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ÖVP sieht Fall Strasser "erledigt"

09.08.2012 | 18:23 |   (Die Presse)

ÖVP-Generalsekretär: "Jede andere Partei kann sich Scheibe abschneiden." ÖVP-intern gibt es Bedenken gegen geplantes Durchgriffsrecht auf Landesparteien.

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Wien/Pö/Red./Apa. In der ÖVP wurde nach der Anklageerhebung gegen den früheren Innenminister und EU-Abgeordneten Ernst Strasser hervorgestrichen, dass parteiintern mit dem „Ruhendstellen“ der Mitgliedschaft im ÖAAB und dem Rücktritt längst reagiert wurde. ÖVP-Generalsekretär Hannes Rauch meinte zur Anklage-Erhebung, er kommentiere Entscheidungen der Justiz prinzipiell nicht. Wichtig sei ihm aber zu betonen, dass es, sofern es in der ÖVP Verfehlungen gebe, auch Konsequenzen gebe: „Da kann sich jede andere Partei ein Scheibchen abschneiden. Die Dinge, die die Partei erledigen kann, wurden erledigt“.

Strassers Ex- Konkurrent und Nachfolger im EU-Parlament als ÖVP-Delegationsleiter, Othmar Karas, erklärte der „Presse“: „Für mich steht außer Zweifel, dass jetzt ein notwendiger Schritt zur vollständigen Aufklärung gesetzt wurde. Die politische und moralische Herausforderung bleibt aber.“ Wichtig wäre jetzt, „durch konsequente Arbeit, Ehrlichkeit und Offenheit die verloren gegangene Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen und das Vertrauen in unser Handeln zu stärken“. Die ÖVP im EU-Parlament habe nach dem Ausscheiden Strassers „alle dafür notwendigen Konsequenzen gezogen“.

 

Erwin Pröll unterstützt Spindelegger-Plan

An dem von ÖVP-Bundesparteiobmann Michael Spindelegger als Konsequenz um den späten Rücktritt des Kärntner Ex-ÖVP-Chefs Josef Martinz (nach dem Geständnis um illegale Parteienfinanzierung) geplanten Durchgriffsrecht der ÖVP-Bundesführung auf die Landesparteien scheiden sich parteiintern in den Ländern die Geister. Es gibt Zustimmung, darunter von Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll. Dieser ist „sehr offen und gesprächsbereit“, um Ordnung zu schaffen, wenn die „Selbstreinigungskraft“ einer Landesorganisation fehle.

„Man soll nicht von Kärnten auf die restlichen Bundesländer schließen“, sagte dazu Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer (ÖVP) auf Anfrage der „Presse“, der ein Durchgriffsrecht aber nicht grundsätzlich ablehnt: „Ich gehe zwar davon aus, dass jede Landesorganisation – zumindest für Oberösterreich kann ich das sagen – sofort handeln würde, wenn solche Vorkommnisse sind. Handelt eine Organisation nicht, dann muss der Bundesparteivorstand ein Durchgriffsrecht haben, das muss aber auch gelten, wenn es Verfehlungen auf Bundesebene gibt“. Und, so Pühringer: „Dieses Durchgriffsrecht muss greifen, im Fall Martinz zumindest nach dem Zeitpunkt der Anklage. Da hätte er seine Funktion zumindest ruhend stellen sollen.“

Widerstände gegen ein Durchgriffsrecht signalisierten die ÖVP-Landesparteien in Salzburg und im Burgenland. „Ein Durchgriffsrecht der Bundespartei auf die Salzburger Volkspartei ist für mich kein Thema“, sagte Salzburgs VP-Chef Wilfried Haslauer. „Wir sind eine eigenständige Partei, die von keinerlei Skandalen betroffen ist.“ Er verstehe das Bestreben Spindeleggers, in der ÖVP für Ordnung zu sorgen. Auch Burgenlands ÖVP-Chef Franz Steindl zeigte sich wenig angetan: „Ich halte davon eigentlich nicht besonders viel.“

 

Für den „Ausnahmefall“

Für Spindeleggers Vorschlag ist aber der geschäftsführende Kärntner ÖVP-Chef Gabriel Obernosterer. „Der Bundesparteichef sollte überall etwas mitzureden haben und muss in gewissen Extremsituationen auch durchgreifen können“, sagte er.

Wiens VP-Obmann Manfred Juraczka hat „absolutes Verständnis“ für den Vorschlag. Dies sollte aber nur „der Ausnahmefall und nicht die Regel werden“, der Bundesparteiobmann sollte nur „bei Gefahr in Vollzug“ eingreifen. „Durchaus gesprächsbereit“ zeigte sich Tirols Landeschef Günther Platter. „Wir sind gesprächsbereit, wenn es darum geht, die Statuten so zu ändern, dass es eine Art Noteingriffsrecht des Bundesparteivorstandes gibt“, so der steirische ÖVP-Obmann Hermann Schützenhöfer.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.08.2012)

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11 Kommentare

Erledigt ist höchstens die ÖVP ...

... wenn sie glaubt, dass damit alles erledigt ist.

Es gibt immer einen Boden für derartige Vorfälle. Eine "Bauernpartei" sollte wissen, dass eine Saat nur dann aufgeht, wenn die Voraussetzungen wie Bodenbeschaffenheit, Wetter, Bearbeitung und Pflege ... passen.

Wieso hat sich ein Strasser überhaupt in einer ÖVP halten und wichtige Positionen einnehmen können? Wieso hat Strasser so einfach seinen offenbar eher dubiosen Geschäften nachgehen können? Und wieso hat in einer ach so integren ÖVP niemand bemerkt, welch Geistes Kind er ist?

Und da überzeugt auch nicht, dass Spindelegger sagt, dass er in einem Menschen nicht hineinschauen kann (auch wenn da natürlich viel Wahres dran ist) ...

Gast: Leon Walras
10.08.2012 11:46
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Naja ...

... irgendwie bekommt man den Eindruck, da werde etwas unter den Tisch gekehrt. Dort aber modert und fault es weiter.
Wäre es nicht hoch an der Zeit, die gesamte Ära Schüssel aufzuarbeiten? Warum hat man nicht schon Parteiausschlussverfahren gegen den Ex-Kanzler und Strasser eingeleitet? Außer mauen Statements geschieht eigentlich nix. Sieht so die Katharsis einer (einstigen) Großpartei aus?

Gast: Hermann vom Gipfel
10.08.2012 10:28
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So eine "ehrenwerte" Partei, diese ÖVP

Unglaublich. Deren Funktionäre treten sofort aus der Partei aus, wenn sie erwischt werden. Unzählige Fälle haben das bewiesen. Bei den anderen Parteien fehlt dieser Nachweis einer "ehrenwerten Geellschaft" noch.

ÖVP sieht Fall Strasser "erledigt"

Aber nicht der Wähler und das ist der feine Unterschied!

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der Fall Strasser mag für die ÖVP 'erledigt' sein - aber ...

es warten noch ein paar hundert anderer Fälle auf Aufarbeitung - wenn man sich alleine NÖ ansieht und ragt wo die dematerialisierten Milliarden an Wohnbauförderungen geblieben sind oder wer am Schwechater Tower mitverdient hat...

Holodrio und ist erledigt

Von der ÖVP aus würde dieser Wunderwuzi immer noch in deren Boot sitzen, wären da nicht andere gewesen. Wie kann man sich den das so einfach machen, und sagen ist erledigt. So schaut die Moral in dieser Partei aus. Dreckig durch und durch. Die merken das immer noch nicht oder wollen nicht, was ja noch schlimmer ist.

der fall strasser ist noch nicht erledigt ....

denn da warten wir noch auf das urteil der justiz.

aber der fall övp ist längst erledigt - schon erscheinen die nachrufe auf den covers.

das debakel kommt aber nicht erst bei der nr-wahl, vorher stürzen kärnten und auch erwin's spielwiese niederösterreich ab.

im bund folgt dann das debakel mit < 20%.

Leicht gemacht

Strasser rausgeworfen, und die Sache ist erledigt?

Wie wärs es mit Aufarbeitung seiner Tätigkeit? Welche Entscheidungen hat er beeinflusst, auch in seiner Zeit als Minister? Welche Verordnungen gehen auf ihn zurück und sind gegen Bezahlung entstanden?

Wenn ein Politiker Mist baut braucht es mehr als einen Rauswurf. Es muß auch die Vergangenheit aufgearbeitet werden.

Wenn dies nicht passiert, gibt die ÖVP zu, daß die Arbeit eines Politikers im Prinzip bedeutungslos ist.

Antworten Gast: Alfred
10.08.2012 08:50
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Re: Leicht gemacht


Strasser hat im März 2011 seine beiden Mitgliedschaften bei den Teilorganisationen ÖAAB Niederösterreich und ÖAAB Wien ruhend gestellt.

Kein Landesparteivorstand, weder in Niederösterreich noch in Wien, hat Strasser formal ausgeschlossen.

ps. Ein Ruhendstellen der Parteimitgliedschaft ist übrigens in den Parteistatuten gar nicht vorgesehen.


ÖVP sieht Fall Strasser "erledigt"

Ja, jetzt heißt 's schnell Abstand nehmen. Wahrscheinlich war der Gute gar kein ÖVP- Mitglied!

Gast: Dixan 2.0
09.08.2012 22:16
3 0

Erledigt?

ÖVP sieht Fall Strasser "erledigt". Schön für die ÖVP.
Der Staatsanwalt und das Volk aber noch lange nicht. Nehmen Sie, die sich immer als "Politiker für das Volk" aufspielen zur Kenntnis, dass die Wähler mittlerweile nicht mehr so ohne weiteres abzuspeisen sind...!