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Martinz in Bedrängnis: Die ÖVP sucht einen Nachfolger

13.07.2012 | 18:30 |  CHRISTIAN HÖLLER UND THOMAS PRIOR (Die Presse)

Die ÖVP-Spitze will den Rücktritt von Landesparteichef Josef Martinz, wenn er verurteilt wird. Die Causa Birnbacher wird inzwischen immer skurriler.

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Wien. Die Tage von Josef Martinz als Kärntner ÖVP-Chef könnten demnächst gezählt sein. Nach Bundesparteiobmann Michael Spindelegger forderte am Freitag auch Klubchef Karlheinz Kopf den Rücktritt Martinz', falls dieser im Birnbacher-Prozess schuldig gesprochen wird. Dann, sagte Kopf dem ORF-Radio, müsse Martinz gehen.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Kärntner ÖVP-Chef Untreue vor. Im Jahr 2007 haben Martinz, damals Aufsichtsratschef der Landesholding, und der mittlerweile verstorbene Landeshauptmann Jörg Haider den Villacher Steuerberater Dietrich Birnbacher engagiert, um das Land beim Verkauf seiner Anteile an der Hypo Alpe Adria (an die BayernLB) zu beraten. Birnbacher kassierte sechs Millionen Euro – für ein sechsseitiges Gutachten.

Am Mittwoch hat sich der Steuerberater vor Gericht schuldig bekannt, „einen strafbaren Beitrag geleistet zu haben“. Der Betrag sei unangemessen gewesen – allenfalls 300.000 Euro wären ihm zugestanden, räumte Birnbacher ein. Der Richter legte Martinz daraufhin ein Geständnis nahe. „Sonst könnte es schlecht für Sie aussehen.“ Doch der Kärntner ÖVP-Chef blieb dabei: Alles sei korrekt abgelaufen. Vehement bestreitet er auch, dass damals Geld an die Landesparteien geflossen ist.

Die Kärntner ÖVP stellt sich jedenfalls schon auf die Zeit nach Martinz ein. Der Parteivorstand berät am Montag über die nächsten Schritte. Es ist nicht auszuschließen, dass Martinz noch vor dem Urteilsspruch, der für Anfang August erwartet wird, die Obmannschaft abgeben muss. Doch es gibt ein Problem: Der logische Nachfolger, Landesrat Achill Rumpold, soll mit am Tisch gesessen sein, als Haider und Martinz mit Birnbacher über dessen Honorar verhandelten. Rumpold weist das vehement zurück: Man wolle ihn „anpatzen“.

 

Selbstkritische Staatsanwaltschaft

In der ÖVP werden trotzdem schon Alternativen genannt: der Kärntner Wirtschaftskammer-Chef Franz Pacher. Der Unternehmer Othmar Petschnig, seit Kurzem Vizepräsident der österreichischen Industriellenvereinigung. Und – als Interimslösung – Landesgeschäftsführer Thomas Goritschnig.

Inzwischen entfaltet die Causa Birnbacher immer skurrilere Seiten. Denn die Staatsanwaltschaft Klagenfurt hatte die Ermittlungen gegen Birnbacher und Martinz am 19. Jänner 2009 eigentlich schon eingestellt. Die Begründung: Das Honorar von sechs Millionen Euro sei als „angemessen zu beurteilen“, ein strafbares Verhalten von Martinz und Birnbacher auszuschließen. In einer Stellungnahme räumte die Anklagebehörde am Freitag ein, dass man damals den Privatgutachten der Angeklagten „bei einer Ex-post-Betrachtung eine zu große Bedeutung eingeräumt hat“.

Die Landesholding, deren Aufsichtsratspräsident Martinz war, ließ 2008 auf Steuerzahlerkosten fünf Gutachten anfertigen, wonach die sechs Millionen für Birnbacher gerechtfertigt seien. Die Holding schickte jene Gutachten der Staatsanwaltschaft, woraufhin das Verfahren eingestellt wurde. Die Anklagebehörde rechtfertigt sich nun damit, dass sie gleich „nach Hervorkommen weiterer Beurteilungskriterien“ die Erhebungen wieder aufgenommen hat. Laut „Presse“-Informationen half jedoch die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft in Wien nach. Diese empfahl den Kollegen in Kärnten, nicht nur den Privatgutachten der Angeklagten zu vertrauen, sondern doch auch einmal ein unabhängiges Gutachten in Auftrag zu geben. Das taten die Kärntner auch – und prompt kam es zu einer Anklage.

Auf einen Blick

Der Kärntner ÖVP-Chef Josef Martinz und Landeshauptmann Jörg Haider beauftragten 2007 den Steuerberater Dietrich Birnbacher mit einem Gutachten über den Hypo-Verkauf. Birnbacher kassierte sechs Mio. Euro, obwohl 300.000 Euro angemessen gewesen wären. Birnbacher und Martinz stehen nun wegen Untreue vor Gericht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.07.2012)

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146 Kommentare
 
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Gast: Bürger&Wähler
16.07.2012 13:34
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Fazit: Ein grauenhafter kärntner FPÖ-ÖVP-Sumpf!



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Vorbild

Martinz trat als Landesrat zurück, als die Anklage zu erwarten war, das ist eine saubere Lösung, die bisher kein anderer so gehandhabt hat. Jetzt ist er vor Gericht, das ist gut so. Wie das Urteil ausfällt, ist zu akzeptieren. Die ÖVP Obmannschaft ist eher zweitrangig. Ungerecht ist, dass er für Mastermind Haider jetzt büßt, denn dieser war in all diesen Belangen der "Chef". Aus der Verantwortung hat sich Haider allerdings fortgemacht, er ist einfach weg, wie so oft in seinem Politikerleben und lässt andere sein Erbe ausbaden. Zu bedauern ist Martinz aber nicht - mitgehangen, mitgefangen.

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Orban läßt grüßen

Scheint das Forum und speziell dieses Thema wird heute von einem besonders peniblen Zensor betreut. Bereits zweimal wurden kritische Beiträge "verschluckt".

Man sollte hier also besser nicht behaupten das Kürzel FPK stehe für F alotten P artie K ärntens. Geschweige denn die VP Kärnten wäre ein moralverwahrloster Ableger dieses Vereins und der Anstandsverweigerer Martinz der politische Steigbügelhalter dieser Partie.

Gast: Scheuchen
14.07.2012 11:19
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Könnte man nicht schnell ein Landesgesetz erlassen

das unsere Politiker auch aus dem Gefängnis heraus ihr Amt weiterführen dürfen?

Re: Könnte man nicht schnell ein Landesgesetz erlassen

Wie Al Capone?

Geht's noch?

Und wieso wären 300.000 Euro für ein 6-seitiges Gutachten angemessen?

Geht's noch?

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verweis

alle politiker, die letztendlich für den bürger da sein sollten, müssten, sowie sie mit gesetz in konflikt kommen, sofort ihr amt zurücklegen. sollte ein freispruch erfolgen, können sie wieder in "amt und würden" sein.

Und ein Großteil der

Birnbacher-Millionen befinden sich vermutlich auf den Konten des Ulrichsberg-Besitzers

Tilo B(W)erlin oder doch?

Re: Und ein Großteil der

der Tilo ist am Donnerstag, den 12. als Zeuge nicht erschienen, zuvor wurde bekannt, dass in der KLH ein Zettel vom FA München gefunden wurde, bei dem der Tilo als Verhandler beauftragt wurde....sollte er doch noch erscheinen und sich entschlagen, was dann?? ich vermute, dann gibt es denn ersten wahren Knalleffekt...so I guess.....

Re: Und ein Großteil der

Ich glaube eher, dass Haider und Martinz den Großteil der 12 Millionen für ihre Parteikassen haben wollten. Nachdem der Deal aufflog un "Birni" einen "Patriotenrabatt" (so nannte es Haider) von 6 MIllionen einräumte, war die Sache allerdings gegessen, zum Glück!

Re: Re: Und ein Großteil der

Von den 6 Millionen hätten sie sich schon noch einen Anteil geholt - wenn erst einmal Gras über die Sache gewachsen wäre; ohne die Korruptionsstaatsanwaltschaft wäre ja nichts passiert.

Der Pacher und Auer

waren die EINZIGEN,die nicht

von der Haider-Connection gekauft wurden!

Die Roten in dieser Provinz sollen auch besonders still sein,denn aus dieser Party gab es auch viele Überläufer,nicht nur in der ÖVP.

Die grausliche kärntner Chianti-Koalition des Gusi mit dem Jörgi mit steirischem Spargel-Essen ist hoffentlich noch in Erinnerung?

Hypo-Pekunia non olet,egal in welcher Party!

Gast: uizwick
14.07.2012 07:42
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rauchzeichen

ich denke, dass sich herr rauch, angesichts der övp-skandale lieber gedanken machen sollte, wie er den eigenen stall ausmistet, anstatt papiere auszuarbeiten, die rot-grün verteufeln.

dass rot-grün zu verteufeln ist, weiss ja ohnehin jedermann !
nicht erst seit Herrn gusenbauers diner bei kim um € 5.000.- auf kosten der telekom oder Herrn faymanns inseratenkampagnen oder Frau vassilakous parkpickerleskapaden in Wien......

ich wuerde mich ja melden und gerne politisch mitwirken

aber die sozialistische grundeinstellung dieser partei wie auch saemtlicher anderen parteien in oesterreich ist mir zuwider

Gast: Anmerkung
14.07.2012 03:22
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Martinz

Ein Spekulationsgeschäft in Form einer Wandelanleihe, die von SPÖ und Haider ausverhandelt wurde, brachte Kärnten in eine insolvenzähnliche Situation. Der Verkauf der Hypo-Anteile war deshalb ein Notverkauf und das Interesse der Bayern ein Glücksfall für Kärnten. Verkauft wurden jedoch nicht nur die Bankanteile, sondern gleich auch die Kärntner Landeshaftung als Mittel zur Erpressung den Bayern frei Haus geliefert. Als nämlich die Bank in Schwierigkeiten geriet, mußten die Bayern nur einen Satz sagen: "Wir lassen die Bank pleite gehen". Das hätte bedeutet, dass die Haftung von 12 Mrd. Euro für Kärnten fällig gewesen wäre. Natürlich war der Ö. Finanzminister wegen dieses Umstandes gezwungen, die Bank um einen Euro sofort und mitsamt den Schulden zurückzunehmen. Die Haftung wurde übrigens übernommen unter Führung der Kärntner SPÖ, das nur zur Erklärung. Diese unglaubliche Situation, die im gesamten Ausmaß noch gar nicht abschätzbar ist, hat Martinz mitzuverantworten. Martinz hat sich auf Haiders Geschäfte eingelassen und mit ihm an einem Strang gezogen. Martinz hat auf jede Oppositionsarbeit verzichtet um auf Seite von Haider seine Ämter behalten zu können. Sein passives Verhalten hat Kärnten in eine Situation gebracht, in der Politiker mit mafiaähnlichen Manieren das Land regieren. Trotz allem ist Martinz in Kärnten der zur Zeit vertrauenswürdigste Politiker, auch wenn das für jeden normal denkenden Menschen unvorstellbar sein mag.

Antworten Gast: dreher
14.07.2012 12:51
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Re: Martinz

lol, so kann man die geschichte natürlich auch verdrehen...und vertrauenswürdig ist etwas anderes.

Re: Martinz

Martinz passives Verhalten zu unterstellen und ihn als den vertrauenswürdigsten Kärntner Politiker zu bezeichnen grenzt an Realitätsverlust - fehlt nur noch, ihn als Opfer zu bezeichnen.

Dieser Eiertanz ist mehr als peinlich!

Glaubt man echt daß gewisse Politiker exempt sind?
Angeklagte und verurteilte (wenn auch nicht rechtskräftig) sind unmöglich für den demokratischen Prozess! Immer verbleibt der Zweifel.
Wo sind die Parteien, wo sind die Verhaltenskodices?
Die Wähler haben sich geirrt - so zu hören an Wahlabenden - ist nicht grad überraschend. Ein zeichen für Wirklichkeitsverlust!

Niemand weiß wirklich

warum die ÖVP Kärnten an dieser kontroversiellen Persönlichkeit festhält!

Gast: na aber eh kloa
13.07.2012 22:57
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ah da haben wir sie wieder...

die typischen övp leistungsträger. kmu´s und dergleichen sind damit ja nicht mehr gemeint. was ist aus dieser partei geworden? wer sie noch wählt macht sich ganz einfach mitschuldig. die verluderung der politik zeigt sich am besten anhand dieser ehem. großen partei.

Gast: b754
13.07.2012 19:58
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in der övp einen finden der nicht korrupt ist wird schwierig


Re: in der övp einen finden der nicht korrupt ist wird schwierig

Nun, mit Verallgemeinerungen ist das bekanntlich immer ein Problem. Fest steht ausser Zweifel dass sich in der Zwischenzeit ein signifikanter Teil von "Spitzenfunktionären" der ÖVP als zwielichtig oder bereits (vor-)bestraft herausstellt. Das sollte zu Denken geben.
Vielleicht wählt die ÖVP Führung - und fördert - die falschen Personen. Zu diesem Thema wird sicher noch ein weiteres Kapitel aufgeschlagen werden. Zu viele Fragen stellen sich - beispielsweise auch warum (Vize-)Bürgermeister und Feuerwehrkommandanten (?) bei BMW einen 20% Rabatt beim Autokauf erhalten sollen. Schon was von Anfütterung (gilt für Bgm im "Nebenberuf" BeamtInnen) gehört meine Herrn Volksvertreter?

Re: Re: in der övp einen finden der nicht korrupt ist wird schwierig


Re: Re: in der övp einen finden der nicht korrupt ist wird schwierig

20 % Rabatt schaut nur besser aus, diese Fahrzeuge sind immer noch zu teuer, kaufen u. fahren würden die auch ohne Rabatte, weil einfach zuviel Geld vorhanden ist!!!

Re: Re: in der övp einen finden der nicht korrupt ist wird schwierig

Und Ihre FPÖ?

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wenn man schneid ' hat

Geht man mit anstand und rechtzeitig.
das negativbeispiel ist der westenthaler.

 
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