Der Witz ist wohl schwer auszulassen: Gabriel Obernosterer sei gut geeignet, die Kärntner ÖVP zu übernehmen, denn als einst erfolgreicher Naturbahnrodler (Nationalkader) kenne er sich zumindest mit Talfahrten gut aus.
Abgesehen davon fällt der 57-jährige Lesachtaler Hotelier derzeit vor allem durch häufiges Entschuldigen auf – „obwohl ich nichts dafür kann“. Für die Krise der Partei, für die er nach dem Blitzrücktritt von Josef Martinz, das Vertrauen der Wähler und Funktionäre wiedergewinnen muss. Dazu verspricht der zweifache Vater und vierfache Großvater, der von sich selbst gern in der dritten Person redet, Aufarbeitung: „In der Stunde null der Partei“ müsse alles auf den Tisch. Personelle Folgen schließt der Nationalrat (Bereich Tourismus) nicht aus, hält aber an Ex-Landesgeschäftsführer Achill Rumpold fest: „Ich habe ihm tief in die Augen geschaut und ihn gefragt, ob er etwas damit zu tun hat. Er hat Nein gesagt.“ In der Landesregierung will Obernosterer die ÖVP von der FPK abgrenzen: „Es gibt keine Koalition, nur das Spiel der freien Kräfte. Wir werden nicht mehr Mehrheitsbeschaffer sein.“ Bei der Neuausrichtung sollen externe Experten helfen. Sollte es einen Neuwahlantrag geben, werde man zustimmen.
Obernosterer gilt als umgänglich, gradlinig, liberal – und ehrgeizig: Man nimmt an, dass er beim Parteitag, den er vorbereitet, kandidieren wird. Er hatte aber auch schon, 2009, mit der Justiz zu tun, wegen des Verdachts der Falschaussage vor dem Landtags-U-Ausschuss. Er wurde jedoch rehabilitiert. uw
("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.07.2012)
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