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Diplomaten: Rasen im Schutz der Immunität

09.08.2012 | 08:28 |   (DiePresse.com)

Diplomaten in Österreich dürfen rasen, falsch parken und Alkoholdelikte begehen - ohne dafür bestraft zu werden. Genutzt wird das Privileg selten: In 70 Prozent der Fälle werden die Strafen trotzdem bezahlt.

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Rasen, falsch parken, Alkohol am Steuer: Diplomaten haben aufgrund ihrer Immunität keine Strafverfolgung zu befürchten. Bußgelder werden zwar verhängt, müssen aber nicht bezahlt werden. Das belegt eine aktuelle Statistik des Innenministeriums. Demnach wurden im ersten Halbjahr 2012 rund 1838 Anzeigen wegen Verkehrsübertretungen gegen Diplomaten erstattet, in 517 Fällen wurde das Verfahren im Schutz der Immunität abgebrochen.

Während die Polizei im ersten Halbjahr 2010 noch 3275 Anzeigen gegen Diplomaten erstattet hat, ist die Zahl im Vergleichszeitraum 2012 um rund 56 Prozent gesunken. Gleichzeitig ist die Zahl der Verkehrsübertretungen insgesamt im gleichen Zeitraum in der Bundeshauptstadt um rund 35 Prozent gestiegen.

Die häufigsten Vergehen: Schnellfahren, bei Rot über die Ampel, Sperrlinien nicht beachten, Telefonieren am Steuer bis hin zu Alkoholdelikten. "Was die Standarddelikte angeht, unterscheiden sich Diplomaten kaum von anderen Verkehrsteilnehmern", sagte Peter Goldgruber, Leiter der Sicherheits- und Verkehrspolizeilichen Abteilung der Bundespolizeidirektion (BPD) Wien am Donnerstag.

Entscheidung zwischen Rot und Blau

Doch warum genießen Diplomaten diese Privilegien, Verkehrssünden ohne Sanktionen begehen zu können? Der Grund dafür ist das Wiener Übereinkommen über diplomatische Beziehungen. Demnach unterliegen Diplomaten im Empfangsstaat nicht der Strafgerichtsbarkeit. Die Immunität befreit sie aber nicht von der Gerichtsbarkeit im Entsendestaat.

Doch Diplomat ist nicht gleich Diplomat: Ausnahmslos gilt die Immunität nur für jene Diplomaten mit roter Legitimationskarte. Das betrifft etwa den Botschafter und seine Familie oder fixe Mitglieder von Organisationen wie UNO - für sie gilt der Schutz sowohl beruflich als auch privat. Den Status einer blauen Legitimationskarte haben die Angestellten der Botschaft, etwa der Chauffeur des Botschafters. Für ihn gilt die Immunität nur beruflich.

Nach jeder Anzeige muss die Polizei zunächst mit dem Außenministerium abklären, ob es sich um einen Diplomaten mit roter oder blauer Legitimationskarte handelt. Hat die Person "blauen" Status, wird geprüft, ob ein Zusammenhang mit der beruflichen Tätigkeit besteht oder ob die Anzeige in der Freizeit erfolgt ist.

Strafzettel? Bezahlen "verboten"

Liegt Immunität vor, fragt die Behörde an, ob die Organisation oder der Staat auf den Einwand der Immunität verzichten möchte. Ist das der Fall, bezahlt der Diplomat seine Strafe. Pikant: Wird ein Diplomat von einem Polizisten angehalten und möchte sein Organmandat bezahlen, dann "darf er das gar nicht", weil er nicht der Strafgerichtsbarkeit unterliegt, so Goldgruber. Es fehle die gesetzliche Legitimation dafür. Auf die Immunität kann nur die Organisation oder der Staat verzichten.

In den meisten Fällen wird tatsächlich auf den Schutz der Immunität verzichtet, wie ein Blick in die Statistik verrät. Laut Innenministerium wurden im ersten Halbjahr 2012 rund 70 Prozent der Verkehrsstrafen von den Diplomaten bezahlt bzw. die Verfahren ordnungsgemäß abgewickelt. Welche Nationen 2012 die Hitliste der Verkehrsrowdys anführen, ist nicht bekannt. Aus einer parlamentarischen Anfragebeantwortung geht aber hervor, dass 2010 in Österreich die meisten nicht bezahlten Strafzetteln der Russischen Föderation zuzuordnen waren, gefolgt von Kasachstan und China.

(APA)

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67 Kommentare
 
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Diplomaten sind seit der Erfindung des Telefons

Ohnehin obsolet.

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gleichheit brüderlichkeit

So viel ich weiß, ist rasen auch in russland verboten.
Weiters ist weder das leben oder die freiheit des verkehrssünders in gefahr.
Also, botschafter ins außenamt zitieren und verkehrssünder ausweisen.
Solche personen braucht weder österreich, noch der rest derq zivilisierten welt (geltungsbereich emrk) .

3 0

Nicht nur Diplomaten

Auch viele ausländische Straßenbenützer müssen keine Strafe fürchten, wenn sie in Österreich unterwegs sind. Zu wenig Kontrollen, denn es dürfen auch Diplomatenfahrzeuge angehalten und deren Identität überprüft werden. So verlieren sie viel Zeit, da das Nachfragen lange dauern kann. Wenn mehr Kontrollen wären, könnte auch die Verkehrssicherheit bedeutend gewinnen.

Gast: Der diplomatische Diplomat. Sogar mit Diplom^^
10.08.2012 02:51
15 0

Bitte reihen Sie mein Posting an die erste Stelle vor.

Inhalt ist unwichtig. Ich habe es eilig. Ich bin Diplomat.

Gast: Alffonss
10.08.2012 00:22
0 2

lauter Heilige?

Mich würde interessieren, wie die hier Kommentierenden führen, hätten sie selbst so ein Verkehrsprivileg in der Hand. Wie wäre da wohl die Delinquentenquote? Markant anders?

Re: lauter Heilige?

auch österr Diplomaten sind im Ausland nicht Heilige und fahren sicher auch dort zu schnell- und müssen ihre Strafen auch nicht bezahlen.
wie auch österr. Politiker z. b. die Grünen Chefin - selbst die rast- ungestraft.

Gast: E.T.
09.08.2012 23:50
2 0

Ist das wieder ein Sommerthema

Dass alle Diplomaten und Personen bei internationalen Organisationen diplomatische Rechte und Immunität besitzen ist doch nichts Neues.

Sie brauchen weder Strafe zahlen, noch können Sie festgehalten werden und bekommen die Mehrwertsteuer refundiert und zahlen auch sonst keine Steuer an den Staat in dem sie gerade tätig sind.

Das sind Personen der Gleicheren.

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Danke für den Beweis!

"Das Innenministerium sagt nicht, wie viel Geld dem Staat dadurch entgeht. "

Danke für den Beweis. Es geht nur um Geld und Abzocken, kein einziges Wort über Verkehrssicherheit, nur "Geld entgeht demStaat."
Aber jeder Mensch mit einem IQ von zumindest 82,17 weiß das ohnehin :-).

Gast: Ein Ätzer
09.08.2012 19:56
1 0

Dann hafte aber der Staat für dei Diplomaten!!

Wenn schon der Diplomat nicht zur Haftung herangezogen werden kann, ist es nur gerecht, wenn der Staat (also wir alle) in die Haftung für Schäden eintritt.

Es kann doch nicht sein, daß einzelne Bürger solche Schäden tragen müssen.

Interessant

und warum packeln die Österreicher so massiv mit den Kasachen, wenn ich fragen darf?

Also, rein sadistisch gesehen, schickt ein Land ja um so mehr Vertreter in ein anderes, je stärker die jeweiligen politischen Interessen sind.

Heut hab ich wirklich schon die Ölung ...

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Re: Interessant

Gas und Auftrãge. Da hab ich ja nichts da gegen. Nur das scheinheilige gerede, sprich lügen, geht mir auch des sack.

Re: Re: Interessant

Seufz. Ja, Tacheles ist schon viel besser ...

Es geht auch anders

Einfach die entsprechenden Diplomaten des Landes verweisen, bis die Strafen beglichen sind.
Dann hört sich der Blödsinn bald auf!

Re: Es geht auch anders

Dann sperrt die Botschaft eben zu. Österreichische Geschäftsleute werden sich freuen, wenn sie keine Visa mehr ausgestellt bekommen.

Re: Re: Es geht auch anders

jaja, Hauptsache die Wirtschaftsinteressen werden bedient. Uiii keine Visas - fürchterlich. Die Gerechtigkeit kann ja ruhig auf der Strecke bleiben.... ist irgendwie die Wurzel all unserer gegenwärtigen Probleme, diese Einstellung

Wo bleibt mein posting ?

Oder darf man in der freien Presse nicht mehr die Wahrheit schreiben ?

Zweiter Versuch:

Welche Konsequenzen hatte Anfang der 90er der Tod eines Trafikanten in der Universitätsstr. 4, erschlagen von einem schwer alkoholisierten US-Botschafter, weil der Trafikant ihm angeblich eine falsche Auskunft gegeben hatte ?

Richtig, es gab keine. Der Mörder wurde lediglich in die Staaten zurückbeordert und ist unbehelligt nach wie vor im diplomatischen Dienst tätig.

Soviel zur Immunität...

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Re: Wo bleibt mein posting ?

... aber natürlich...

8 0

Es geht auch anders

Meines Wissens nach werden bspw. in New York City, wo man schon auf Grund des UN- Standortes mit derartigen Problemen häufig konfrontiert ist, Fahrzeuge von zahlungsunwilligen Diplomaten mit "Parkkrallen" versehen, bzw. eingezogen, bis die Strafen beglichen sind. Somit kann man den Diplomatenpaß umgehen, indem man sich das Auto schnappt. Dieses hat zwar ein Diplomatenkennzeichen aber ist logo nicht immun und das Delikt wurde ja konkret mit dem jeweiligen Fahrzeug begangen.

Re: Es geht auch anders

Ich weiss zwar nicht wie das mit der Parkkralle ist, aber rechtlich ist ein Fahrzeug mit Diplomatenkennzeichen defakto wie eine Botschaft zu behandeln - es ist ausländisches Territorium, nur halt auf Räder, und darf daher sicher nicht abgeschleppt werden :-)

Re: Re: Es geht auch anders

da bin ich nir nicht sicher. das innere des fahrzeugs ist rechtlich gesehen wie das innere der wohnung zu behandeln. so betrachtet wäre das festhalten ok, solange nicht in das fahrzeug eingedrungen wird…

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Re: Re: Re: Es geht auch anders

Der Boden des fahrzeuges gilt auch für das innere. Wäre bei einer Wohnung genau so.

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Re: Re: Es geht auch anders

Sie haben recht; soweit ich das verstanden habe werden die KFZ auch nicht abgschleppt sondern an Ort und Stelle "stillgelegt".

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Verkehrsicherheit

Und ich dachte immer rasen und alkohol am steuer gefährde dich verkehrsicherheit.
Man hält den pass aus dem fenster und schon ist die sicherheit hergestellt.

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Diplomatischer Schutz - ja,

aber was hat der bitte mit Verkehrsdelikten zu tun. Hier und in Angelegenheiten, die nichts mit diplomatischer Tätigkeit zu tun haben, sollten Diplomaten gleich behandelt werden, wie andere Bürgr auch.

Ach was Immunität

Das gehört streng geregelt, wer darunter fällt, und wer nicht.

Und wenn die meisten bisher die Strafe nicht bezahlt haben, wohl aus Unwissenheit, werden sie nach Lektüre dieses Artikels wohl zukünftig darauf verzichten.

Die Blauen sollen wegen schwarzer Korruption zurücktreten, aber Diplomatiemissbrauch ist nicht einmal der Rede wert? Komische Welt.

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Re: Ach was Immunität

richtig lesen bitte: 70%, also die meisten, zahlen brav!

 
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