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Bürgerlisten gegen die Grünen: Proteste wegen neuer Hürden

10.08.2012 | 18:23 |  MARTIN STUHLPFARRER (Die Presse)

Die angekündigte Fünf-Prozent-Hürde für den Einzug in das Bezirksparlament verärgert jene Basis, der die Grünen entsprungen sind.

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Wien. Marcus Hohenecker ist empört. „Wir sollen ferngehalten werden. Wenn sie (die rot-grüne Stadtregierung, Anm.) keine Argumente mehr weiß, dann greift sie auf solche Maßnahmen zurück.“

Grund für den Ärger von Hohenecker, Mitglied des Landesvorstands der Wiener Piraten, die bei der nächsten Wien-Wahl auch in den Bezirken kandidieren wollen: Die SPÖ hat angekündigt, man habe sich mit den Grünen auf große Teile der versprochenen Reform des Wiener Wahlrechts geeinigt. Dabei soll bei der nächsten Wahl in den Bezirken eine neue Hürde für die politische Konkurrenz eingeführt werden. Analog zu der Gemeinderatswahlordnung soll künftig (erstmals) auch eine Fünf-Prozent-Hürde für alle politischen Parteien gelten. In anderen Worten: Rot-Grün erschwert kleinen Parteien den Einzug in ein politisches Gremium. Und zwar jenes Gremium, das am nächsten beim Bürger ist: dem Bezirksparlament.

 

Angst vor den Piraten?

Hohenecker sieht gegenüber der „Presse“ diesen Plan als Maßnahme, damit sich die Grünen auch vor den Piraten schützen können. Denn Piraten und Grüne haben fast dieselbe Zielgruppe: Junge, urbane, internetaffine Menschen, wurde in der Vergangenheit von den Piraten immer wieder betont. Auch das Parteiprogramm der Wiener Piraten weist eine große Schnittmenge mit jenem der Wiener Grünen auf.

Als „stalinistisch“ geißelt Hans-Jörg Schimanek von der unabhängigen Bürgerpartei „Wir für Floridsdorf“ die rot-grünen Pläne: „In den vergangenen Jahren haben Bürger und Bürgerinitiativen bzw. Bürgerlisten allgemein immer mehr Mitsprache bekommen, und jetzt prescht Wien mit so einem Vorschlag vor.“ Natürlich sei es mühsam, sich mit anderen Meinungen auseinanderzusetzen, so Schimanek in Anspielung auf SP-Klubchef Rudolf Schicker, der gemeint hatte: Diese Maßnahme erleichtere die Meinungsfindung in den Bezirksparlamenten. „Doch sich nicht mit anderen Meinungen, mit den Anliegen der Bezirksbevölkerung auseinanderzusetzen ist ja völlig undemokratisch.“ Treffen würde die Fünf-Prozent-Hürde gerade kleine Bürgerlisten, die sich mit großem Engagement für Bezirksanliegen einsetzen, so Schimanek, dessen Liste bei der Wien-Wahl 2010 genau 3,78 Prozent erreicht hat: „Unsere Leute sind täglich im Bezirk unterwegs, reden mit den Menschen und setzen sich für jedes kleine Anliegen ein“, erklärt Schimanek: Und diese Leute, die so nah an der Bevölkerung sind, wolle Rot-Grün jetzt abschaffen. Trotzdem ist er überzeugt, dass WIFF künftig auch die Fünf-Prozent-Hürde überspringen wird.

Ein Blick auf das Wahlergebnis 2010 zeigt, dass die Einführung einer Fünf-Prozent Hürde de facto nichts bringt – auch nicht klarere Mehrheitsverhältnisse, wie von der SPÖ propagiert. Von rund 1100 Bezirksräten hätten sechs kein Mandat bekommen. Betroffen wäre hauptsächlich die KPÖ, die in der Leopoldstadt, der Landstraße und in Margareten mit weniger als fünf Prozent jeweils einen Sitz im Bezirk erobern konnte – und nun gegen die geplante Regelung protestiert. Betroffen wären vor allem auch Bürgerlisten wie „Wir für Floridsdorf“ oder „Pro Hetzendorf“. Die Ironie: Die grüne Zustimmung zur Fünf-Prozent-Hürde ist also eine Kampfansage an Bürgerbewegungen, während die Grünen aus gerade solchen Bürgerbewegungen entstanden sind.

Ein Rückblick: Bei der Wahl 1987, also in der Anfangszeit der Grünen, zog die Partei in fast alle Bezirksvertretung ein. Wäre damals der Plan einer Fünf-Prozent Hürde artikuliert worden, hätte es massive Proteste der Grünen gegeben: Sie wären nämlich aus zehn der 23 Bezirksparlamente geflogen. Dabei ermöglichte es erst die Arbeit in den Bezirken den Grünen, Strukturen aufzubauen, um später auch auf Landesebene erfolgreich zu sein. Nun soll aber einer neuen Partei ein derartiger Weg, von der Basis bis in den Gemeinderat, versperrt werden. Wobei der grüne Klubchef David Ellensohn die Vorwürfe relativiert: „Diesen Vorschlag hat die SPÖ eingebracht. Mein Herzblut hängt nicht daran.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.08.2012)

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25 Kommentare
 
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Gast: kpö
31.08.2012 23:22
0 0

rotgrüne konkurrenzabwehr

die geplante 5% hürde ist in wien eine gezielte abschottung der grünen gegen unliebsame opposition von links in den bezirken. die präsenz von 3 kpö bezirksräten in den bezirken löst offenbar enorme konkurrenzängste aus.
oder will rot/grün in wien nur mehr opposition von rechts dulden?

Gratulation zum Artikel

Herr Stuhlpfarrer, dieser Artikel ist wirklich ausgezeichnet, was in der Presse selten ist. Gratulation!
Auch die Partei Österreich NEU lehnt die Schaffung einer künstlichen 5-Prozent-Hürde in den Bezirken statt eines faireren Wahlrechts auf Landesebene ab.
Wir fordern ein bedinungsloses Verhältnis-Wahlrecht ohne jegliche Mindesthürden.
Bei der 2010-Wahl haben wir in der Plattform Direkte Demokratie auch noch etliche ungute Erfahrungen beim Sammeln der Unsterstützungserklärungen gemacht.
Höchste Zeit, dass die Kleinparteien gemeinsam gegen den immer stärker und unerträglicher werdenden Demokratie-Abbau verbünden!

Wer...

Grün wählt muss ganz schön blau sein!

Gast: Traxler W
11.08.2012 19:37
14 1

Das wahre Gesicht der Grünen

Autoritär und unfair bis aufs Blut, wenn es um ihre Interessen geht.

19 1

Grüne

ab nach Nordkorea, dort passts hin

6 7

Jetzt fehlen nur noch diese Piraten..

Die Piraten gestieren sich als (digitale) Bevormunder und Enteigner. (Nachzulesen auf deren Foren.)

Wenn sich die noch zu Rot/Grün dazugesellen, ist das stalinistische Dreigestirn vollendet.

gestieren?

Was ist das?

25 0

wenn ich mich zurückerinnere...

...an Hainburg, Freda Meißner-Blau, an die Aufbruchsstimmung und die feste Absicht der damaligen Grünen, etwas Neues wie Bürgernähe, direkte Demokratie und Verantwortlichkeit in die erstarrte Politik dieses Landes zu bringen...
...und wenn ich dann mehr als 20 Jahre später sehe, welcher Haufen ideologisierter und mitunter fast totalitär agierender Ungustln danach gekommen ist....

dann ergibt sich eine Schlußfolgerung: die Grünen haben offenbar ihre Wählerstimmen nicht wegen ihrer Politik, ihrer Politiker, ihres Programms erhalten, sondern aus purer Verzweiflung ob des Fehlens einer anderen Alternative zu VP/SP/FP.

Logisch, daß diese jetzt verhindert werden muss....
Logisch, aber echt traurig.

Grüne und Stalinisten,

wo ist der grosse Unterschied?

Gast: artiso
11.08.2012 07:18
19 2

grünis

Wer grüne wählt ist einfach nur einfälltig!

Gast: Defender
10.08.2012 21:50
31 3

Egal ob Rot oder Grün

Die Linken haben und hatten von Demokratie und Meinungsfreiheit noch nie Ahnung.
Denen geht's immr nur um Amterl und Posterl für die Ewigkeit.

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Re: Egal ob Rot oder Grün

Sind Sie es, Ernst Strasser?

Re: Egal ob Rot oder Grün

Kampf dem Klassenfeind!

Schwingt die Parolen, posaunt die Vorurteile, tragt die Feindbilder vor euch her!

Antworten Antworten Gast: Defender
11.08.2012 09:19
2 2

Re: Re: Egal ob Rot oder Grün

Freut mich wenn's Sie sich angesprochen fühlen, dann ist in diesem Fall (noch) nicht alles verloren.

Re: Re: Re: Egal ob Rot oder Grün

Da bleibt mir wohl nichts übrig, als mit einem klassischen Spiegel zu antworten.

Wünsche weiterhin viel Spaß in der geistigen Enge!

Gast: wakaq
10.08.2012 21:34
25 1

grüne

Nie im leben grüne nein danke!

Gast: Steuerbord voraus!
10.08.2012 21:25
9 9

Natürlich haben die vorhandenen Parteien Angst vor den Piraten

Ersichtlich gewaltig sogar.

Piraten denken Politik anders.
Die Piraten stehen für direkte Demokratie und direkte Beteiligung des Bürgers an der Politik. Dies würde eine bessere Einbindung des Bürgers bedeuten. Der Bürger könnte Politik als Mitkapitän mitgestalten und wäre auf Augenhöhe mit den Politikern.

Der Wähler würde nicht nur ein einziges mal alle paar Jahre wählen "dürfen", sondern mitbestimmen können, also etwas, dass die vorhandenen Parteien Jahrzehnte zu deren alleinigen Machterhalt unterdrückt haben.

Piraten stehen für Transparenz und Offenheit. Dies ist den vorhandenen Parteien ein Dorn im Auge.

Angst vor den Piraten?- mit Sicherheit.
Die Piraten sind noch sehr jung, aber diese sind national und global die mit Abstand schnellst wachsende politische Bewegung. Vor allem bei der Generation bis 30 wachsen diese rasant. http://www.pp-international.net/ zeigt Teile von internationalen Piratengruppierungen.

Dazu gibt es unzählige regionale und bald auch noch mehr lokale Gruppierungen, die kleine, flinke Boote haben. Regional z.B.: Piratenpartei Steiermark und betreff Programm- da tut sich für eine neue Partei, die sich selbst (!) finanziert und aus dem Nichts kommt, schon einiges z.B.: http://piratenpartei-steiermark.at/wofuer-wir-stehen
Ahoi! ;-)

9 5

No Pirates, please..

Die Piraten sind Digital-Kommunisten, die versuchen, die Grünen links zu überholen.

Sobald man sich mit denen näher auseinandersetzt wird sehr schnell klar, welch ein Bevormundungshaufen, die sind.

Die Piraten, als "neue Kraft" braucht es daher wohl sicher nicht...

Antworten Antworten Gast: donso
11.08.2012 17:05
3 2

Nein, ich persönlich, meine sogar, diese sind sehr liberal, freiheitsdenkend- im Sinne der Stärkung der individullen Freiheit des Einzelnen. Dies widerspricht dem Bevormundungsgedanken zu 100%. Es ist genau das Gegenteil.

Ich sehe die Piraten sich selbst gar nicht so leicht in das politische Spektrum einordnend.
Aber, ich persönlich, meine sogar, diese sind sehr liberal, freiheitlich- im Sinne der individullen Freiheit des Einzelnen.

Punkte bei diesen (laut Link oben vom Vorposter):
"Freiheit
Wir Piraten stehen für die Freiheit des Einzelnen. Wir kämpfen dafür, dass jeder Mensch sein Leben so gestalten kann, wie er es für richtig hält, solange er die Freiheit der Anderen achtet.
Persönliche Freiheitsrechte, für die wir lange gekämpft haben, sind bedroht.
Die Verfassung schützt diese Rechte nur insoweit, wie es von Menschen gelebt und verteidigt wird.
Hierfür Sorge zu tragen, begreifen wir als unsere vornehmste Aufgabe."

"Sicherheit
Wer Freiheit für staatliche Sicherheit opfert, wird beides verlieren. Der inneren und äußeren Sicherheit ist am besten gedient, wenn alle Menschen in einer gerechten Gesellschaft und in Würde leben können.
Polizei und Justiz müssen angemessen ausgestattet sein, damit sie ihre Aufgaben unter Wahrung der Bürgerrechte erfüllen können."

"Mündigkeit
Piraten trachten danach, sich selbst und andere so weit wie möglich aus einem Zustand der Unmündigkeit zu befreien. Dazu bedienen sie sich stets ihres eigenen Verstandes und ermutigen andere, es ihnen nachzutun."

Ich meine, der "Ehrenkodex" der ÖVP wurde schon davor von den Piraten entwickelt ;-) ->"Wofür wir stehen"

Sehr gut ist: "Mut und Entschlossenheit" im Link. Interessant finde ich auch:Toleranz,Fairness, Teilhabe

Antworten Antworten Gast: Segelturn
11.08.2012 16:50
2 1

Zu Ihrer Aussage. Ich hoffe, Sie richtig interpretiert zu haben, um so gut antworten zu können.

"Bevormundungshaufen" - ich weiss nicht, ob Sie Personen der Piraten kennen, damit die Partei mit Einzelpersonen identifizieren oder ob Ihre Gedanken, dirkekt die Gedanken der Partei betreffen. Ich kenne Ihre Informationsgrundlagen nicht, aber ich sehe genau das Gegenteil in den Piraten:

Die Piraten wollen eine Politik ermöglichen, bei der sich jede(r) Bürger(in) beteiligen kann. Da sehe ich persönlich mehr Bevormundung bei der bisherigen Politik; Motto: "Ihre Stimme bei der Wahl in die Urne. Dort"ruht"Sie. Wir bestimmen (schon) für Sie als Ihre Volksvertretung." Die Piraten fassen Politik bürgernäher. Bürger sind nicht 1malWähler-diese können Politik konstant mitmachen. Der Übergang vom Politiker zum Bürger und umgekehrt wird flüssiger. Bürgermeinungen werden besser eingebunden.
Betreff "digital"- ja, Internet verhilft zu Dialog (so wie hier im Forum). Betreff "Digital-Kommunisten"- dies müssten Sie nähern erörtern, was Sie meinen, ich hoffe, ich erkläre es nun:

Kommunisten aber sind diese nicht. Piraten haben nichts gegen Eigenbesitz. Bei den Kommunisten wäre jede(r) "gleich", jeder hätte im Ideal der K. keinen Besitz, der übermächtige Staat würde alles besitzen. Dieser Gedanke kommt bei den Piraten nicht vor.
Aber ja, diese setzen auf Gemeinschaft. Aber Gemeinschaft im Sinne von: "jede(r) Bürger(in) soll mehr und bessere Möglichkeiten bekommen, sich am politischen Leben beteiligen zu können." Zudem ist "Schwarmintelligenz" (=kollektive Intelligenz, Ideenfindung)wichtig

14 2

Es braucht auch keine Partei ...

... neben der stalinistischen Einheitspartei, ehemals rot und grün.

Die Partei, die Partei, die hat immer Recht!
Und, Genossen, es bleibe dabei:
Denn wer kämpft für das Recht,
Der hat immer recht.
Gegen Lüge und Ausbeuterei.
Wer das Leben beleidigt,
Ist dumm oder schlecht.
Wer die Menschheit verteidigt,
Hat immer recht.
So, aus Leninschem Geist,
Wächst, von Stalin geschweißt,
Die Partei - die Partei - die Partei.

Antworten Gast: donso
11.08.2012 17:29
4 0

Parteien vertreten laut Wortdefintion schon (nur) Teile der Bevölkerung, Politische Bewegungen denken Politik breitergefasst.

- da sehe ich, das Piraten-Programm, das ich durchgelesen habe, sehr stark einer Bewegung nah, da diese eigentlich Politik an sich neu denkt.

Zudem scheinen diese nicht nur hohle Phrasen, wie ich es von anderen Großparteien über Jahrzehnte gewohnt war ( a la "mehr Miteinander", mehr "Verantwortung" -> siehe auch Google Suche der Wahlplakate mancher Parteien) einfach hohl in den Raum zu werfen, denn diese haben auch wirkliche Sachgedanken dahinter, wie diese deren Gedanken praktisch umsetzen wollen. So haben diese mit Liquid Democracy ein Hilfinstrument geschaffen, bei der wirklich jede(r) näher an Politik ist, ein "miteinander" wirklich besser funktionieren kann.

Einheitspartei sehe ich bei diesen nicht; dies finde ich gut: "Zur politischen Fairness gehört es, auch andere Meinungen zu hören und sich mit ihnen wohlwollend auseinanderzusetzen.
Die Piratenpartei steht für einen fairen Politikstil, sachbezogene Diskussionen und die Abkehr von polemischer Meinungsmache."

Ich glaube richtig interpretieren zu können, dass diese durch deren Offenheit sich nicht als die "allmächtige Partei" sieht, sondern als ein Kollektiv, bei dem jeder der sich für Sachpolitik interessierend, mitmachen kann.
Sachpolitik bedeutet Fähigkeiten, Qualifikationen- daher sehe ich kein "Hawara"-Denken bei diesen, dass einfach nur bekannte Parteileute Posten besetzen sollen, sondern bei diesen echt fähige, qualifizierte Menschen Positionen durch Mut zur Verantwortung übernehmen sollen.

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Re: Es braucht auch keine Partei ...

Mein Gott, was werden Sie daherstottern, wenn Sie mal einem echten Stalinisten begegnen....

Re: Es braucht auch keine Partei ...

Wer einmal (in der DDR) gezwungen(!) wurde, dieses Kampflied zu singen, hat die Nase voll davon und will von Sozialismus und Kommunismus nichts mehr hören.

Gast: Hellboy
10.08.2012 19:56
27 1

Grüne - nein danke !


 
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