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Causa Birnbacher: Zeugenschwund vor Gericht

07.08.2012 | 08:27 |   (DiePresse.com)

Drei Gutachter bewerteten das - 30-fach überhöhte - Sechs-Millionen-Honorar als angemessen. Vor Gericht werden sie das nicht bestätigen, denn sie sagten ihr Kommen ab. FPK-Landesrat Dobernig dürfte erscheinen.

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In Klagenfurt wird heute der Birnbacher-Prozess fortgesetzt. Allerdings dürften die Reihen in dem Gerichtssaal leerer sein, als erwartet. Denn das Gericht hat das Problem, dass gegen viele der geladenen Zeugen in der Causa ermittelt wird. Nachdem gestern bereits der zurückgetretene FPK-Chef Uwe Scheuch nicht erschien und sich so der Aussage entschlug, scheinen es ihm heute die Autoren der umstrittenen Birnbacher-Gutachten gleich zu tun.

--> Live-Ticker vom Prozess

Die Namen der drei Gutachter stehen nämlich nicht mehr auf dem Verhandlungsfahrplan, den Richter Manfred Herrnhofer am Montagabend für den heutigen Prozesstag bekannt gegeben hat. Dem Vernehmen nach haben sie dem Gericht geschrieben, dass sie nicht erscheinen werden. Das berichtete das Ö1-"Morgenjournal" am Dienstag.

Kritische Haltung zu Privatgutachten

Neben den Ermittlungen der Korruptionsstaatsanwaltschaft, dürfte den Gutachtern auch die Haltung von Herrnhofer Sorgen bereiten. Immerhin machte der Richter am Montag deutlich, dass er den Privatgutachten rund um das Sechs-Millionen-Euro-Honorar für den Villacher Steuerberater Dietrich Birnbacher äußerst kritisch gegenüberstehe.

Eine Zeugenaussage von vor zwei Wochen interpretierte er laut dem Bericht folglich so: Der Gutachter habe geschrieben, dass das Honorar angemessen sei, weil das die Kärntner Landesholding als sein Auftraggeber so wollte, sonst hätte sich die Landesholding ja einen anderen Gutachter nehmen können. Das Verfahren wurde daraufhin eingestellt.

Heute sieht die Sachlage anders aus: Ein ein Jahr altes Gerichtsgutachten belegt, dass das Honorar 30-fach überhöht gewesen sein dürfte.

Kommt Dobernig?

Trotz der zahlreichen Absagen, dürfte aber zumindest der amtierende FPK-Finanzlandesrat Harald Dobernig im Landesgericht erscheinen. Er hätte ursprünglich am Montagvormittag aussagen sollen, ließ sich aber kurzfristig entschuldigen. Ebenfalls heute als Zeuge geladen ist Siegfried Grigg, Vorstand der Grazer Wechselseitigen Versicherung. Er war zum Zeitpunkt des Hypo-Alpe-Adria-Verkaufs Vorstandschef der Hypo. Außerdem wird ein Anwalt des Hypo-Käufers, der bayrischen Landesbank, erwartet. Den Anfang macht heute Stephan Tauschitz, bis zum Mittwoch der vergangenen Woche ÖVP-Klubchef, nun einfacher Abgeordneter.

Ihren Auftritt vor Gericht bereits hinter sich haben Ex-ÖVP-Kärnten-Obmann Josef Martinz, der 65.000 Euro "Schandgeld" zurückzahlte, Steuerberater Dietrich Birnbacher, der bestritt, Hauptverantwortlicher zu sein und der BZÖ-Abgeordnete und Vertraute des ehemaligen Kärntner Landeshauptmanns Jörg Haider, Stefan Petzner. Die Ladung Petzners hatte im Vorfeld für wilde Spekulationen gesorgt, doch die angekündigte "Bombe" platzte nicht. Stattdessen beharrte er darauf, dass Parteienfinanzierung beim Verkauf der Landesanteile der Hypo an die BayernLB Martinz' alleinige Idee gewesen sei. Haider und damit das BZÖ seien nicht involviert gewesen.

Causa Birnbacher

Der Steuerberater Dietrich Birnbacher hatte im Zuge des Hypo-Verkaufs für ein Gutachten sechs Millionen Euro kassiert. Vor Gericht gestand er, dass das Geld zwischen ihm, der Kärntner ÖVP und dem damaligen BZÖ (heute FPK) aufgeteilt werden sollte. Letztlich seien aber "nur" 100.000 Euro an die ÖVP geflossen.

Für die erste Tranche - 35.000 Euro - soll die Anwältin des mittlerweile zurückgetretenen Kärntner ÖVP-Chefs Josef Martinz, Astrid Wutte-Lang, die Rechnung gelegt haben, weshalb nun auch gegen sie ermittelt wird. Die Anwältin bestreitet die Vorwürfe. Birnbacher warf zudem Ex-FPK-Chef Uwe Scheuch und FPK-Landesrat Harald Dobernig vor, von ihm 500.000 Euro verlangt zu haben. Geld sei dann aber keines mehr geflossen. Scheuch und Dobernig bestreiten die Vorwürfe.

(Red.)

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21 Kommentare

Übliche Praxis

Es ist für Gutachter durchaus üblich, dass sie dem Auftraggeber zuliebe Positionen vertreten, die nicht zu vertreten sind. Allerdings geschieht dies in der Regel in der Weise, dass die Kernaussage in der Zusammenfassung des Gutachtens dem entspricht, was der Auftraggeber lesen will. Im Langtext des Gutachtens schreibt man dann unter welchen Voraussetzungen die Kernaussage getroffen wurde. Ein aufmerksamer Leser kann dann im gegebenen FAlle sehr gut erkennen, dass die Kernaussage auf mehr als unwahrscheinlichen Annahmen und Voraussetungen basiert.
Wer nur die Kernaussage eines Gutachtens liest, ist selber schuld.
Daraus folgt, dass die Gutachter wohl nur bei besonderer Dummheit und Sorglosigkeit zum Handkuss kommen können.

Gast: supersauber
07.08.2012 15:31
0 0

Feig.

Feig - Feiger - Österreichische Politiker.

Zuerst groß das Maul aufreissen, aber wenns dann ernst wird drücken sich alle vor der Verantwortung!

Gast: Baur4
07.08.2012 14:25
0 0

Man vergleiche:

Die 6 Mio vom Birnbach - Prozeß
Die 7 Mio "vom Werner" - kein Einschreiten der Staatsanwaltschaft,

statt dessen beschäftigen sie sich Gerichte mit dem "Kröte-Sager" vom Scheuch.

Was ist mit Strasser, Grasser, dem Waffengrafen usw......

So funktioniert unsere "unabhängige" Justiz.

Re: Man vergleiche:

Da gibt es einen kleinen Unterschied. Daymann hat einen Wunsch, über dessen moralische Zulässigkeit man streiten kann,beim Birnbacher hat dagegen die Landeshholding ezaht, da dies vermutlich Haider so wollte und Birnbacher trotz seines Wissens, dass 12, aber auch 6 Mil weit überhöht sind, eine solche Rechnung stellte, also aktiv tätig war.
Im Falle Faymann hätten einfach die Manager seinem Wunsch nicht nchkommen müssen. Auch im Falle einer Auflösung ihrer Verträge wären ihre Finanzne nicht in unordnung gekommen, ganz abgesehen davon, dass zu einer solchen wohl nicht gekommen wäre, daenn auch Faymann wewiß um die politischen Kosten einer solchen Maßnahme, da ja kaum davon auszugehen wäre, dass dieManager im Falle eienr Vertragsauflösung den Grund verschwiegen hätten.
Die Mananger wollten sich einfach nur Lieb Kind machen. Deshalob auf Faymann eintzuprügeln und die Mananger nicht zu erwähnen ist doch erheblich unfair.

Gutachter und Schaden!

Wäre durch die Gutachter, die das Birnbacher Gutachten als angemessen bezeichnet haben, ein sehr hoher Schaden entstanden, oder nicht?

Gast: Baur4
07.08.2012 10:44
0 0

SPÖ+ÖVP bestellen weiterhin Richter und Staatsanwälte im Proporz

Es ist Zufall, nichts als Zufall, dass wegen der 6 Mio vom Birnbach eine Gerichtsverhanlung stattfindet, über die 7 Mio vom "Inseratenkanzler" redet niemand mehr.

Vor dem Gesetz sind alle gleich, nur manche sind gleicher, viel gleicher sogar!

auch für Gut(?)achter gilt:

wessen brot ich esse, dessen sprache spreche ich

Antworten Gast: Baur4
07.08.2012 10:45
0 0

Re: auch für Gut(?)achter gilt:

100% richtig!

"Wer zahlt schafft an"!
Sollte das gewünschte Ergebnis nicht geliefert werden, gibt es keine Folgeaufträge.
(So funktionieren auch die immer wieder vom Steuerzahler finanzierten Umfragen)

Vor Gericht werden sie das nicht bestätigen!

Tja, wer hat sie zurückgepfiffen?

Gast: fragen erlaubt
07.08.2012 09:57
0 0

warum gibts für diese 3 gauner keine beugehaft?

warum wird ihnen nicht die lizenz zum justizbetrug entzogen?

Es sind Gutachter, die ihre "vereidete" Position ausnutzen und Kriminellen Vorschub leisten.

Wo ist das Problem? Es gibt zumindest zwei Hauptschuldige.

Das Problem dabei:

Wenn Sie als Normalsterblicher die Justiz "verhöhnen", bekommen Sie gewaltig eine auf die Nase.

Das ist klare

Verhöhnung der Justiz!

Re: Das ist klare

Und warum lässt sich die Justiz verhöhnen???

Antworten Antworten Gast: Skeptiker
07.08.2012 10:08
0 0

Re: Re: Das ist klare

Ich glaube, wenn die Gutachter lediglich Zeugen sind, dürfen sie sich ohne weiteres mit einem "trifftigen" Grund entschuldigen. Wenn die das aber wiederholt machen, würde ich hoffen, dass der Richter sie zwangsweise vorführen lässt.

Gast: Schelm 1
07.08.2012 09:33
0 1

Birnbacher's Wandlung vom Saulus zum Paulus


kommt politisch Nicht ungelegen.

Es lenkt von anderen Problemen medial ab und ermöglicht die FPÖ insgesamt zu schädigen.

Da erhebt sich doch die Frage, ob dem Herrn Birnbacher nicht noch ein weiteres und grösseres Honorar für sein mea culpa gezahlt bzw. zugesagt wurde.

Ein Schelm wer so schlecht denkt, oder doch nicht ?

Gast: Alfred
07.08.2012 09:25
7 0

Die Gutachter - die (un)heimlichen Richter


Man sollte sich einmal die kleinen Gerichtsprozesse ansehen, da bekommt man Angst vor Gutachtergläubigen Richtern.

Gast: Peter Kanalgitter
07.08.2012 09:13
0 1

Die schrecken vor nichts zurück

Jetzt wird auch noch der Richter verunglimpft.
Ja,ja Herr Richter Gutmütigkeit wird bestraft Sie hatten es letzte Woche in der Hand. Selber schuld.

wer deckt die gutachter

Warum fragt kein Journalist nach, wie der Regelkreis Politik, Staatsanwalt, Gutachter und Richter wirklich in Österreich funktioniert und was die Bedeutung des Wortes Unabhängigkeit in diesem Zusammenhang ist?

Re: wer deckt die gutachter

Was die Bedeutung des Wortes Unabhängigkeit im Zusammenhang mit dem "geförderten" Journalismus dieser sog. Republik?

Antworten Gast: Skeptiker
07.08.2012 09:57
0 0

Re: wer deckt die gutachter

Wenn ich es richtig verstehe handelt es sich bei den Gutachten um reine Privatgutachten, und sie wurden als Entscheidungshilfe erstellt. Es war wohl nicht gedacht, dass sie unbedingt Beweiskraft vor einem Gericht haben sollten. Private Gefälligkeitsgutachten sind nicht unbedingt verboten. Und, um diese Gutachten zu estellen wird es nicht notwendig gewesen sein die Gutachter über die Herkunft des Geldes (öffentliches od privates) oder über den Empfänger des Geldes zu informieren. Solche Gutachten kann man bestimmt auch ohne diese Informationen erstellen.

Gerichtlich beeidete Sachverständige waren das nicht - sie mussten also nicht unabhängig sein - und ich frage mich ob sie strafrechtlich belangt werden können. Natürlich "stinkt" die ganze Sache zum Himmel.