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"Family Business": Brüderlein fein

04.08.2012 | 17:52 |  von REGINA PÖLL (Die Presse)

Uwe Scheuch übergibt in Kärnten den FPK-Vorsitz und den Landeshauptmannvize an Kurt Scheuch. Blickt man in die Welt, waren und sind gleiche oder ähnliche Ämter unter Brüdern keine Seltenheit.

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Vielleicht kommt es daher, dass John F. Kennedy früher Urlaub am Wörthersee gemacht hat. Als der spätere 35. Präsident der Vereinigten Staaten noch Politikwissenschaftsstudent an der Universität Harvard war, da kam er eines Sommers für einen Monat nach Kärnten, um zu entspannen. Etwa 1939 muss es späteren, eigenen Aussagen des Präsidenten zufolge gewesen sein. Knapp vier Wochen hielt Kennedy sich damals im Gästehaus einer Villa in Sekirn am Südufer des Sees auf, das ist verbrieft. Und noch ein zweites Mal soll der spätere Weltpolitiker das südlichste Bundesland Österreichs beehrt haben, Anfang der 1930er-Jahre – gemeinsam mit zwei Brüdern, wie mehrere Medien im Vorjahr berichteten.

Vielleicht kommt es daher, dass Kurt Scheuch, frischgebackener Obmann der Kärntner Freiheitlichen, gleich an Kennedy und seine Brüder Robert („Bob“) und Edward („Ted“) dachte, als er diese Woche in einem „Presse“-Interview auf die Frage nach der jüngsten Rochade unter Brüdern sagte: „Die Kennedys waren auch Brüder“ – es sei also schon zulässig, wenn Brüder einander im Job abwechseln. So wie nun Kurt, 44, und sein Bruder Uwe Scheuch, 43, der – in der sogenannten Birnbacher-Affäre um illegale Parteienfinanzierung in Kärnten zuletzt schwer beschuldigt – am Mittwoch kurzerhand das Handtuch warf. Als FPK-Chef und als Landeshauptmannstellvertreter von Kärnten. Sein Nachfolger auch in der Landesregierung: Kurt Scheuch.

Dessen Vergleich mit den Kennedys hinkt freilich. Denn US-Präsident war außer dem Demokraten John, im Amt von 1961 bis zu seiner Ermordung in Dallas 1963, bekanntlich keiner der Brüder: „Ted“ war von 1962 bis 1969 Senator der Demokraten für den Staat Massachusetts, „Bob“ ab 1960 unter seinem Bruder John und später unter dessen Nachfolger Lyndon B. Johnson Justizminister sowie von 1965 bis 1968 Senator für New York. Doch gern wäre auch er Präsident geworden – starb aber 1968 als aussichtsreicher Kandidat bei einem Attentat in Los Angeles.


Kubanische Verhältnisse.
Dass Brüder gleiche oder ähnliche Ämter neben- oder hintereinander ausüben, ist kein ganz seltenes Phänomen in der Weltgeschichte. Wenn Kurt Scheuch nun Kritik am Wechsel mit Uwe wie die der „kubanischen Verhältnisse“ nicht gelten lassen will, dann ist das, einmal wörtlich genommen, eigentlich nicht einzusehen: Tatsächlich hat in Kuba 2008 Raúl Castro das Präsidentenamt im Staats- und Ministerrat von seinem älteren Bruder Fidel übernommen, seit 2011 ist Raúl auch Erster Sekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei in Nachfolge seines Bruders, der die beiden Ämter aus gesundheitlichen Gründen abgegeben hat.

Im langjährigen Feindesland USA war von 2001 bis 2009 der Republikaner George W. Bush, Sohn des 41. US-Präsidenten George Bush senior, Präsident Nummer 43. Und auch sein Bruder John Ellis („Jeb“) Bush machte Polit-Karriere auf hohem Niveau: Von 1999 bis 2007 war „Jeb“ Gouverneur von Florida.

Südlicher, in Venezuela, ist Adán Chávez seit 2008 Gouverneur des Bundesstaates Barinas. Sein jüngerer Bruder Hugo führt bereits seit 1998 die Staatsgeschäfte. In Nicaragua war von 1985 bis 1990 und ist erneut seit 2007 der ehemalige Revolutionsführer Daniel Ortega Präsident – ein Verbündeter Hugo Chávez' gegen die USA. Daniels Bruder Humberto Ortega war bis 1995 mächtiger Armeechef des Landes.


Zwei bunte „Vögel“. Doch nicht nur in Süd- und Nordamerika, auch in Europa – gar nicht so weit von Kurt und Uwe Scheuch – gibt oder gab es gleiche oder ähnliche Ämter unter Brüdern. Zum Beispiel bei den Vogels, die ideologisch aber längst nicht an einem Strang zogen. Zum einen ist da Bernhard Vogel, von 1976 bis 1988 Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz und von 1992 bis 2003 des Freistaats Thüringen. Parteifarbe: Dunkelschwarz, das große Vorbild Bernhards war Konrad Adenauer. Von 1975 bis 2006 war Bernhard Vogel auch Mitglied des CDU-Bundesvorstandes. Sein Bruder Hans-Jochen Vogel war von 1960 bis 1972 Oberbürgermeister von München, von 1972 bis 1974 Bundesminister für Raumordnung, später Justizminister und 1981 schließlich Bürgermeister von Berlin. Parteifarbe: Rot. Von 1987 bis 1991 war Hans-Jochen SPD-Bundeschef, von 1983 bis 1991 Vorsitzender der SPD-Fraktion im Bundestag.

Zwei Brüder in zwei Parteien: Das gab und gibt es bei den beiden Scheuchs nicht, und das wird es auch nie geben – sagt Kurt Scheuch. Selbst wenn sein Bruder Uwe im Verfahren um die „Part of the game“-Affäre auch in zweiter Instanz verurteilt werden sollte – Uwe soll eine österreichische Staatsbürgerschaft gegen eine Spende angeboten haben –, selbst dann solle Uwe in einer FPK unter Kurt Scheuchs Führung bleiben: „Ich werde ihn ersuchen, dass er lebenslang bleibt“, sagte im „Presse“-Interview Kurt, der Ältere. Der im Übrigen so wie Uwe völlig überzeugt ist, dass dieser unschuldig sei.

Die „Bruderliebe“ zur gleichen Partei, die große Nähe in (früheren) politischen Ämtern, das erinnert durchaus auch an die Kaczyński-Zwillinge in Polen: Jarosław, Ministerpräsident von 2006 bis 2007, und der um 45 Minuten jüngere Lech Kaczyński, Präsident von 2005 bis zu seinem Tod beim Flugzeugabsturz bei Smolensk 2010. Man stand sich politisch wie privat nahe, man beeinflusste einander. 2010 kandidierte Jarosław für die Nachfolge seines Bruders bei den vorgezogenen Präsidentschaftswahlen, unterlag in der Stichwahl aber dem damaligen Parlamentspräsidenten Bronisław Komorowski.

Dass man einander sogar konkurrenzieren kann im Kampf um ein und dasselbe Amt zur gleichen Zeit, statt es später einmal, wie die Scheuchs, untereinander weiterzureichen, zeigten Edward („Ed“) und David Miliband 2010: Am 25. September unterlag der vormalige „Aufsteiger“ David, von 2007 bis 2010 immerhin Außenminister des Vereinigten Königreichs, seinem vier Jahre jüngeren Bruder „Ed“, dem früheren Energieminister, bei der Wahl zum Vorsitzenden der Labour Party – und zwar hauchdünn mit 49 zu 51 Prozent. Am 29. September zog David sich aus der ersten Reihe der Politik zurück. Heute sitzen beide im Unterhaus: David für den Wahlkreis South Shields, Parteiführer „Ed“ für Doncaster-Nord.

Für Mama Marion Miliband war das Gezerre der beiden um den Labour-Vorsitz einigermaßen ärgerlich – und sie wählte ihren eigenen Weg im Umgang mit dem „Hahnenkampf“ der Söhne, der nach außen hin allerdings meist fair ablief: Bei der Wahl des Parteichefs entschied sie sich für die einzige Frau im Bewerberkreis, Diane Abbott.


Gemischtes Doppel Haider/Haubner. Eine Frau beförderte auch das erklärte Vorbild von Kurt und Uwe Scheuch, der frühere Kärntner FPÖ- und BZÖ-Landeshauptmann Jörg Haider. „Wir waren das vom Jörg irgendwie gewöhnt, dass er meistens alles richtet“, sagt Kurt Scheuch heute. Damals, zu Zeiten von Schwarz-Blau/Orange, richtete es Haider – unter anderem – auch insoweit, als er seiner Schwester Ursula Haubner von Juli 2004 bis zur Gründung des BZÖ im April 2005 den Vorsitz in der FPÖ überließ. Von 2005 bis 2007 war Haubner dann BZÖ-Sozialministerin in der Regierung Schüssel II.

Jetzt also Kurt und Uwe Scheuch, die die Tradition des „Geschwistertauschs“ an der Spitze der Partei fortsetzen. Eine Kärntner Spezialität?

Was Kennedy, der Präsident, von Kärntens Politik hielt, ist nicht überliefert. Das Land selbst muss jedenfalls Eindruck auf ihn gemacht haben: „Ich war vor 20, vor 21 Jahren fast einen Monat in Klagenfurt am Wörthersee in Ihrem wunderschönen Land, und ich freue mich über die Gelegenheit, nun wieder hier sein zu können“, sagte er 1961, als er in Wien zu einer Konferenz mit Nikita Chruschtschow eintraf.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.08.2012)

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5 Kommentare
Gast: pol Beobachterin
06.08.2012 09:37
0 0

Gemeinsames pol. Interesse...

...innerhalb einer Familie ist nicht verwerflich, halte ich sogar für wahrscheinlich. (Es gibt auch "Sportlerfamilien" etc.)

Aber Fam. Scheuch in Bezug auf pol. Format mit Fam. Kennedy zu vergleichen, ist etwas abwegig.

wer verscheucht endlich diese scheuchs?

die kärnter wohl kaum.

Gast: Messalina-X
05.08.2012 13:36
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der Vogel wird sich doch nicht ernsthaft

mit den Kennedy's vergleichen wollen

Salopp gefragt...

Dürfen Brüder keine polit. hohe Ämter bekleiden nur weil sie eng verwandt sind? Es gibt viele Beispiele dafür in der Weltpolitik und sind keine Seltenheit. Also viel inszenierte Empörung und Kritik um die Roten aus der Schusslinie zu bringen (s.Wien u.seine rote Machtclique), anscheinend.

Der übliche Parteien Hick-Hack !

Gast: b754
04.08.2012 19:54
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geschwisterliebe bekommt bei den scheuchs eine neue dimension