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Entschädigungsfonds: Eine "nicht einfache" Bilanz

05.08.2012 | 10:19 |   (DiePresse.com)

210 Mio. Dollar wurden an Opfer des Nationalsozialismus ausgezahlt. Da der Schaden 1,5 Mrd. betrug, sei dies "nur als eine Geste anzusehen".

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Eine "nicht einfache" Bilanz hat Sir Franklin Berman, Vorsitzender des Antragskomitees im Allgemeinen Entschädigungsfonds für Opfer des Nationalsozialismus, nach der Erstentscheidung über sämtliche 20.702 Anträge gezogen. Zwar sehe er die Tätigkeit des Komitees als "äußerst positiv" an, wie Berman feststellte, dennoch sei nicht alles eitel Wonne. Eine "Enttäuschung" sei nämlich die - verglichen mit dem eigentlichen Schaden von 1,5 Milliarden US-Dollar recht geringe - an die Opfer ausbezahlte Summe von 210 Millionen US-Dollar. Die Zahlungen seien daher "nur als eine Geste anzusehen".

"Ich muss davon ausgehen, dass die Leute enttäuscht waren", sagte der Brite. Um das zugesprochene Geld ausbezahlt zu bekommen, mussten die Antragsteller eine Verzichtserklärung für sämtliche weitere Ansprüche abgeben. Etliche seien dazu nicht bereit gewesen, berichtete er. Daraus könne man schließen, dass sie mit der Entschädigungssumme nicht einverstanden waren und daher lieber ganz auf das Geld verzichteten.

"Sehr emotionelle Sache"

Im Großen und Ganzen glaubt der Komiteevorsitzende, dass die Arbeit und Existenz des Fonds für die Opfer "von großer Bedeutung" waren: dass ihnen jemand zugehört, ihr Leid anerkannt und sich bemüht habe, alle für die Anträge notwendigen Unterlagen herbeizuschaffen. Auch wenn es vielen oft nicht leicht gefallen, manchen sogar "peinlich" gewesen sein dürfte, ihre Geschichte und die Verfolgung darzulegen, hätten die Recherchen doch oft Erstaunliches zutage gebracht und den Opfern erst ihre gesamte Familiengeschichte offenbart. Eine "sehr emotionelle Sache", meinte Berman. Die umfangreiche Betreuung der Betroffenen in vielen verschiedenen Sprachen sei jedenfalls "ein großes Plus gewesen".

Die Anerkennung der Verfolgung durch diesen Fonds der Republik bezeichnete Berman als "wichtigen Schritt" für Österreich. In der gegenwärtigen Politik habe der Entschädigungsfonds immer eine positive Bedeutung gehabt und es habe nie Kontroversen darüber gegeben, hob er hervor. Die Versöhnung mit den Vertriebenen sei mittlerweile zu einem festen Bestandteil im Politikverständnis geworden.

Im Schnitt 12.000 Dollar pro Person

Bereits Ende Juni hat der Entschädigungsfonds für Opfer des Nationalsozialismus zumindest eine Erstentscheidung über sämtliche 20.702 Anträge getroffen. Das aufgrund des Washingtoner Abkommens von 2001 gegründete Komitee hat in 18.154 Fällen eine Entschädigung zuerkannt - und zwar im Schnitt je 12.000 US-Dollar. Der höchste ausbezahlte Einzelbetrag lag aber weitaus höher, nämlich bei 1,08 Millionen Dollar. Beendet ist die Arbeit des Komitees aber deswegen noch lange nicht.

Die 20.702 Anträge stammten aus 78 Ländern. Am meisten Forderungen kamen von Personen mit Wohnsitz in den USA (rund 6800). Österreich (3800), Israel (3200) und Großbritannien (2200) waren ebenfalls stark vertreten. Aus Australien langten 1200 Anträge ein, aus Kanada 550, aus Argentinien 530, aus Frankreich 400, aus Deutschland 350 und aus der Schweiz 230. Die übrigen rund 1.200 Anträge verteilten sich auf 68 weitere Länder.

Forderungen im Gesamtwert von 1,5 Mrd. Dollar

160.081 Forderungen mit einem Gesamtwert von 1,5 Milliarden US-Dollar wurden erhoben - und damit ein Vielfaches von den im Abkommen zwischen den USA, Österreich und den Opferorganisationen vereinbarten 210 Millionen US-Dollar. Je nach Verfahrensart gab es unterschiedliche Auszahlungsquoten zwischen zehn und 20 Prozent. Im Durchschnitt wurden laut einem Sprecher des Fonds 18 Prozent der zustehenden Summe auch tatsächlich ausbezahlt. Die Zahlungen seien somit mehr "Gesten der Versöhnung" als tatsächliche Entschädigung. Die 210 Millionen US-Dollar wurde bereits beinahe vollständig aufgebraucht, für sämtliche nach dem 1. Juli 2009 getroffenen Erstentscheidungen hat der Bund aber weitere Mittel (in unbekannter Höhe) zugesagt.

Obwohl das Antragskomitee, ein unabhängiges Dreiergremium unter dem Vorsitz von Sir Franklin Berman aus Großbritannien, nun über alle fristgerecht bis 28. Mai 2003 eingelangten Anträge entschieden hat, ist seine Arbeit noch nicht beendet. In knapp 2200 Fällen ist es den Antragstellern nämlich noch möglich, beim Komitee Rechtsmittel gegen die Entscheidung einzulegen. Weist dieses den Antrag erneut ab, gibt es keine Berufungsmöglichkeit mehr. Abweisungsgründe waren fehlende Nachweise über das Eigentum bzw. den Entzug oder bereits erfolgte Entschädigungsmaßnahmen.

Berufs- und ausbildungsbezogene Verluste

Rund 30 Prozent der Forderungen entfielen auf berufs- und ausbildungsbezogene Verluste, 20 Prozent auf liquidierte Betriebe. Die übrigen 50 Prozent verteilten sich auf Bankkonten, Aktien, Schuldverschreibungen, Hypotheken, bewegliches Vermögen, Versicherungspolizzen, Immobilien (soweit für diese keine Naturalrestitution geleistet wurde) und sonstige Verluste.

Der Großteil der Anträge stammte von den Betroffenen selbst, die meisten Antragsteller wurden in den 1920er Jahren geboren, hieß es. Weil einige von ihnen aber während des Verfahrens verstarben, konnten noch nicht alle Zahlungen durchgeführt werden - das Komitee ist auf der Suche nach rund 1000 Erben. Diese sollen von nun an auch via Facebook gefunden werden. Ist die Zustellung der Dokumente bis Ende 2013 nicht möglich, werden diese beim Generalsekretariat des Allgemeinen Entschädigungsfonds für vorerst unbestimmte Zeit hinterlegt. Gelder, die nicht ausbezahlt werden können, verbleiben im Nationalfonds der Republik und kommen Programmen zugunsten von Opfern des Nationalsozialismus, inklusive Angehörigen der Roma, zugute.

Abschlussbericht soll 2015 vorliegen

Für den Allgemeinen Entschädigungsfonds arbeiten derzeit noch 16 Angestellte und acht freie Dienstnehmer an der Restabwicklung der Anträge - in Höchstzeiten der Recherche und Antragsbearbeitung waren es weit über 100. In der ebenfalls im Fonds angesiedelten Schiedsinstanz für Naturalrestitution sind 18 Angestellte und einer freier Mitarbeiter tätig. Die Arbeit der Schiedsinstanz dauert noch an - aufgrund der aufwendigen Recherchen werde man dort noch einige Zeit brauchen, um über sämtliche Forderungen zu entscheiden, wurde erklärt.

Neben der Erbensuche muss das Komitee nun auch noch einen Abschlussbericht erarbeiten - dieser soll 2015 vorliegen. Bis dahin dürfte auch die gesetzliche Abwicklung des Fonds geregelt sein.

(APA)

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23 Kommentare
Gast: smilefile
06.08.2012 11:08
2 0

Diese Generationen,..



...können höchstens Entschädigungen,- und nicht Wiedergutmachung bieten.

Und dabei soll es in Friedensnamen nochmals bleiben!


Werden

da wieder neue Entschädigungsforderungen vorbereitet? Soll man beim Lesen des Artikels, mental darauf vorbereitet werden, dass demnächst wieder neue Foprderungen auf uns zukommen?

Gast: Wasserlaeufer
06.08.2012 00:27
4 0

Wiedergutmachung

gibts eigentlich nur von Deutschen und Deutsch-Oesterreichern.

Andere, viel reichere Nationen, geben einfach dem Gegner die Schuld.

Kommt ihnen so viel billiger.

Ned woah!

mein grossvater wurde NACH dem 2. weltkrieg aus dem sudetenland vertrieben - ohne irgendwelche zahlungen, ansprueche oder dergleichen - der familien besitz wurde einfach von den tschechen verstaatlicht

wer wird ihn dafuer entschaedigen (ja, er lebt noch)???

wer entschaedigt die republik oesterreich fuer suedtirol, das voelkerrechtswidrig italien zugesprochen wurde???

wer entschaedigt die ganzen ost-europaeer, die NACH dem 2. weltkrieg das zweifelhafte "vergnuegen" hatten vom regen in die traufe zu kommen und von den kommunisten ausgepluendert zu werden, massenerschiessungen, massenvergewaltigungen, etc. - wer entschaedigt die leute in der urkaine, dass stalin dort eines kalten winters das getreide nach moskau bringen lies und MILLIONEN MENSCHEN starben den hungertod???

oder war das alles "ok" weil es die "siegermaechte" taten?

Gast: galaxy 2012
05.08.2012 17:19
2 14

schlimm, schlimmer, forumkommentare

wenn ein land/eine generation millionen von leuten (industriel) getötet und ermordet hatt dann haben wir die verdammte verpflichtung hier auch gerade zu stehen. und diesen mist mit "ist ja schon lange her", "die haben ja eh schon soviel erhalten" etc. kann ich nicht mehr hören. wenn jemand meine eltern/großeltern umgebracht hätte, dann würde ich auch an den verantwortlichen (nachfolger) staat forderungen stellen (kann keiner von mir verlangen, dass ich hier vergebe, vergesse oder verzeihe). das geld sollten wir wohl übrig haben (leisten uns ja auch korrupte politiker und banken). bedankt euch lieber mal bei unserer großelterngeneration, dass die da versagt haben und schlachtend und mordend durch die welt gezogen sind.

Antworten Gast: Zyni
08.08.2012 15:10
0 0

Brainwashed

In den Bloodlands kamen 35 Millionen Menschen um, der größere Teil davon ging auf das Konto Stalins und des Kommunismus. Rund um uns wurden bis in die 50iger Jahre hinein hunderttausende Menschen ermordet. Höre ich von denen? Also lernen´s Geschichte und hauen sie sich über die Häuser mit ihrer Erbschuld.

Re: schlimm, schlimmer, forumkommentare

Wie sieht es mit ihrer Großelterngeneration aus? Ist die auch schlachtend und mordend durch die Welt gezogen? Oder war sie bei den Opfern dabei, weil sie so vehement eine Entschädigung verlangen? Wenn sie entschädigen wollen, kein Problem, aber bitte, auf ihre Kosten.

Antworten Antworten Gast: heino der hirte
06.08.2012 11:12
0 0

Re: Re: schlimm, schlimmer, forumkommentare

@fireone: sie wollen es einfach nicht verstehen oder? bleiben sie in ihrer welt (ohne jegliche selbstreflexion und ihren minderwertigkeitsgefuehl) und traeumen sie weiter von....was auch immer.

Antworten Antworten Gast: galaxy 2012
06.08.2012 11:07
0 1

Re: Re: schlimm, schlimmer, forumkommentare

sie wollen es einfach nicht verstehen oder? und meine grosseltern waren keine opfer

Re: schlimm, schlimmer, forumkommentare

Kein Problem, wenn sie dafür gerade stehen wollen. Ich seh nur nicht ein, für etwas gerade stehen zu sollen, wofür ich nichts kann. Wie lange, glauben sie, sollen wir dafür zahlen, die nächtsten 50 oder 100 Jahre? Klar, dass sich die Nachkommen der Opfer, die Opfer selbst und auch die Täter, werden immer weniger, gerne entschädigen lassen, das ist gefundenes Geld.


Antworten Gast: Wer A sagt....
05.08.2012 19:05
7 0

Re: schlimm, schlimmer, forumkommentare

Gerade stehen find ich ja auch in Ordnung, aber wenn ich bedenke dass mein Vater bei Kriegsende noch minderjährig war, dann wird es schon etwas seltsam, vor allem weil auch ganz schön viel Wiedergutmachung stattgefunden hat

Antworten Gast: Bärenfalle...
05.08.2012 19:03
4 1

Re: schlimm, schlimmer, forumkommentare

Wieso erkennt man linke Kampfposter immer an der mangelhaften Großschreibung ?

Re: Re: schlimm, schlimmer, forumkommentare

Vielleicht, weil sie eine, von den Sozis bevorzugte, Gesamtschule absolviert haben?

Antworten Antworten Gast: LHMS
05.08.2012 21:11
1 0

Re: Re: schlimm, schlimmer, forumkommentare

Weil: Hi, hi, hi.... ich sags nicht.

Österreich hat bis zum Jahr 2000 bereits ATS 200 Mrd. bezahlt, und dann als "Freikauaf" für Blau-Schwarz nochmals ATS 6 Mrd..

Alleine, daß hier nochmals von der Republik mit unser aller Steuergeld etwas bezahlt wird, ist an sich eine unglaubliche Frechheit.

Re: Österreich hat bis zum Jahr 2000 bereits ATS 200 Mrd. bezahlt, und dann als "Freikauaf" für Blau-Schwarz nochmals ATS 6 Mrd..

vor allem - was hat die heutige generation mit den vor 2 generationen veruebten verbrechen zu tun?

erbschuld?

dann muesste man fragen - wie weit geht diese erbschuld zurueck, warum nicht bis zum 1. weltkrieg, oder bis zum 30 jaehrigen krieg?
wo sind die kronlaender habsburgs? wo sind die kolonien in uebersee??

Antworten Gast: galaxy 2012
05.08.2012 17:24
2 12

Re: Österreich hat bis zum Jahr 2000 bereits ATS 200 Mrd. bezahlt, und dann als "Freikauaf" für Blau-Schwarz nochmals ATS 6 Mrd..

schön in ats rechnen, damit das ganze recht viel aussieht. warum rechnest du nicht gleich in gulden, kronen und heller? oder vielleicht in lire, dann wird es noch mehr.

leider

flach ..... nix mehr zu holen ätsch bätsch Kohle schon in neu york
und wir stellen das arbeiten ein somit gibt's nix mehr.

Gast: Angefressener
05.08.2012 13:16
11 1

für meinen Hund gerne



sonst keinesfalls.

Antworten Gast: xyz ist nett
05.08.2012 17:22
1 9

Re: für meinen Hund gerne

sag mal aus welchen jahrhundert stammst du eigentlich? lebst wohl in deiner eigenen menschenverachtenden welt was?

19 1

Kritische Postings werden nicht mehr gedruckt?

Der (Nu-)Chefredakteuer hat seine Arbeit offensichtlich schon begonnen.
Quo Vadis - Die Presse?

Die Schandrrepublik Österreich feilscht mit Opfern

Die Grundsatzvereinbarung über 210 Mil US $ Restitutionsleistungen ist eine Schande für die Republik. Wenn die eingebrachten und akzeptierten Forderungen diese Summe übersteigen, wäre es selbstverständlich, die Entschädigungsleistungen nicht zu kürzen sondern die Mittel für den Fonds zu erhöhen!

Antworten Gast: Malter Wandl
05.08.2012 12:46
8 10

Re: Die Schandrrepublik Österreich feilscht mit Opfern

Und dann gibts noch solche A-löcher:
http://www.nypost.com/p/news/local/manhattan/ghouls_gold_in_scandal_IVM9qWnpz5UEKEervPXRkJ

Da gehört anständig ausgemistet und Missbrauch abgestellt. DANN kann man weiterreden.