„Da werden sich manche noch wundern, was ich zu sagen habe, und einige Herrschaften werden Erklärungsbedarf bekommen." Oder: „Das ist wie bei Shakespeare: Am Ende kommt man aus dem Bühnengraben und schaut, wer noch steht und wer liegt. Und in dieser politischen Schlacht wird einer stehend übrig bleiben, und das bin ich." Mit solchen Ankündigungen ist Stefan Petzner schnell zur Stelle - ob, wie zitiert, zum gestern wiederaufgenommenen Birnbacher-Prozess („Presse" vom 28. Juli) oder im Korruptions-U-Ausschuss. „Knalleffekt" ist eines der Lieblingswörter des prominentesten BZÖ-Nationalratsabgeordneten, und nicht immer oder sogar nur selten erfüllt er die vollmundig geweckten Erwartungen.
Doch gestern, Montag, hielt Petzner, der einstige enge Mitarbeiter Jörg Haiders, fast Wort - ein Stück weit wenigstens. Schon zum Auftakt seiner Zeugeneinvernahme rund um illegale Parteienfinanzierung von BZÖ und ÖVP am Landesgericht Klagenfurt teilte er kräftig aus - wie ebenfalls angekündigt, vor allem in Richtung ÖVP Kärnten und deren Ex-Chef Josef Martinz (siehe Seite 1). Sein Hauptziel war und ist es offenbar, den 2008 verstorbenen BZÖ-Landeshauptmann Haider, 2007 angeblich Drahtzieher des Birnbacher-Deals, posthum zu verteidigen, dessen durch Vertreter von ÖVP und anderen Parteien längst angepatzte Weste wieder weißzuwaschen.
Aber was treibt den bekanntesten und schrillsten Politiker des BZÖ an - einen der Letzten aus der „alten Runde" um „Übervater" Haider, die im BZÖ verblieben sind und nicht in die Ende 2009 gegründete FPK gewechselt haben? Petzner ist in jeder Hinsicht ein bunter Hund: „Von anderen heißt es, sie sind farblos, das will ich für mich nicht", sagt er selbst gern. Und sticht schon optisch stark ins Auge: Dezente Anzüge oder gar eine Krawatte sind seine Sache nicht, lieber trägt er auch im gesetzten U-Ausschuss des Parlaments Glitzerhosen zu hautengen Hemden. Über seine Liebe zum Solarium haben sich schon Heerscharen von Journalisten und noch mehr die politische Konkurrenz ausgelassen. Den Untersuchungsausschuss - in dem auch seine Partei, das BZÖ, im Verdacht von Schmiergeldzahlungen steht - hat Petzner vielfach durch seine glühenden (aber oft vergeblichen) Verteidigungsreden „entflammt". Aber mehr noch ist ihm das durch eines seiner größten Laster gelungen: Seit er in der Toilette vor dem Ausschusslokal - wieder einmal - geraucht und damit den Feueralarm ausgelöst hat, gilt dort absolutes Rauchverbot. Jetzt nicht mehr nur auf dem Papier.
Petzners Maxime: Authentizität
Inhaltlich ist Petzner seit jeher ein Haider-Mann und bleibt es fast stur, selbst wenn der einstige „Landesvater" infolge der Anschuldigungen durch Steuerberater Dietrich Birnbacher und andere so schlecht dasteht wie nie: Loyalität ist ihm wichtig. Genauso wie Authentizität - etwas, was ihm selbst die größten Kritiker nicht absprechen. Aufgewachsen im freiheitlichen 1000-Einwohner-Nest Laßnitz bei Murau, nennt er sich heute noch einen „Bauernbuam", und er fühlt sich seiner Herkunft in der Steiermark - dicht an der Kärntner Landesgrenze - eng verbunden.
Und noch mehr seiner politischen Herkunft: 2004 holt ihn, den erst 23 Jahre alten Publizistikstudenten und parteifreien Sprecher des Rings Freiheitlicher Studenten, Jörg Haider als Pressesprecher der Partei (damals noch FPÖ) in die Kärntner Landesregierung. Freiheit, Selbstverantwortung, „Aufräumen" mit Privilegien - bei solchen Themen und mit solchen Schlagwörtern trifft man sich, und Petzner soll der Mann für den Außenauftritt, für die Werbung der Partei sein.
Entscheidende Jahre 2006 bis 2008
Von 2006 bis 2008 ist er geschäftsführender Obmann des BZÖ Kärnten, außerdem Bundesparteiobmann-Stellvertreter. In dieser Zeit leitet Petzner die Wahlkämpfe des BZÖ Kärnten bei den Nationalratswahlen 2006 sowie des Bundes-BZÖ bei den Wahlen 2008 - jeweils mit Erfolg. In diese Zeit fällt freilich auch der Birnbacher-Deal: sechs Millionen Euro für den Steuerberater aus dem Steuertopf für ein Gutachten zum Hypo-Verkauf - das sei 30-mal überteuert, sagen Experten heute. Der Deal laut Birnbacher: Je zwei Millionen sollten an ÖVP und BZÖ weitergehen - Martinz gestand diese Abmachung bereits und trat zurück, „Spiritus Rector" sei aber Haider gewesen. Petzner widerspricht heftig.
Doch nicht nur Haider, auch sich selbst muss Petzner nun verteidigen, um in der anhaltenden politischen „Schlacht" nicht doch noch zu „fallen": Immerhin habe er den „Patriotenrabatt" erfunden, also jenes Abkommen, wonach Birnbacher nicht zwölf, sondern doch „nur" sechs Millionen Euro bekam. Von ihm, Petzner, stamme aber nur die Bezeichnung, nicht der Inhalt, sagt er. Auch in einer zweiten Causa um eine öffentlich finanzierte Landesbroschüre, die aber stark an BZÖ-Werbung erinnert, hat Petzner zurzeit Erklärungsnot.
Was ihn - noch - aufrechterhält: Petzner glaubt offenbar unerschütterlich an die Sache des BZÖ. Mehr Chancen für Unternehmer, weniger Steuern, Offenlegung von Zahlungen im U-Ausschuss: Kein anderer BZÖ-Mandatar zieht so engagiert dafür ins Feld. Mit jeweils ungewissem Ausgang des Gefechts.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.08.2012)
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