25.05.2013 22:37 Merkliste 0

Zwei raue Brüder: Hofübergabe in nationaler Familie

01.08.2012 | 18:14 |  KARL ETTINGER (Die Presse)

„Reißwolf“ Kurt Scheuch tritt aus dem Schatten des gestolperten Aufsteigers Uwe. Das Mölltal bleibt damit das Zentrum der Kärntner Freiheitlichen.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Wien/Klagenfurt. Sie bildeten schon zu Jörg Haiders Lebzeiten ein politisches Gespann. Sie bewohnen mit ihren Familien gemeinsam den „Sternhof“, einen Bauernhof in Mühldorf im Kärntner Mölltal. So betrachtet handelt es sich um eine – freilich durch massiven öffentlichen Druck von außen erzwungene – Hofübergabe unter dem Großbauernbrüderpaar Scheuch. Dass der um zwei Jahre ältere Kurt künftig Uwe Scheuch (43) in der Landesregierung und als Parteichef folgen wird, ist allerdings gleichzeitig eine deutliche politische Manifestation: Bei den Kärntner Freiheitlichen (FPK) geht ohne den selbstbewussten freiheitlich-nationalen Scheuch-Clan aus Oberkärnten nichts – auch wenn Gerhard Dörfler als Landeshauptmann (FPK) der Repräsentant nach außen war und bleibt.

Kurt Scheuch, verheirateter Vater von drei Kindern, war von den politischen Anfängen an der Emotionale, der betont Raubeinige. Während der schwarz-blauen Bundesregierung machte er als Sprecher der Kärntner FPÖ-Mandatare im Parlament auf sich aufmerksam. Spätestens im September 2002 war er österreichweit bekannt – als „Reißwolf“ von Knittelfeld. Bei dem Treffen von Jörg Haiders FPÖ-Getreuen in der Steiermark zerriss er das mit der damaligen blauen Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer ausgehandelte Papier. Kurt Scheuch, der zuletzt FPK-Klubchef in Kärnten war, ist modisch leicht zu erkennen: Ein Halstuch ist das Markenzeichen des rustikalen Oberkärntners, der demonstrativ in Tracht auftritt.

In der Öffentlichkeit hat ihm allerdings sein jüngerer Bruder, Uwe, der in Wien an der Universität für Bodenkultur studiert hat, im Laufe des vergangenen Jahrzehnts in den Reihen der Getreuen Jörg Haiders den Rang abgelaufen. Großbauerngehabe war auch Uwe Scheuch nicht fremd, aber der studierte Forstwirt und verheiratete Vater zweier Kinder galt in der Vergangenheit stets als jener Scheuch-Bruder mit besseren Umgangsformen. „Er ist sicher moderater als ich“, hatte Kurt Scheuch selbst vor einiger Zeit erklärt.

Nun Strafantrag gegen Kurt Scheuch

Im internen Ranking der Familie mag diese Einschätzung zutreffen. Aber je mehr Uwe Scheuch vor allem durch die Justiz in der Vergangenheit in Bedrängnis geriet, umso härter teilte er öffentlich aus. Im Sommer 2011 ließ er nach dem ersten Gerichtsurteil im „Part of the game“-Prozess, das später wegen eines Formalfehlers aufgehoben wurde, Flugblätter an die Kärntner aussenden, in denen er über das „parteipolitisch motivierte Fehlurteil“ herzog. „Wenn man ihn in die Enge treibt, wird er noch zorniger“, urteilte ein FPK-Politiker da über ihn. Selbst Bundespräsident Heinz Fischer blieb von Uwe Scheuchs Attacken nicht verschont.

Bruder Kurt Scheuch hat das nächste Problem in Form eines Strafverfahrens am Hals. Die Staatsanwaltschaft Graz hat gegen ihn einen Strafantrag wegen Beleidigung eingebracht. Kurt Scheuch hatte den Richter Christian Liebhauser-Karl nach dem ersten Klagenfurter Prozess, öffentlich als „Kröte“ bezeichnet.

Mit seinem am Mittwoch verkündeten Rückzug aus der Politik wird der sukzessive Aufstieg Uwe Scheuchs in den vergangenen gut zehn Jahren abrupt gestoppt. Politisches Idol und Leitfigur war Jörg Haider. Die politische Prägung erfolgte früher: Die Scheuch-Brüder entstammen einer (deutsch-)nationalen Familie. Großvater Robert Scheuch war Mitbegründer der FPÖ-Vorgängerpartei VdU und vor dem „Anschluss“ illegaler Nazi.

Uwe Scheuch, dessen Vater bei einem Traktorunfall ums Leben kam, als Uwe noch ein Kleinkind war, und der seit 1990 mit dem Bruder den großen Bauernhof bewirtschaftet, unternahm als „Bauernbefreier“ bei der Kärntner Landwirtschaftskammerwahl 2001 erste politische Gehversuche. 2002 folgte der Einzug in den Nationalrat. Dann ging es ab 2004 als FPÖ-Generalsekretär und Mann Haiders, mit dem er schließlich 2005 zum orangen BZÖ wechselte, immer rasanter hinauf. Nach Haiders Unfalltod 2008 wurde er Vizelandeshauptmann und Kärntner Landesparteichef (damals noch BZÖ). Ende 2009 zog Uwe Scheuch die Fäden mit Heinz-Christian Strache beim Zweckbündnis, das FPÖ und Kärntner FPK wieder zur „freiheitlichen Familie“ zusammenführte.

„Klane Tätsch'n“ noch weggesteckt

Allerdings entwickelte sich der blaue Aufsteiger nach und nach zum Problemfall. Die verbalen Prügel um die „klane Tätsch'n“, die er als Erziehungsmethode nicht missen wollte, konnte er noch locker parieren. Anfang Juli wurde Uwe Scheuch endgültig von der „Part of the game“-Affäre eingeholt und vom Gericht nicht rechtskräftig wegen verbotener Geschenkannahme zu sieben Monaten bedingter Haft und 150.000 Euro Geldstrafe verurteilt, weil er 2009 einem Russen die Staatsbürgerschaft bei einer Parteispende in Aussicht gestellt haben soll.

Am Dienstag hat die Korruptionsstaatsanwaltschaft Ermittlungen wegen des Verdachts der versuchten Geldwäsche (es gilt die Unschuldsvermutung) eingeleitet. Auslöser war die Aussage des Steuerberaters Dietrich Birnbacher, Scheuch und Landesrat Harald Dobernig hätten 2009 von ihm 500.000 Euro aus dem Honorar beim Hypo-Verkauf verlangt. „Gelassen“ sei er, ließ er danach wissen. Davon war bei der Pressekonferenz am Mittwoch nichts mehr zu spüren: Da markierte er mit harten Bandagen gegen Medien das Raubein. Zumindest für die Familie und den Hof hat Uwe Scheuch nun mehr Zeit – vorerst für den Geburtstag seiner Tochter, wie er am Mittwoch erklärte.

Auf einen Blick

Berufungsprozess. Uwe Scheuch (43), der als Vizelandeshauptmann und Chef der Kärntner Freiheitlichen (FPK) für seinen Bruder Kurt Platz gemacht hat, wartet nun auf den Berufungsprozess in der „Part of the game“-Affäre. Dafür gebe es noch keinen Termin am Oberlandesgericht Graz, erklärte der Sprecher des OLG-Graz, Ulrich Leitner. Uwe Scheuch war am 6. Juli – nicht rechtskräftig – zu einer bedingten Strafe von sieben Monaten und einer Geldstrafe von 150.000 Euro verurteilt worden. Mitte April 2012 war ein erstes Urteil vom OLG Graz wegen eines Formalfehlers aufgehoben worden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.08.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

24 Kommentare

Frage an die R e d

Die Scheuch-Brüder entstammen einer (deutsch-)nationalen Familie. Großvater Robert Scheuch war Mitbegründer der FPÖ-Vorgängerpartei VdU und vor dem „Anschluss“ illegaler Nazi.

Können Sie solches bitte künftig auch immer bei roter Prominenz -aus dem Zusammenhang gerissen- angeben - denn auch dort gibt es genügend aus dieser Zeit zu berichten.

Re: Frage an die R e d

Nein, das "darf" man nicht. Nur bei den Blauen muss schon bnis zum Großvater die beliebte Ahnenforschung betrieben werden!
Bei einer knallroten und als rote Quotenfrau wie der Frau Tumpel-Gugerell mit einer Polit-Karriere von der Nationalbank bis zur EZB heißt es dann zartfühlend "der SPÖ nahestehend"...

Gast: Don Quichote
02.08.2012 14:37
3 0

Ist es denn wirklich so schwer, ...

... einen halbwegs besonnenen, halbwegs zurechnungsfähigen, halbwegs vorzeigbaren Kandidaten für das Amt des Partei-Chefs zu finden? Oder ist dieses Land dazu verurteilt, dem rotscharzen Klüngel ohne ernstzunehmende Alternative in den Abgrund zu folgen?

Nein, gar nicht schwer ...

nur will die FPK/ÖVP Klientel in Kärnten niemanden der zurechnungsfähig oder vorzeigbar ist.
Das Problem sind nicht die Politiker, sondern jene Leute, die diese Politiker wählen.
Ohne die braunen Hinterwäldler in Kärnten hätte jemand wie Haider nie eine Chance gehabt.

Re: Nein, gar nicht schwer ...

Gemach, gemach! Der Haider war nur im und nach dem langjährigen SPÖ-System in Kärnten möglich. Als charismatische Alternative zu den roten Baddeiapparatschiks und schwarzen Nullen!
Wer erinnert sich denn noch an die rote "Powerfrau", die tolle "Gaby" Kanduth, die weinend abtrat, weil der Jörgl sie so gar nicht lieb hatte. Dann die steten Diadochenkämpfe innerhalb der Kärntner Inferioritätsriege, wo sich die Bezirkskaiser hüteten, sich "das Land" anzuutun...

Keine Alternative!

In Kärnten gibt es leider keine Alternative zur FPK!
Also werden sie so weiter werkeln wie bisher, für den Schaden kommt dann der Steuerzahler auf.
Die Leute in Österreich (nicht nur in Kärnten) sind großteils zu faul und unmotviert um wählen zu gehen!
Darum wird sich nicht viel ändern, denn die Stammwähler werden ihre Parteien immer wählen, ganz egal was vorgefallen ist.

Gast: Anständiger
02.08.2012 12:08
4 0

Was für eine Bagage!

Man muss sich aber auch fragen, wer wählt so etwas! Übrigens logisch, dass es der große Bruder sein muss: Wer sonst kann besser auf die vielen Dosen mit den vielen Würmern aufpassen?

Gast: Jan Zehetner
02.08.2012 11:27
4 0

Diese Aktion

ist an Unverfrorenheit und politischer Dummheit nicht mehr zu überbieten.

Das muss es auch den einfachsten Kärntner Wähler erschaudern.

5 0

Die Scheuch´s

Ich meine, es ist doch lächerlich Uwe durch Kurt zu ersetzen. Man muß davon ausgehen, dass Dörfler noch immer nicht weiss um was es wirklich geht oder von den Scheuch´s abhängig wird. Diese Aktion ist so offensichtlich dass die - bei vollem Verstand von Dörfler & Co (und da bin ich mir nicht mehr sicher) KärtnerInnen und der vernünftige Rest von Österreich nicht ernst genommen wird. Total unverständlich diese Aktion in Ktn.

Re: Die Scheuch´s

Der Dörfler kann ohne die Scheuchs nicht einmal alleine Pipi machen gehen, darum ist diese Rochade verständlich!

"bei vollem Verstand von Dörfler & Co"

Davon kann ja überhaupt keine Rede sein: Zumindest Dörfler wurde von einem Gericht bereits bescheinigt, daß er "partiell unzurechnungsfähig" und daher "schuldunfähig" ist. Gute Nacht, Kärnten!

Der Dörfler ist ja

in dieser Party nicht eigenberechtigt und quasi nur ein "Strohmann".

Nur in der Ortstafelfrage versuchte er einen Befreiungsschlag aus der Umklammerung der Scheuch-Brüder,aber hpts. nur,um sich selbst als "guter Kärntner" zu präsentieren und als LH in Österreich nicht total isoliert zu sein.

Wie ein Kind,das in der Pubertät einmal gegen die Familien-Tradition aufmuckt und damit endlich auch eine eigene Persönlichkeit gewinnen möchte durch Lob von außen.

der nächste geistesriese. na, lang wird´s nicht dauern...


schau`n sie sich das an

googeln:
"hier kommt kurt,
ohne helm und ohne gurt !"
frank zander, video 1990;
sehenswert und prophetisch.

Re: schau`n sie sich das an

Aber mit Halstuch!

Was hat er darunter zu verbergen?

Eine besondere Tätowierung oder eine Narbe von jugendlichen Rangordnungskämpfen mit Messer in einem Bauerndorf?

mir fällt nur ein


was ist ärger, die pest oder die cholera?

Gast: Fotgraf vom Dienst
01.08.2012 19:48
9 1

Das nenne ich Demokratie in der FPÖ&FPK!

Wird eine derartige Funktion nicht gewählt?
Anscheinend hat die FPK ein Problem mit demokratischen Regeln!

Gast: mitzischeuch
01.08.2012 19:48
8 2

Kurti und Mitzi - das Traumpaar

Eine Rhetorik wie die Schotter-Mitzi!

Mitzi, nun bist du nicht mehr alleine.

Gast: Mölltaler, der sich für diese Mölltaler schämt
01.08.2012 19:39
5 1

Ist Kärnten noch sicher?

Kann da noch Urlaub gemacht werden?

Haben nicht beide SCHEUCH Brüder eine Jagdkarte?
Kann die nicht abgenommen werden?

Gast: Wolfsbergerin
01.08.2012 19:37
5 1

Wo ist das Geld.....

Wo ist das Geld, dass die vielen Schulden verursacht hat in Kärnten?

Immobilien garniert mit hohen Fördergeldern für FPK&FPÖ nahe Firmen?

Kurt Scheuch, in Landsknechtmanier...........

...............wird bald seine verfeinerte Rhetorik über ganz Österreich glänzen lassen.
Die demonstrierenden KärnterInnen hat er als "arbeitsloses G.e.s.i.n.d.el" bezeichnet.
Bei der Pressekonferenz wurde ein Fotograf hinausgeworfen, der von Uwäh "Meuchelfotos" machte!

Re: Kurt Scheuch, in Landsknechtmanier...........

Wer sollte den ihrer Meinung nach Politik machen ? Demonstranten, die Werktags demonstrieren können sind nunmal zu 90% nicht berufstätig. Warum wird gegen Scheuch demonstriert und nicht gegen die ÖVP ? Oder sollten Fotografen die Politik bestimmen, derStandard und ähnlich linke Publikationen sind Meister darin unliebsame (also nicht linke) Politiker mit miesen Fotos schlecht dastehen zu lassen.

Was immer wieder erstaunt ...

ist wie leicht die Leute auf die NLP-Phrasen reinfallen. Denn es geht ja gar nicht um diese Demonstranten sondern eben um eine Mehrheit im Landtag, die, demokratisch völlig nachvollziehbar und ohne Trillerpfeifen, Neuwahlen will.
Die FPK versucht das, eher nicht so demokratisch, abzuwenden indem sie sich einfach der Abstimmung entzieht. Der Dümmste würde kapieren dass das, wenn auch legal, einfach nur unanständig ist. Daher muss man mit dümmlichen Sprüchen wie denen von den Trillerpfeifen gebetsmühlenartig davon ablenken.
Das Traurige ist, dass offenbar nicht wenige of solche Schmähs hereinfallen.

1 0

Re: Re: Kurt Scheuch, in Landsknechtmanier...........

Die Möglichkeit zur Demonstration ist ein Grundrecht.

Und dürfen nur Berufstätige mit Politik zu tun haben?

Ihre Ansicht nach wäre das schon wieder eine Diktatur.

Ihr Rechtsverständnis geht gegen Null.