. . Chef der krisengebeutelten Wiener ÖVP wollte Wolfgang Waldner aus gutem Grund nicht werden. Nun wird er Landesrat der krisengebeutelten Kärntner ÖVP – und man fragt sich: Warum tut er sich das an? „Weil ich Kärntner bin“, sagt der Staatssekretär, der nach nur einem Jahr aus dem Außenamt ausscheidet und die Nachfolge von Achill Rumpold antritt. „Den Plan, zurückzukehren, gab es immer, ich wollte mir später nicht vorwerfen müssen, die Chance verpasst zu haben“, sagt Waldner. Der 57-Jährige hat ein Haus und Familie in Kärnten.
Dabei hatte es der Jurist zu Beginn seiner Karriere eilig, von zu Hause weit weg zu kommen. 1981 startete der Bruder von ORF-Politikjournalistin Gabi Waldner („Report“) seine Karriere im Außenamt, ab 1988 leitete er das Kulturinstitut in New York. Bekannt wurde er hierzulande aber erst als Chef des Wiener Museumsquartiers. Als MQ-„Hausmeister“ (O-Ton Waldner) schrieb er ab 1999 – ein „schwarzer“ Direktor im „roten“ Wien – die Erfolgsgeschichte des Museumskomplexes mit. Wobei sich der Diplomat auch einmal im Ton vergriff: Der Versuch, Jugendlichen zu verbieten, in den Höfen mitgebrachten Alkohol zu trinken, erwies sich als Eigentor.
2011 wechselte Waldner zurück ins Stamm-Metier: Er wurde Staatssekretär und hielt Michael Spindelegger den Rücken frei. Ein undankbarer Job: viele Reisen, wenig Applaus. Waldner war der „Mr. Unsichtbar“ der Regierung. Seine eigene Meinung äußerte der kunstaffine Diplomat, dem vor allem die Entwicklungszusammenarbeit wichtig war, selten. Vielleicht, weil es Rüffel gab: Etwa als Waldner auf Twitter vorzeitig das Acta-Abkommen kritisierte. Oder als er Offenheit für einen EU-Beitritt der Türkei bekundete. Als Landespolitiker ist Waldner, wie er zugibt, freier: „Ich werde weniger unauffällig sein.“ Nachsatz: „Aber ich werde meine Persönlichkeit nicht ändern, ich bin nicht der laute, marktschreierische Typ, davon gibt es in der Politik eh genug.“
Was aber will der leise Weitgereiste in der deftigen Landespolitik? Wie passt das in die berufliche Biografie? Gut, findet er. Er werde ja weiter reisen und für Kärnten (zum Portefeuille gehören EU, Landwirtschaft) in Brüssel sein, Kulturkontakte zu den Nachbarländern pflegen. Das sieht auch der Kärntner Parteichef Gabriel Obernosterer so (er stammt aus derselben Gegend wie Waldner, man kennt sich aber aus Wien): Waldner soll „Botschafter für Kärnten“ nach außen sein, mit unverdächtiger Weltgewandtheit international das Image aufpolieren, während Obernosterer die Partei neu aufstellt: „Gemeinsam decken wir zwei Bereiche ab: hier der Bodenständige, dort der Diplomat.“ Über die Frage, wer Spitzenkandidat wird, beteuern beide „noch gar nicht“ nachgedacht zu haben. Bis es so weit ist, kann sich Waldner überlegen, ob er nun einen Kärntner Anzug braucht: „Irgendwo in einer Schublade habe ich einen, aber der passt nicht mehr.“ Fürs Debüt muss der Steirerjanker reichen.
Wolfgang Waldner, 57, war seit dem Vorjahr Staatssekretär im Außenamt. Nun folgt er dem Kärntner ÖVP-Landesrat Achill Rumpold nach. Rumpold legte das Amt wegen seiner Nähe zum in die Causa Birnbacher verstrickten Ex-Landesparteichef Josef Martinz nieder. Waldner startete seine Karriere in den 1980ern im Außenamt, leitete das Kulturinstitut in New York. Bekannt wurde er als Chef des Wiener Museumsquartiers.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.08.2012)
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