In Kärnten sind Parteigrenzen fließend. Da findet ein gestandener Bürgermeister nichts dabei, als Sozialdemokrat zum einstigen Klassenfeind, dem Großindustriellen Stronach, überzulaufen. Die Orangen in Kärnten um Uwe Scheuch haben das schon vor Jahren vorexerziert und sich über Nacht mit dem einstigen Widersacher Strache verbrüdert – in erster Linie, um beiderseits die politischen Chancen zu verbessern.
Die Freude der SPÖ-Zentrale, dass Stronachs Partei besonders dem Hauptgegner FPÖ zusetzen werde, war wohl voreilig. Kritik am Euro und Milliarden für EU-Länder findet nicht nur bei freiheitlichen Sympathisanten, sondern auch im SPÖ-Klub Anhänger – wie das Beispiel Köfer zeigt. Allerdings sollte die Bedeutung eines Hinterbänklers im Parlament als Wahlhelfer nicht überschätzt werden. Zwei Regierungsparteien, die Probleme vor sich herschieben, sind immer noch die besten Wahlhelfer für Stronach.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.08.2012)
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