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Pühringer: "Würde mir mit Bundes-Grünen schwerer tun"

15.07.2012 | 18:24 |  von Georg Renner (Die Presse)

Der oberösterreichische VP-Landeshauptmann Josef Pühringer spricht mit der "Presse" über Spitals- und Bildungsreform, den Sinn der Bundesländer und seine persönliche Zukunft nach 17 Jahren im Amt.

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Die Presse: Artur Wechselberger, der neue Präsident der Ärztekammer, hat vorgeschlagen, den Ländern die Verantwortung für die Spitäler wegzunehmen – von Ihnen kam ein reflexartiges „Sicher nicht“. Warum eigentlich?

Josef Pühringer: Der Vorschlag ist zu diesem Zeitpunkt nur provokant. Wir haben gerade eine Einigung zwischen Bund, Ländern und Sozialversicherung erzielt, sowohl den niedergelassenen als auch den stationären Bereich aus einer Hand zu planen, zu steuern und zu finanzieren.

 

Bei dieser Einigung hat man sich nur auf eine „virtuelle“ Finanzierung aus einer Hand geeinigt, tatsächlich bleibt die Aufteilung zwischen den Rechtsträgern. Was hat eigentlich dagegen gesprochen, tatsächlich aus einer Hand zu finanzieren?

Das wäre mein Vorschlag gewesen – alles bei den neun Landesplattformen zu bündeln. Alles dem Bund zu übertragen geht sicher nicht: Es soll einen Wettbewerb unter den Standorten um Qualität und Wirtschaftlichkeit geben. Wenn alle aus einer Kasse das Geld bekommen, gibt es den nicht.

Ein anderes Gebiet, in dem immer wieder mit den Ländern verhandelt wird, ist die Bildung. Sie sagen, Ihnen sei nicht wichtig, ob die Lehrer zum Land gehören oder zum Bund. Was stellen Sie sich da vor?

Bei der Schulverwaltung vertreten alle Länder die Position, es müsse eine einheitliche Schule in Österreich geben. Das heißt alles, was einheitlich sein muss – Inhalte, Qualität, Lehrerausbildung, Lehrpläne –, soll beim Bund sein. Organisation, Personal und Umsetzung sollen aber die Länder machen. Wir sind vor Ort und können das sicher besser. Wir beweisen im Pflichtschulbereich, dass wir das können.

 

Dabei zeigt PISA, dass Österreichs Schüler gerade bei der Lesefähigkeit abgestürzt sind – also bei etwas, was im Pflichtschulbereich gelehrt wird.

Das hat aber mit der Schulverwaltung nichts zu tun. Ich fordere sowohl bei PISA als auch bei den Bildungsstandards, dass die Ergebnisse herausgegeben werden. Ich will zwar kein Schulranking, aber ich will wissen, wie die Qualität im ländlichen Raum ausschaut, wie bei den Gymnasien, wie in den Hauptschulen, wie bei der Neuen Mittelschule, wie in Schulen mit vielen und wenigen Migranten?

 

Warum nicht dann doch einen Schritt weiter gehen und Eltern mittels Rankings die Möglichkeit geben, Schulen direkt zu vergleichen?

Da bin ich beim ersten Mal, wenn das gemacht wird, vorsichtig. Ein Ranking wäre erst dann zu verantworten, wenn das mehrmals durchgeführt wurde und wenn die Schulen reagieren konnten. Das wäre beim ersten Mal nicht fair – langfristig aber sehr wohl.

 

Immer wieder steht das Schlagwort Föderalismusreform im Raum. Wofür brauchen wir die Länder heute noch?

Die Politik der Länder ist der Maßanzug – gegenüber der Konfektion. Die Länder gehen über ihre Kompetenzen weit hinaus, weil sie den Menschen Heimat geben. Jeder Bürger ist zuerst einmal Gmunder, dann Oberösterreicher, dann Österreicher, dann Europäer. Gerade in Zeiten der Globalisierung ist die Beheimatung etwas ganz Entscheidendes.

 

Aber rechtfertigt das denn den ganzen Apparat, sieben Jugendschutzgesetze, neun Bienenzuchtgesetze...

Die Gesetze, ob sie gleich oder verschieden sind, kosten in etwa dasselbe. Sie können aber auf Spezifisches eingehen: Das Bauen in der Tiroler Bergwelt ist etwas anderes als in der Linzer Ebene. Und zu glauben, dass der Zentralismus in Summe billiger sei als der Föderalismus, das wird immer wieder widerlegt. Die zentralistischen Lösungen sind letzten Endes immer die teuersten.


Oberösterreich war lange ein Musterland, das Überschüsse erzielt hat. Seit zwei Jahren weisen Sie einen Budgetabgang aus – was ist da passiert?

Das geht auf die beiden Konjunkturpakete und die gesunkenen Einnahmen infolge der Finanzkrise zurück. Da hat unsere mittelfristige Finanzplanung nicht funktioniert, da können wir aber nichts dafür. Mein Ziel ist es, möglichst rasch wieder zu einem ausgeglichenen Haushalt zurückzukehren.


Was halten Sie von anderen Ländern, die seit Jahren nur Verluste schreiben?

Ich bekenne mich zu ausgeglichenen Haushalten. Was die anderen Länder anbelangt, bin ich nicht deren Oberlehrer.

 

Die Rolle nimmt der Rechnungshof ein, mit dem Ihr Amtskollege Erwin Pröll gerade über Kreuz ist. Wie ist denn Ihr Verhältnis zum Rechnungshof?

Ich akzeptiere und schätze ihn als Kontrollorgan. Aber auch der Rechnungshof ist nicht unfehlbar, ich teile nicht jedes Ergebnis.


Pröll wirft dem Rechnungshof vor, er würde instrumentalisiert. Haben Sie den Eindruck auch schon gehabt?

Ich war nicht immer glücklich mit seinen Berichten, habe nicht jedes Ergebnis fair gefunden. Man darf seine Ergebnisse auch kritisieren.

Sie arbeiten in OÖ seit neun Jahren mit den Grünen als Koalitionspartner. Würden Sie sie auf Bundesebene als Regierungspartner empfehlen?

Wir haben hier eine korrekte Basis mit den Grünen, begegnen einander auf Augenhöhe. Aber eine Koalition auf Landesebene ist wesentlich einfacher als auf Bundesebene, wo die Politik wesentlich ideologischer ist.

Dort können Sie sich eine Zusammenarbeit also nicht vorstellen?

Das hängt von den handelnden Personen ab. Aber wenn ich mir einige der grünen Leitpersönlichkeiten auf Bundesebene anschaue, wird das dort wesentlich schwieriger sein als bei uns im Land.

Die ÖVP matcht sich derzeit mit der FPÖ um Platz drei in den Umfragen.

Eineinviertel Jahre vor der Wahl kommt es nicht auf Umfragen an. Michael Spindelegger macht gute Arbeit. Wir haben gewusst, dass wir da keinen Showmaster wählen, aber er hat hohe fachliche und menschliche Kompetenz.

 

Sie sind jetzt seit 17 Jahren im Amt. Wie lange bleiben Sie noch?

Derzeit macht mir die Aufgabe noch sehr viel Freude, aber ich kenne meinen Geburtstag. Ob ich bei der nächsten Landtagswahl antrete, ist noch völlig offen.

Zur Person

Josef Pühringer ist seit 1995 Landeshauptmann von Oberösterreich und Parteiobmann der Landes-Volkspartei. Seit 2003 regiert er das Land an der Spitze einer schwarz-grünen Koalition, damals die erste Regierungsbeteiligung der Grünen auf Landesebene. Der 62-Jährige ist promovierter Jurist und hat während seines Studiums als Religionslehrer gearbeitet.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.07.2012)

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28 Kommentare
 
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Positivbeispiel OÖ

anstatt Hr Pühringer zu kritisieren, sollte man auf die Ergebnisse der OÖ Politik und Wirtschaft schauen. Dies ist ein positives Rollenmodell für Österreich. Deshalb ist es schwer zu verstehen, dass Politiker aus Wien, Nö und Kärnten im Bund den Ton angeben, gerade Vertreter jener Bundesländer, die wirtschaftlich und politisch die schlechtesten Ergebnisse vorzuweisen haben.

Antworten Gast: lachender dritter
16.07.2012 15:26
0 1

Re: Positivbeispiel OÖ?

großartige satire!

Die ÖVP-Strategie ist es sich auf die verbleibenden 4 Bundesländer und ein paar (wenige) Berufsgruppen zu konzentrieren

Die Bundespartei hat nur mehr die Funktion - egal wie - in der Regierung zu bleiben um diese Gruppen mit Steuergeld zu versorgen.

Einen Anspruch eine bürgerliche Politik-Richtung für ganz Österreich zu propagieren - wie das andere Bürgerliche Parteien Europas haben - hat sie nicht mehr.

Sie ist zu einer Nischen und Versrungspartei geworden.

Das ist nichts verbotenes oder schlechtes aber man sollte als bürgerlicher orientierter Wähler erkenne, dass - falls man nicht Bauer oder Spitzenbeamter ist und aus den vier scharzen Bundesländern kommt, die ÖVP einen nicht mehr vertreten wird.


In Oberösterreich hat Pühringer den Beinamen : Hupfert Pepi

weil er wie das Rumpelstilzchen nicht versteht ein normales Witzchen von jedem Fritzchen.

Der Hupfert Pepi tut sich gar nicht schwer, den seine Partner sind alle Millionär.

Und Grüne kann man nicht kaufen, deshalb würden viele Geschäft untertauchen.

Re: In Oberösterreich hat Pühringer den Beinamen : Hupfert Pepi

mit den grüniNNEN tut sich jeder normale mensch schwer !

Re: In Oberösterreich hat Pühringer den Beinamen : Hupfert Pepi

grüne nicht kaufen..????
sage nur: ESM !!!!!!!!!

Antworten Gast: werbistdu
16.07.2012 10:56
1 0

Re: In Oberösterreich hat Pühringer den Beinamen : Hupfert Pepi

Schön, daß du heute vom Kindergarten frei bekommen hast, um so ein nettes Gedicht zu sagen.
Ja, Ja, die anderen Parteien in OÖ habens nicht leicht neben unseren LH.
Skandale kann man ihm nicht unterstellen, daß haben die Roten schon auf plumpe Art versucht, und hat nicht geholfen.

Antworten Gast: FNC
16.07.2012 10:10
0 0

Re: In Oberösterreich hat Pühringer den Beinamen : Hupfert Pepi

Ihr Kommentar fängt mit einer Beleidigung an.
Der anschließende Versuch, etwas in Reimform scheitert kläglich.
Die Unterstellungen sind an den Haaren herbeigezogen.
Resümee: Sie sind ein sehr unbedarfter Mensch und sollten dies nicht auch noch in der Öffentlichkeit auf diese Art und Weise zeigen. Aber wahrscheinlich ergibt automatisch das eine das andere.

Re: In Oberösterreich hat Pühringer den Beinamen : Hupfert Pepi

Grüne kann man nicht kaufen?

Die kaufen sich ja selbst ein bei der Regierung für staatliche Förderungen zum Profit der unwirtschaftlichen Energieprojekte ihrer Privat- Firmen und stimmen deshalb für die Regierung in der steuergeldverschwendenden Euro-Politik.

Gast: ein paar Gedanken
15.07.2012 21:30
0 0

Politdarsteller sprechen immer nur, wenn diese von Geld reden, Geldumverteilung an

Betreff: „virtuelle Finanzierung aus einer Hand", "Aufteilung", "aus einer Hand zu finanzieren" im Text etc.

Politdarsteller sprechen immer nur, wenn diese von Geld reden, die Geldumverteilung an:

Diese reden von Geld, welches diese a) vom Steuerzahler bekommen b) einem anderen Ressort weg nehmen (was wieder vom Steuerzahler meist bedeutet) oder c) per Kredit aufnehmen

die Option der Geldschöpfung (wäre d)
sprechen diese Kleingeister gar nicht an, denn die Melkkuh bei a-c) ist ohnehin der Steuerzahler, der neue Steuern zahlen darf, Steuererhöhungen bekommt, der zwangsenteignet wird,
der Schulden der Öffentlichen übernehmen darf- entweder direkt über die Steuervarianten oder indirekt dann über den aufgenommenen Kredit und späteren Varianten wie Geldentwertung drauf zahlen darf.

Politdarsteller sind schlicht mutlos und/oder unintelligent. Meist beides.

Fragen Sie sich einmal konstruktiv: Wie viel Schulden hätte die öffentliche Hand, wenn diese Geld selbst, folglich ohne (!!!) Kreditaufnahme - zB mit Geldschöpfung im Staat als 4.Staatsgewalt wie einer Monetative- schaffen würde.

Gast: Hoho-
15.07.2012 21:12
0 0

...

Würde "mich" mit den Bundes-Grünen schwerer tun!

Antworten Gast: DergeradeTurmvonPisa
16.07.2012 10:06
0 0

Re: ...

Ja, ein Landeshauptmann sollte Vorbild für die Pisa-Test-Schüler sein:

ich tue mich schwer
ich tat mich schwer
wir taten uns schwer
ich mich schwertue
ich mich schwertat
ich habe mich schwergetan
ich hatte mich schwergetan
ich werde mich schwertun

27 4

Wer bitte tut sich mit den "Grünen"...

...nicht schwer? In Graz gescheitert und in Wien haben sie innerhalb weniger Wochen das totale Chaos verursacht. Die Grünen sind letztlich nichts anderes als Kommunisten im Bioökolügenmäntelchen.

Re: Wer bitte tut sich mit den "Grünen"...

Welches Chaos? Habe davon noch nichts bemerkt.

Re: Re: Wer bitte tut sich mit den "Grünen"...

...Augen auf, Ohren auf...es ist schwer zu übersehen.

da liegst du richtig

lieber sepp, du bist ein macho im positiven sinn ein politiker mit eiern in der hose. solche männer werden von den grüninnen nur privat für eine nacht gebraucht. vor dir hätten sie politisch zu viel schiss

Gast: Achheimer B
15.07.2012 19:56
19 1

Pühringer: "Würde mir mit Bundes-Grünen schwerer tun"

Wer nicht, außer den Roten?

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Re: Pühringer: "Würde mir mit Bundes-Grünen schwerer tun"

Die Roten werden/würden sich auch schwer tun - wie ja bereits in Wien zu bemerken ist. Die gehen lieber ein Bündnis mit dem Teufel persönlich ein, bevor sie von ihrem Thron absteigen.

"mit dem Teufel persönlich"

Die Wiener Grünen mit dem Gottseibeiuns zu vergleichen ... *grins*. Mal abgesehen davon erscheint ein Bundesbündnis Rot/Grün (vgl. Wien) bzw. Schwarz/Grün (á lá OÖ) wenig wahrscheinlich.
Bei der letzten NR-Wahl hatte Rot/Grün 39,7% bzw. Schwarz/Grün 36,4%. Da müssten 11% bzw. 14% gewonnen werden. Wer soll das zulegen? Die ÖVP? Die SPÖ? ... ... ... Dass ausgerechnet die Bundesgrünen 11% (!!) zulegen, daran glauben Sie wohl selber nicht.

0 0

Re: "mit dem Teufel persönlich"

Mißverständnis - gemeint war, dass wenn es nicht die Grünen gäbe (schlimm genug..) die Roten bereit wären, mit jedem - eben auch mit besagtem Teufel - einen Deal einzugehen, um ja "oben" zu bleiben!

Chaos

das völlige Chaos Spitalreform zu nennen ist schon ein starkes Stück. Warum spricht er in der Presse die Notwendigkeit einer Medizin Universität nicht an... sogar Fürsten unterstützen dies!

Gast: Die Wiener Krankheit darf nicht ganz Österreich lähmen
15.07.2012 19:42
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Man muss den Wählern in den Bundesländern wie Oberösterreich die Wahrheit sagen: die Bundesgrünen sind ideologisch irgendwo zwischen Alternativer Liste und Gruppe revolutionärer Marxisten angesiedelt.


Jedenfalls hat Pühringer recht: Bei Rot-Grün würde es im Bund ganz anders ablaufen. Das müsste man sich eher so wie in Wien vorstellen.

Das sollte Oberösterreichern klar sein, wenn sie bei der Bundeswahl Grün wählen!

Wien taugt endlich wieder etwas, in den Bundesländern. Und sei es nur als abschreckendes Beispiel!

Antworten Gast: louser
15.07.2012 22:17
2 0

Re: Man muss den Wählern in den Bundesländern wie Oberösterreich die Wahrheit sagen: die Bundesgrünen sind ideologisch irgendwo zwischen Alternativer Liste und Gruppe revolutionärer Marxisten angesiedelt.

Die AL war damals schon das "Basislager" der GRM. Das eigentliche Problem für die z.Z nicht überwindbare 15% - Hürde der (echten) Grünen war die unsägliche Ver-
schmelzung mit der Alternativen Liste.
Der Großteil der (echten) Grünen verblieb
in den Ländern, die Marxisten sahen Ihre Chance als Kuckucks-Eier der Grünen im Parlament, da die KPÖ als ihre eigentliche polit. "Heimat" dort keine Chance hat(te).
Die heutigen Grünen sind daher zu heterogen, um eine erfolgreiche Koalition in der Landespolitik auf den Bund übertragen zu können.

Gast: Klaus
15.07.2012 19:40
5 15

könnte bitte ...

.... jemand diesen Herren auf das Abstellgleis schieben?

Danke verbindlichst.

zu blöd

Ausgerechnet bei der letzten Wahl (Landtag) wurde OÖs LH eindrucksvoll im Amt bestätigt ... ... ... was nun?

Antworten Gast: OÖler
16.07.2012 01:18
4 0

Re: könnte bitte ...

Falls Sie es nicht wissen, OÖ steht im Bundesländervergleich sehr gut da und dies ist auch ein Verdienst von Herrn Pühringer.

Wen hätten Sie den gern als "Ersatz"?
Denn Schuldenpröll oder den Heurigenmichl?

 
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