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Uwe Scheuch und der Nepotismus der Nibelungentreuen

03.08.2012 | 18:48 |  ANNE-CATHERINE SIMON (Die Presse)

Machiavelli sah in der Vererbung politischer Ämter die Ursache für den Niedergang eines Staates. Aber eines haben fast alle Beispiele gemeinsam: Die Begünstigten müssen sich beweisen.

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Alles bleibt in der Familie“ – so hat ein Politiker sarkastisch die Amtsübergabe des freiheitlichen Klubobmanns Uwe Scheuch an seinen Bruder Kurt kommentiert. Die meisten Beobachter finden das moralisch anrüchig. Für Evolutionsbiologen ist Verwandtenselektion allerdings das Natürlichste der Welt. Der Mensch will seine Gene verbreiten und fördert daher jene, die am meisten mit ihm gemeinsam haben. Auch deshalb mussten im alten Orient Männer die Witwe ihres Bruders ehelichen, um noch nicht vorhandene Nachkommen zu zeugen und so die Stammesfolge zu sichern.

Natürlich heißt freilich noch lange nicht gut. So sieht der Biologe Edward O. Wilson den auf Verwandtschaftsselektion aufbauenden Altruismus als „Feind der Zivilisation“. Machiavelli hätte ihm wohl zugestimmt. Er sah die Vererbung politischer Ämter als Ursache für den Verfall des Ethos und damit für den Niedergang eines Staates.

Nicht alle Staatstheoretiker sehen das so negativ. Wenn Kurt Scheuch seinen Bruder ablöse, wahre das die „Kontinuität“, erklärt der Kärntner Landeshauptmann. Das ist die Karikatur einer uralten Rechtfertigung. Mehr Kontinuität und Stabilität gilt als ein Grund dafür, dass sich vor Jahrtausenden das Erbfolgeprinzip bei der politischen Herrschaft in den meisten Teilen der Welt gegen das Wahlkönigtum durchsetzte.

 

Georg Simmel: Erbe bringt Stabilität

Dass dadurch auch Kinder, Unfähige, Schwachsinnige an die Macht kamen, ließ sich offenbar verschmerzen. Der deutsche Soziologe Georg Simmel sprach Anfang des 20.Jahrhunderts von der „prinzipielle Festigkeit“ garantierenden „Überpersönlichkeit“ der Gruppe. „Allein der jedesmalige Kampf oder die jedesmalige Abwägung vor der Erhebung des Subjekts enthält so viele Gefahren und Erschütterungen, dass dies, mindestens in stabilen Verhältnissen, alle üblen Chancen der Erblichkeit überwiegt.“

Simmel lebte in einem Europa, in dem die Monarchie der Normalfall war und etwa die Habsburger auf fast 800 Jahre Erbkönigtum verweisen konnten (auch wenn es sich formell um eine Wahlmonarchie handelte). Ein Jahrhundert später glauben wir uns von innerfamiliären Hofübergaben längst verabschiedet zu haben, sie gelten als Inbegriff der Korruption. Aber auch wenn man den Ämter-Nepotismus kaum je so unverfroren zu sehen bekommt wie jetzt in Kärnten: Auf eleganten Umwegen findet man ihn in fast allen Demokratien der Welt. Dass in Nordkorea dieselbe Familie nun schon in dritter Generation das höchste Staatsamt innehat, verwundert ja nicht. Aber was ist mit den Vereinigten Staaten, wo zumindest dem Mythos zufolge jeder gleiche Chancen hat und auch ein Tellerwäscher Präsident werden kann?

„Die Kennedys waren auch Brüder“, sagt Kurt Scheuch – noch so ein Kommentar, in dem ein Körnchen Wahrheit steckt. Familien-Dynastien haben von Anfang an die US-Politik geprägt – schon der sechste Präsident, John Quincy Adams, war der Sohn des zweiten. Als Robert Todd Lincoln, der älteste Sohn von Abraham Lincoln, zu einem chancenreichen Anwärter auf die Präsidentschaft wurde, warnte Joseph Pulitzer, der Stifter des Pulitzer-Preises, vor dieser Bedrohung für die Demokratie. Ein verrotteter Republikanismus mache aus dem Präsidentensohn einen Kronprinzen, hieß es – das schmecke nach Monarchie und Aristokratie.

Robert Todd Lincoln wurde nicht Präsident, aber es kamen die Lees, die Harrisons, die Roosevelts, die Tafts, die Udalls, die Kennedys, die Clintons und die Bushs – Familien, die über Jahrzehnte die US-Politik beeinfluss(t)en. Dass Präsident John F. Kennedy seinen Bruder Robert F. Kennedy zum Justizminister berief, war dann doch zu viel des Guten. Ein Gesetz verbot nach seinem Tod, bei der Ämtervergabe nahe Verwandte zu berücksichtigen. Man muss aber gar nicht nach Amerika schauen. In Frankreich etwa verhelfen Präsidenten gerne ihren Söhnen zu hohen Ämtern – jüngstes Beispiel ist Nicolas Sarkozy, dessen Sohn mit 23 Jahren und noch nicht abgeschlossenem Studium fast zum Leiter der einst vom Vater geführten wichtigen Entwicklungsbehörde EPAD geworden wäre, die Milliarden verwaltet.

 

Dynastischer Trend in Deutschland

In Deutschland zeigt sich derzeit generell ein dynastischer Trend. Im Frühjahr 2012 meldeten gleich zwei Ehefrauen bekannter deutscher SPD-Politiker eine politische Karriere an, Michelle Müntefering und Doris Schröder-Kopf (Ehefrau von Exkanzler Gerhard Schröder). Weitere Beispiele: CDU-Arbeitsministerin Ursula von der Leyen, CDU-Verteidigungsminister Thomas de Maizière, CSU-Europaabgeordnete Monika Hohlmeier, Europaabgeordneter Alexander Graf Lambsdorff – sie alle sind mit einst wichtigen deutschen Politikern verwandt. Herkunft werde wichtiger in der Politik, sagen Soziologen. Warum? Eine Erklärung lautet, dass die Wirtschaft nicht genug Spitzenposten biete, um die Elite zu versorgen; so müssten einige auf die Politik ausweichen.

Aber eines haben fast alle Beispiele gemeinsam: Die Begünstigten müssen sich einer Wahl stellen oder sich auf andere Art beweisen. So ungeniert wie Uwe Scheuch, der seinen Bruder als Platzhalter eingesetzt hat, agieren sonst eher orientalische Despoten. Auch von Assad und Gaddafi kennt man dieses Politikverständnis: Nepotismus, getarnt als Nibelungentreue.

Vorbild USA?

Joseph Pulitzer, der Namensgeber des Publikationspreises, sah eine Bedrohung der Demokratie, als Robert Lincoln, der älteste Sohn von Abraham, Präsidentschafts-Anwärter wurde. Aber später kamen die Familien, die Lees, die Roosevelts, die Kennedys und die Bushs – Clans, die über Jahrzehnte die US-Politik beherrsch(t)en. Erst als Präsident John F.Kennedy seinen Bruder Robert zum Justizminister berief, wurde es dem Parlament zu viel: Ein Gesetz verbot die Ämtervergabe an nähere Verwandte.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.08.2012)

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60 Kommentare
 
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Gast: Gast 2012
08.08.2012 10:49
0 0

in der SPÖ wird nicht viel vererbt

und trotzdem kommen auch Unfähige und Schwachsinnige in Spitzenpositionen...

Gast: Als angemeldeter User gesperrt
07.08.2012 13:50
1 0

Der Nepotismus in Kärnten ist wohl gegeben,

aber gegen den in Wien, ist er ein Kinkerlitzchen!

Gast: Korrupty
06.08.2012 21:18
0 2

Charakterlos

WARUM KOMMT IN DIESEM FALL NICHT DER MARIA-PARAGRAPH ZUR ANWENDUNG
FPK= korrupte Vereinigung
ein Netzwerk der Steuergeldverschwender!!

Gast: Korrupty
05.08.2012 21:19
0 3

Charakterlos

FPK= Freiheitliche Politische Korruption
Ihr seit so erbärmlich und sinnlos
In euren ganzen Leben habt ihr Kärnten nur betrogen und verschuldet

Ihr Deppen könnt den Wörtersee verkaufen um eure Gaunereien zu bezahlen
Eure Eltern haben leider versagt nun weinen sie den ganzen Tag !!!!

beim jüngeren Herrenbauer

habe ich lediglich 3 Eigenschaft erkannt
abkassieren
abstreiten
abtauchen.....

Attribute wofür..???

Blattlinie

und auch nach diesem wertenden Artikel gratuliere ich mir wieder dazu, mein Presse-Abo gekündigt zu haben. Seht ihr eigentlich nicht, dass ihr euch da verrennt? Den Standard gibt es schon und er hat so wenig Leser, dass da nun wirklich kein Markt für einen zweiten ist.

Davon abgesehen kann ich nur betonen, dass ich 2013 sicher die FPÖ wählen werde; nicht nur weil ich sie für die richtige Partei halte, sondern auch weil es mir die Systempresse händeringend ausreden möchte!

Gast: mmmh
04.08.2012 22:36
0 2

was

soll das alles?
kärnten ist mir ein rätsel...

Gast: Dr. Eisendrahtr
04.08.2012 22:25
2 0

Das ging aber schnell

Hoppla, da haben wir ja schon den neuen Stil der PRESSE!

5 15

das freche Grinsen

und die Abgehobenheit dieser Herren, wird bald einer Ernüchterung Platz machen
soviel Unverschämtheit durfte man sich bislang nur in Kärnten erlauben
die Zeiten sind vorbei ,das Volk lässt sich nicht mehr verarschen

Antworten Gast: L.M.
04.08.2012 21:56
0 0

Re: das freche Grinsen

Einer Ernüchterung? Bei wem? Warum verschweigen Sie uns das?

Gast: b754
04.08.2012 15:56
6 14

falottentum der heimattreuen

in der
falotten
partei
kärnten
sind alle scheuchs

Gast: Bergbauer
04.08.2012 14:52
5 2

Die sind nicht nibelungentreu.


Antworten Gast: V V S
04.08.2012 21:59
2 0

Re: Die sind nicht nibelungentreu.

Genau. Und außerdem waren die Nibelungen schon lange vor der Vetternwirtschaft der Päpste da. Aber das wissen die meisten Schreiber heutzutage ja nicht mehr und vermixen so alles über Jahrunderte und Jahrtausende hinweg ohne Wert und Sinn.

Eine Erklärung lautet, dass die Wirtschaft nicht genug Spitzenposten biete, um die Elite zu versorgen ...

Die Wahrheit ist wohl eher, dass ohne die "Erbfolge" viele dieser elitären Spitzenkräfte im harten Wettbewerb der Privatwirtschaft wenige Chancen auf großen Aufstieg hätten.

Auch das sie sich in der Politik einer Wahl stellen müssen, ist in der heute gelebten Politlandschaft eher nur mehr der Sagenwelt zuzuordnen. Denn gewählt werden im Prinzip nur mehr Parteien und nicht einzelne Personen.

Mit diesem Artikel wird daher, zwar nicht direkt aber doch sehr deutlich, einer Politikerbfolge das Wort geredet. Und das ist ein System, welches dem Grundprinzip des ursprünglichen Demokratieverständnisses widerspricht.

Ich hoffe, wir lesen hier nicht eine neue Blattlinie.

19 7

Liest man diesen Artikel

so stellt man sich die Frage, ob das der Stil der "neuen" PRESSE sein wird. Sollte das der Fall sein, so darf sich die PRESSE nicht wundern, wenn sie Leser verlieren wird. Ein kritischer Bericht in Ehren, aber dieser hier ist nicht neutral krirtisch, er ist politisch einseitig und die Beispiele sind nicht unbedingt mit den Kärntner Verhältnissen vergleichbar. Die Autorin geht hier eindeutig einen Schritt zu weit.

6 1

Re: Liest man diesen Artikel

Es dürfte wirklich einen neuen Stil geben, habe heute zu einigen Artikeln gepostet und kein einziges Post, obwohl heute hier nicht so viel los ist, wurde veröffentlich. Mal sehen, was mit diesem Kommentar geschieht......

Re: Liest man diesen Artikel

wer hört/liest sowas schon gerne als kärntner. etwas wahrheit ist schon drin.

war ja aufgelegt durch den kurt scheuch, wenn er sich mit den kennedys vergleicht…

die übertreibung finde ich interessant, um zu zeigen, wohin das führen kann. und der vergleich mit assad und gaddafi sollte nur im bezug auf den nepotismus betrachtet werden. sonst können die fpk-ler gaddafi nicht das wasser reichen, denn zum glück haben sie nicht die macht, die er hatte, da die demokratie in kärnten/österreich noch nicht degeneriert genug ist.

und parallelen gibts ja auch. haider hat ja gerne mit gaddafi zusammengearbeitet (zb. hat er für kärnten billiges erdöl beschafft und andere geschäftsbeziehungen unterhalten). es heißt sogar, dass er mit dem sohn von gaddafi ein tächtel-mächtel gehabt haben soll. und der sohn von gaddafi hat sich ja sehr wohl in österreich gefühlt.

Re: Re: Liest man diesen Artikel

gaehn ...

er soll auch, glaubt man den geruechten der linksextremen, der sohn des teufels sein ....

wie langweilig ...



12 5

Re: Re: Liest man diesen Artikel

@ ein mündiger: Über Haider kursieren die wildesten Gerüchte und man weiß nicht, was daran wahr und was unwahr ist. Ich habe das Gefühl, dass mit Kärnten und den dortigen politischen Verhältnissen etwas absichtlich hochgespielt wird. Wenn man ehrlich ist, dann sollte man auch zugeben, dass in Kärnten schon vor Haider Dinge passiert sind, die lieber nicht hätten passieren sollen. Wenn man so wie in diesem Artikel auf Scheuch und die FPK losgeht, dann hätte man auch in Betracht zeihen sollen, dass derlei Vorkommnisse nicht die ersten ihrer Art sind. Wie man weiß, steckt nicht nur Kärnten, sondern die ganze Republik in einem Korruptionssumpf und keine Partei ist von diesem ausgeschlossen.

Re: Re: Re: Liest man diesen Artikel

die verbindungen von haider zu gaddafi und hussein sind ja kein geheimnis… und dass man bei den derzeitigen zuständen "hochspielt" halte ich für normal. ich kann mir vorstellen, dass viele bürger wütend sind und der fpk lange nicht mehr vertrauen wird. erst recht nicht, solange immer dieselben personen federführend bleiben und nur ab und zu die posten tauschen.

bzgl. korruptionssumpf gebe ich ihnen recht, mit einer ausnahme:
die grünen in kärnten haben den sumpf erst aufgedeckt. und sonst haben sie sich auch noch nichts zu schulden lassen kommen - zumindest mit weitem abstand weniger als alle anderen. alle anderen parteien haben nämlich regelmäßige gerichts-geher und viele prozesse/urteile stehen an…

Politikposten Vererbung!

Die Monarchie ist tot!
Es lebe die Monarchie!

Re: Politikposten Vererbung!

Es ist mir absolut neu, dass Vererbung nun ein neuer Politikposten sein soll.

Re: Re: Politikposten Vererbung!

Wer sinnerfassend lesen kann, ist klar im Vorteil!

Diese ANNE-CATHERINE SIMON (Doppelnamen wichtig!!!)


Ist hoffentlich nur eine Urlaubsvertretung vom Standard!

Denn wenn das die "neue Richtung" dieser Zeitung sein soll, dann sehe ich "rot" für diese Zeitung und es wird sicher nix mit Steigerung auf 5% Marktanteil!


Re: Diese ANNE-CATHERINE SIMON (Doppelnamen wichtig!!!)

wenn es ihr name ist, dann muss sie es so anführen. warum sollte sich eine verheiratette frau mit ihrem mädchennamen vorstellen?

 
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