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Schützenhöfer: „Das ist ein Armutszeugnis der Regierung“

31.08.2012 | 18:31 |  von Martina Leingruber (Die Presse)

Der steirische ÖVP-Chef Hermann Schützenhöfer kritisiert die Entscheidungsschwäche der Regierung in Sachen Bundesheer. Und fordert einen verpflichtenden Dienst am Staat von Männern und Frauen.

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DiePresse: In der ÖVP war es in den letzten Tagen recht turbulent, von Machtkampf und Putsch war die Rede. Woher kommt diese Unruhe?

Hermann Schützenhöfer: Es ist Sommer, es ist heiß, da können manche das Wasser nicht halten und profilieren sich auf Kosten der Partei. Das ist schädlich. Wenn es intern etwas zu besprechen gibt, dann tun wir das, ohne damit die Öffentlichkeit zu behelligen. Wenn es gilt, eine Entscheidung bekannt zu geben, dann soll man es tun, wenn man sie getroffen hat.

Vor Kurzem haben Sie gesagt: Wir gehen mit Michael Spindelegger in die Nationalratswahl 2013. Können sie das heute noch genauso unterschreiben?

Zu 100 Prozent. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass es so sein wird.

Reinhold Lopatka wird Staatssekretär im Außenministerium – ist das eine Entscheidung, die Sie mit der Bundes-ÖVP wieder versöhnt?

Michael Spindelegger hat Wort gehalten. Schon vor einem Jahr haben wir alle Irritationen ausgeräumt. Er hat mir damals gesagt, dass er qualifizierte Personen aus der Steiermark bei sich bietender Gelegenheit berücksichtigen wird.

Eine solche würde sich in Kürze wieder bieten: Wird Herbert Paierl nächster Chef der Staatsholding ÖIAG?

Da sollte die Politik sich mit guten Ratschlägen fernhalten. Er ist ganz eindeutig für diesen Posten geeignet. Er kommt aus der Wirtschaft und kennt das politische Geschäft.

Herbert Paierl hat gute Verbindungen zu Frank Stronach. Es ist sicher angenehm, ihn in der ÖVP zu halten und nicht an Stronachs Partei zu verlieren.

Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Wenn er ÖIAG-Chef wird, wird er es nicht, damit er nicht bei Stronach anheuert, sondern weil er der Bestqualifizierte für diesen Posten ist.

Wie schätzen Sie die politischen Ambitionen von Frank Stronach ein?

Stronach hat tausende Arbeitsplätze in der Steiermark geschaffen. Für mich ist er ein Ehrenmann. Das formuliere ich auch heute nicht anders. Frank Stronach hat sich bei der Landtagswahl 2010 in der Steiermark für Franz Voves engagiert. Er kandidiert nun mit einer eigenen Partei. Ich sage nur so viel: Die Parteien sollten nicht auf ihn eindreschen, um ihm so die Wähler zuzutreiben, sondern sie sollten vom demokratischen Grundsatz ausgehen, dass es Konkurrenz gibt.

Halten Sie die von Stronach angepeilten zehn Prozent für realistisch?

Ich kenne Stronach ganz gut, habe aber keine Ahnung, wie er den Wahlkampf anlegen wird. Ich rate meiner Partei, keinerlei Ausgrenzungen vorzunehmen, sondern den Dialog mit allen Parteien, die ins Parlament kommen, zu suchen. Die ÖVP sollte sich als stabile, verlässliche Kraft mit einem Spitzenkandidaten präsentieren, der nicht die schnelle Überschrift sucht, sondern zur Überschrift auch Inhalte liefert. Ich glaube, dass ist die Chance des Michael Spindelegger.

Wenn Sie sagen, die ÖVP sollte niemanden ausgrenzen – meinen Sie damit die FPÖ?

Das betrifft die FPÖ, das betrifft aber auch die Grünen. Abgrenzen ja, ausgrenzen nicht. Parteien auszugrenzen, die nicht durch Putsch, sondern durch demokratische Wahlen ins Parlament gekommen sind, hieße auch deren Wähler auszugrenzen. Mit dem Herrn Strache täte ich mir schwer, aber warten wir einmal ab, wer in einem Jahr an der Spitze der FPÖ steht.

Ist es legitim, dass Frank Stronach während einer Legislaturperiode Nationalratsabgeordnete abwirbt, um den Klubstatus zu erreichen?

Da bleibt ein schaler Beigeschmack. Aber wenn es mit rechten Dingen zugeht, muss ich das zur Kenntnis nehmen. Würden Abgeordnete gekauft werden – was ich nicht weiß –, dann wäre es fatal. Die andere Frage ist, ob es hinsichtlich der Rechtslage der Weisheit letzter Schluss ist, auf diese Art Parlamentsklubs zu gründen. Man sollte keine Anlassgesetzgebung machen, weil einem der Herr Stronach nicht passt. Wenn er die fünf Abgeordneten zusammenbekommt, ihm dann noch den Klubstatus zu verweigern, das würde Stronach nur Wähler zutreiben.

Welches Bundesheer- bzw. Wehrpflicht-Modell bevorzugen Sie?

Ich glaube, dass es ein Armutszeugnis der Regierung ist, dass sie sich in dieser elementaren Frage nicht einig ist. Europa ist von Krisen geschüttelt, die Welt ist unsicher – und die österreichische Bundesregierung ist nicht in der Lage, ein klares Bekenntnis zur allgemeinen Wehrpflicht abzugeben. Das ist schrecklich. Ich persönlich bin für die allgemeine Wehrpflicht. Darüber hinaus sollte es einen Österreichdienst für junge Frauen und Männer geben. Jede und jeder sollte beim Heer oder in einem Sozialbereich verpflichtend einige Monate des Lebens für den Staat arbeiten, um einen kleinen Teil von dem zurückzugeben, was jeder von uns vom Staat erhält. Mit dieser Befragung bin ich nicht glücklich. Österreichs Bundesregierung ist nicht in der Lage, die Wahrheit zu sagen.

Was ist denn die Wahrheit?

Die Wahrheit ist, dass wir uns entscheiden müssen: Treten wir der Nato bei oder nicht? Die Wahrheit ist, dass wir längst nicht mehr neutral sind. Das sagen wir den Menschen aber nicht. Österreich schlängelt sich durch. Dadurch ist diese Bundesregierung nicht glaubwürdig. Und die Menschen merken das.

Zur Person

Hermann Schützenhöfer übernahm die Führung der steirischen Volkspartei nach der Niederlage Waltraud Klasnics bei der Landtagswahl 2005. Bei der Wahl 2010 verlor aber auch Schützenhöfer gegen SPÖ-Chef Franz Voves. Der 60-Jährige ist Vizelandeshauptmann und für die Bereiche Tourismus, Gemeinden, Personal und Volkskultur zuständig. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. Sein Sohn ist Kabinettschef von Justizministerin Beatrix Karl.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.09.2012)

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16 Kommentare

JA zur allgemeinen WEHRPFLICHT!

Mit und ohne Waffe und mit begleitenden Sozialdiensten usw. für junge Männer und Frauen! Es gibt viele, viele Gründe die dafür sprechen und es ist KEIN Thema für eine Volksbefragung!

Was bitte ist...

...was anderes als ein Armutszeugnis für diese Regierung(en)? Insbesondere auch für die steiermärkische "Reformpartnerschaft", die bislang nichts außer Blödsinn zusammengebracht hat.

Gast: müBü-mündiger Bürger
01.09.2012 20:56
0 3

Wovon redet dieser Mann?

..".Jede und jeder sollte beim Heer oder in einem Sozialbereich verpflichtend einige Monate des Lebens für den Staat arbeiten, um einen kleinen Teil von dem zurückzugeben, was jeder von uns vom Staat erhält"...
Wovon redet dieser Mann? Es ist einfach unfassbar!!
Fakt ist: Wir sind der Staat. Wir finanzieren den Staat, seine Sozialausgaben und und und. Wir zahlen die Steuern. Politiker verwalten bestenfalls ... und kosten Geld. Aber was sollen wir , die wir den Staat erhalten - dem Staat zurückgeben? Welche Phantasien haben da Hr. Schützenhöfer beflügelt? Nebenbei: Parteien mit solchen Politikern sind für mich nicht wählbar.

Antworten Gast: gast55
03.09.2012 13:03
0 1

Re: Wovon redet dieser Mann?

das geht ja auch gar nicht

zwangsdienste sind lt egh nicht durchsetzbar, nur im zuge der landesverteidigung, da mischt sich der egh nicht ein, aber genau genommen müsste auch das rechtswidrig sein, aber da trifft es bekanntlich nur männer - und dann ist es vorerst noch egal, weil derzeit für männer keiner partei ergreift udn sie keine lobby haben

Antworten Gast: gast55
03.09.2012 13:02
0 1

Re: Wovon redet dieser Mann?

das geht ja auch gar nicht

zwangsdienste sind lt egh nicht durchsetzbar, nur im zuge der landesverteidigung, da mischt sich der egh nicht ein, aber genau genommen müsste auch das rechtswidrig sein, aber da trifft es bekanntlich nur männer - und dann ist es vorerst noch egal, weil derzeit für männer keiner partei ergreift udn sie keine lobby haben

6 0

Na endlich

Dienst am Staat für alle, das wäre ja auch ein Schritt zur Gleichberechtigung und sinnvoll.

Der Mond

Was für ein Bild! Der Mond direkt in Hrn. Schützenhofers Nase.
Zudem: wieso spricht man in der ÖVP, wenn man Harndrang hat? Was für eine gelungene Metapher! Ich dachte, dass "Wasser jalten" mit zuviel Flüssigkeit, oder mit zuviel Bier zu tun hätte. Nein in der ÖVP hat es mit Mitteilungsdrang zu tun. Oder doch mit Bier?

Gast: gute Idee
01.09.2012 07:40
0 3

Vielleicht wäre es ein positiver Ansatz, wenn


Teile einer Landesgruppespitze der ÖVP, sozusagen als Vorreiter, einen Wechsel zu Stronach vornehmen ?

Beispiel Haider und Knittelfeld.

Gast: 6nh
01.09.2012 07:00
0 4

solange es övp - politiker gibt,

die das Steirersein als ausreichende Qualifikation für einen Staatssekretär beurteilen, genauso lang wird der Stimmenverlust fortschreiten.

Gottseidank.


Gast: Gast 2012
31.08.2012 22:41
4 7

der Kuschelkurs-Schützenhöfer

hat sich schon längst damit abgefunden, daß die ÖVP in der Steiermark auf Rang 2 ist. Sein Gehalt als Stellvertreter genügt ihm. SPÖVP sind in der Steiermark längst eine Einheitspartei, die gegen den Willen der Bürger selbstgefällig Gemeinden und Bezirke zusammenlegen.

1 6

zurückgeben...

50% an Steuern, Abgaben usw sind noch nicht genug an "Danke" für den staat, auch noch einfach so ein paar monate lebenszeit oben drauf? BH ist noch erklärbar, aber so wirds zum frohndienst... was macht denn der österreichische staat so super dass man so viel mehr zurückgeben muss als in anderen ländern?

Steirischer ÖVP-Chef in Hochform

Schützenhöfer spricht erstaunlich offen und direkt über die Bundesregierung. Der dahinter stehende Wagemut macht ihn sympathisch. Es geschieht sehr selten, dass ein politisch vergleichbarer Funktionär solche Dinge ausspricht.
Es ist schlecht bestellt um die österreichische Parteienkultur, wenn Wahrheiten nur mehr von Einzelpersonen ausgesprochen werden.
Schützenhöfer wird womöglich eines Tages der Gedanke quälen, dem falschen Herrn gedient zu haben.

Verpflichtender Oesterreichdienst fuer m&f

waere vernuenftig und wuenschenswert, hat aber seit dem Arbeitsdienst im Psychopathenregime vor 70 Jahren ein schlechtes Image und ist deshalb verfassungsmaessig verboten (national und EU); daher auch bisher das Hintertuerl Wehrersatzdienst. Ein Aenderung der Verfassung waere noetig.

Gast: alatheus
31.08.2012 21:11
2 1

"Die Wahrheit ist, dass wir uns entscheiden müssen: Treten wir der Nato bei oder nicht? Die Wahrheit ist, dass wir längst nicht mehr neutral sind."

So eine klare Aussage habe ich von Hermann Schützenhöfer nicht erwartet. Er hat aber recht: Österreich war nie neutral, weil es eine Grundvoraussetzung, die Unversehrheit seines Staatsgebiets zu gewährleisten (völkerrechtlich verbindlich festgeschrieben im "Abkommen vom 18. Oktober 1907 betreffend die Rechte und Pflichten der neutralen Mächte und Personen im Falle eines Landkriegs"), seit 1955 nie erfüllen konnte

http://www.admin.ch/ch/d/sr/c0_515_21.html

Dazu kommen noch die Bedingungen, denen Österreich im Rahmen des EU-Beitritts 1995 zugestimmt hat. Nachzulesen im EU-Beitrittsvertrag s.v. "Gemeinsame Erklärung zur Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik":

http://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/BgblPdf/1995_45_0/1995_45_0.pdf

Antworten Gast: SanMan
01.09.2012 16:37
1 0

Re: "Die Wahrheit ist, dass wir uns entscheiden müssen: Treten wir der Nato bei oder nicht? Die Wahrheit ist, dass wir längst nicht mehr neutral sind."

Mich hat es auch überrascht so etwas zu hören. Besser überrascht hätte es allerdings dieses VOR der Abstimmung über den EU Beitritt zu sagen.

Antworten Antworten Gast: Markus Trullus
04.09.2012 17:13
0 0

Re: Re: "Die Wahrheit ist, dass wir uns entscheiden müssen: Treten wir der Nato bei oder nicht? Die Wahrheit ist, dass wir längst nicht mehr neutral sind."

Ihnen ist aber schon klar, dass EU und NATO zwei vollkommen getrennte Paar Schuhe sind, oder?