Wien. Menschen, die der Meinung sind, dass nur Spezialisten in ihren jeweiligen Fachgebieten politische Verantwortung übernehmen sollten, werden mit dem neuerlichen Aufstieg Reinhold Lopatkas wohl nicht glücklich sein. Als ehemaliger Staatssekretär für Sport (in der Regierung Gusenbauer von 2007 bis 2008) und Finanzen (unter der ministeriellen Ägide von Josef Pröll von 2008 bis 2011) hat der 52-Jährige, der nun Wolfgang Waldner als Staatssekretär im Außenministerium folgt, bereits drei völlig unterschiedliche Ressorts verantwortet. Seither war er außerdem Verfassungs-, Verkehrs- und zuletzt außenpolitischer Sprecher der ÖVP im Parlament.
Seinen Aufstieg innerhalb der ÖVP hatte Lopatka zwei Erdrutschsiegen zu verdanken: Im Jahr 2000 organisierte der Steirer in seiner Heimat den Landtagswahlkampf von Waltraud Klasnic, die in der Folge ein Stimmenplus von elf Prozentpunkten verzeichnen konnte. 2002, nach der Detonation der FPÖ in der ersten schwarz-blauen Koalition unter Wolfgang Schüssel und Jörg Haider, wiederholte er das Kunststück auf Bundesebene: Mit einem Plus von 15 Prozentpunkten bei der vorgezogenen Nationalratswahl schaffte es die Volkspartei zum ersten Mal seit 1966 wieder auf den ersten Platz in der Wählergunst. Zur Belohnung holte Schüssel den studierten Juristen und Theologen 2003 als Generalsekretär in die Bundespartei.
Häupl: „Hexenmeister“ mit Schmutzkübeln
In den folgenden drei Jahren stand Lopatka an vorderster Front der parteipolitischen Auseinandersetzungen während der Wenderegierung – und gab sich selbst nicht zimperlich, was ihm so mancher SPÖ-Funktionär bis heute verübelt. „Lowpatka“ hießen sozialdemokratische und grüne Funktionäre Schüssels General damals in Anlehnung an das „tiefe Niveau“ seiner „Schmutzkübel-Kampagnen“, Michael Häupl adelte ihn in einer Wahlkampfrede gar als „Hexenmeister in der Kunst des Krötenbluts“.
Anhalten sollte Lopatkas Erfolgssträhne nach 2002 ohnehin nicht: Einen ersten Misserfolg hatte er bei der Bundespräsidentenwahl 2003 hinzunehmen, als Benita Ferrero-Waldner Heinz Fischer unterlag. Nach dem stark auf die Person Wolfgang Schüssels ausgerichteten Nationalratswahlkampf 2006 – es sollte der letzte unter Lopatkas Verantwortung sein – fiel die ÖVP auf Platz zwei hinter die SPÖ zurück. Der Steirer soll damals zu einem „offensiveren“ Auftreten geraten haben, Schüssel bestand jedoch auf seiner gesetzteren „Zeit der Ernte“-Linie – und verlor den Kanzlersessel.
Trotz Niederlage in Regierung
Lopatkas Karriere hat das nicht geschadet: Er wurde in der Regierung Gusenbauer/Molterer Sport-Staatssekretär im Bundeskanzleramt. Das blieb er, bis er im Herbst 2008, eine weitere verlorene Wahl später, an der Seite Josef Prölls ins Finanzministerium wechselte.
Als sich dieser im Frühling des Vorjahres aus der Politik zurückzog, war Lopatkas Ausscheiden die logische Folge: Als Vizekanzler hatte Pröll einen Assistenten im Ministerium gebraucht, der ihm die Fachagenden abnahm – seine Nachfolgerin Maria Fekter konnte dem Ressort ohnehin ihre ganze Aufmerksamkeit widmen. Lopatka kehrte in den Nationalrat zurück, wo er schließlich Schüssel als außenpolitischer Sprecher folgte.
Sehr zum Ingrimm der steirischen Landespartei übrigens, der der eklatante Mangel an Steirern in der schwarzen Regierungsmannschaft aufstieß. Dass sich dann auch noch die Niederösterreicherin Johanna Mikl-Leitner 2011 im Rennen um Spindeleggers Nachfolge an der Spitze des ÖAAB gegen Lopatka durchsetzte, verbesserte die Beziehung zur Bundespartei nicht wirklich.
Marathonmann und Familienvater
Deswegen kann der neuerliche Aufstieg Lopatkas, der noch immer Bezirksparteichef seiner Heimat Hartberg – wo der Neo-Staatssekretär auch noch immer lebt, er pendelt regelmäßig nach Wien – ist, auch als Signal der Versöhnung von Wien nach Graz gelesen werden. Als Staatssekretär im Außenministerin steht er wieder direkt an der Seite von ÖVP-Obmann und Ressortchef Michael Spindelegger. In das neue Amt bringt er nicht nur die Erfahrung als außenpolitischer Sprecher mit, sondern auch die Ausdauer, die den dreifachen Familienvater und passionierten Marathonläufer – 76-mal hat er die Langstrecke seit 1993 absolviert – trotz schwerer Niederlagen in der Politik gehalten hat.
Reinhold Lopatka folgt Wolfgang Waldner als Staatssekretär im Außenministerium nach. Der 52-Jährige war zuvor bereits Staatssekretär für Sport (2006–2008) und Finanzen (2008–2011), davor war er als Generalsekretär der Volkspartei unter Wolfgang Schüssel für alle Wahlkämpfe ab 2003 verantwortlich. Seit dem Vorjahr war Lopatka außenpolitischer Sprecher der ÖVP im Nationalrat.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.08.2012)
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