Wien/Klagenfurt. Sie bildeten schon zu Jörg Haiders Lebzeiten ein politisches Gespann. Sie bewohnen mit ihren Familien gemeinsam den „Sternhof“, einen Bauernhof in Mühldorf im Kärntner Mölltal. So betrachtet handelt es sich um eine – freilich durch massiven öffentlichen Druck von außen erzwungene – Hofübergabe unter dem Großbauernbrüderpaar Scheuch. Dass der um zwei Jahre ältere Kurt künftig Uwe Scheuch (43) in der Landesregierung und als Parteichef folgen wird, ist allerdings gleichzeitig eine deutliche politische Manifestation: Bei den Kärntner Freiheitlichen (FPK) geht ohne den selbstbewussten freiheitlich-nationalen Scheuch-Clan aus Oberkärnten nichts – auch wenn Gerhard Dörfler als Landeshauptmann (FPK) der Repräsentant nach außen war und bleibt.
Kurt Scheuch, verheirateter Vater von drei Kindern, war von den politischen Anfängen an der Emotionale, der betont Raubeinige. Während der schwarz-blauen Bundesregierung machte er als Sprecher der Kärntner FPÖ-Mandatare im Parlament auf sich aufmerksam. Spätestens im September 2002 war er österreichweit bekannt – als „Reißwolf“ von Knittelfeld. Bei dem Treffen von Jörg Haiders FPÖ-Getreuen in der Steiermark zerriss er das mit der damaligen blauen Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer ausgehandelte Papier. Kurt Scheuch, der zuletzt FPK-Klubchef in Kärnten war, ist modisch leicht zu erkennen: Ein Halstuch ist das Markenzeichen des rustikalen Oberkärntners, der demonstrativ in Tracht auftritt.
In der Öffentlichkeit hat ihm allerdings sein jüngerer Bruder, Uwe, der in Wien an der Universität für Bodenkultur studiert hat, im Laufe des vergangenen Jahrzehnts in den Reihen der Getreuen Jörg Haiders den Rang abgelaufen. Großbauerngehabe war auch Uwe Scheuch nicht fremd, aber der studierte Forstwirt und verheiratete Vater zweier Kinder galt in der Vergangenheit stets als jener Scheuch-Bruder mit besseren Umgangsformen. „Er ist sicher moderater als ich“, hatte Kurt Scheuch selbst vor einiger Zeit erklärt.
Nun Strafantrag gegen Kurt Scheuch
Im internen Ranking der Familie mag diese Einschätzung zutreffen. Aber je mehr Uwe Scheuch vor allem durch die Justiz in der Vergangenheit in Bedrängnis geriet, umso härter teilte er öffentlich aus. Im Sommer 2011 ließ er nach dem ersten Gerichtsurteil im „Part of the game“-Prozess, das später wegen eines Formalfehlers aufgehoben wurde, Flugblätter an die Kärntner aussenden, in denen er über das „parteipolitisch motivierte Fehlurteil“ herzog. „Wenn man ihn in die Enge treibt, wird er noch zorniger“, urteilte ein FPK-Politiker da über ihn. Selbst Bundespräsident Heinz Fischer blieb von Uwe Scheuchs Attacken nicht verschont.
Bruder Kurt Scheuch hat das nächste Problem in Form eines Strafverfahrens am Hals. Die Staatsanwaltschaft Graz hat gegen ihn einen Strafantrag wegen Beleidigung eingebracht. Kurt Scheuch hatte den Richter Christian Liebhauser-Karl nach dem ersten Klagenfurter Prozess, öffentlich als „Kröte“ bezeichnet.
Mit seinem am Mittwoch verkündeten Rückzug aus der Politik wird der sukzessive Aufstieg Uwe Scheuchs in den vergangenen gut zehn Jahren abrupt gestoppt. Politisches Idol und Leitfigur war Jörg Haider. Die politische Prägung erfolgte früher: Die Scheuch-Brüder entstammen einer (deutsch-)nationalen Familie. Großvater Robert Scheuch war Mitbegründer der FPÖ-Vorgängerpartei VdU und vor dem „Anschluss“ illegaler Nazi.
Uwe Scheuch, dessen Vater bei einem Traktorunfall ums Leben kam, als Uwe noch ein Kleinkind war, und der seit 1990 mit dem Bruder den großen Bauernhof bewirtschaftet, unternahm als „Bauernbefreier“ bei der Kärntner Landwirtschaftskammerwahl 2001 erste politische Gehversuche. 2002 folgte der Einzug in den Nationalrat. Dann ging es ab 2004 als FPÖ-Generalsekretär und Mann Haiders, mit dem er schließlich 2005 zum orangen BZÖ wechselte, immer rasanter hinauf. Nach Haiders Unfalltod 2008 wurde er Vizelandeshauptmann und Kärntner Landesparteichef (damals noch BZÖ). Ende 2009 zog Uwe Scheuch die Fäden mit Heinz-Christian Strache beim Zweckbündnis, das FPÖ und Kärntner FPK wieder zur „freiheitlichen Familie“ zusammenführte.
„Klane Tätsch'n“ noch weggesteckt
Allerdings entwickelte sich der blaue Aufsteiger nach und nach zum Problemfall. Die verbalen Prügel um die „klane Tätsch'n“, die er als Erziehungsmethode nicht missen wollte, konnte er noch locker parieren. Anfang Juli wurde Uwe Scheuch endgültig von der „Part of the game“-Affäre eingeholt und vom Gericht nicht rechtskräftig wegen verbotener Geschenkannahme zu sieben Monaten bedingter Haft und 150.000 Euro Geldstrafe verurteilt, weil er 2009 einem Russen die Staatsbürgerschaft bei einer Parteispende in Aussicht gestellt haben soll.
Am Dienstag hat die Korruptionsstaatsanwaltschaft Ermittlungen wegen des Verdachts der versuchten Geldwäsche (es gilt die Unschuldsvermutung) eingeleitet. Auslöser war die Aussage des Steuerberaters Dietrich Birnbacher, Scheuch und Landesrat Harald Dobernig hätten 2009 von ihm 500.000 Euro aus dem Honorar beim Hypo-Verkauf verlangt. „Gelassen“ sei er, ließ er danach wissen. Davon war bei der Pressekonferenz am Mittwoch nichts mehr zu spüren: Da markierte er mit harten Bandagen gegen Medien das Raubein. Zumindest für die Familie und den Hof hat Uwe Scheuch nun mehr Zeit – vorerst für den Geburtstag seiner Tochter, wie er am Mittwoch erklärte.
Berufungsprozess. Uwe Scheuch (43), der als Vizelandeshauptmann und Chef der Kärntner Freiheitlichen (FPK) für seinen Bruder Kurt Platz gemacht hat, wartet nun auf den Berufungsprozess in der „Part of the game“-Affäre. Dafür gebe es noch keinen Termin am Oberlandesgericht Graz, erklärte der Sprecher des OLG-Graz, Ulrich Leitner. Uwe Scheuch war am 6. Juli – nicht rechtskräftig – zu einer bedingten Strafe von sieben Monaten und einer Geldstrafe von 150.000 Euro verurteilt worden. Mitte April 2012 war ein erstes Urteil vom OLG Graz wegen eines Formalfehlers aufgehoben worden.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.08.2012)
BilderMord an Soldaten schockiert Großbritannien
Staatsbürgerschaftstest neuKönnten Sie Österreicher werden?
Zitate der Woche''Wie man mit Umfragen manipuliert, weiß ich auch''
X-47BGroßdrohne hebt erstmals von Flugzeugträger ab
''Kim on Tour''Der Diktator als Pappkamerad
