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Beatrix Karl: "Ein Wahnsinn, was in Kärnten passiert"

19.08.2012 | 18:22 |  von Philipp Aichinger (Die Presse)

Justizministerin Beatrix Karl (ÖVP) erklärt, warum sie die Vorfälle in Kärnten entsetzen und warum das Strafrecht trotzdem nicht weiter verschärft werden soll.

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Die Presse: Frau Minister, Sie haben gesagt: „Korruption hat es immer gegeben“. Sollen wir also ob der Dinge, die nun ans Tageslicht kommen, gar nicht beunruhigt sein?

Beatrix Karl: Das Positive ist, dass die Dinge jetzt aufbrechen und dass Korruption nicht mehr als Kavaliersdelikt gesehen wird. Jetzt sehen wir deutlich, dass Korruption nicht mehr geduldet wird. Und das ist richtig so.

Wie lange war Korruption ein Kavaliersdelikt?

Rechtshistorische Betrachtungen interessieren mich als Ministerin nicht so. Wichtig sind die Gegenwart und die Zukunft. Und hier hat sich mit der Verschärfung des Korruptionsstrafrechts und dem Ausbau der Korruptionsstaatsanwaltschaft viel getan.

Die Frage ist nicht nur aus rechtshistorischer Sicht interessant. Meinen Sie, dass heimische Politiker Korruption als Kavaliersdelikt angesehen haben?

Das kann ich nicht ausschließen. Ich würde für niemanden in der Vergangenheit die Hand ins Feuer legen. Aber wichtig ist, dass Fälle, die Politiker betreffen, ungeachtet von Ansehen der Person oder Parteizugehörigkeit, aufgeklärt werden.

Benötigt man im Lichte der Dinge, die jetzt ans Tageslicht kommen, weitere Verschärfungen im Strafrecht?

Ich glaube, dass wir mit dem neuen Korruptionsstrafrecht nun sehr gut gerüstet sind. Das reicht jetzt einmal. Bei der Kronzeugenregelung muss man vielleicht schauen, wie sie sich bewährt. Da kann ich nicht ausschließen, das man nach Ende einer Beobachtungsphase etwas nachbessern muss.

Dass manche Dinge jetzt aufgeflogen sind, ist aber nicht selbstverständlich. In der Causa Birnbacher hatte die Staatsanwaltschaft Klagenfurt bereits die Anzeige zurückgelegt. Schämen Sie sich als Ministerin für die Staatsanwaltschaft, weil sie diese Causa ursprünglich nicht verfolgen wollte?

Nein. Das war auch vor meiner Zeit. Aber wenn man jetzt rückblickend sagt, es hat eine Fehleinschätzung gegeben, dann muss man auch sagen, es hat ein justizinternes Korrektiv gegeben: die Korruptionsstaatsanwaltschaft, die aufgrund neuer Informationen neue Ermittlungen angeregt hat. Und diese neuen Ermittlungen hat die gescholtene Staatsanwaltschaft Klagenfurt gut geführt, sie haben schließlich zur Anklage geführt.

Trotzdem: Wie kann man sicherstellen, dass solche Fälle nicht vom Staatsanwalt zurückgelegt werden?

Bei Verfahren von Personen, die im öffentlichen Interesse stehen, gibt es ja die sogenannte Berichtspflicht der Staatsanwaltschaft an die Oberstaatsanwaltschaft und ans Ministerium. Ich sehe es schon als sehr wichtig an, dass diese Kontrolle ernst genommen wird, sowohl von der Oberstaatsanwaltschaft als auch vom Ministerium. Es muss genau hingeschaut werden.

Staatsanwälte, so meint Ihr Parteifreund Andreas Khol, bedürften auch einer Kontrolle durch das Parlament. Wie sehen denn Sie diesen Vorschlag?

Ich bin dagegen, das ist auch nicht notwendig. Es gibt ja bereits eine Kontrolle. Ich als Ministerin bin die Weisungsspitze und ich unterliege der parlamentarischen Kontrolle.

Ein anderer Parteifreund, der Steirer Christopher Drexler, hat im Zusammenhang mit Kärnten von einer „elenden Bagage“ gesprochen. Teilen Sie diese Einschätzung?

Ich kann die Aussage aus einer Emotionalität heraus sehr gut verstehen, auch wenn das nicht meine Wortwahl wäre.

Wie würden dann Sie die Zustände in Kärnten bezeichnen?

Es ist ein Wahnsinn, was dort passiert. Man muss bedenken, was das für den Ruf der Politik bedeutet. Auch alle ehrenamtlichen, anständigen Funktionäre werden jetzt in denselben Topf geworfen und müssen sich für das Verhalten anderer, die die Grenzen nicht kennen, rechtfertigen. Das haben sich die ehrlichen Politiker nicht verdient.

Ist es für das Image hilfreich, wenn die Parteienförderung derart erhöht wird?

Das wird immer so negativ dargestellt. Aber gute politische Arbeit darf auch etwas kosten.

Aber muss es gleich die zweithöchste Parteienförderung weltweit sein?

Ich halte die Parteienförderung, wie wir sie in Österreich haben, nicht für überzogen. Wichtig war es, ein gutes, transparentes System zu schaffen.

 

Im Herbst wollen Sie das Familienrechtspaket vorstellen, gibt es da schon eine Einigung?

Die Verhandlungen laufen gut. Wir sind zuversichtlich, hier eine Lösung zu schaffen.

 

Zuversichtlich – das ist man beim Familienrechtspaket aber schon seit vielen Jahren.

Wir liegen jetzt nicht mehr so weit auseinander. Das Ergebnis werden wir aber erst präsentieren, wenn die Verhandlungen fertig sind.

Im Urheberrecht planen Sie auch eine Novelle, wie soll diese aussehen?

Mir geht es darum, den Wert des geistigen Eigentums stärker bewusst zu machen. Durch das Internet ergeben sich hier neue Herausforderungen. Ich prüfe gerade, ob man das Urheberrecht ändern muss, um es angesichts der neuen Herausforderungen zu schützen.

 

Sie versuchen jetzt mit Sachthemen zu punkten. Anfang des Jahres sind Sie zwei Mal (Diversion bei Korruption, Eingriff in den Geheimnisschutz von Journalisten) in Turbulenzen geraten. Wie beurteilen Sie Ihre eigene Performance?

Es ist vieles gelungen, etwa die Änderungen im Korruptionsstrafrecht. Natürlich gab es zu Beginn des Jahres weniger erfreuliche Zeiten. Das waren harte, schwierige Zeiten. Ich hoffe, das mir so etwas nicht noch einmal passiert.

 

Haben Sie Schutzmechanismen im Ministerium geschaffen? Werden etwa Entwürfe jetzt genauer angesehen, bevor sie veröffentlicht werden?

Wir schauen immer alles genau an. Aber mit den Reaktionen Anfang des Jahres hatten wir wirklich nicht gerechnet. Die sind von uns ganz falsch eingeschätzt worden.

 

Eine andere Frage, die sich bei einer steirischen Politikerin stellt: Hat Sie Frank Stronach schon angerufen?

Er hat mich nicht gefragt.

 

Und, sind Sie traurig darüber?

Nein, ich fühle mich in der ÖVP sehr wohl.

 

Weiß Stronach, worauf er sich einlässt?

Politik ist nicht einfach. Und wenn man von außen kommt, stellt man sich das wahrscheinlich wirklich zu einfach vor. Manche Leute glauben, wenn ich als Ministerin eine Idee habe, kann ich sie morgen umsetzen. Aber in der Politik gibt es bestimmte Abläufe und viele Interessen, die es zu berücksichtigen gilt. Und das muss man selbst erlebt haben, um es zu verstehen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.08.2012)

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137 Kommentare
 
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Gast: apfelmännchen
21.08.2012 19:52
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na dann

fühlen Sie sich bitte von niemandem zurückgehalten, die kärntner Justiz an eine kürzere Leine zu nehmen und beweisen Sie Rückgrat, denn schliesslich häufen sich in letzter Zeit vorwiegend dort die "seltsamen" Fälle.

Gast: Herta aus Wien
21.08.2012 06:04
0 0

Wirklich ein Wahnsinn was da abgeht in Kärnten!

HAIDER durfte tun und lassen was er wollte, Schüssel hat weggeschaut, während Schüssel und die BLAUEN Gauner die Gustostückerl des Staates verschleudert haben bzw. unter ihren Nagel gerissen haben!

Es war ein Wahnsinn was da abging und das Real - Einkommen ist seit Schwarz Blauenorm gesunken!

Gast: Bernd aus Füssen
20.08.2012 23:18
0 0

Es gibt Menschen......

...die haben ihre Nasenlochöffnungen NICHT in der Waagrechten, sondern in der Senkrechten, da riechen sie zwar den polit. Gestank in der Ferne, ABER NIE den vor den eigenen Füssen!

Gast: Korrupty
20.08.2012 20:08
1 0

Wahnsinn??

ein Wahnsinn ist das wir eine unfähige feige dumme Justiz haben.
Fr. Karl sie sind schwerstens überfordert, sonst wäre es nicht möglich das mehr korrupte Politiker im Parlament sitzen anstatt im Häfn!!!

Gast: Kuvert
20.08.2012 18:11
0 0

Aber in der Politik gibt es bestimmte Abläufe und viele Interessen, die es zu berücksichtigen gilt. Und das muss man selbst erlebt haben, um es zu verstehen.

Wie wahr.

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Erinnerungen für Frau Karl!!!

Unter "Staatsanwälte mobbt man nicht" ist ein interessanter Artikel über das Justizuministerium zu lesen!!!

Grüss Gott herr heiß

denn mit hallo redet man nur im Proletenkreis und der ist ein wahnsinn so wie die Frau Karl die ja nicht geeignet ist. HC und Pepi Bucher lassen grüssen


Gast: Lebkuchen Heinrich
20.08.2012 15:06
0 0

Ja was sagt denn da unser heißgeliebter Bundespräsident dazu.

Wo wird er denn gerade sein Schäferstündchen halten?

Gast: klagenfurter
20.08.2012 15:05
3 0

"Ein Wahnsinn, was in Kärnten passiert" ...

Die 'Frau Koarl' meint natürlich: ein Wahnsinn, dass sie sich in Kärnten haben erwischen lassen.

Gast: Walti
20.08.2012 14:54
3 0

Parteienförderung

Da für die Parteien "Schmiergelder" ausfallen,
müßen die Einnahmen eben über eine Erhöhung der Parteienförderung ausgeglichen werden.

Unsere Parteien brauchen doch das Geld dringend !! zum Wohlergehen der Bevölkerung

Gast: mir wird übel
20.08.2012 14:53
6 1

Beatrix Karl: "Ein Wahnsinn, was in Kärnten passiert"

einfach widerlich

zuerst pröll,dann der "general",und nun die karl.

einfach widerlich.

wenn ein mitglied EINES erzkorrupten vereins über ein mitgleid eines anderen korrupten vereins herfällt...

WIDERLICH

Gast: Korruptes Gesindel
20.08.2012 14:49
5 0

War da nicht einmal Zeit wo Österreichische "Politiker"

ihre Kollegen aus anderen Staaten mahnten die Korruption in deren Ländern besser zu bekämpfen?

He ihr Politischen Heuchler
Was seid ihr für Mißgebur.en
Was seid ihr ihr für Vorbilder

Da soll sich noch einer wundern warum die Kriminalität ins unendliche steigt.

Wisst ihr überhaupt wie lange es dauert bis die Bevölkerung wieder einmal Vertrauen in die Politik entwickelt.

Ist Euch überhaupt was ihr angerichtet habt?

Ich erwarte dass alle die Dreck am Stecken haben alle hinter Schwedischen Gardinen verschwinden.


Gast: Pensador
20.08.2012 14:26
4 0

Verschiedene Wahnsinnne

Und was für ein Wahnsinn ist erst das, was in Wien schon seit Jahrzehnten passiert!

Gast: Callisto
20.08.2012 14:21
6 1

Die sollte lieber über ihre eigene Partei entsetzt sein

Verlogenes Getue

ein wahnsinn

aber leider, leider kann man da halt gar nix machen, da müsste man schon ja was denn, sagen wir mal im justizministerium was zu sagen haben...

Gast: seppi112
20.08.2012 14:15
5 0

Mal ganz ehrlich Frau Karl!

Ich habe ihnen gerade tief in die Augen geblickt.

Glauben Sie wirklich das sich in Wien weniger von diesen verlogenen und korrupten Gesindel herumtreibt?


Gast: betadonna
20.08.2012 11:32
11 1

gue politik darf auch etwas kosten..??


wenn in Ö die parteienförderung tatsächlich von der qualität der politik abhängig wäre, hätten sie diese um 90 % kürzen müssen..

u. viele der politverbrecher aus der vergangenheit müssten ihre pensionszahlungen verlieren u. hinter gitter gehen (angefangen mit unserem schmutzkanzler schüssel!)..

Gast: verbrechergesindel
20.08.2012 11:30
8 0

von welchen ehrlichen politikern spricht sie denn??

aus der övp kann sie auf jeden fall niemand meinen u. in den anderen parteien scheinen diese auch sehr dünn gesät zu sein..


10 1

Kärnten

Kärnten ist Dorfliga,die grosse Korruption spielt sich in Wien ab,aber schauen die gesamten gekauften Medien konsequent weg da alle um ihre Presseförderung bangen oder direkt von "Freuden" in den Redaktionen verschont werden.

Gast: betadonna
20.08.2012 11:27
6 1

so ein wunder - eine aus der övp, die noch dazu das justizministerium leitet u. gemeinsam mit ihrer vorgängerin seit vielen vielen jahren untersuchungen bremst, ist erschüttert ;-)

die muss ja noch blinder sein als justitia u. noch blöder als forest hump *g*

Gast: Tutenchamun
20.08.2012 11:17
5 0

Tauss, Schlaff: Wie kann man

bei Geschäften mit der Telekom 1 Mrd Euro verdienen?

...

"viele Interessen die zu berücksichtigen sind"
da liegt das Problem... und sie haben es nicht erkannt ;))))
aber es ist ja umgekehrt nicht anders!
siehe postenbesetzung in halbstaatlichen betrieben...da muss die "Firma" die Interessen des Staates-parteibuches-berücksichtigen!
ähnlich bei den Medien. Die müssen wieder die Interessen der Politik bei ihrer Berichterstattung berücksichtigen (werbeeinnahmen--->Schaltung von Imseraten)
usw...
bei uns läuft einiges Schief!
Das traurige daran, wir spiegeln nur die Art und weise wieder, wie die gesamte Welt funktioniert.

Gast: der Österreicher
20.08.2012 10:59
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Sehr geehrte Frau Karl,


..ich kann Ihre Empörung leider nicht ganz nachvollziehen.

Sie sitzen an den Hebeln der Macht. Es wird endlich Zeit die Justiz zu reformieren.

Aber ist das gewollt. Scheinbar nicht!

Statten Sie die Staatsanwaltschaft mit erfahrenen Juristen aus, die auch gegen RA die mit allen Wassern gewaschen sind bestehen können und nicht frisch gefangene Juristen die einerseits damit nicht klar kommen könnne und andereseits immer wieder aufsteigen und damit die Verfahren an einen Neuen übergeben müssen der wieder ewig benötigt, um den Baum vor lauter Wald zu sehen.

Zahlen Sie den Staatsanwälten mehr und geben Sie der Strafverfolgng mehr Mittel, damit diesee effizient und schnell agieren können. Da sind die Steuern besser investiert, wenn damit diese politischern Umtriebe verhindert werden können.

Machen Sie die Staatsanwaltschaft wie die Richter von der Politik unabhängig. Kein Weisungsrecht mehr. Die gesamte Justiz darf nur den Gesetzen dienen und nicht den Politikern.

Sorgen Sie dafür, das die Ergebnisse des/der RH ernst genommen werden. Hier ist unendliches Sparpotential vorhanden auch wenn es einigen wehtut.

Tun Sie endlich Ihre Arbeit.

Viele Grüsse

ein desillisionierter Österreicher


Gast: Wasserlaeufer
20.08.2012 10:43
5 0

Special Interest Groups

Es sind ja offenbar die vielen Interessen
der gehobenen Klasse die es hier zu beruecksichtigen gilt und nicht die der breiten armen Schlucker Masse.

Komisch ist nur, dass sich alle Leute zur
Mittelklasse zaehlen.

Wenn Fuenf Prozent reich sind
und der Rest nur von Schulden
lebt; wo ist denn da die vielgeruehmte
Mittelklasse?

Wie es so auschaut gibt es auch immer mehr
Singles (Alleinstehende) Die Politiker
ignorieren aber dieses immer groesser
werdende Segment der Bevoelkerung und
klopfen weiterhin ihre "Familien"-Spruecherl.

diese frau erinnert mich immer wieder ...

... an chucky die mörderpuppe ;(

 
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