19.05.2013 04:01 Merkliste 0

Ex-ÖBB-Chef entlastet Faymann

08.08.2012 | 18:17 |   (Die Presse)

Martin Huber, 2007 ÖBB-Chef, hielt den Preis für eine "Krone"-Kampagne "für richtig" - Druck des Infrastrukturministeriums habe es nicht gegeben. Eine Anklage gegen Faymann scheint immer unwahrscheinlicher.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Wien/Apa/Gr. Eine Anklage gegen Bundeskanzler Werner Faymann und Staatssekretär Josef Ostermayer (beide SPÖ) scheint nach Auftauchen neuer Details in der „Inseratenaffäre“ immer unwahrscheinlicher. Der ehemalige ÖBB-Generaldirektor Martin Huber hat Faymann und Ostermayer einem Bericht des ORF von Mittwoch zufolge in seiner Aussage vor der Staatsanwaltschaft im Oktober vergangenen Jahres entlastet.

Gegen Faymann und Ostermayer wird ja seit dem Vorjahr wegen Untreue und Amtsmissbrauchs ermittelt, weil sie zwischen 2007 und 2008 – Faymann war damals Infrastrukturminister, Ostermayer sein Kabinettschef – dafür gesorgt haben sollen, dass die vom Ministerium verwalteten Staatsbetriebe ÖBB und Asfinag Inserate in befreundeten Tageszeitungen schalten, um diese dem Minister gegenüber gewogen zu stimmen. Ein Vorwurf, der nicht zuletzt durch die Frage gestützt wurde, warum Monopolbetriebe wie die Bundesbahnen und die Schnellstraßengesellschaft mehrere Millionen Euro teure Werbung schalten sollten.

 

Faymann organisierte mit Hans Dichand

Bisher war kolportiert worden, Huber und der damalige Personenverkehrschef der ÖBB, Stefan Wehinger, wären besonders mit einer 500.000 Euro teuren Kampagne in der „Krone“ unzufrieden gewesen und nur durch Druck von Faymanns Kabinett dazu bereit gewesen. Den Einvernahmeprotokollen vom 7. Oktober 2011 zufolge soll Huber allerdings gesagt haben, er sei „jedenfalls im Zusammenhang mit der Bezahlung der ,Krone‘-Kampagne“ von niemandem unter Druck gesetzt worden. „Das wäre auch gar nicht erforderlich gewesen, weil ich die Bezahlung damals auch für richtig erachtet habe“, so Huber dem „Zeit im Bild“-Bericht zufolge.

Erst am Mittwoch hatte die „Tiroler Tageszeitung“ berichtet, Faymann habe bei seiner eigenen Einvernahme im Februar zugegeben, die „Krone“-Kampagne gemeinsam mit deren mittlerweile verstorbenem Herausgeber Hans Dichand organisiert zu haben. Bereits vor seiner Angelobung zum Verkehrsminister habe Faymann demnach überlegt, wie er seine „13-jährige Erfahrung als Wiener Wohnbaustadtrat in diese Tätigkeit einbringen könnte“. Schon in dieser Funktion hatte der heutige Kanzler unter dem Titel „Der direkte Draht zum Wohnbaustadtrat“ eine (bezahlte) Kolumne in der „Krone“ verfasst.

2007 sei ihm vor allem das angeschlagene Image der ÖBB ein Anliegen gewesen, soll Faymann gegenüber der Staatsanwaltschaft ausgesagt haben. Darüber habe er sich „mit diversen Medienfachleuten, unter anderem mit Hans Dichand“, unterhalten. Dichand habe ihm dann vorgeschlagen, eine Kampagne in Anlehnung an Faymanns frühere Kolumne zu starten. Die Kosten dafür habe dann Ostermayer mit Dichand geklärt – was der Staatssekretär in seiner Einvernahme bestätigt: Er habe dann ÖBB-Chef Huber über die Kosten von 500.000 Euro informiert, dieser habe den Betrag akzeptiert.

Auf die Frage der Staatsanwältin, ob Faymann mit der Kampagne nicht nur sein Image habe erhöhen wollen, erklärte der Kanzler der „TT“ zufolge: „Ich wollte jenes der ÖBB in diesem Fall fördern, was naturgemäß auch dem Minister nützt.“

Der heutige „Krone“-Innenpolitikchef Claus Pándi, mit Faymanns Mitarbeiterin und Exsprecherin Angelika Feigl liiert, sagte aus, der Kanzler sei von sich aus auf ihn zugekommen und habe ihn gefragt, ob eine Neuauflage der Stadtrat-Serie mit „Fragen an den Verkehrsminister“ möglich wäre. Pándi habe Faymann dann an Dichand verwiesen, sagte er aus.

 

Staatsanwaltschaft wartet auf Gutachten

Die Ermittlungen gegen Faymann und Ostermayer laufen jedenfalls weiter, derzeit wartet die Staatsanwaltschaft auf ein Gutachten, das unter anderem den Werbenutzen der Inserate für ÖBB und Asfinag klären soll: Wenn dieser nicht dem Preis entspricht, den die Staatsbetriebe bezahlt haben, wäre das ein Indiz, dass Medien durch die Zahlungen freundlich gestimmt werden sollten.

Das Thema wird in den nächsten Wochen jedenfalls relevant bleiben: Noch im August wird der Rechnungshof einen Bericht über die Öffentlichkeitsarbeit der Bundesbahnen von 2007 bis 2011 veröffentlichen. Und ab September wird die Inseratenaffäre Thema im Korruptions-U-Ausschuss.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.08.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

174 Kommentare
 
12 3 4
0 0

Rücktritt der Bundesregierung...

Jetzt!

Gast: Defender
09.08.2012 17:49
1 0

Was ist diese Aussage wert?

Da versucht sich doch der gute Huber selbst zu entlasten - die Alternative ist strafrechtlich relevant.

Untreue wenn Huber was anderes sagt

was soll denn huber anderes sagen, die Kampagne wäre zu teuer gewesen und man hätte zuviel bezahlt, dann wäre das wohl Untreue, daher entlastet er sich nicht nur Faymann sondern auch sich selbst. Die Frage ist wohl eher, was mit den im Normalfall zu Inseraten angebotenen kostenlosen PR Seiten passiert ist, sind die für Faymann gelaufen, nachdem man ihn ja als Krone Kanzler eingestuft hat ohne diesen Hintergrund zu kennen gilt das wohl als wahrscheinlich? Ohnedies gilt ja wie immer die Unschuldsvermutung ?!

Total OT: Auf RBB läuft noch bis 13:00 "Der Meineidbauer".



Gast: pressefoyer
09.08.2012 10:13
2 0

"Auftauchen neuer Details " ?? Die da wären...?


6 0

Strafrechtlich wahrscheinlich nicht relevant,

.... dennoch: Integrität sieht anders aus. Presseförderung und Inseratenkampagnen führen zu genehmer Hofberichterstattung. Berlusconi wollen, so scheint es , alle nacheifern.
Die Konsequenz: Weg mit dem Listenwahlrecht! Abgeordnete aus den Wahlkreisen, für die sie antreten und sofortige Abschaffung des fraglich verfassungskonformen Klubzwangs.
Wenn man mit Blick auf K, NÖ und Wien auch gleich den Föderalismus massiv einschränken würde, wäre auch ein zusâtzlicher volkswirtschaftlicher Gewinn gegeben.

Gast: Der Ahnungslose
09.08.2012 09:33
15 0

komisch, dass das dem huber jetzt erst einfällt...

...da wirds mal knapp für den "dunkelroten werner" und schwupps, ist ein "NEUER" zeuge da... und alles passt wieder. wer da böses denkt...


Gast: quo vadis Austria
09.08.2012 09:32
6 0

Steht hinter dem "Rückzug" Hubers ein Tauschgeschäft zwischen ÖVP und SPÖ, frei nach der Formel "do ut des", du bringst meinen nicht vor Gericht und ich deinen nicht?

Vor einigen Monaten war noch in diversen Zeitungen nicht nur über Hubers Aussagen zu lesen, sondern auch anderer Mitarbeiter, die sehr eindeutig waren, wie hier auf Kosten von Staatsbetrieben rote Politiker Werbeeinschaltungen anordnen. Plötzlich alles paletti?

Eine schwarze Justizministerin hat es in der Hand, ob Politiker angeklagt werden, das allein ist schon ungeheuerlich, aber man soll deswegen nicht nach dem "unabh.Generalbundesanwalt" rufen, angesichts dessen, was da parteipolitisch in der Staatsanwaltschaft abläuft.

Nachdem die Justizvertraute des ÖVP- Chefs den Druck auf Faymann offensichtlich verstärkt hat durch die Weisung an die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen nicht einzustellen, scheinen die Regierungsparteien nun zu einer internen Übereinkunft gekommen zu sein, so ähnlich wie beim Austauch von Spionen bei den Großmächten: Ich geb deinen frei, du meinen.

Nun kann man sich hingegen wieder gemeinsam auf die Opposition, sprich die wahlgefährliche FPÖ konzentrieren, wo einige zwar zu recht vor Gericht stehen, aber im Vergleich dazu dies Peanuts sind.

Gestern durfte ja Pröll sein Grausen über die Kärntner Politik im ORF ausstreuen, der sich nicht einmischen will, aber es dann um so kräftiger tut und damit zeigt, wie man den Leuten ein U für ein A vortäuschen kann.

Ausgerechnet Pröll, der sich mit Strasser "gebettet" hat und diesen groß gemacht hat, gibt anderen Bettvorschläge!
So, als gäbe es in NÖ nicht Probleme mit Schulden, Wohnbauförderung, EU-Leader..

Zig Millionen fuer den Werner , sogar das europaeisvhe TV und europaeische Zeitungen berichten,

... und bei uns ist alles paletti!!

Der Faymann gehoert hinter Gitter, und dann sollte er schleunigst nach zB Argentinien auswandern, da kennt sich die SPÖ ja gut aus!

Ist ja ganz was neues,


daß sich Komplizen gegenseitig entlasten?

Man sieht den Unterschied zur Machart der FPK Artikel, die Presseförderung machts möglich!


18 0

Das war eine taktische Meisterleistung von Faymann und Ostermayer


Wie die beiden es geschafft haben, von unbedeutenden Angestellten der Wr. Mietervereinigung zu den mächtigsten Männern der Republik aufzusteigen ist beeindruckend.
Faymann, der Türöffner und Ostermayer als strategischer Kopf haben die Kontrolle über Justiz und Medienlandschaft erlangt und es zeichnet sich kein Ende dieser Schreckensherrschaft ab.
Sonst haben die beiden Herren nichts zusammengebracht und dass dabei unser relativer Wohlstand den Bach runtergeht, dürfte den beiden egal sein

Re: Das war eine taktische Meisterleistung von Faymann und Ostermayer

Bitte wie soll das denn gehen. Ostermayer und Faymann haben die Kontrolle über die Justitz übernommen! Wusch, und das bei einer schwarzen Justizministerin! Gehts noch?

Re: Das war eine taktische Meisterleistung von Faymann und Ostermayer

So ist es. Auch wenn ich den Herrn nicht mochte, aber Gusenbauer hatte wenigstens den Intellekt, den man von einem Spitzenpolitiker erwarten kann.

Das traurigste ist aber die Reaktionen der Bevölkerung. In anderen Staaten würde man diese Politiker zum Teufel jagen, Österreich sorgt das bei den Stammwählern nur für Schulterzucken und das Fingerzeigen auf die anderen Parteien.

Einfach nur mehr ekelhaft.

1 16

Re: Das war eine taktische Meisterleistung von Faymann und Ostermayer

Wie man sieht verhungern jeden Tag immer mehr Österreicher, die Verschuldung ist die höchste in ganz Europa und die rote Hauptstadt ist die am wenigsten Lebenswerte der Welt. Da machen es die blauen schon viel besser wie man in Kärnten sieht. Keine Korruption, Politiker mit blütenweissen Westen und die Verschuldung hat sich natürlich nicht in der blauen Regierungszeit vervierfacht und ist mit Abstand die höchste von allen Bundesländern.

Da kann man ja wirklich nur hoffen das uns die blauen Heilsbringer retten.

6 0

Re: Re: Das war eine taktische Meisterleistung von Faymann und Ostermayer

...hier ist er schon der Fingezeig auf die anderen, lange haben wir nicht warten müssen.

0 0

Re: Re: Re: Das war eine taktische Meisterleistung von Faymann und Ostermayer

Man lernt eben von den Blauen die die ganze Zeit ja nur mehr auf andere zeigen während es bei ihnen versumpft.

Antworten Antworten Gast: denk mal
09.08.2012 10:10
4 1

Die Verschuldung ist auch in Œsterreich gewaltig und zwar nicht geringer als in Spanien (was geringere hat als Deutschland) und zudem in Österreich vieles ausgelagert ist, was wie ÖBB, Asfinag etc dazuzurechnen ist.

Die politische Korruption ist im übrigen Österreich nicht geringer als in Kärnten, der Unterschied liegt darin, dass eine ÖVP Ministerin Weisungen erteilen kann, ob angeklagt wird oder nicht und rote Staatsanwälte es sich vorbehalten können, wer angeklagt wird, sofern sie nicht wie bei Faymann eine Weisung ihrer schwarzen Chefin erhalten.

Im Übrigen ist die nicht mehr rote Hauptstadt nur deshalb so "lebenswert", weil die anderen Bundesländer so dumm sind Wien nicht nur höheren Finanzausgleich je Bewohner zu gestatten, sondern auch noch alle hochdotierten Bundes Einrichtungen samt hochbezahltem Personal und der damit verbundenen gewaltigen Umwegrentabilität in Wien zu konzentrieren anstatt auf die anderen Bundesländer zu verteilen und dort für ihre Lebensqualitätssteigerung zu sorgen.

Gast: hanshans
09.08.2012 08:41
11 1

"Ex-ÖBB-Chef entlastet Faymann"

"Ex-ÖBB-Chef entlastet Faymann"
Und was hat das wieder einmal den österreichischen Steuerzahler gekostet ?

Gast: measure
09.08.2012 08:41
9 0

Ex-ÖBB-Chef entlastet Faymann

Das Netzwerk des Faymann ist dicht gestrickt und haltet gut zusammen.

14 0

"Ex-ÖBB-Chef entlastet Faymann"

Na was denn sonst? Der kriminelle Dreckhaufen, dem wir ausgeliefert sind, deckt sich doch gegenseitig.

Gast: grauer Graf
09.08.2012 08:16
8 0

Er habe dann ÖBB-Chef Huber über die Kosten von 500.000 Euro informiert, dieser habe den Betrag akzeptiert.

klar das ist ein Motiv für eine "Entlastende Aussage".

Pfui Deibel, egal wo ma hinschaut wern die Leut gekauft!

Rücktritte wären schon lange anstandshalber angesagt, aba ma wurschtelt sich halt so durch.

13 0

Hätte Faymann,der Bundeskanzler,der Repräsentant Österreichs


nur irgendein Gefühl für Anstand, Stil und Ehre(böses Wort), so würde er jetzt ,statt sich zu winden, einfach zurücktreten.
Es ist nämlich ein Unterschied,ob sich ein Provinzpolitiker mies verhält,oder der KANZLER DER REPUBLIK !
Schon der Hauch eines Verdachtes BESCHÄDIGT DAS AMT !!

12 0

"... nur irgendein Gefühl für Anstand, Stil und Ehre ..."

Dieser Einzeller, der niemals den Urschleim der Partei verlassen hat? Anstand, Stil, Ehre, das sind Schimpfwörter unter den Genossen.

14 0

Und die Bures vergab

Inserate freihändig, in der heutigen SN nachzulesen!

Re: Und die Bures vergab

Na sowas, die Frau Speichelabsaugvorrichtungseinhängerindes Zahnarztes!

0 4

Re: Re: Und die Bures vergab

Sie meinen doch den Strache.

 
12 3 4