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Wahlversprechen: Wiener Grüne relativieren

09.08.2012 | 16:55 |  Von Christine Imlinger (Die Presse)

Die Wiener Grünen rücken vom Notariatsakt mit ÖVP und FPÖ ab, hin zu Partner SPÖ. Bis Jahresende soll ein Entwurf der Wahlrechtsreform vorliegen. Piraten sehen geplante Fünf-Prozent-Hürde als „demokratiefeindlichen Vorstoß“.

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Wien. Es war ein Zeichen ungewohnter Eintracht, im Mai 2010, als die damaligen Wiener Parteichefinnen Maria Vassilakou (Grüne), Christine Marek (ÖVP) und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache sich in einem Notariatsakt verpflichtet haben, nach der Wahl gemeinsam eine Reform des Wahlrechts zu initiieren. Es galt, das mehrheitsfördernde Wahlrecht Wiens, das stets der SPÖ in die Hände spielt, in Richtung Verhältniswahlrecht zu reformieren. Wer nach der Wahl in einer Koalition in der SPÖ sitzt, sollte keine Rolle spielen.

Gut zwei Jahre, eine Wahl und eine Koalition später sieht das anders aus. Zwar bekennen sich die Grünen noch zu ihren Absichten („Bei der nächsten Wahl wird das mehrheitsfördernde Wahlrecht, wie es jetzt gilt, sicher nicht zur Anwendung kommen“, sagt David Ellensohn, der Klubobmann der Wiener Grünen), von den gemeinsamen Plänen rücken sie aber ab. „Die Stoßrichtung war in vielen Punkten richtig, aber das, was drei Personen unterschrieben haben, ist nicht bindend für alle anderen“, sagt Ellensohn zum Notariatsakt. Nun suche man Kompromisse mit der SPÖ, nicht mit ÖVP und FPÖ.

„Zeichen der Schwäche“

SPÖ und Grünen wollen bis Jahresende einen Entwurf der Wahlrechtsreform, die im Koalitionspapier beschlossen wurde, vorlegen. Fix sei bereits eine Stärkung der Persönlichkeitswahl oder die Angleichung der Briefwahlregelung an jene des Bundes, kündigt SP-Klubchef Rudolf Schicker an. Angedacht sei auch eine Abschaffung der nicht amtsführenden Stadträte oder eine Ausweitung des Wahlrechts auf EU-Bürger (das gilt derzeit nur auf Bezirksebene). Außerdem deutet Schicker eine Fünf-Prozent-Hürde für Kleinparteien auf Bezirksebene an. Mit den Grünen sei man in allen Punkten „weitestgehend klar“, so Schicker.

Ellensohn will sich zu den Details nicht äußern, solange die Verhandlungen noch laufen. Aber: „Mein Bedürfnis ist es sicher nicht, Kleinstparteien vom Rathaus fernzuhalten.“ Selbst wenn das eine Entscheidungsfindung schwieriger mache. „Mein Ideal wäre, dass Stimme A gleich viel zählt wie Stimme B“, sagt Ellensohn. Er beharre aber nicht auf einer Null-Prozent-Hürde, spricht von Kompromissen und will sich nicht festlegen.

Heribert Rahdjian, (obwohl stets parteilos) einst als Bezirksvorsteher der Josefstadt Aushängeschild der Grünen, nun Bezirksrat der Bürgerliste „Echt grün“ hält das für ein „Zeichen der Schwäche“ und „ungeschickt“. „Es wäre schade, wenn Kleinparteien und Bürgerlisten als Korrektive beseitigt werden. Das ist ein demokratiepolitisches Problem“, so Rahdjian.

Piraten: SPÖ-Bonus abschaffen

Auch die Wiener Piratenpartei verurteilt den „demokratiefeindlichen Vorstoß“ der Rathaus-SP. „Mit der Reform gebe es die Chance auf mehr Mitbestimmung. Stattdessen zementiert Rot-Grün die bestehenden Verhältnisse“, so Tommi Enenkel, Mitglied des Landesvorstandes der Piraten. Er fordert eine Anpassung des Wahlrechts, um den SPÖ-Bonus abzuschaffen, der auch mit klar weniger als 50 Prozent der Stimmen eine absolute Mandatsmehrheit möglich macht. Die Piraten fordern die Grünen auf, ihre Wahlversprechen zu bedenken.

Auch die Kurzzeitpartner erinnert an den gemeinsamen Notariatsakt. Die Sorge, Kleinstparteien würden die Entscheidungsfindung erschweren, sei „lächerlich, wenn man sich vergegenwärtigt, dass es derzeit sechs von 1112 Bezirksräten gibt, die mit einer Fünf-Prozent-Hürde nicht gewählt worden wären“, so FP-Gemeinderat Dietbert Kowarik. „Die SPÖ wird Änderungen beim Verhältniswahlrecht zu verhindern wissen“, kritisiert VP-Chef Manfred Juraczka. Andere Aspekte der Reform begrüßt er.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.08.2012)

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274 Kommentare
 
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Gast: Wütender Ex-Wähler
14.08.2012 10:55
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Steuergeldverschwendung pur

1112 Bezirksräte in Wien!
Salär 14 x jährl. und dazu noch die Gelder wenn sie (als Instrument der Belohnung bei Wohlverhalten) von ihrer Partei zu Kommissionierungen für irgendwas delegiert werden!

Unerhört.

Gast: Dod
13.08.2012 11:52
0 0

Gr?

Bitte, eher eine Österreicherin an die österreichische Hauptstadt-Vize-Spitze...

Grüne sind längst Teil des Establishments

Ob Zustimmung zum Lissabon-Vertrag, ESM oder Quecksilber-Leuchten im Bund. Ob Abwendung von Zusagen oder von Bürgerinitiativen in Wien.
Die Grünen haben sich schon lange von echtem Umweltschutz und mehr Demokratie ab- und der reinen Machtpolitik zugewandt.
Höchste Zeit, dass es wieder eine demokratische Umweltpartei gibt.
Genau eine solche möchte die Partei Österreich NEU sien.

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"unsere" grünen

neue bezeichnung für lügen ist relativieren.

Gast: ZARA
11.08.2012 23:25
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Die Grünen haben im letzten Jahr schon so viel Tolles und Gutes für die WienerInnen geleistet! Die neidigen Hinterbänkler können gar nicht soviel Schlechtes daherlügen, dass sie das wegleugnen könnten!

Sind halt voll im Eck die rechten Zecken.
Gutmenschentum setzt sich eben immer durch.

Antworten Gast: globetrotterneu
13.08.2012 00:15
6 0

Re: Die Grünen haben im letzten Jahr schon so viel Tolles und Gutes für die WienerInnen geleistet! Die neidigen Hinterbänkler können gar nicht soviel Schlechtes daherlügen, dass sie das wegleugnen könnten!

zara der name sagt alles.

Re: Die Grünen haben im letzten Jahr schon so viel Tolles und Gutes für die WienerInnen geleistet! Die neidigen Hinterbänkler können gar nicht soviel Schlechtes daherlügen, dass sie das wegleugnen könnten!

ZynikerIn - oder wirklich naiver/e GutmenschIn?

Antworten Gast: Kein Radlfahrer
12.08.2012 11:09
9 0

Die Grünen haben im letzten Jahr schon soviel FÜR DICH GELEISTET, ....WienerInnen geleistet! Die neidigen Hinterbänkler können gar nicht soviel Schlechtes daherlügen, dass sie das wegleugnen könnten!

daß Du vor lauter Dankbarkeit alle Nichtempfänger dieser Wohltaten (die dieses "Tolle" und "Gute" wahrscheinlich finanzieren müssen) beschimpfen und als "Zecken" denunzieren mußt!

Und wer da lügt, kann überpfüft werden, bitte lesen Sie den Artikel betr. Wahlrecht und Notariatsakt aufmerksam durch.

Ansonsten- wenn Sie ihn verstanden haben - ist Ihr Beitrag doch wohl eher ironisch gemeint??


Antworten Antworten Gast: Karl Huber
12.08.2012 16:48
4 0

Re: Die Grünen haben im letzten Jahr schon soviel FÜR DICH GELEISTET, ....WienerInnen geleistet! Die neidigen Hinterbänkler können gar nicht soviel Schlechtes daherlügen, dass sie das wegleugnen könnten!

Da wär ich mir nicht sicher.
Ich war, aus Interesse, auf Veranstaltungen der GrünenInnen.
Mein lieber Mann...
Da ist ja schon eher wie eine Sekte. Da kannst sagen wast willst, argumentieren bis zum wirklich "hat ich doch recht".. Das ist alles WURST. Mir hat Eine sogar gsagt: "Na dann müssen die halt ALLE weg (war gegen den "Mitbewerb" gmeint..!"
Wie ich sagte. Die sind schon eher wie eine Sekte.. und mit ihren netten Vollbärten als Mitläufer überall habens auch "geistlichen Beistand"... ;D

warum sollen die grünen anders sein

als die sp bonzen ?

Gast: wolff1160
11.08.2012 19:41
18 0

Gar viele Wahlversprechen

haben die Grünen gebrochen...ich denke da an die "1000 Lehrer mehr für Wien", die vor der Wahl gefordert wurden....ein Jahr später waren es 360 Lehrer weniger....die Grünen haben in ihrem Kopf nur noch einen Zettel, wo "Fahrrad"draufsteht....alles andere ist ihnen egal.

Gast: Merks Wien
11.08.2012 18:40
18 0

An die Grünen: Nach der Wahl ist vor der Wahl!

Die Grünen gibts nicht mehr, als Umweltpartei sind sie mausetot!

http://www.aktion21.at/themen/index.html?menu=183&id=1458

Diese Wendehälse sind zu Schleppenträgern der SPÖ im Rathaus degeneriert, zu armseligen Jasagern und Vasallen ohne Rückgrat.

Sie schämen sich nicht einmal, den Verkauf und damit die Vernichtung des Jugendstilensembles Otto-Wagner Spital-Areal Steinhof mitzutragen; was sie bis zum Koalitionseintritt vehement bekämpft haben - die Bebauung unseres kulturellen Erbes- nicken sie jetzt untertänig ab und stimmen ihre eigenen früheren Anrträge jetzt im Duett mit der SPÖ im Gemeinderat nieder!

Einen tieferen moralischen Fall kann es nicht mehr geben, Wahlversprechen sind für Vassilakou und ihre Partei-Unterläufeln nur Makulatur!

Die Grünen fahren im Gemeinderat buchstäblich Rad: Zur SPÖ buckeln und zu den Wählern runtertreten!


Antworten Gast: Attila
11.08.2012 19:38
11 0

Re: An die Grünen: Nach der Wahl ist vor der Wahl!


Die Grünen Wendehälse sind zu SchleppenträgerInnen, SteigbügelhalterInnen und machtgeilen VizebürgermeistInnen ohne Rückgrat verkommen ... stimmt genau, denn wer oder was hindert sie, auch in der Koalition gegen die Vernichtung des Otto-Wagner-Jugendstiljuwels zu sein, außer Mangel an Schamgefühl, Fehlen von Charakterstärke, dafür aber die miesen Eigenschaften Gewissenlosigkeit und Duckmäusertum?

http://www.aktion21.at/themen/index.html?menu=183&id=1449

Der Niedergang dieser Partei in Wien ist vorprogrammiert.

Vassilakou zeigt Gesicht

Vassilakou zeigt das Gesicht der Partei.
Bleibt einzig, sich für die Offenheit zu bedanken.

Gast: Karl Huber
11.08.2012 11:38
11 0

Wer ist denn dieser "Everybody",

der hier mit dem Lueger rumspinnt?
Hab ich was überlesen aber was hat das damit zu tun das die GrünossenInnen LügnerInnen sind?

Antworten Gast: VTLKU
11.08.2012 15:37
4 1

Re: Wer ist denn dieser "Everybody",

Ein Ewiggestriger, der mit der Gegenwart nicht klar kommt und die Lösung in der Vergangenheit sucht.
Solch Rückwärtsgewandte gibt es da und dort, links und rechts, oben und unten, vorne und hinten... :-))
Sie werden aber immer weniger. Gottseidank.

13 2

Piraten sind Computer-Stalinisten,

sonst nichts!
Wer sich mal mit deren Forderungen auseinandersetzt, sieht schnell, dass es sich um einen ultralinken Haufen von Bevormundern und Enteignern handelt.

Eine gefährlich, abstoßende Truppe. Eigentlich ähnlich wie die Grünen, nur halt etwas digitaler.

Re: Piraten sind Computer-Stalinisten,

korrekt. das einzig befürwortenswerte sind die ansätze zur direkten demokratie.

Gast: hery99
11.08.2012 07:42
9 0

grünis

Wo ist den der bundesheinzi um zu mahnen,ist ernoch am Klo?

Gast: Daniel AJ Sokolov
11.08.2012 04:24
13 0

Die Angst vor dem Wähler

"Die Grünen - Die grüne Alternative" haben Angst vor dem Wähler bekommen. Sie tauschen die vor der Wahl versprochene Wahlrechtsreform gegen eine vermeintliche Versicherung gegen neue politische Alternativen ein. Am Ende wählen die Wähler noch ein paar Piraten! Da könnte ja jeder kommen!!!1elf

So aber wäscht eine Hand die andere: Die SPÖ behält ihr Übergewicht und die Grünen fürchten sich weniger.

Sechs von 1.112 extrem machtvollen Bezirksräten von Pro Hetzendorf & co. Den im Artikel erwähnten Heribert Rahdjian werden die Grünen so allerdings nicht los werden: Seine Liste ECHT hat in der Josefstadt rund 12 Prozent der Stimmen bekommen.


Egal

Ich wohne zum Glück nicht in Wien, daher ist mir das völlig egal wer in Wien regiert.Ihr habt die Regierung, die ihr verdient.Wählt halt anders.

Warum sollte sich Vassilakou

an das halten, was sie vor der Wahl versprochen hat? Der Indianervergleich unten nötigt mich zu sagen: die Grünen sprechen mit gespaltener Zunge.

6 0

typisches phariaertum


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Lasst doch die Grünen in Ruhe. Sie erledigen sich selbst.

Die ostblockartige Machttrunkenheit der Vassillakou überrascht selbst den Häupl.

Antworten Gast: uso
11.08.2012 07:33
3 0

Re: Lasst doch die Grünen in Ruhe. Sie erledigen sich selbst.

Wenn erst nüchtern ist!

Gast: Frager01
10.08.2012 19:21
26 0

Wer...

..ist dieser alte Indianer auf dem Bild oben?

 
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