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Last Man Standing: Haiders schrillster Verteidiger

06.08.2012 | 18:17 |  Von REGINA PÖLL (Die Presse)

Zwischen Birnbacher-Prozess, U-Ausschuss und Solarium: Wer ist Stefan Petzner, der Ex-Mitarbeiter Haiders und prominenteste Politiker des BZÖ?

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„Da werden sich manche noch wundern, was ich zu sagen habe, und einige Herrschaften werden Erklärungsbedarf bekommen." Oder: „Das ist wie bei Shakespeare: Am Ende kommt man aus dem Bühnengraben und schaut, wer noch steht und wer liegt. Und in dieser politischen Schlacht wird einer stehend übrig bleiben, und das bin ich." Mit solchen Ankündigungen ist Stefan Petzner schnell zur Stelle - ob, wie zitiert, zum gestern wiederaufgenommenen Birnbacher-Prozess („Presse" vom 28. Juli) oder im Korruptions-U-Ausschuss. „Knalleffekt" ist eines der Lieblingswörter des prominentesten BZÖ-Nationalratsabgeordneten, und nicht immer oder sogar nur selten erfüllt er die vollmundig geweckten Erwartungen.

Doch gestern, Montag, hielt Petzner, der einstige enge Mitarbeiter Jörg Haiders, fast Wort - ein Stück weit wenigstens. Schon zum Auftakt seiner Zeugeneinvernahme rund um illegale Parteienfinanzierung von BZÖ und ÖVP am Landesgericht Klagenfurt teilte er kräftig aus - wie ebenfalls angekündigt, vor allem in Richtung ÖVP Kärnten und deren Ex-Chef Josef Martinz (siehe Seite 1). Sein Hauptziel war und ist es offenbar, den 2008 verstorbenen BZÖ-Landeshauptmann Haider, 2007 angeblich Drahtzieher des Birnbacher-Deals, posthum zu verteidigen, dessen durch Vertreter von ÖVP und anderen Parteien längst angepatzte Weste wieder weißzuwaschen.

Aber was treibt den bekanntesten und schrillsten Politiker des BZÖ an - einen der Letzten aus der „alten Runde" um „Übervater" Haider, die im BZÖ verblieben sind und nicht in die Ende 2009 gegründete FPK gewechselt haben? Petzner ist in jeder Hinsicht ein bunter Hund: „Von anderen heißt es, sie sind farblos, das will ich für mich nicht", sagt er selbst gern. Und sticht schon optisch stark ins Auge: Dezente Anzüge oder gar eine Krawatte sind seine Sache nicht, lieber trägt er auch im gesetzten U-Ausschuss des Parlaments Glitzerhosen zu hautengen Hemden. Über seine Liebe zum Solarium haben sich schon Heerscharen von Journalisten und noch mehr die politische Konkurrenz ausgelassen. Den Untersuchungsausschuss - in dem auch seine Partei, das BZÖ, im Verdacht von Schmiergeldzahlungen steht - hat Petzner vielfach durch seine glühenden (aber oft vergeblichen) Verteidigungsreden „entflammt". Aber mehr noch ist ihm das durch eines seiner größten Laster gelungen: Seit er in der Toilette vor dem Ausschusslokal - wieder einmal - geraucht und damit den Feueralarm ausgelöst hat, gilt dort absolutes Rauchverbot. Jetzt nicht mehr nur auf dem Papier.

Petzners Maxime: Authentizität

Inhaltlich ist Petzner seit jeher ein Haider-Mann und bleibt es fast stur, selbst wenn der einstige „Landesvater" infolge der Anschuldigungen durch Steuerberater Dietrich Birnbacher und andere so schlecht dasteht wie nie: Loyalität ist ihm wichtig. Genauso wie Authentizität - etwas, was ihm selbst die größten Kritiker nicht absprechen. Aufgewachsen im freiheitlichen 1000-Einwohner-Nest Laßnitz bei Murau, nennt er sich heute noch einen „Bauernbuam", und er fühlt sich seiner Herkunft in der Steiermark - dicht an der Kärntner Landesgrenze - eng verbunden.

Und noch mehr seiner politischen Herkunft: 2004 holt ihn, den erst 23 Jahre alten Publizistikstudenten und parteifreien Sprecher des Rings Freiheitlicher Studenten, Jörg Haider als Pressesprecher der Partei (damals noch FPÖ) in die Kärntner Landesregierung. Freiheit, Selbstverantwortung, „Aufräumen" mit Privilegien - bei solchen Themen und mit solchen Schlagwörtern trifft man sich, und Petzner soll der Mann für den Außenauftritt, für die Werbung der Partei sein.

Entscheidende Jahre 2006 bis 2008

Von 2006 bis 2008 ist er geschäftsführender Obmann des BZÖ Kärnten, außerdem Bundesparteiobmann-Stellvertreter. In dieser Zeit leitet Petzner die Wahlkämpfe des BZÖ Kärnten bei den Nationalratswahlen 2006 sowie des Bundes-BZÖ bei den Wahlen 2008 - jeweils mit Erfolg. In diese Zeit fällt freilich auch der Birnbacher-Deal: sechs Millionen Euro für den Steuerberater aus dem Steuertopf für ein Gutachten zum Hypo-Verkauf - das sei 30-mal überteuert, sagen Experten heute. Der Deal laut Birnbacher: Je zwei Millionen sollten an ÖVP und BZÖ weitergehen - Martinz gestand diese Abmachung bereits und trat zurück, „Spiritus Rector" sei aber Haider gewesen. Petzner widerspricht heftig.

Doch nicht nur Haider, auch sich selbst muss Petzner nun verteidigen, um in der anhaltenden politischen „Schlacht" nicht doch noch zu „fallen": Immerhin habe er den „Patriotenrabatt" erfunden, also jenes Abkommen, wonach Birnbacher nicht zwölf, sondern doch „nur" sechs Millionen Euro bekam. Von ihm, Petzner, stamme aber nur die Bezeichnung, nicht der Inhalt, sagt er. Auch in einer zweiten Causa um eine öffentlich finanzierte Landesbroschüre, die aber stark an BZÖ-Werbung erinnert, hat Petzner zurzeit Erklärungsnot.

Was ihn - noch - aufrechterhält: Petzner glaubt offenbar unerschütterlich an die Sache des BZÖ. Mehr Chancen für Unternehmer, weniger Steuern, Offenlegung von Zahlungen im U-Ausschuss: Kein anderer BZÖ-Mandatar zieht so engagiert dafür ins Feld. Mit jeweils ungewissem Ausgang des Gefechts.

Zur Person
Stefan Petzner, 31, ist seit 2008 Nationalratsabgeordneter und Klubobmann-Vize des BZÖ. Davor war der einstige Chef des „Rings Freiheitlicher Studenten“ (2003–04), der 2004 von Jörg Haider als Sprecher und Werbemann in die Partei (damals noch: FPÖ) geholt wurde, Bundesparteiobmann-Stellvertreter des BZÖ (2006–08) sowie geschäftsführender Parteiobmann des BZÖ Kärnten (2006–08 und erneut 2009–11). Seit 2009 ist Petzner auch Parteiobmann-Vize der Kärntner Landespartei.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.08.2012)

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13 Kommentare
Gast: pächter der wahrheit
07.08.2012 22:22
0 0

Petzner braucht halt eine Fall-Back-Option für die Post-BZÖ Zeit

Dann wird er bei der FPK auftauchen und dort seine Fahne (oder was auch immer) in den Wind hängen.

Oh heimische Politik, wie tief bist Du gesunken. Rattenfänger wart Ihr immer, aber so primitiv wie jetzt noch nie.

Das intensive

UV-Licht in Solarien soll angeblich sogar HIV-Viren abtöten!?

Diese Strahlen-Therapie darf aber nicht unterbrochen werden!

Gast: Markus Trullus
07.08.2012 11:19
0 0

leider zweigeteilte Meinung

"....Mehr Chancen für Unternehmer, weniger Steuern, Offenlegung von Zahlungen im U-Ausschuss:"
Schade ist, dass einige dieser durchaus interessanten Bedürfnisse der Öffentlichkeit in der Hand von so jemand wie Petzner liegen; was natürlich verständlich ist, denn alle anderen fürchten um den Verlust ihrer Zuwendungen und Privilegien... Und wir alle zahlen und zahlen und zahlen und z... zum ko..en!
Wann kommt edlich eine brauchare, autentische und an Grundtugenden festhaltenden Leitpersonen mit realisierbaren Ideen? Ich fürchte, die sind allesamt längst im Ausland....

Gast: Laßnitz bei Murau
07.08.2012 10:53
4 0

Laßnitz ist nicht freiheitlich!

Zitat: "Aufgewachsen im freiheitlichen 1000-Einwohner-Nest Laßnitz bei Murau, ..."

Das verbitte ich mir! In Laßnitz gibts es aktuell nicht einen einzigen FPÖler im Gemeinderat. (Auch nicht BZÖ oder ähnliches, nur rot und schwarz!)

Also bitte etwas dezenter vorgehen, nur weil ein Ort keine Staatsoper, keinen Prater und keine 2 Millionen Einwohner hat besteht er nicht automatisch nur aus Rechten.

Gast: ROTFRONT
07.08.2012 10:31
0 0

Wenn man in der Politik einen Freund haben will, dann muss der sein wie der Petzner; Aufrecht und treu!

Im Gegensatz zu den korrupten Dauerrabcasher von Schwarz und Blau. Die wollen ja heute den Wählern noch einreden, dass der Haider ihnen alles sagt, was sie verbrechen sollen!

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Sonderbar

wie Medienleute manche Politiker hochschreiben. Petzner soll prominent sein? Sein
Bekanntheitsgrad stieg durch seine Haider-Geschichte mit dem Outing. Aber für wichtig und anerkannt in der Gesellschaft halte ich ihn nicht. Wohl ist er ein begnadeter Selbstinszenierer, was dabei herauskommt, hat der gestrige Gerichtstag gezeigt. Ich denke, dass nach solchen Lügen-Auftritten die Zahl jener zunimmt, die erwarten, dass sein Gesicht aus der politischen Öffentlichkeit endlich verschwindet.

Antworten Gast: Sepp Zeisenberger
07.08.2012 13:22
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Re: Sonderbar

jo Leitl..des san schware Zeitn..
finster isch im Bärental und rundumadum..
seit die Kärntner Sunn vom Himmel gfallen is..
da oarme Petzi ..ohne Sunn schaut a nimmer so braun aus der Wäsch.
a Lebensmensch wor a ? vom Jörgele?i glab dass dem Haiderle der Petzi scho am Nerv gongan is..
dauarnd herumschwanzeln..der Jörgl wor a Fiesling..aber er hot gwusst wia ma PR mocht..
und die Andern hom afoch mitgmacht..olle Foarbm..
und irgandwia hot er a den Robin Hood gspüt..
mit unsere Steiagölder..hahaha
des oarme Kärntn..des oame Votaland
wer wü eigentlich de ganze Woaheit wissn bei dem Schlamassl?
pfiat eich god

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SCHWACH

Der Sinn der Ankündigung ist klar. Was bleibt : Ein Politbombenwappler.

Gast: Birniseidank
06.08.2012 21:38
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Wir bitten dich, Göttin Iustitia,

befreie uns von den verlogenen Ungustl-Korruptions-Politikern dieses Landes und vergiss dabei in primis diesen Petzner nicht!

Antworten Gast: Markus Trullus
07.08.2012 11:21
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Re: Wir bitten dich, Göttin Iustitia,

sie vergessen, dass diese Dame ein Tuch über den Augen hat; sie ist "blind". Leider!!!!

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Re: Re: Wir bitten dich, Göttin Iustitia,

Warum leider? Wenn Justitia das ganze Gesocks sehen könnte, würde sie sich freiwillig eine Augenbinde umbinden.

Antworten Gast: Justitia
06.08.2012 22:33
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wenn Justitia "in primis diesen Petzner" nicht vergessen soll, dann sollte man bei solchen Wünschen wenigstens eine Korruption anführen, um ev. nicht selbst nur als Verleumder dazustehen: Also ?


Antworten Antworten Gast: kjh
07.08.2012 12:08
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Re: wenn Justitia "in primis diesen Petzner" nicht vergessen soll, dann sollte man bei solchen Wünschen wenigstens eine Korruption anführen, um ev. nicht selbst nur als Verleumder dazustehen: Also ?

Bereits einmal schuldig befunden (übrigens von Richter Herrnhofer), 38000 Euro Strafe. Derzeit wieder angeklagt im Fall Werbebroschüre.