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Birnbacher-Prozess wird Justizskandal

12.07.2012 | 20:03 |  von Christian Höller (Die Presse)

Nach dem Geständnis von Dietrich Birnbacher gerät die Staatsanwaltschaft Klagenfurt unter Beschuss. Diese hat viel zu lange den Privatgutachten der Angeklagten vertraut.

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Wien. In der Causa Birnbacher wächst die Kritik an der Justiz. Zweimal wurden die Ermittlungen gegen den Villacher Steuerberater eingestellt: Einmal von der Staatsanwaltschaft Klagenfurt und das andere Mal vom Oberlandesgericht Graz. In der Begründung vom 29. Jänner 2009 heißt es beispielsweise, dass das Honorar von sechs Mio. Euro als „angemessen zu qualifizieren" sei. Ein strafbares Verhalten der Beschuldigten sei auszuschließen. Erst nach einer Anzeige der Grünen wurde das Verfahren ein drittes Mal aufgerollt - und es kam zur Anklage.

Nach dem überraschenden Geständnis von Dietrich Birnbacher geraten nun die anderen Mitangeklagten wie der Kärntner ÖVP-Chef Josef Martinz unter Druck. Der Richter legte Martinz nahe, „die Verteidigungslinie zu ändern. Sonst könnte es schlecht für Sie aussehen." ÖVP-Bundesparteiobmann Michael Spindelegger kündigte bei einer Verurteilung von Martinz eine klare Entscheidung an. In der Volkspartei gebe es keinen „Fall Uwe Scheuch".

Doch Martinz bleibt dabei, dass alles korrekt gelaufen ist. Birnbacher sagte vor Gericht aus, dass von Anfang an klar gewesen sei, dass die sechs Mio. Euro für seine Arbeit völlig überzogen gewesen seien. Ihm wären nur 300.000 Euro zugestanden.

Machte Berlin Birnbachers Arbeit?

Zudem legte die Staatsanwaltschaft am Donnerstag ein Schreiben vor, laut dem die Landesholding dem Finanzinvestor Tilo Berlin den Auftrag erteilte, die Hypo-Anteile an die BayernLB zu verkaufen. Also genau jene Tätigkeit, für die Birnbacher die sechs Mio. Euro offiziell bekommen hatte. Auch Tilo Berlin wurde eine Erfolgsprämie in Aussicht gestellt.

Wie kommt es, dass die Justiz trotzdem zweimal die Ermittlungen gegen Birnbacher eingestellt hat? Warum hat die Anklagebehörde die sechs Mio. Euro einst für angemessen beurteilt? Die Staatsanwaltschaft ist nun derart unter Beschuss geraten, dass sie dazu für Freitag eine Stellungnahme angekündigt hat.

Bei den Verfahren, die eingestellt wurden, hat sich die Justiz auf die Privatgutachten der Kärntner Landesholding verlassen. Aufsichtsratspräsident der Holding ist der Kärntner ÖVP-Chef Martinz. Dieser und Ex-Landeshauptmann Jörg Haider hatten Birnbacher den Sechs-Mio.-Euro-Auftrag zugeschanzt. Die Landesholding und deren Vorstände haben mindestens acht Gutachten zum Birnbacher-Honorar bei hochkarätigen Finanzexperten anfertigen lassen.

Ein Teil davon wurde mit Steuergeld finanziert. Allein 2008 wurden fünf Gutachten in Auftrag gegeben. Diese haben in Summe 58.000 Euro gekostet. Laut Angaben der Holding sind die Gutachter zur Einschätzung gekommen, dass die sechs Mio. Euro für Birnbacher angemessen seien.
Die Betroffenen bestreiten dies. Der Wiener Universitätsprofessor Christian Nowotny sagte zur „Presse": „In meinem Gutachten ging es gar nicht um die Höhe des Honorars, sondern ich habe andere Themen untersucht." Er habe sich ganz bewusst nicht zur Höhe des Honorars äußern wollen.

Deloitte rechtfertigt sich

Beim Wirtschaftsprüfer Deloitte hieß es dazu: „Wir wurden gefragt, welches fremdübliche Honorar einem Berater beim Verkauf einer Bank im Vergleich mit ähnlichen Transaktionen zusteht." Das Birnbacher-Gutachten selbst habe Deloitte nicht gesehen, sondern man habe einen „anonymisierten Leistungskatalog" vorgelegt bekommen. Deloitte bestreitet, Leistungsverrechnungen von Birnbacher als angemessen bezeichnet zu haben, „weil wir die konkreten Leistungen des Dr. Birnbacher nicht kennen".

Die Justiz stellte die Erhebungen aufgrund der Gutachten dennoch zweimal ein. Dann zeigten die Grünen die Staatsanwälte wegen Amtsmissbrauchs an.
Der Fall landete bei der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft in Wien. Diese stellte zwar die Erhebungen gegen die Kärntner Kollegen ein. Allerdings regte die Korruptionsstaatsanwaltschaft an, das Birnbacher-Honorar doch einmal von einem unabhängigen Gutachter zu überprüfen, was die Kärntner dann auch taten. Sicherheitshalber wurde ein Experte aus dem Ausland angeheuert - der deutsche Gutachter Frank Schäfer. Dieser ist der Ansicht, dass Birnbacher bis zu 30-mal zu viel kassiert hat.

In der Vergangenheit gab es Stimmen, die Verfahren rund um die Hypo aus Kärnten abzuziehen. Der Chef der Finanzprokuratur, Wolfgang Peschorn, hält Kärnten als Gerichtsstandort für ungeeignet. Viele Personen „im räumlichen Umfeld der Bank" seien an einer Aufklärung nicht interessiert.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.07.2012)

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92 Kommentare
 
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Gast: Anständiger
14.07.2012 10:48
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Liebe Kärntner!

Nicht böse sein. Mag sein, dass es auch nette Kärntner gibt. Aber sogar in meiner persönlichen Erfahrung ist der Anteil an Ekeln & Gaunern besonders im Geschäfts- und Justizbereich bei euch recht überdurchschnittlich!

Gast: Österr. (35)
14.07.2012 10:12
0 0

Kärnten, das Land der Blauen mit schwarzem Anhang, ist ein krimineller Sumpf


Gast: Wolfsbergerin
13.07.2012 23:10
0 0

Wo ist das Geld....

Wo ist das Geld, das die vielen Schulden verursacht hat in Kärnten??
Imobilien.....

Gast: das hirn
13.07.2012 17:48
0 0

schaden

all das gegeifer wird der FREIHEITLICHEN partei schaden. sie wird die 2/3 mehrheit nicht schaffen.

Gast: das hirn
13.07.2012 17:44
0 0

schaden

all das gegeifer wird der FREIHEITLICHEN partei schaden. sie wird die 2/3 mehrheit nicht schaffen.

Gast: dritter financial service assistent von links
13.07.2012 15:05
1 0

normales geschäft halt ..

Beim Wirtschaftsiprüfer Deloitte hieß es dazu: „Wir wurden gefragt, welches fremdübliche Honorar einem Berater beim Verkauf einer Bank im Vergleich mit ähnlichen Transaktionen zusteht."

grüss sie herr doktor .. sie wissen eh . wegen dem herrn birnbach .. der hat doch für seine zwei seiten ... stop, so geht das nicht ..
sie legen mir jetzt ein anonymes leistungsverzeichnis vor (gehns fräulen, bringen sie mir das leistungsverzeichnis vom letzten deal) ..da, das nehmen sie jetzt mit, schreiben es ab, drucken es auf ihrem briefpapier aus .. und bringen es beim nächsten termin mit ..

(wissens wir lesen keine zeitungen und drum können wir auch gar nicht wissen, dass der simple steuerberater für nix 12 mio euro bekommen hätte sollen)

Gast: Skandalöser
13.07.2012 14:55
0 0


Wow - die Geister die ich rief, werd ich nun nimmer los;-)

Interessieren würde mich ja besonders, was Birnbacher veranlasste, das "Geständnis" abzulegen. Damit hat er sich ja selber ins Herz geschossen.

Wurde ihm etwa mit einem Autounfall gedroht?

korrupte Politik

die Christlich Sozialen und die Saubermänner - die Vertreter des kleinen Mannes, alle das gleiche Pack.

Da sollte man doch das S.c.h.e.u.c.h-Urteil...

....unter diesem Aspekt betrachten. Das nächste Gerichtsverfahren sollte in in einem anderen Bundesland stattfinden, denn die Grazer Staatsanwaltschaft ist anscheinend auch völlig FPÖ-determiniert!

Gast: EU
13.07.2012 10:15
1 2

Ich versuche es noch einmal

Nächsten Mittwoch werde ich die korrupte Justiz in Österreich allen voran Klagenfurt in Brüssel zur Sprache bringen. Den Antrag habe ich gerade vor zwei Minuten abgegeben. Auch die Medien werden zur Sprache kommen.

Hr. Birnbacher

hat offensichtlich keine Steherqualitäten. Das erlaubt der Öffentlichkeit einen kleinen Einblick in die Art und Weise, wie Politik "Geschäfte" abwickelt.

Wer allerdings glaubt, hier handelt es sich nur um einen Einzelfall, wird sich wahrscheinlich irren. Es ist eher zu befürchten, dass sich so etwas eher flächendeckend, wenn auch in unterschiedlichen Maßstäben und Volumen, abspielt.

Spindelegger sollte auch einmal schauen dass seine Justziministerin arbeitet

Nicht falsch verstehen, ich finde Spindeleggers Haltung zur Rücktritt nach Verurteilung weitaus stärker als Straches im Fall Scheuch.

Aber er ist schon auffällig dass überall wo es um blockieren von vertruschen geht die ÖVP mit im Spiel ist - egal ob in Kärnten oder als Koaltionspartner bei den Roten.

Da hat die ÖVP wirklich ein Problem mit ihren immer alles hinterm Volk verbergen einstellung. Oder wie es Pühringer sagte: "Nicht gegenseitig mit Dreck anpatzen" Diese

Einstellung ist nicht mehr zeitgemäß

Re: Spindelegger sollte auch einmal schauen dass seine Justziministerin arbeitet

Prinzipiell kein Einwand. Ich denke jedoch, die Formulierung ist nicht ganz korrekt. Denn an Stelle ".. die ÖVP mit im Spiel ist .." sollte man wahrscheinlich schreiben, "die ÖVP ziemlich oft auffällt".

Ich kann mir nämlich nicht vorstelllen, dass sich in ganz Österreich so etwas auschließlich auf die ÖVP beschränkt. Die scheinen eher nur etwas hilfloser beim organisieren und vertuschen, im Verhältnis zu den anderen Parteien zu sein.

Die Grünen vielleicht ausgenommen. Wobei man hier allerdings auch berücksichtigen muss, dass die noch gar keine Gelegenheit hatten, sich so richtig an den Futtertrögen bedienen zu können. Der entsprechende Test für Grün steht also noch aus.

Jeder der Jus studiert hat weiß wie man in Österreich Richteramtsanwärter wird - das ist nichts anders als bei jedem anderen besseren Beamten Job

Und dass das dann in der Karriere bis zum Staatsanwalt so weiter geht das kann man einmal annehmen.

Und dass solcherart Berufene den politischen Mächtigen nicht auf die Zehen steigen wenn es irgend möglich ist, das ist in Österreich ja offensichtlich.

Und das ist in jedem Budnesland so - siehe Teileinstellung des Verfahrens gegen Faymann, Verjährung bei Strasser.

Eine Staatsanwaltschaft die bei politischen Vergehen konsequent wegschaut ist dann auch die hauptursache für das Ausufern der politisch Korrupiont. Das ist überall auf der Welt so.

Wir bräuchten endlich einen Journalismus der die politischen Verbindungen innerhalb der STaatsanwaltschaft konsequent aufdeckt und einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss dazu mit anschließenden Reformen

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"... und einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss dazu ..."

Die Augenauswischerei können wir uns sparen.

Antworten Gast: 284
13.07.2012 10:54
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Jeder Jurist in Österreich

weiss auch ganz genau, wie unter Böhmdorfer das Ministerium und die StA personell umgepflügt wurden. Da sind nur FP/K Apparatschiks übrig geblieben. Und niemand wundert sich, dass FP/K Politiker nun nur mit Samthandschuhen angegriffen werden.

Bitte gesamte "Kärntner Polit- und Justizelite" austauschen

Als Kärnter Landesbürgerin kann ich mich nur mehr schämen. Mittlerweile gibt es ja schon für fast alle Mitglieder der Kärntner Landesregierung von FPK und ÖVP Anklagen und Vorladungen zu dubiosen Vorgängen um Korruption, persönliche Bereicherung und versteckte Parteienfinanzierung. Und die Staatsanwaltschaft reagiert wie die drei weisen Affen: Nichts sehen, nichts hören... und die Folge davon alle Verfahren einfach einstellen. Ich fordere daher, dass die gesamte Polit- und Justizelite in Kärnten abgesetzt, ausgetauscht und zum Teufel gejagt wird. Zum Wohle des Landes und für unsere Kinder!

Antworten Gast: das hirn
13.07.2012 11:40
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Re: Bitte gesamte "Kärntner Polit- und Justizelite" austauschen

sehr geehrte frau fensterblatt,
wie so oft ist es notwendig sinnerfassend lesen zu können. ich verweise auf die einstellung durch das oberlandesgericht
graz. die politelite -was immer sieh darunter verstehen - wird meistens bei wahlen ausgetauscht. die roten skandale in kärnten haben sie und viele andere vergessen, weil die sozen auf grund dieser skandale abgewählt wurden. ob die roten mit ihrem futtertrogentzug zum wohle kärntens agieren werden bzw.würden bleibt dahingestellt.

Antworten Antworten Gast: kein FPÖPK Kampfposter
13.07.2012 18:11
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Re: Re: Bitte gesamte "Kärntner Polit- und Justizelite" austauschen



wieviel Steruergeld fließt eigentlich in die Masse der FPÖPK Kampfposter in diesem Forum.

Wir senden mal 100te FPÖ Propagandafußvolk, um die Meinung zu diktieren.

Aber wahrscheinlich ist das auch nur ein Mißverständnis und es waren die anderen. Wer? Na irgenwer wars schon, nur wir Ehrlichen und Fleissigen warens nicht. Immer die anderen und die sind soooo böse zu uns.

Wenns es wenigstens intelligent anstellen würdet, damit wir dummes Wahlvolk nix merken, aber sogar dazu seit ihr zu blöd.

Ach, ja das Bildungsniveau in dieser Partei und seinen Wählern ist ja Comic Niveau. Lesen, sinnerfassen und reflektieren ist halt nicht....


Antworten Antworten Gast: Parteiloser Kärntner
13.07.2012 12:44
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Re: Re: Bitte gesamte "Kärntner Polit- und Justizelite" austauschen

Wertes Hirn (von einer Eintagsfliege?), muss schon sagen ziemlich hirnlos dein Kommentar. Offensichtlich hast Du den Artikel nicht genau gelesen, oder schaut durch die FPK-Brille alles anders aus???

Antworten Antworten Antworten Gast: das hirn
13.07.2012 14:32
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Re: Re: Re: Bitte gesamte "Kärntner Polit- und Justizelite" austauschen

sgh parteilooser kärntner, tun sie mir einen gefallen und duzen sie wen anderen.

Re: Re: Bitte gesamte "Kärntner Polit- und Justizelite" austauschen

Ich nehme an, Sie sind ein Angehöriger oder Nahestehender dieser "Eliten". Vergessen habe ich nichts, aber so übel und schlimm wie in der Ära Haider und bei seinen Nachfolgern war es in diesem Lande noch nie, auch wenn sie das anscheinend verdrängen wollen. Und bitte lesen Sie den obigen Bericht genau, da heißt es: "Einmal von der Staatsanwaltschaft Klagenfurt und das andere Mal vom Oberlandesgericht Graz...." Folge dessen: Hirn haben ist zuwenig, einschalten ist wichtig!!

zm wohle kärntens?

die höchste pro kopfverschuldung aller österr. bundesländer.
sozusagen das armenhaus, dank der vorausschauenden und weisen führung der blauorangen "experten", die sich in erster linie durch realitätsverweigerung und mia san mia parolen auszeichnen.

aber daran sind sicher auch die sozen schuld, oder die slowener wahrscheinlich. die ostküstenmafia wär doch etwas weit hergeholt

reiche das


sich nach

da bewahrheitet es wieder,


dass die augenbinde von justizia einen ganz anderen zwecke dient, als uns vorgegaukelt wird. *fg*

 
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