w. kommt viel Unsinn zusammen, nur es wurden Aussagen von Rot-Grünen Spitzen genommen... Sorry sie werfen einem Schüssel vor er kenne sich nicht mit Fenstern aus... na ja ich denke es ist nicht und war nicht seine Aufgabe uber Wartungsarbeiten von Fenstern Bescheid zu wissen ;-)

Gast: rapido
13.07.2012 11:24
2 0

was habts denn?

Ein Generalsekretär sollte bestenfalls kein kuschelbär sein. Eigentlich eh logisch, oder? Also macht er doch nur seinen Job. Gedichte schreiben andere besser.

Gast: aprica
13.07.2012 11:22
5 0

voll in's Grün-Rote

Hannes Rauch hat offensichtlich in's GrünRote getroffen so wie es in den letzten Tagen überall zugeht. Die linken gaben offenbar so viel Angst vor ihm, dass sie alles mobilisieren. Ein Stich in's Herz, mein General Rauch!

Antworten Gast: na aber eh kloa
13.07.2012 22:31
0 0

Re: voll in's Grün-Rote

"mein general rauch", also viel peinlicher gehts wohl wirklich nicht mehr. die parteiposter sind wohl wirklich immer die lächerlichsten.

Gast: Schöngeist
13.07.2012 11:12
6 0

Schon richtig so

Ist schon gut so, dass die ÖVP mal auf die "Gefahren" von Rot-Grün hinweist. Man denke an Wien da kam erst mal eine Belastungsorgie raus. beispiel gefällig? Wasser um ein Drittel!!! teurer. Das ist ja kein Parteienschmäh, sondern die bittere Realität. Freilich kann man über die Art und Weise immer streiten. Aber den Rauch nimmt man wenigstens zur Kenntnis. Besser als im Schlafwagen sitzen

Gast: apfelmännchen
13.07.2012 09:58
2 5

divide et impera

Die Bevölkerung durch Propaganda in möglichst unvereinbare Lager aufzuteilen war schon zu Zeiten der römischen Kaiser ein probates Mittel der Herrschenden, um sich vor der Übermacht eines geeinten Volkes zu schützen.

Egal ob Lüge oder Wahrheit - es bleibt stets etwas im Unterbewusstsein des Empfängers hängen.

Der ÖVP war der Marianengraben des Niveaus offensichtlich nicht tief genug - es musste unbedingt zum Erdkern vorgedrungen werden.

 
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