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Neue Bildungsteilzeit: „Bei 76 Mio. hat eine Lenkung Sinn“

05.08.2012 | 16:56 |   (Die Presse)

Johannes Kopf, neben Herbert Buchinger eben wiederbestellter Bundeschef des Arbeitsmarktservice, begrüßt im Gespräch mit der "Presse" den Plan der ÖVP zur Bildungskarenz und zur Debatte über Förderungen.

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Wien/ett. Als Chef des Arbeitsmarktservice (AMS) wolle er gerade die Gruppe der schlechter Qualifizierten erreichen. Denn das sei seine „Problemgruppe“ bei der Vermittlung neuer Jobs. Johannes Kopf, neben Herbert Buchinger eben wiederbestellter AMS-Bundeschef, ist deswegen vom jüngsten Plan der ÖVP, eine „Teilbildungskarenz“ einzuführen, angetan. „Ich begrüße den Vorschlag. Er wird die Diskussion anregen: Was wollen wir überhaupt fördern?“, betont Kopf im Gespräch mit der „Presse“.

Der AMS-Vorstand verweist darauf, dass im vergangenen Jahr dafür insgesamt 76 Millionen („das ist ja nicht nichts“) Euro ausgegeben worden sind. Arbeitnehmer können, wenn sie sich davor mit ihrem Arbeitgeber geeinigt haben, bis zu einem Jahr Bildungskarenz und ein Weiterbildungsgeld erhalten. Angesichts der Millionenkosten für die Bildungskarenz wünscht sich Kopf, die Mittel verstärkt für Schwerpunkte bei der Bildungskarenz einzusetzen: „Es geht jetzt um eine Lenkung.“ Und: „Bei 76 Millionen Euro hat es Sinn, darüber nachzudenken.“

ÖVP-Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner und die Obfrau des Arbeitnehmerbundes (ÖAAB), Johanna Mikl-Leitner, haben in der Vorwoche folgende neue Variante als „Teilbildungskarenz“ vorgeschlagen: Ein Beschäftigter reduziert die Arbeitszeit um die Hälfte und erhält das halbe individuelle Arbeitslosengeld. Das soll Weiterbildung besonders für Beschäftigte mit geringerer Qualifikation interessanter machen.

Sozialpartner sollen Richtlinien erlassen

„Ich habe lieber den Begriff Bildungsteilzeit“, schickt der AMS-Chef voraus. Er unterstützt aber nicht nur die Idee, damit bei jenen mit geringerer Qualifikation anzusetzen. Er befürwortet auch den ÖVP-Plan, künftig zu prüfen, wie sinnvoll die angestrebte Weiterbildungsmaßnahme ist. Kopf schwebt eine Art Richtlinienkompetenz für die Sozialpartner, die im AMS das Sagen haben, vor. Diese sollten festlegen, welche Zielgruppen künftig ins Auge gefasst werden.

Als ein Paradebeispiel führt er an, wenn ein Hilfsarbeiter einen Lehrabschluss und eine Facharbeiterausbildung machen wolle. „Da hat das Sinn.“ Er führt außerdem ins Treffen, dass die Bildungsteilzeit mit einer auf die Hälfte reduzierten Arbeitszeit finanziell lukrativ und von Interesse sein könne. Denn bei einer Halbierung des monatlichen Bruttolohns rutsche gerade diese Gruppe womöglich unter die Grenze, ab welcher überhaupt Steuern zu zahlen seien.

Anstieg seit der Krise 2008

Der AMS-Chef verweist auf eine Evaluierung der Bildungskarenz durch das Institut für Höhere Studien (IHS). Demnach handle es sich bisher bei Betroffenen um eine hohe Zahl an Studienabsolventen, die die Zeit für weitere Prüfungen und Doktoratsarbeiten nützten. „Die Frage ist, ob das AMS das fördern muss“, so Kopf. Dann komme man in Konkurrenz zu den Stipendien. Dass etliche, die in Bildungskarenz gehen, diese Monate nur für Freizeit nutzen, ist für ihn mit Verweis auf die IHS-Überprüfung nicht in großem Stil der Fall: „Die Leute machen nicht blau, sondern ihre Ausbildungen.“ Kopf: „Natürlich kann es da und dort Missbrauch geben.“

Die Möglichkeit, dass Arbeitnehmer in Bildungskarenz gehen, besteht seit 1998. Insgesamt haben rund 46.000 Personen bisher davon Gebrauch gemacht. In den ersten Jahren lag der Durchschnitt laut AMS bei rund 1000 Beschäftigten. Das änderte sich mit der Wirtschafts- und Finanzkrise. 2008 waren knapp 1600 Personen in Bildungskarenz. 2009 schnellte die Zahl dann auf 4895 nach oben. Das hing auch damit zusammen, dass die Anspruchsvoraussetzung – jemand muss nun mindestens sechs Monate im gleichen Betrieb sein – gesenkt wurde. Außerdem haben die Bundesländer einen Teil der Qualifizierungskosten übernommen.

Noch eine Änderung gab es laut der IHS-Erhebung: Bis 2008 ging der Wunsch nach einer Bildungskarenz weitgehend von den Beschäftigten aus. Im Gefolge der Krise zeigten dann 2009 auch die Arbeitergeber verstärktes Interesse an dieser Form der Weiterbildung von Mitarbeitern. Inzwischen ist die Zahl der Beschäftigten in Bildungskarenz noch weiter gestiegen: 2010 waren es laut AMS bereits 6350, im vergangenen Jahr schließlich 6679.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.08.2012)

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7 Kommentare
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100% agree

Allerdings bin ich humanistischer Weise für Abfederung, dort wo jemand sich weiterbilden wollte, der Erfolg stellte sich aber nicht ein.
Dort, wo Weltreisen oder Auszeiten mit Bildungsföderung genommen werden, halte ich das nicht für sinvoll und ich kenne im persönlichem Umfeld mehrere Leute, die das so gehandhabt haben.

Gast: AMS neu
11.08.2012 09:47
1 0

Reform der gesamten AMS-Förderpraxis jetzt!

Die Reform der Bildungskarenz ist sicher notwendig; die Förderung von Ausbildungen ohne nachweislichen Bezug zu einer verwertbaren beruflichen Ausbildung ist unnötiger Luxus. In diesem Zusammenhang wäre es aber höchste Zeit für das AMS, die Kurslandschaft zu durchforsten; es ist z.B. dem AMS problemlos möglich festzustellen, wie hoch der Prozentsatz vder Kursteilnehmer ist, die nach dem Kurs wirder arbeitslos sind bzw. eine Beschäftigung aufgenommen haben. Es ist fahrlässig und eine reine Geldverschwendung, trotz dieser Informationen Kurse, nach deren Besuch zwischen 0% und 15-20% der Teilnehmer einen Job finden, immer wieder zu führen, oft um irgendwelche "arbeitsmarktpolitische Ziele" zu "erreichen". Bei den Kursen ist weit mehr einzusparen, ohne jemandem zu schaden, als bei der Bildungskarenz
Interessant übrigens, dass die Vorstandsverträge von Hr. Kopf&Buchinger so lautlos verlängert worden sind, ganz anders als bei 2 Damen in den Landesstellen. Gab es für diese Jobs keine anderen Bewerbungen? Spricht natürlich für die Qualifikation der beiden Herren. Jeglicher Zusammenhang mit dem in Österreich unbekannten Proporz sind von der Hand zu weisen.

Gast: jan kübel
06.08.2012 14:24
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ams - den sie wissen nicht was sie tun!

ams - vergebt ihnen nichtmehr den sie wissen was sie tun/ schaden anrichten!

also der hrn cheff vom ams den glaub ich
sogar das er versucht was richtiger zu machen das ist aber nur eigennutzen oder verschleierung
weil das ams wurde noch nie reformiert auch nicht das arbeitslosengesetz da ist die bundesregierung auf beiden ohren taub...

aktuell wird das bewerbungskoching durch ams leistugsbezug sperren gestärkt - einfach gesagt schreibst du firma mit zwei aa
in deiner bewerbung und hast eine frau
als ams leitung die gerne zum jahreswechsel
bewerbungstraining machen läst weil dann schauts so aus als ob keiner länger arbeitslos ist als ein jahr
dann hast du schon einen vereitelung am hals
und eine mögliche arbeitsaufnahme verweigert das ist so als wenn du ein eis willst und
der verkäufer sagt nein ist schon geschmolzen
aber zahlen mustt trotzdem

also meine sprachwahl ist ein bisserl deppert aber so ist das ams auch - alles gelogen und nie ist das ams schuld - das wird doch nicht ein heroin kartell - öffentlich rechtlich sein oder auf was sind die drauf?

Gast: Vogel Strauss
06.08.2012 09:28
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Wirtschaftsminister??

Ob der Herr Mitterlehner mal bedacht hat, was das für einen Kleinbetrieb heisst, wenn ein Mitarbeiter mal eben ein halbes Jahr in Bildungskarenz geht?? Diese Typen haben vom echten Leben keine Ahnung ...

Re: Wirtschaftsminister??

Arbeitgeber und Arbeitnehmer müsen sich zuvor einigen, von da her vermute ich, dass Bildungskarenz in Kleinbetrieben fast gar nicht vorkommt.

Gast: Zenzine
06.08.2012 09:07
4 0

Sehr lustig...

...und wie soll man sich in Teilzeit weiterbilden?

Wirklich gute und sinnvolle Weiterbildungen finden ganztägig statt (Studium, Lehre z.B.). Wifi-, bfi-, und AMS-Kurse bringen für die Weiterqualifizierung genau nichts. Diese Zertifikate kann man sich bestenfalls einrahmen und aufs Klo hängen.

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Die "schlechter Qualifizierten" gehen während der Bildungskarenz höchstens ...

... in die Koranschule.