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„Die Heere aus Söldnern sind Zeichen moralischen Verfalls“

28.08.2012 | 19:00 |  Von WOLFGANG GREBER (Die Presse)

Die Wehrpflicht ist vor allem im Westen auf dem Rückzug. „Erfunden“ hat man sie im alten China, und später in Frankreich neu entdeckt.

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Wer hat's erfunden? Nein, nicht die Schweizer – es waren (wie bei so vielem) die Chinesen, denen die „Erfindung“ des Prinzips einer generellen Wehrpflicht für Männer einer bestimmten Altersklasse zugeschrieben wird.

Es war im Staat Qin, einem jener anfangs etwa 15 Fürstentümer, die von 475 bis 221 vor Christus in der „Zeit der streitenden Reiche“ um die Herrschaft im heutigen Zentral- und Ostchina kämpften. Die Könige von Qin ließen irgendwann alle Haushalte registrieren und nach tauglichen Männern absuchen, die eingezogen werden konnten, meist zur Infanterie. Mit den Massenheeren konnte Qin alle Kontrahenten unterwerfen; 221 rief sich König Zheng zum Kaiser des neuen Einheitsreiches aus, das wir heute unter dem Namen „China“ kennen.

Tatsächlich gab es das Phänomen einer generellen Wehrpflicht immer wieder. Die Römische Republik kannte es ebenso wie europäische, arabische und asiatische Stadtstaaten, deren Männer in Milizen dienen mussten, in südamerikanischen Reichen war jeder Junge de facto auch Krieger. Im europäischen Mittelalter musste jedes Dorf und jede Familie dem Lehensherrn (dem König oder lokalen Fürsten) eine bestimmte Zahl Männer stellen – wieder meist fürs Fußvolk.

Das Schicksalsjahr 1793

Allerdings beschränkten sich diese Pflichten in der Regel auf den Ernstfall, denn stehende Heere Wehrpflichtiger gab es noch lange nicht: Ab dem Spätmittelalter griffen die Monarchen fast immer auf Söldnerheere zurück, ein Phänomen, das man heute etwas netter „Berufsheer“ nennt, und so wurde etwa auch der Dreißigjährige Krieg in Mitteleuropa großteils von Söldnern geführt, die sich mangels Sold oft durch Plündern und Brandschatzen finanzieren mussten.

Es war im revolutionären Frankreich, wo das moderne Modell von allgemeiner Wehrpflicht und Massenheer – auch in Friedenszeiten – entstand: Im Sommer 1793, als preußische und österreichische Truppen nach Frankreich stießen, rief der Nationalkonvent die „Levée en Masse“ aus, die Massenaushebung aller unverheirateten Männer zwischen 18 und 25. Das wurde 1798 im „Jourdan-Gesetz“ modifiziert: „Jeder Franzose ist ein Soldat und der Verteidigung der Nation verpflichtet.“ Frankreichs Heere waren bald weit stärker als die ihrer Gegner und ermöglichten Napoleons Siege, denn auch Berufssoldaten müssen irgendwann qualitativ schlechteren Massen weichen. Bald übernahmen die meisten Mächte die Wehrpflicht.

Folgenreiches Ende des Ostblocks

Gut 210 Jahre später – 2002 – kehrte Frankreich zum Berufsheer zurück. Es folgte einem Trend, der nach dem Kollaps des Ostblocks einsetzte – nach dem Ende der Gefahr eines neuen Weltkrieges in Europa, als es plötzlich wieder ums Sparen ging. Tatsächlich sind Berufsheere in Europa zwischen Portugal und Russland heute wieder die Regel statt die Ausnahme. Von 47 Staaten (sechs davon, etwa Monaco und Liechtenstein, haben kein Militär), leisten sich außer Österreich noch 13 ein Wehrpflichtigenmilitär (siehe Karte), etwa die Schweiz, Norwegen, Griechenland, Finnland, Moldawien. Von den bedeutenden Mächten der Nato gilt die Wehrpflicht nur noch in der Türkei, sie beträgt in der Regel 15 Monate. Im einstigen „Reich des Bösen“, in Russland, dient man(n) seit 2008 nur zwölf Monate – zuvor waren es 24 bei den Landstreitkräften und 36 bei Marine und Luftwaffe.

In den anderen großen Militärmächten USA und Großbritannien gab es Wehrpflicht nur im Krieg: Die Briten führten sie im Ersten Weltkrieg erst 1916 ein, nachdem sich ihr Berufsheer in Flandern, Ostfrankreich, im Irak und Palästina ausgeblutet hatte; 1920 wurde sie wieder ausgesetzt und 1939 erneut eingeführt, seit 1961 gibt es wieder ausschließlich Berufsstreitkräfte, die sich seither – etwa im Falkland-Krieg 1982 gegen das Wehrpflichtmilitär Argentiniens – als exzellent und superprofessionell erwiesen.

In den USA galt die Wehrpflicht während des Bürgerkriegs in den 1860ern, 1917/18 sowie von 1940 bis 1973. Die USA waren ein Beispiel für Länder, in denen Wehrpflicht zwar allgemein gilt, aber selektiv wirkt: So mussten etwa die Gemeinden nur bestimmte Quoten von Soldaten stellen, es gab viele Ausnahmen vom Dienst und zeitweise Lotterien, die die einzuberufenden Jahrgänge ermittelten. Solche zumindest faktisch selektiven Wehrsysteme gibt es etwa auch in China, Brasilien, Ägypten. In Dänemark gilt zwar Wehrpflicht, doch werden die Streitkräfte erst mit Freiwilligen gefüllt – erst wenn das nicht reicht, wird einberufen. In Belgien wiederum hatte der Umstieg auf ein Berufsmilitär 1995/96 einen massiven Qualitäts- bzw. Niveauverlust vor allem bei den Landstreitkräften zur Folge. Zuletzt fiel ein Wehrpflichtsystem in Europa 2011 in Polen.

In nicht wenigen Staaten gilt die Wehrpflicht auch für Frauen, vor allem in Israel, aber auch in China oder Kuba.

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Philosophen prügeln Profiheer

Zahlreiche Philosophen neigten übrigens der Wehrpflicht zu, etwa Aristoteles (384  –  322 v. Chr.) und Jean-Jacques Rousseau (1712  –  78): Letzterer meinte, es sei „Pflicht und Recht jedes Bürgers, an der Verteidigung der Gesellschaft teilzunehmen“, und: Es sei ein Anzeichen moralischen Verfalls, das Kriegsgeschäft Söldnern zu überlassen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.08.2012)

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32 Kommentare
 
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Gast: thomas aus oö
16.10.2012 23:32
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zweck eines heers


zu wenig diskutiert wird der eigentliche zweck eines heeres - dh die landesverteidigung

hilfseinsätze des heeres oder die altenpflege durch zivildiener dienen nicht der landesverteidigung

Superprofessionell?

Im Großen und Ganzen finde ich den Artikel nicht schlecht, nur das superprofessionell hat mich gestört. Ihr Recherchen, Hr. Greber, waren nicht superprofessionell, sonst hätte nämlich gar alles stimmen müssen und das tut es nicht. Sie haben geschrieben: "Die Briten führten sie im Ersten Weltkrieg erst 1916 ein, nachdem sich ihr Berufsheer in Flandern, Ostfrankreich, im Irak und Palästina ausgeblutet hatte;" Wenn sie den Irak und Palästina durch Gallipoli ersetzt hätten wäre es stimmiger gewesen. Die Verluste im Irak (wurde übrigens erst 1932 gegründet, war davor osmanisches Reich) und in Palästina hielten sich bis 1916 ziemlich in Grenzen und waren nicht mit den Materialschlachten auf europäischen Boden zu vergleichen.

Antworten Gast: herr greber
07.09.2012 20:29
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Re: Superprofessionell?

Danke, aber Sie sind offenbar ein Erbsenzähler, Irak war eine osmanische Provinz und bei Gallipoli waren vor allem Australier und Kiwis, aber das sollten Sie
ja wissen

Gast: Wehrpflicht
30.08.2012 07:15
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militärisch kaum sinnvoll

Wehrpflichtige sind in einer kriegerischen Auseinandersetzung mit einem gut ausgebildeten und ausgerüstenen Berufsheer nur Kanonenfutter. Das zeigte sich nicht zuletzt in den beiden Golfkriegen oder auch im Falklandkrieg.

Die Schweden haben ua in den 70er und 80er Jahren unglaubliche Summen ausgegeben, um ihre Technologie so zu bauen, dass sie auch von kurz ausgebildeten Wehrpflichtigen betrieben werden konnte. Das haben sie mittlerweile aufgegeben und die Wehrpflicht ausgesetzt.

Die Argumentation für die Wehrpflicht spekuliert damit, dass es in Europa keine Kriege mehr geben wird (was keinesfalls sicher ist), dass die Hauptaufgabe des Militärs darin besteht, lokale Infrastrukturen am Leben zu erhalten (zB Kasernen, Zulieferer etc) und dass das Ganze so eine Art unfreiwillige Feuerwehr im Katastrophenfall ist. Das sind aber keine Argumente, die genügen können, um junge Männer daran zu hindern, Ihr Leben selbst zu bestimmen.


Antworten Gast: Söldnerarmee
01.09.2012 00:14
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berufsarmee militärisch kaum sinnvoll

Die Begriffe "gut ausgebildet" und "Berufsheer" schließen einander, wie man in den Berufsarmeen sehen kann eindeutig aus.
Das Wehrpflicharmeen nur Kanonenfutter wären ist Humbug zum Quadrat. Israel hat Wehrpflicht und die Berufsarmee möchte ich sehen, die es mit der IDF aufnimmt. Und die Beispiele Irak und Falkland besagen genau gar nix. Im Falklandkrieg hat Argentinien die Soldaten völlig überhastet und ohne entsprechende Ausrüstung in den Einsatz geschickt und im Irakkrieg haben die Wehrpflichtigen Irakis nicht für einen Diktator kämpfen wollen. "Gekämpft" haben auf Seiten der Irakis in erster Linie die Rep.Garden, reine Berufstruppen. Also wenn, ist dort eine Berufsarmee zu Kanonenfutter verarbeitet worden.
Wer jemals in seinem Leben eine Berufsarmeelive gesehen hat, bekommt bei der behauptung Berufsarmeen wären professioneller höchstens Lach krämpfe!
Mit der Qualität einer Miliz/Wehrpflichtarmee hält keine Berufsarmee mit.

„Die Heere aus Söldnern sind Zeichen moralischen Verfalls“

Ich glaubte es geht in diesem Artikel um die neue Stronach Partei. Hab mich wohl geirrt!

Zwischen welchen "Argumenten" werden wir wählen können?

Ich stelle mir vor, daß die SPÖ jene Fragen, über die zu entscheiden ist, in ihrem Sinne (also die Vorteile des Berufsheeres heraus stellend) formulieren wird. Bei der ÖVP dürfte es vermutlich genau umgekehrt sein! Meiner Meinung nach sollte man sich auf jeden Fall zu einer streng sachlich-nüchternen Betrachtungsweise durchringen und auch die Kostenfrage rein pragmatischaufs Tapet bringen. Höchstmögliche militärische Effizienz innerhalb eines vernünftigen finanziellen Rahmens; das wäre schon ein echter Fortschritt!

Keineswegs vergessen sollte man in diesem Kontex freilich nicht die Zivildienstthematik. Diverse soziale und caritative Einrichtungen haben die ihnen zugeteilten Zivildiener wie einen Bissen Brot gebraucht. Das wird in Zukunft kaum anders sein. In Österreich ist geplant, daß künftige FREIWILLIGE Helfer im Monat 1000 Euro bekommen sollen. Ob sich da viele "anlocken" lassen? Angeblich wird in Deutschland für solche Personen gar nur 300 Euro pro Monat ausbezahlt; und dennoch sollen sich angeblich mehr Interessenten melden, als benötigt werden! Klingt wie ein Märchen; also schwer zu glauben...

Ob ein Berufsheer wirklich ein "Zeichen von moralischen Verfall einer Gesellschaft ist", wage ich zu bezweifeln. In grauer Vergangenheit, als Fürsten und Könige nur Freiwillige zur Verfügung standen, waren die personellen Ressourcen in einem Krieg begrenzt. Die allgemeine Wehrpflicht führte hingegen zu einem fast unerschöpflichen Reservoir an Soldaten und Millionen an Toten...

Für die Wehrpflicht spricht:

- das Kennenlernen der Organisationsstruktur und Möglichkeiten des Heeres um im Ersnstfall (Verteidigung wie Katastrophendienst) rasch eine große Mannschaft aufstellen und befehligen zu können.
Wie will man denn im Notfall Männer (oder auch Frauen) einberufen, wenn niemend mehr eine Ahnung davon hat, wie man sich einer Befehlsstruktur unterstellt??? Man muß dann zuerste einmal den ungeordneten Haufen Einberufener tagelang schulen oder man hat nur Chaoten am Werk, die alle Kommandant spielen wollen, weil sie nichts anderes wissen!
Österreich ist ein Land, das mit keinem anderen in Europa geographisch vergeleichbar ist, weil mehr als die Hälfte des Staaatsgebietes aus Hochbgebirge und Wald besteht, wo immer mit Naturkatastrophen zu rechnen ist (siehe 2002), die sich auf die Kleinheit des Landes überstark auswirken.
Denkt an die zukunft:
- Was passiert wenn ein AKW in die Luft geht?
- Was passiert, wenn die Währung zusammenbricht und niemand mehr Geld hat? Dann entstehen sofort gewaltige innere Unruhen! Da sollen uns dann die paar Polizisten beschützen? - Lächerlich
- Was passiert bei tektonischen Veränderungen?
- Was passiert, wenn in den Nachbarlänern wegen eines Wirschaftszusammenbruchs Unruhen entstehen?

Genausogut könnten die Gemeinden mit Geldmangel eine Abstimmung machen:
"sollen wir die Feuerwehr abschaffen ,weil es eh fast nie brennt?"
Oder kündigen wir doch die Haftplicht-versicherungen, es passiert sowieso nichts.......

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Wehrpflicht

Wer ein Heer ohne jede mentale Bindung an ein Land und seine Bevölkerung installieren will, nur um wahltaktische Spielchen bedienen zu können, handelt fahrlässig an seinem Land und sollte in der Politik keine Rolle mehr spielenddürfen.

Gast: Lev Zuckertort
29.08.2012 14:22
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Die Abschaffung der Wehrpflicht kann KEIN einfaches Gesetz sein, sondern bedürfte als Verfassungsgesetz einer 2/3 Mehrheit, wenn dies nicht sogar eine Gesamtänderung der Verfassung überhaupt darstellt!


Re: Die Abschaffung der Wehrpflicht kann KEIN einfaches Gesetz sein, sondern bedürfte als Verfassungsgesetz einer 2/3 Mehrheit, wenn dies nicht sogar eine Gesamtänderung der Verfassung überhaupt darstellt!

ist es aber leider wie man sieht.

söldnerheer-berufsheer

Sg Leserschaft: Ein Söldnerheer, nach mittelalterlicher Prägung (bzw. wie sie auch derzeit im Wesen von gewissen Dienstleistern Stichwort Blackwater angeboten werden), sind stehende Organisationen, dass sich als Ganzes (Personal, Gerät, Dienstleistung) an den bestbietenden verkauft und dem meist nur so lange loyal bleibt, bis es an besseres Angebot gibt.
Davon ist aber ein Berufsheer, dass als Organisation vom Staat aufgestellt und erhalten wird, weit entfernt. Es gelten für die Einzelpersonen in dieser Organisation bestimmte Aufnahmekritierien (wie z.B: die Staatsbürgerschaft) und Ausschließungsgründe. Da die Kdt in einem Dienst- und Karriereverhältnis zum Staat stehen ist es unwahrscheinlich, dass diese gesamt zu einem anderen Dienstgeber wechseln. Auch haben nicht die Miltiärischen Führer Ihre Soldaten verpflichtet und sind deren Dienstgeber, sondern der Staat ist es - wodurch ein Mitwechseln der Masse von Soldaten mit abtrünnigen Kdt erschwert wird.
Bitte künftig in Ihrer interessanten Debatte daher nicht ein Berufsheer mit einer Söldnertruppe gleichsetzen.
Und nur noch so zum Vergleich: Die letzen blutrünstigsten Kriege wurden von Wehrpflichtigenarmeen geführt (I+II.WK, Korea, Vietnam). Und auch heute sind die Verschmelzung von Soldat und Gesellschaft im Sinne der Wehrpflicht kein Garant dafür, dass der Staat dieses Armee nicht missbraucht ==> siehe Syrien!

Antworten Gast: Gast23
01.09.2012 00:21
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Re: söldnerheer-berufsheer

Ich fürchte,sie sind der aktuellen Sitaution bereits etwas hinterher. In den letzten 15 Jahren wurde Soldaten das US-Marinecorps, sowie andere Streitkräfte bereits für die Sicherung von Konzerneigentum in Krisengebieten angemietet und von diesen Konzernen auch bezahlt.
Ganz abgesehen davon, dass die Berufsarmeen, weil sie nichtmehr in der Lage sind ihre aufgaben zu bewältigen die größten Arbeitgeber der Söldnerfirmen sind.
Die Grenzen zwischen Söldnerarmeen und Berufsarmeen sit fließend,soweit überhaupt noch vorhanden.

Re: söldnerheer-berufsheer

Sie haben recht, möglicherweise ist der direkte Vergleich eines Berufsheeres mit einer Söldnerarmee nicht zulässig. Was aber bleibt, ist dass wir das Kriegshandwerk bezahlten Schergen überlassen, deren einziger Vorteil zum Söldner jener ist, dass wir ihn strukturell und (hoffentlich) emotionell besser an unsere Heimat binden.

Re: Re: söldnerheer-berufsheer

Ein mittelalterlicher Söldner wußte sehr wohl um sein Risiko in einer Schlacht oder einem Krieg. Wurde er entsprechend gut bezahlt, dann war es ihm wert. Wenn allgemein Wehrpflichtige in einem Krieg eingezogen werden, dann kämpfen sie auf jeden Fall für das Interesse ganz anderer; sie selbst wollen nur überleben. Und wenn sie in einen Angriffskrieg verwickelt sind, den sie moralisch nicht billigen können, dann müssen sie dennoch weitermachen; sonst werden sie wegen "Hochverrat" erschossen!

Bei einer allgemeinen Wehrpflicht stehen auch für noch so sinnlose taktische Stellungskämpfe, die selbst nach einem Jahr keinen Millimeter Raumgewinn bringen, unermeßliche Humanressourcen zur Verfügung. Und DAS soll "moralisch" sein? Die Soldaten werden mit allerlei patriotischem Schmus zugemüllt, der ihre Kampfbegeisterung steigern soll. Wie sehr sie dabei hinters Licht geführt und ihre "Liebe zum Vaterland" mißbraucht wurde, erfahren die Überlebenden des Kriegsmolochs zumeist erst Jahre später.

Die ganze aktuelle BH-Debatte wurde ironischerweise von einem sozialdemokratischen Bürgermeister los getreten. Häupl hatte dabei aber völlig vergessen, daß das "Trauma 1934" eine grundsätzliche Aversion der SPÖ gegen jede Art von Berufsheer konservierte. Die These, wonach Soldaten, die durch eine "allgemeine Wehrpflicht" rekrutiert worden wären, "nie und nimmer auf Arbeiter und deren Wohnungen geschossen hätten", klingt zwar reichlich naiv, gehörte aber seither zum roten Credo!Jetzt nicht mehr!

Re: Re: söldnerheer-berufsheer

Ihren Aussagen folgend, wären somit auch jetzt bereits die ca. 15000 Berufssoldaten im Verteidigungsressort diese bezahlten Schergen, welche das Kriegshandwerk betreiben und Gefahr laufen, aus kriegslüsternden Gründen die Rebublik zu übernehmen oder in Konflikte zu stürzen!
Es empfiehlt sich hierbei den Gastkommentar von alatheus zu lesen sowie über folgende These nachzudenken: Nicht die Waffe ist Böse, sondern der, der sie für böse Zwecke einsetzt.
Gemäß dieser Feststellung und der Auffassung, dass das Militär, welches als Werkzeug/Waffe des Staates anzusehen ist, nicht per se böse ist, wäre bei einem Missbrauch dieser Institution die Verantwortung bei den demokratisch gewählten Politikern zu suchen, welche durch das "Primat der Politik" richtigerweise die Kontrolle und Verantwortung über die Werkzeuge des Staates haben. Wenn Sie die Militärkaste in Österreich nicht mit jener in gew. südamerikanischen Staaten gleichsetzen und dabei die letzen 60 Jahre der Republik betrachten, so hoffe ich, dass ihre unsachliche Befürchtung abklingen wird.

Antworten Gast: alatheus
29.08.2012 14:49
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Im "Truppendienst" gab es vor ein paar Jahren einen gute Artikel zum Thema "Söldnertum":

Darin wird der "Söldner" folgendermaßen definiert:

"Ein Söldner ist eine Person, die an einem bewaffneten Konflikt aus Streben nach persönlichem Gewinn teilnimmt. Der Söldner kämpft de facto nur für seinen Sold und kann von demjenigen ausgebeutet werden, der ihm am meisten bietet.
Söldner kämpfen daher nicht aus Loyalität, Patriotismus, politiscchen Motiven oder moralischen Prinzipien. In der Geschichte finden sich zwar auch Beispiele, in denen einzelne Söldner ihrem Land bzw. Herrn treu dienten. Grundsätzlich wurde jedoch die Truppe als Ganzes gemietet."

TRUPPENDIENST 5/2006

Antworten Antworten Gast: Österreicher
29.08.2012 16:56
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Re: Im "Truppendienst" gab es vor ein paar Jahren einen gute Artikel zum Thema "Söldnertum":

Wie rekrutieren die USA: zu den Streitkräften oder einsitzen und mit der Aussicht auf Geld. Bekanntlich melden sich nicht unbedingt die oberen 10.000 dafür. Das sind nicht wirklich tolle Aussichten.

Gast: Nachdenker_67
29.08.2012 11:34
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Berufsheere in Europa

Als Richtigstellung !
Der Vatikan hat seit 1506 eine Berufsarmee, die territoriale Aufgaben wahrnimmt, genannt Schweizergarde.

Antworten Gast: derpapstfax
29.08.2012 22:25
0 0

Re: Berufsheere in Europa

Die Aufgabe der Schweizergarde ist nicht militärischer Natur. Sie wird aus rechtlicher Sicht als „Hauspolizei“ betrachtet. Die oftmals als kleinste Armee der Welt bezeichnete Truppe versieht Ehrendienste (Audienzen, Besuche, Messen, Schildwache) und Sicherheitsdienste (Kontrolle, Ordnungsdienst, Wachdienst und Personenschutz).

Gast: Piccolomini
29.08.2012 02:25
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Berufsheer ist eine Ware!

Ein Berufsheer macht dann Sinn, wenn es darum geht, kurzfristig und begrenzt Einzelinteressen durchzusetzen. Ein bezahlter Muskel, der solange tut, solange er bezahlt wird und kein besseres Angebot bekommt. Ein Legionaer! Wes Brot ich ess, des Lied ich singe! Ein Staat im Staat. In einer funktionierenden Demokratie, soll und muss der Buerger in Uniform den Vorzug haben, der konsquent dem Primat der Politik und der Kontrolle durch das Parlament und dem Volk unterliegt. Vergessen wir Friedrich Engels nicht, der da meinte, dass die allgemeine Wehrpflicht die logische Ergaenzung zur Demokratie ist. Soeldner sind nur Ware!

Wehrpflicht nur dann, wenn man es richtig macht!

Seit dem

1) durch den Gesetzgeber jegliche Erziehungsmaßnahme verboten ist (z. B. ist durch eine anonyme Beschwerde bei der Beschwerdekommission die Unschuldsvermutung aufgehoben, und der Berufssoldat muss seine Unschuld beweisen) und

2) uns die Mittel fehlen um eine sinnvolle Ausbildung für Wehrpflichtige aufzuziehen,

missbrauchen wir die Masse der GWD für unotwendige Systemerhalterjobs, weil wir sie nicht mehr zu Soldaten ausbilden dürfen/können!

Antworten Gast: isogjetzwos
29.08.2012 13:34
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Re: Wehrpflicht nur dann, wenn man es richtig macht!

Da happert es aber auch gewaltig beim System des Bundesheeres, wenn ca 3 Personen zum Verwalten eines Soldaten kommen, dann stinkt es eigentlich zum Himmel!! Hier wäre schon längst eine Verwaltungsreform nötig, aber was macht man dann mit den vielen Beamten, die man nicht mehr benötigt. Die Pragmatisierung wirkt sicher immer mehr zum Bremsschuh aus. Die Frage ist nur, wie lange kann man sich einen so aufgeblähten Verwaltungsapperat noch leisten und dies betrifft nicht nur das Bundesheer.

Lieber Wehrpflicht

denke das Garantiert im schlimmsten Falle das sich das Militär nicht auf Seiten der Politik sondern auf Seiten der Bevölkerung stellt.

Bei einem Berufsheer hätte ich da meine Zweifel.

Antworten Gast: beschwerer
28.08.2012 21:28
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Re: Lieber Wehrpflicht

naivling

Antworten Antworten Gast: Gast23
01.09.2012 00:25
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Re: Re: Lieber Wehrpflicht

nö,nur anders als sie die Erfahrungen der letzten 30Jahre beobachtet.
Von den Briten über die Spanier bis hin zu den Slovaken haben genügend demokratien schon ihr Berufsarmee gegen die Bevölkerung eingesetzt.

 
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