Wien/Apa/Red. Das Format ist denkbar alt: Bereits zum 31. Mal lädt der ORF in den kommenden Wochen die Chefs der Parlamentsparteien zum „Sommergespräch“. Bemüht war man wie immer um einen möglichst originellen Zugang. Die Wahl fiel in diesem Jahr auf – laut ORF-Selbstbeschreibung – „pointierte Kurzporträts“, die zu Beginn des Interviews den Weg der Gesprächspartner zu ihrem Einstieg in die Politik nachzeichnen sollen. Der ORF spricht dafür mit Weggefährten und Jugendfreunden und will bisher unbekannte Bilder zeigen. Die Interviews, die zum zweiten Mal von „ZiB2“-Moderator Armin Wolf geführt werden, finden an den „Orten der Kindheit“ der Politiker statt.
Den Anfang macht am heutigen Montag (ORF2, ab 21.05 Uhr) BZÖ-Obmann Josef Bucher, der auf der Burg Petersberg im Kärntner Friesach auf Armin Wolf trifft (sollte es regnen, gibt es Ausweichmöglichkeiten im Umfeld). Es folgen im Wochentakt Grüne, Freiheitliche, ÖVP und zum Abschluss die Kanzlerpartei SPÖ. Die Sommergespräche stehen unter dem Eindruck der aktuellen Korruptions- und Untreuevorwürfe, die fast alle Parteien in Atem halten.
DiePresse.com wird alle Gespräche live tickern.
Bucher: "Ich bin kein Träumer"
Die Stoßrichtung seines Interviews gab Josef Bucher am Wochenende in einem Gespräch mit der Austria Presse Agentur vor: Er erhoffe sich, bei der Nationalratswahl 2013 von der aktuellen Situation der Freiheitlichen zu profitieren: Die FPÖ würde mit ihrem „Klotz am Bein“ – gemeint ist die Kärntner FPK – sicher Stimmen verlieren. Bucher will diese Wähler an sich binden. Er sei rückwirkend „froh“ über die Abspaltung der FPK. Den oft bezweifelten Verbleib im Nationalrat will er jedenfalls schaffen: „Ich bin fest davon überzeugt, dass wir für den Einzug noch viel zu tun haben. Ich bin kein Träumer“, so Bucher. Aber: Für Wähler rechts der Mitte habe er „viele frische Ideen“. So sei seine Partei die einzige, die die Steuern senken wolle.
Generell will Josef Bucher mit Sachpolitik punkten. Er wolle „saubere Politik machen“ und nicht den „Unterhaltungskünstler“ mimen: „In Kärnten hat man einen Tanzbären als Landeshauptmann, das ist nicht zuträglich. Ich bin gern ein bissl fad und farblos.“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.08.2012)
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