20.05.2013 14:09 Merkliste 0

Aussage gegen Aussage: Landesrat Dobernig will kein Geld gefordert haben

07.08.2012 | 18:25 |  von MARTINA LEINGRUBER (Die Presse)

Ex-ÖVP-Chef Martinz bekam das Sparbuch mit 65.000 Euro "Schandgeld", das er dem Gericht übergeben hatte, zurück. Überraschend nahmen am Dienstag auch die ÖVP-Politiker Tauschitz und Rumpold im Zeugenstand Platz.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Mehr zum Thema:

Klagenfurt. „Der Zeuge lügt“, sagte Dietrich Birnbacher. Der Steuerberater konnte sich während der Aussage von Landesrat Harald Dobernig (FPK) kaum auf dem Sessel halten. Normalerweise folgt er der Verhandlung ruhig und gelassen. „Ich bleibe bei meiner Aussage. Es sind 500.000 Euro gefordert worden, von Scheuch. Dobernig hat das Gespräch eingeleitet. Haider hätte ihm gesagt, dass für die Partei eine Million kommen werde.“ Harald Dobernig, zu Zeiten des Verkaufs der Hypo Alpe Adria an die Bayrische Landesbank Büroleiter des 2008 tödlich verunglückten Kärntner Landeshauptmanns, widersprach der Darstellung des Steuerberaters vehement.

Am Dienstag, dem neunten Verhandlungstag im Untreueprozess gegen Birnbacher, Ex-ÖVP-Chef Josef Martinz sowie die beiden Vorstände der Kärntner Landesholding Hans-Jörg Megymorez und Gert Xander, gab Dobernig zu Protokoll, dass er von Parteienfinanzierung nie etwas gewusst habe. Haider habe ihm nie etwas davon gesagt. Dobernig leugnete nicht, dass es das Treffen zwischen ihm, Uwe Scheuch und Birnbacher am 25.Mai 2009 gegeben hatte: „Das ist nicht zu bestreiten.“ Geld aber hätte weder er noch Uwe Scheuch je von Birnbacher gefordert. Wieso es dieses Treffen dann überhaupt gegeben habe, fragte Richter Manfred Herrnhofer. „Es ist uns um Aufklärung gegangen.“

Birnbacher hatte bei seinem Geständnis vor zwei Wochen Dobernig und Scheuch schwer belastet. Sie hätten 500.000 Euro gefordert, gezahlt habe er aber nicht. „Ich hätte denen nie einen Tupf gegeben“, sagte er am Montag. Aufgrund von Birnbachers Aussage ermittelt nun die Korruptionsstaatsanwaltschaft gegen Dobernig und Scheuch.

 

„Mich werden sie nicht so schnell los“

Dobernig hatte sich am Montag wegen dringender Amtstermine nicht in der Lage gesehen, vor Gericht zu erscheinen. Am Dienstag verneinte Dobernig auch, dass Birnbacher in seinem Büro eine Vereinbarung unterschrieben hatte, die Haider und Martinz vor Rechtsansprüchen schützen sollte, sollte die Landesholding das Honorar nicht übernehmen. Nach seiner Befragung stellte sich Dobernig als Opfer der Medien dar, die Landespolitik sei kein „Fußabstreifer der Medien. Aber mich werden sie als Landesrat nicht so schnell los.“

 

ÖVP-Politiker sagten kurzfristig aus

Überraschend nahmen am Dienstagvormittag auch die ÖVP-Politiker Stephan Tauschitz und Achill Rumpold im Zeugenstand Platz. Der Richter hatte sie Montagabend telefonisch geladen. Sie wurden zu den Aussagen von Ex-Haider-Sekretär Stefan Petzner (BZÖ) vom Montag über ein Gespräch im Frühjahr 2007 in Haiders Büro befragt. Anwesend waren laut Petzner er selbst, Haider, Martinz, Rumpold und Tauschitz. „Braucht's a Geld?“, habe Haider dabei Martinz angeherrscht, um zu klären, ob die ÖVP in Parteienfinanzierung verwickelt sei. Tauschitz wie auch Rumpold widersprachen Petzners Darstellung. „Ich glaube nicht, dass es jemals ein Gespräch in dieser Konstellation gegeben hat“, so Tauschitz.

Martinz verließ das Gericht am Dienstag mit dem Sparbuch mit jenen 65.000 Euro (laut eigener Aussage „Schandgeld“), die er am Montag dem Gericht übergeben hatte. Die Kärntner Landesholding hatte Anspruch auf dieses Geld erhoben, Martinz und sein Anwalt Alexander Todor-Kostic zeigten sich damit aber nicht einverstanden. Sollte sich im Rahmen der Beweisführung herausstellen, dass überhaupt ein Schaden bei der Kärntner Landesholding eingetreten sei, werde sich sein Mandant einer rechtskräftigen Entscheidung beugen, sagte Todor-Kostic. Wenn es sich nicht um Untreue handle, wären die 65.000 Euro als Schenkung Birnbachers an Martinz zu definieren.

„Nach meinem Dafürhalten war es keine Schenkung“, so Birnbacher zum Richter. „Martinz hat es als Parteispende bezeichnet. Er hat gesagt, dass er für den Wahlkampf immer wieder Gelder braucht.“ Birnbacher hatte Martinz das Geld in einem Kuvert bei einer Weihnachtsfeier übergeben. Morgen, Donnerstag, wird der Prozess fortgesetzt.

Auf einen Blick

Birnbacher-Prozess. Im Untreueprozess in der Causa Birnbacher hat Richter Manfred Herrnhofer am Dienstag das am Vortag von Kärntens Ex-ÖVP-Chef Josef Martinz überreichte Sparbuch mit 65.000 Euro an Martinz-Anwalt Alexander Todor-Kostic retourniert. Am Vormittag hatte die Kärntner Landesholding auf die 65.000 Euro Anspruch angemeldet. FPK-Landesrat Harald Dobernig bestritt als Zeuge, Fördergeld für die Partei verlangt zu haben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.08.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr zum Thema:

Mehr aus dem Web

30 Kommentare
 
12
Gast: ökono-mist
23.08.2012 16:20
0 0

Eulenspiegeleien...


Für mich ist das keine Sensation, sondern nur historisch logisch: Wer vom Geruch der gerichtlich servierten Speisen satt werden mußte, hat auch nur - Till Eulenspiegel gleich - mit dem Klang seiner Münzen zu bezahlen.

And now they are white.

Gast: neunmalklug
09.08.2012 08:05
0 1

NIEMAND...

Niemand gibt aus seinem Privatvermögen Geld zurück, welches er angeblich bei Wahlkämpfen ausgegeben haben will.

Diese Aktion ist ein ganz klares Eingeständnis dafür, dass er sich mit den € 65.000,- selbst bereichert hat.

Re: NIEMAND...

so monokausal kann man das nicht betrachten.

nur weil sie das nicht machen würden, oder sich nicht vorstellen können, muss das für andere nicht auch zwingend gelten. es ist kein naturgesetz.

Gast: Peter Kanalgitter
08.08.2012 07:04
0 0

Was ich nicht verstehe

Warum hat jeder Komiker von denen ein komisches Armbändchen und eine viel zu große Uhr um?
Ist das ihr Erkennungszeichen? Bei Petzner und Dobernick lass ich das ja noch durchgehen aber nicht bei gestandenen Männern,bei harten Holzfällern.

Gast: Peter Kanalgitter
08.08.2012 06:45
1 0

Alle sind angefressen

Sogar die Kärntner auf der Baustelle haben die Nase gestrichen voll. Diese Töne hörte man früher nie.
Die FPÖ wird sich noch wundern.
Apropos hat nicht Dobernick erst kürzlich wieder ein 100 Millionen Euro Geschäft alleine durchgezogen?
Ich sage nur Holzauge sei wachsam.

Gast: Klagenfurter Szene II
08.08.2012 06:23
1 0

Stimmen eigentlich die Finanzen?

Auch die sind in den letzten Jahren fragwürdig geworden!
Dobernig ein Fall für sich, der auch Kärnten in Geißelhaft hat!

Gast: Insider aus dem Süden
08.08.2012 06:21
2 0

Dobernig denk einfach nach, das Kartenhaus fällt sowieso zusammen!

Dobernig es ist dir, aber auch Dörfler bekannt, dass es auch Geld aus dem Irak und Libyen gegeben hat! Die Konten im Ausland schon vergessen?
Außerdem für wie blöd stellt ihr die Bevölkerung hin?
Neuwahlen und weg mit den Gesichtern Scheuch, Dobernig, Dörfler, Ragger, Xantner, Megymoricz......

60% der Bevölkerung will Neuwahlen und zwar ohne euch Sesselkleber und Kärntenruinierer!

Gast: Peter Kanalgitter
08.08.2012 06:19
2 0

Ehrloser Geselle

Es tut mir leid aber dieser Knilch ist mir zutiefst unsympathisch. Auch ein Grund dafür warum ich nicht mehr FPÖ wählen werde.
Ganz Österreich weiß das der am laufenden Band den Richter anlügt. Ein alter Mann namens Birnbacher hat es ihm eh ins Gesicht gesagt.

Der Dobernig lügt,

wenn er den Mund aufmacht!

dieser Prozess

übertrifft wohl alles Bisheriges....soviel Delinquenz bei Politikern....Chicago 1930 lässt grüssen....

Gast: Wolfsbergerin
07.08.2012 23:00
2 0

Wo ist das Geld.....

Wo ist das Geld, dass die vielen Schulden verursacht hat in Kärnten?

Immobilien, Schwiez, Lichtenstein....
hohe Fördergelder...

Re: Wo ist das Geld.....

in Bräunungsstudios, landwirt-schaftlichen Betrieben, Lederhosen und braunen Jankern.
Die Kärtner sollten sich bei der nächsten, hoffentlich baldigen Wahl, entscheiden.
Schöne, braune Haidernachkömmlinge. oder neue Gesichter.
Wie ist das mit dem Frauenqoute?
Frauen sind korrekter und ehrlicher.

Re: Re: Wo ist das Geld.....

da haben sie recht. mehr frauen gehören in die politik (nicht nur in afrika). aber bitte nicht eine volksschullehrerin als bildungsministerin etc., keine quotenfrauen.
denn frauen sind die hüter der familien, denken nicht nur an sich, sondern auch an zukünftige generationen… und langfristiges denken und handeln über legislaturperioden hinaus fehlt in unserer parteilandschaft.

Gast: Büderlleser!
07.08.2012 20:54
1 0

ich habe das Gesicht jetzt in viele viele.....

...Einzelteile zerlegt, natürlich nur bildlich.....das Ergebniss sagt aus, dass dieser Mensch ügt, er ügt so schlecht, dass einem schlecht werden könnte.....die ganzen Gesichtsmuskeln sind lose geworden, sein Kopf denkt etwas anderes als er bei den Mundöffnung rauslässt!
be.es: seine Augen sind auf die Wahrheit fixiert, das zeigt der Stillstand im Blick!
"Man kann viele Menschen beügen, aber NIE seinen eigenen Körper"!

Diese Gfrieser wie Matninz, Dobernig, usw,

lachen alle in die Kamera. Und nicht nur dorthin. Sie lachen UNS (das Volk) aus.

Alle einmal für vier Wochen in U-Haft, dann wird Ihnen das Lachen schon vergehen.

Gast: b754
07.08.2012 17:02
7 3

dieses falottentum der scheuchs ist demokratiegefährdend

und der strache macht jetzt auf saubermann und die dümmsten glauben ihm das auch noch

Re: dieses falottentum der scheuchs ist demokratiegefährdend

man muss ihm zugestehen, dass er ein guter politiker ist - leider auf der seite von uwe vader & co.
sein zib2-interview war von der komm.-strategie her gut an die situation adaptiert gelöst.
und so voller nlp-phrasen und zeigen auf die anderen, dass gerade sympathisanten ihm das allzu leicht abkaufen und ihn wählen werden.

kritisch betrachtet aber immer dieselbe (verantwortungslose) reaktion. bei heiklen fragen spieß umdrehen, sie nicht beantworten und statt dessen wie ein maschinengewehr slogans zu dreschen und auf andere zu zeigen.
und wenn er gar nicht auskommt zu antworten, dann wird alles auf ein "system" geschoben, in dem die fpk/fpö gefangen ist, das aber andere zu verantworten haben.

meta-strategie: opfer sein und täter in den eigenen reihen zu opfern stilisieren.was war zuerst da? das opfer oder der täter? ist es denkbar, dass jemand erst zu einem täter wird, wenn es jemanden gibt der ihn anklagt? wie viele wähler werden erkennen, dass man opfertypen nicht in die regierungsverantwortung lassen kann? opfer gehören in die opposition, verantwortung ist nicht deren sache.

3 1

Re: dieses falottentum der scheuchs ist demokratiegefährdend

Nicht die duemmsten , die Zahnlosen

3 1

Dass ein Angeklagter öffentlich dem Richter ein Sparbuch mit €65000 überreicht geht auch nur in Kärnten.

Vielleicht sollte er damit warten bis die Kamera aus ist,
in Kärnten hat das sicherlich schon öfter
einen schlagartigen Umschwung bewirkt.

Es gilt die Unschuldsvermutung. :D

0 0

Re: Dass ein Angeklagter öffentlich dem Richter ein Sparbuch mit €65000 überreicht geht auch nur in Kärnten.

Richtig, bestechung vor laufender kamera konnten sich sonst nur mafiosis leisten.

5 2

Ich find das nur mehr widerlich . Entweder hast du "Ehre und Anstand" oder du hast gar nichts mehr. Ab ins Bergwerk mit diesen miesen Typen aller Parteien!!!!!!

Sparbuch 65.000

Der Martinz hat eben dem Birnbacher 12 Millionen geschenkt...

... da wird wohl der Birnbacher dem Martinz noch 65000 Euro zurückschenken dürfen.

Gast: Das fängt schon wieder genau so an.....und ein .rottel muss büßen!
07.08.2012 16:07
6 1

Spürt ihr es???....

....dieser Prozess ist auf die gleiche Justizstrasse aufgefahren, wie die Justizfahrt im Bawag-Prozess.......andauernd wird über die 65 000 Euro geredet, zweifellos VIEL Geld, ABER der Ausgangspunkt sind 6 000 000 Euro (SECHSMILLIONEN).......WO SIND DIE RESTLICHEN 5,9 MILLIONEN EURO???......wenn diese Verhandlungen wieder genau so verlaufen wie die von der Bawag-Causa, WO SICH DAS GERICHT ÜBER DEN VERBLEIB DER MILLIARDEN NICHT UND NICHT INTERESSIERT HAT, WEIL ANGEBLICH NICHT INTERESSANT FÜR DIE JUSTIZ, dann sollte man sich wirklich überlegen, ob man sich in diesem Land noch länger für deppert anschauen lässt....the world is big!

Antworten Gast: freiheit
07.08.2012 17:55
2 1

Re: Spürt ihr es???....

das frage ich mich auch und der birnbacher redet ja ueber eine drittel teilung. bei einem honorar 6mio welches nur 300 000 wert ist - und bis jetzt wird nur ueber 65 000 gesprochen.... das laesst extrem viele fragen offen....

Ein interessanter ...

... Gedanke, der nicht unrealistisch ist.

Gast: fj
07.08.2012 15:59
1 0

Restehre

Herr Rat, ich hätt gern zehn Deka Restehre. Was? Die ist nicht mehr ganz frisch - macht nix, ich nehm sie trotzdem. Da hams a Sparbuch. Der Rest ist für sie.
http://gedankenstrich-franzjosef.blogspot.com

 
12