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Strafzettel: Diplomatisch geschützte Raser

09.08.2012 | 17:47 |  Von Jutta Sommerbauer (Die Presse)

30 Prozent der an Diplomaten ergangenen Anzeigen wegen Verkehrssünden wurden in Wien im ersten Halbjahr nicht bezahlt – an erster Stelle steht Russland. Konsequenzen drohen den internationalen Beamten nicht.

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Wien. In der Mehrzahl geht es um kleinere und mittlere Beträge. Eine Geschwindigkeitsübertretung von 20 km/h macht in Österreich 29 bis 60 Euro, Parken im Halteverbot kostet 21 bis 72 Euro, für das Überfahren einer roten Ampel muss man 58 bis 70 Euro ablegen. Eine Kleinigkeit, gerade für Diplomaten. Könnte man meinen: Ausgerechnet die Diplomaten bezahlen ihre Strafzettel aber häufig nicht – und müssen sie grundsätzlich auch nicht bezahlen, weil sie unter „diplomatischem Schutz“ stehen. Auch als einfache Verkehrssünder.

Im ersten Halbjahr 2012 wurden Diplomaten 1838 mal wegen Verkehrsübertretungen abgestraft. 517 Verfahren wurden wegen „fehlender Erfolgsaussicht“ abgebrochen, sagt Karl-Heinz Grundböck, Sprecher des Wiener Innenministeriums, der „Presse“. Im Klartext: Knapp 30 Prozent der Anzeigen wurden nicht bezahlt. Mit der Thematik befasst ist das Außenministerium: Es leitet die Anzeige an die jeweilige Botschaft weiter, „wenn nichts zu hören ist oder die Auskunft verweigert wird“, wie Grundböck erklärt, wird die Verwaltungsstrafe nicht exekutiert.

Jeder Fünfte einen Strafzettel

Das Innenministerium sagt nicht, wie viel Geld dem Staat dadurch entgeht. Wenigstens 20.000 Euro dürfte der Verlust im ersten Halbjahr 2012 ausmachen; sehr wahrscheinlich ist es mehr. All das wären wohl „Peanuts“ – wenn es häufig nicht den Anschein hätte, dass die Immunität geradezu zum Rasen anregt: Immerhin sind in Österreich nur 8800 Diplomaten akkreditiert, der Großteil davon in Wien. Statistisch gesehen erhielt jeder Fünfte einen Strafzettel.

Die Befreiung vom Strafzettel gilt in erster Linie für Diplomaten mit roter Legitimationskarte, 7300 sind das in Österreich; ihr Schutz ist absolut. Aber auch die 1500 Besitzer einer blauen Legitimationskarte, etwa Angestellte einer Botschaft, sind geschützt, wenn sie im beruflichen Zusammenhang zu schnell gefahren sind.

Konsequenzen drohen den internationalen Beamten nicht, denn ihr diplomatischer Schutz befreit sie vor einer Verfolgung durch die Strafgerichtsbarkeit des Gastlandes. Sie sind, wie Außenminister Michael Spindelegger in der Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage schreibt, „gemäß Wiener Übereinkommen über diplomatische Beziehungen angehalten, die Rechtsvorschriften im jeweiligen Empfangsstaat zu beachten“. Aber „angehalten“ bedeutet eben nicht „verpflichtet“.

Bei Rot über die Ampel

Rasen, bei Rot über die Ampel und die Nichtbeachtung von Sperrlinien sind die häufigsten Verwaltungsvergehen. Wie eine parlamentarische Anfrage des FPÖ-Abgeordneten Johannes Hübner aus dem vergangenen Jahr ergab, führte die Russische Föderation mit 79 nicht bezahlten Strafzetteln die Statistik an, 63 wurden den Missionen der Republik Kasachstan zugeordnet und 40 den Vertretungen Chinas. Nach Informationen der „Presse“ liegen die russischen Diplomaten auch in der aktuellen Statistik wieder in Führung.

Eine positive Entwicklung gibt es aber auch zu vermelden: Die Verkehrssünder unter den Diplomaten werden weniger. Im ersten Halbjahr 2011 zählte man in Wien 2605 Anzeigen, im Vergleichszeitraum vor zwei Jahren noch 3275.

Auch andere Städte, die eine Vielzahl an diplomatischen Vertretungen beherbergen, kämpfen mit ähnlichen Problemen. In Berlin hat sich die Zahl der Diplomaten-Verkehrsverstöße von 2009 bis 2011 sogar mehr als verdoppelt: von 8600 auf 18.886. Und das, obwohl die Zahl der registrierten Diplomatenautos sogar um sechs Prozent zurückging. 32 Fälle sind dokumentiert, in denen Diplomaten Fahrerflucht begingen.

Kürzung der Entwicklungshilfe

Vor einigen Jahren kam aus dem leidgeplagten UNO-Sitz New York ein unkonventioneller Vorschlag zur Problemlösung: Die damalige Senatorin – und heutige Außenministerin der Vereinigten Staaten – Hillary Clinton schlug vor, die größten Verkehrssünder mit der Kürzung von Entwicklungshilfe zu bestrafen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.08.2012)

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67 Kommentare
 
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Diplomaten sind seit der Erfindung des Telefons

Ohnehin obsolet.

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gleichheit brüderlichkeit

So viel ich weiß, ist rasen auch in russland verboten.
Weiters ist weder das leben oder die freiheit des verkehrssünders in gefahr.
Also, botschafter ins außenamt zitieren und verkehrssünder ausweisen.
Solche personen braucht weder österreich, noch der rest derq zivilisierten welt (geltungsbereich emrk) .

3 0

Nicht nur Diplomaten

Auch viele ausländische Straßenbenützer müssen keine Strafe fürchten, wenn sie in Österreich unterwegs sind. Zu wenig Kontrollen, denn es dürfen auch Diplomatenfahrzeuge angehalten und deren Identität überprüft werden. So verlieren sie viel Zeit, da das Nachfragen lange dauern kann. Wenn mehr Kontrollen wären, könnte auch die Verkehrssicherheit bedeutend gewinnen.

Gast: Der diplomatische Diplomat. Sogar mit Diplom^^
10.08.2012 02:51
15 0

Bitte reihen Sie mein Posting an die erste Stelle vor.

Inhalt ist unwichtig. Ich habe es eilig. Ich bin Diplomat.

Gast: Alffonss
10.08.2012 00:22
0 2

lauter Heilige?

Mich würde interessieren, wie die hier Kommentierenden führen, hätten sie selbst so ein Verkehrsprivileg in der Hand. Wie wäre da wohl die Delinquentenquote? Markant anders?

Re: lauter Heilige?

auch österr Diplomaten sind im Ausland nicht Heilige und fahren sicher auch dort zu schnell- und müssen ihre Strafen auch nicht bezahlen.
wie auch österr. Politiker z. b. die Grünen Chefin - selbst die rast- ungestraft.

Gast: E.T.
09.08.2012 23:50
2 0

Ist das wieder ein Sommerthema

Dass alle Diplomaten und Personen bei internationalen Organisationen diplomatische Rechte und Immunität besitzen ist doch nichts Neues.

Sie brauchen weder Strafe zahlen, noch können Sie festgehalten werden und bekommen die Mehrwertsteuer refundiert und zahlen auch sonst keine Steuer an den Staat in dem sie gerade tätig sind.

Das sind Personen der Gleicheren.

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Danke für den Beweis!

"Das Innenministerium sagt nicht, wie viel Geld dem Staat dadurch entgeht. "

Danke für den Beweis. Es geht nur um Geld und Abzocken, kein einziges Wort über Verkehrssicherheit, nur "Geld entgeht demStaat."
Aber jeder Mensch mit einem IQ von zumindest 82,17 weiß das ohnehin :-).

Gast: Ein Ätzer
09.08.2012 19:56
1 0

Dann hafte aber der Staat für dei Diplomaten!!

Wenn schon der Diplomat nicht zur Haftung herangezogen werden kann, ist es nur gerecht, wenn der Staat (also wir alle) in die Haftung für Schäden eintritt.

Es kann doch nicht sein, daß einzelne Bürger solche Schäden tragen müssen.

Interessant

und warum packeln die Österreicher so massiv mit den Kasachen, wenn ich fragen darf?

Also, rein sadistisch gesehen, schickt ein Land ja um so mehr Vertreter in ein anderes, je stärker die jeweiligen politischen Interessen sind.

Heut hab ich wirklich schon die Ölung ...

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Re: Interessant

Gas und Auftrãge. Da hab ich ja nichts da gegen. Nur das scheinheilige gerede, sprich lügen, geht mir auch des sack.

Re: Re: Interessant

Seufz. Ja, Tacheles ist schon viel besser ...

Es geht auch anders

Einfach die entsprechenden Diplomaten des Landes verweisen, bis die Strafen beglichen sind.
Dann hört sich der Blödsinn bald auf!

Re: Es geht auch anders

Dann sperrt die Botschaft eben zu. Österreichische Geschäftsleute werden sich freuen, wenn sie keine Visa mehr ausgestellt bekommen.

Re: Re: Es geht auch anders

jaja, Hauptsache die Wirtschaftsinteressen werden bedient. Uiii keine Visas - fürchterlich. Die Gerechtigkeit kann ja ruhig auf der Strecke bleiben.... ist irgendwie die Wurzel all unserer gegenwärtigen Probleme, diese Einstellung

Wo bleibt mein posting ?

Oder darf man in der freien Presse nicht mehr die Wahrheit schreiben ?

Zweiter Versuch:

Welche Konsequenzen hatte Anfang der 90er der Tod eines Trafikanten in der Universitätsstr. 4, erschlagen von einem schwer alkoholisierten US-Botschafter, weil der Trafikant ihm angeblich eine falsche Auskunft gegeben hatte ?

Richtig, es gab keine. Der Mörder wurde lediglich in die Staaten zurückbeordert und ist unbehelligt nach wie vor im diplomatischen Dienst tätig.

Soviel zur Immunität...

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Re: Wo bleibt mein posting ?

... aber natürlich...

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Es geht auch anders

Meines Wissens nach werden bspw. in New York City, wo man schon auf Grund des UN- Standortes mit derartigen Problemen häufig konfrontiert ist, Fahrzeuge von zahlungsunwilligen Diplomaten mit "Parkkrallen" versehen, bzw. eingezogen, bis die Strafen beglichen sind. Somit kann man den Diplomatenpaß umgehen, indem man sich das Auto schnappt. Dieses hat zwar ein Diplomatenkennzeichen aber ist logo nicht immun und das Delikt wurde ja konkret mit dem jeweiligen Fahrzeug begangen.

Re: Es geht auch anders

Ich weiss zwar nicht wie das mit der Parkkralle ist, aber rechtlich ist ein Fahrzeug mit Diplomatenkennzeichen defakto wie eine Botschaft zu behandeln - es ist ausländisches Territorium, nur halt auf Räder, und darf daher sicher nicht abgeschleppt werden :-)

Re: Re: Es geht auch anders

da bin ich nir nicht sicher. das innere des fahrzeugs ist rechtlich gesehen wie das innere der wohnung zu behandeln. so betrachtet wäre das festhalten ok, solange nicht in das fahrzeug eingedrungen wird…

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Re: Re: Re: Es geht auch anders

Der Boden des fahrzeuges gilt auch für das innere. Wäre bei einer Wohnung genau so.

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Re: Re: Es geht auch anders

Sie haben recht; soweit ich das verstanden habe werden die KFZ auch nicht abgschleppt sondern an Ort und Stelle "stillgelegt".

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Verkehrsicherheit

Und ich dachte immer rasen und alkohol am steuer gefährde dich verkehrsicherheit.
Man hält den pass aus dem fenster und schon ist die sicherheit hergestellt.

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Diplomatischer Schutz - ja,

aber was hat der bitte mit Verkehrsdelikten zu tun. Hier und in Angelegenheiten, die nichts mit diplomatischer Tätigkeit zu tun haben, sollten Diplomaten gleich behandelt werden, wie andere Bürgr auch.

Ach was Immunität

Das gehört streng geregelt, wer darunter fällt, und wer nicht.

Und wenn die meisten bisher die Strafe nicht bezahlt haben, wohl aus Unwissenheit, werden sie nach Lektüre dieses Artikels wohl zukünftig darauf verzichten.

Die Blauen sollen wegen schwarzer Korruption zurücktreten, aber Diplomatiemissbrauch ist nicht einmal der Rede wert? Komische Welt.

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Re: Ach was Immunität

richtig lesen bitte: 70%, also die meisten, zahlen brav!

 
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