Mit ungewöhnlich offener Kritik an der Wiener Parteizentrale lässt der oberösterreichische Landeshauptmannstellvertreter Franz Hiesl (ÖVP) aufhorchen. Er bezeichnet die von Generalsekretär Hannes Rauch im Juli veröffentlichte Broschüre gegen SPÖ und Grüne als "kompletten Unsinn". Außerdem zweifelt Hiesl in den "Oberösterreichischen Nachrichten" am Wahrheitsgehalt der Broschüre. VP-Generalsekretär Hannes Rauch verweist dagegen auf positives Feedback von der Parteibasis.
Das ÖVP-Argumentarium enthält Warnungen wie "Rot-Grün heißt Abschaffung der Ehe" und ist zur Information der Spitzenfunktionäre gedacht. Hiesl, Spitzenfunktionär der mit den Grünen koalierenden oberösterreichischen ÖVP, hat damit keine Freude und verweist auf die Nationalratswahl in einem Jahr: "Wenn man jetzt solche Geschichten produziert, die wenig mit der Wahrheit zu tun haben und wo ziemlich viel Blödsinn drinnen steht, dann haut man sich vor der Wahl viel zusammen, das man nachher für Gespräche brauchen würde." Der steirische VP-Klubchef Christopher Drexler bezeichnete die Broschüre zuletzt als strategischen Fehler.
VP-Generalsekretär Hannes Rauch weist die Kritik zurück. Von der Parteibasis gebe es sehr positives Feedback, die "Rot-Grün-Fibel" müsse sogar nachgedruckt werden. "Dass Parteisekretäre polarisieren müssen, ist tägliches Geschäft und das weiß der Herr Landeshauptmannstellvertreter in Oberösterreich auch", so Rauch. Zudem habe man inhaltlich ohnehin nur Aussagen von SP- und Grün-Politikern zusammengefasst. Außerdem verweist er darauf, dass Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer (ÖVP) zuletzt ebenfalls vor einer rot-grünen Regierung gewarnt hatte.
(APA)
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