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Jugend: „Radikale Transparenz ist problematisch“

28.08.2012 | 17:49 |   (Die Presse)

Europas Jugend vertraut althergebrachten politischen Organisationen nicht mehr – doch gibt es eine Alternative? Beim Europäischen Forum Alpbach suchen hochrangige Experten eine Antwort.

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Alpbach/LA. Dass die Organisatoren des Europäischen Forums Alpbach die diesjährige Veranstaltung unter das Motto „Die Zukunft der Jugend“ gestellt haben, zeugt einerseits von der Überzeugung, eine nähere Einbindung der jüngeren Generationen in die europäische Krisenbewältigung sei unumgänglich. Auf der anderen Seite offenbart dieses Leitmotiv auch Unsicherheit – wie umgehen mit einer Generation, deren Zukunftssorgen sich (anders als bei ihren Eltern) um materielle Sicherheit und berufliche Anerkennung drehen, die ihre Sorgen über digitale Kanäle kommunizieren und althergebrachten politischen Organisationen nicht vertrauen?

Piratenpartei füllt Lücke nicht

Elmar Brok brachte bei der Abschlussrunde der Politischen Gespräche Alpbach am Dienstag dieses Dilemma auf den Punkt: „Parteien, Gewerkschaften und andere traditionelle Interessengemeinschaften werden von den Jungen als nicht relevant betrachtet“, klagte der deutsche Europaabgeordnete (CDU). Und die neuen Ansätze, die etwa von den europäischen Piratenparteien propagiert werden, seien nur bedingt dazu geeignet, diese Lücke zu füllen. Im Gegenteil – radikale Transparenz, wie sie etwa von den Piraten gefordert werde, sei bei der politischen Arbeit problematisch. Außerdem würden die Piraten, was Offenheit anbelangt, Wasser predigen und Wein trinken – also ein Loblied auf Transparenz singen und zugleich die Bewegungsfreiheit von Journalisten bei ihren eigenen Parteitagen einschränken.

Dass die Debatte rund um Transparenz und neue Formen der Demokratie aus der Perspektive von Milana Sredojević wie ein Luxusproblem anmutet, liegt auf der Hand: Die Serbin, die in Belgrad den Club Alpbach leitet, ist mit der Versorgung jener Wunden beschäftigt, die im Zuge der Desintegration Jugoslawiens geschlagen wurden. Was Sredojević momentan vor allem Sorgen bereitet, ist der wachsende Nationalismus unter den jungen Serben – nicht nur innerhalb der „verlorenen Generation“, die in den Kriegswirren der 1990er-Jahre aufwachsen musste, sondern auch bei den heutigen Teenagern, die Krieg und Krise nicht bewusst miterlebt haben.

Und was sagt sie zu der wiederkehrenden Debatte um diverse europäische Bildungsoffensiven? „Da, wo ich herkomme, wirkt das alles wie Science Fiction.“ Am Westbalkan gehe es um praktische Faktoren wie Reisefreiheit – oder die Tatsache, dass kosovarische Hochschulzeugnisse nicht in Serbien anerkannt werden.

„Mehr Chancen als Risken“

Vor materiellen Sorgen sind selbst die europäischen Führungskader von morgen nicht gefeit. Peter Matjasic etwa, Präsident des in Brüssel ansässigen Europäischen Jugendforums, verfügt über alle Attribute eines Mitglieds der EU-Elite: Der Slowene beherrscht mehrere Sprachen, ist gebildet und im Jargon der Eurokratie versiert – „trotzdem lebe ich in einem prekären Arbeitsverhältnis“. Dass Europas Jugend so pessimistisch in die Zukunft blickt, ist demnach kein Zeichen von übertriebener Zukunftsangst, sondern von Realismus. Für Elmar Brok aber steht trotzdem fest, dass die Jungen heute „mehr Chancen als Risken vor sich haben“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.08.2012)

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11 Kommentare
Gast: Fluch der Transparenz 2
29.08.2012 13:45
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Beim Europäischen Forum Alpbach suchen hochrangige Experten ihre Geldgeber.

„Fürchtest du den Tod? Und fürchtest du den dunklen Abgrund? Alle deine Taten bloß gelegt. Alle deine Sünden bestraft. Ich kann dir ein Angebot machen, das dir einen Ausweg bietet.“

Antworten Gast: Gruftmaus
29.08.2012 16:32
0 1

Re: Beim Europäischen Forum Alpbach suchen hochrangige Experten ihre Geldgeber.

Davy Jones? (Fluch der Karibik)

Gast: phj
29.08.2012 13:07
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Europas Jugend vertraut althergebrachten politischen Organisationen nicht mehr –

Die Jugend hat erkannt, daß die politischen Organisationen ein Ausbrechen aus den Bahnen und erstarrten Strukturen verhindern.

Parteien, wie die Piraten, sind erst der Anfang.
Um der Jugend willen wünsche ich mir, daß die Piraten als Partei im Parlament vertreten sein werden.
Damit werden Lern- und Denkprozesse gefördert und die Jugend hoffentlich wieder politisch aktiv.

Gast: tc_t
29.08.2012 08:51
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witzig...

die vertreter jenes systems, dem (nicht nur) unsere jugend nicht mehr vertraut, diskutiert darüber wieso das wohl so sei... das gibt sicher einen sack voller lösungen

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Radikale Transparenz ist problematisch

Fragt sich nur problematisch für wen?

Für die Politiker? Sicher.

Für die Bürger? Sicher nicht.


Antworten Gast: Hans im Glück
29.08.2012 11:02
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Re: Radikale Transparenz ist problematisch

Transparenz ist immer problematisch.

Krankenakte: Arbeitgeber stellt nur gesunde Menschen ein.

Vermögen: Neid, Begehrlichkeiten, ungebetener Besuch

...

Transparenz ist nur ein Modewort. Wem ist das nur eingefallen? Ich würde auf einen Sozialisten tippen.

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Re: Re: Radikale Transparenz ist problematisch

Es geht um öffentliche Transparenz, nicht um private. Jeder Mensch hat natürlich weiterhin ein Recht auf seine Privatsphäre und Geheimhaltung seiner privaten Daten. Die öffentlichen Leistungen werden jedoch von unserem Steuerzahlergeld erbracht, somit sollte dort möglichst viel transparent sein, denn der Zahler hat ein Recht darauf was mit seinem Geld geschieht. Die jetzigen Zustände sind da einfach nur ein intransparenter Sauhaufen in dem die Korruption blüht.

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Re: Re: Radikale Transparenz ist problematisch

Ich bin der Meinung Privatsphäre muss erhalten werden. Das gilt aber nicht für Menschen die in ihrer Arbeit Gesetze und Regeln aufstellen, die ALLE Bürger betreffen und deren Leben enorm einschränken können.
Dieses Privileg muss mit einem Freiheitsverlust einhergehen, weil einfach die Gefahr zu groß ist, das diese Macht mißbraucht wird.

In der Manipulationsmaschinerie EU ist Mitsprache

kaum möglich (z.B. ESM-Vertrag, grenzüberschreitende Kriminalität....). Wer mitreden will, muss auch etwas verstehen - das ist die andere Seite.

Gast: na sowas auch
29.08.2012 00:29
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re bombur

lieber bombur,bin vollkommen ihrer meinung und einfach fassungslos darüber,wie weit es mit der freien meinungsäußerung her ist!sollten da NLPler am werken gewesen sein?

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Brav merken:

Mißtrauen der Politik gegenüber und mehr Mitspracherecht = radikale Tendenzen!

Und zur Sicherheit bitte 100mal abtippen.