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Spindelegger: "Schaden der gesamten Partei"

01.09.2012 | 18:16 |  von Rainer Nowak und Thomas Prior (Die Presse)

Für ÖVP-Chef und Vizekanzler Michael Spindelegger ist eine große Regierungsumbildung derzeit undenkbar. Die Wehrpflicht soll beibehalten werden und junge Männer zwischen drei Modellen wählen können.

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Denkt man sich nach einer derart intrigenreichen Woche nicht: Warum habe ich mir das angetan und bin ÖVP-Chef geworden?

Michael Spindelegger: Man vielleicht schon, ich nicht. Ich bin ja schon lange genug auf diesem Schiff, daher weiß ich, was auf einen zukommt.

 

Aber die Ablösegerüchte um Ihre Person haben Sie nicht kommen sehen.

So etwas kommt vor. Offenbar gibt es beim Forum Alpbach ein Biotop, in dem so etwas gut wachsen kann.

 

Sie wollten Finanzminister werden und Maria Fekter anstelle von Karlheinz Kopf zur Klubobfrau machen. Waren diese Personalrochaden schlecht vorbereitet?

Sie reden hier über ein Gerücht. Das war kein Plan, daher gab es auch nichts vorzubereiten. Ich glaube, es war eine Mischung aus Uninformiertheit und einer Gerüchteküche, die immer stärker gebrodelt hat.

 

Werden Sie die ÖVP jetzt neu aufstellen oder nicht?

In einer gesamteuropäischen Krise wechselt man nicht die Pferde – schon gar nicht in den Schlüsselressorts. Eine große Regierungsumbildung ist für mich in so einer Phase undenkbar.

 

Wer hat diesen Plan dann ersonnen, wenn nicht Sie?

Einen Plan, den es nicht gegeben hat, kann man nicht ersinnen. Natürlich überlegt sich jede Partei: Sind wir gut aufgestellt? Ich höre mir dann Meinungen an. Überlege es mir. Wäge ab und treffe dann meine Entscheidungen.

 

Sie haben also sehr wohl eine größere Regierungsumbildung überlegt, den Plan dann aber wieder verworfen?

Noch einmal: Durch die Ereignisse in Kärnten musste ich mein Team umbilden. Wolfgang Waldner ging nach Klagenfurt, Reinhold Lopatka ins Außenministerium. Das war der Plan. Mehr Regierungsumbildung wollte ich nicht.

 

Hat Sie der Bundeskanzler diese Woche eigentlich gefragt, was da los ist? Ob er einen neuen Vizekanzler bekommt?

Wir telefonieren täglich. Aber keine Sorge: Ich bin sicher nicht auf die Solidarität von Werner Faymann angewiesen.

 

Was macht man mit Kollegen, von denen man weiß, dass sie einem insofern schaden wollten, als sie Gerüchte in die Welt setzten? Erteilt man Ihnen eine Kopfwäsche?

Wenn Gerüchte aus der eigenen Partei kommen, ist das ärgerlich. Gerüchte fallen ja auch in den Medien auf fruchtbaren Boden. Aber wenn man Parteiobmann ist, weiß man, das gibt es auch. Damit kann man nur in einer Weise umgehen: Man spricht noch mehr mit den Parteifreunden und erinnert sie daran, dass sie weniger mir als vielmehr der gesamten Partei schaden und damit sich selbst.

 

Welche Maßnahmen werden Sie setzen, um den etwas frustrierten Wirtschaftsflügel wieder ins Boot zu holen?

Auch der Wirtschaftsflügel versteht, dass ein einziger Flügel nicht fliegen kann. Wenn Sie mich auf Leitl ansprechen, muss ich sie enttäuschen. Wir sind in ständigem Gedankenaustausch und ein Team. Über die Frage, ob ich ins Finanzministerium wechseln soll, habe ich nie mit ihm geredet. Das hat er auch selbst gesagt. Also: Es gab kein Gespräch, weil es auch keinen Plan gab.

 

Dass im Jänner über die Wehrpflicht abgestimmt wird, war offenbar auch nicht Ihr Plan. Zumindest hat es so gewirkt, als hätte Ihnen Landeshauptmann Erwin Pröll über die Medien ausgerichtet, was jetzt zu tun sei.

Auch da muss man der Wahrheit die Ehre geben: Die Frustration im Heer hat eine Dimension erreicht, die gewaltig ist. Das spüren vor allem die Landespolitiker, weil sie laufend mit den Soldaten in Kontakt sind. Der Zivildienst ist ein Eckpfeiler der Zivilgesellschaft. Eine Einigung mit der SPÖ ist nicht möglich, auch weil Darabos teure Fakten setzt, die es unmöglich gemacht haben, länger zuzuwarten. Deshalb haben wir unsere Strategie geändert.

 

Aber die zeitliche Nähe zum niederösterreichischen Landtagswahlkampf ist dann doch auffällig, finden Sie nicht?

In einem Landtagswahlkampf werden die Probleme eines Landes – da haben Sie schon recht – aufgespült. In Niederösterreich haben wir viele Soldaten, es gibt viele Kasernen, und die Demotivation im Heer ist dort ein Thema.

 

Erwin Prölls Vorschlag war also mit Ihnen akkordiert. Nur haben Sie ihm den Vortritt gelassen.

Er hat vorgeschlagen, dass wir eine Volksabstimmung machen. Das ist schwierig, weil wir davor ein Gesetz beschließen müssten. Darum haben wir uns auf eine Volksbefragung geeinigt. Der Vorschlag von Pröll kam am Sonntag. Tags darauf habe ich dann mit Werner Faymann die Beschlüsse gefasst.

 

Wussten Sie, was Pröll vorhat?

Wir haben das Thema miteinander besprochen.

 

Sie scheinen vieles mit Pröll zu besprechen.

Um das auch einmal klarzulegen: Ja, mit dem Erwin Pröll habe ich ein gutes Einvernehmen. Gott sei Dank – das war nicht bei allen meinen Vorgängern so. Ich weiß schon: Manche wünschen sich einen Showdown um die Frage, wer der Stärkere ist. Aber ich stehe mit Erwin Pröll nicht im Ring, sondern auf einer Seite. Wir kämpfen gegen andere.

 

Wo steht Klubchef Kopf? Neben Pröll und Ihnen, dazwischen oder im Abseits?

Mit Karlheinz Kopf habe ich ein produktives Gesprächsklima – auch dann, wenn wir einmal unterschiedliche Meinungen haben.

 

Glauben Sie, dass es eine Mehrheit für die Beibehaltung der Wehrpflicht gibt?

Auf jeden Fall, da geht es auch um eine Wertehaltung: Entweder man leistet einen Beitrag für ein Land, oder man sagt, wir überantworten alles dem Staat. Mir ist diese Vollkaskogesellschaft jedenfalls fremd. Das will ich nicht.

 

Wie sieht das Konzept der ÖVP aus?

Junge Männer sollen zwischen drei Möglichkeiten wählen können: Entweder ich werde Soldat, mache eine Ausbildung zum Katastrophenschützer oder leiste Zivildienst. Für Österreich sind alle drei Schienen notwendig.

 

Was macht ein Katastrophenschützer, wenn es gerade keine Katastrophe gibt?

Eine Ausbildung dazu. Er absolviert die Grundausbildung beim Heer mit den Soldaten und danach eine Spezialausbildung: Wie baue ich eine Brücke? Wie kann ich gegen Hochwasser schützen?

 

Sollen die Katastrophenschützer nach dem Grundwehrdienst eine gewisse Zeit einberufen werden können – wie die Milizsoldaten?

Das wäre ein guter Vorschlag.

 

Wie lange soll der jeweilige Dienst dauern?

Wehrdienst und Katastrophendienst sollen sechs Monate dauern, der Zivildienst – wie gehabt – neun Monate.

 

Sollten auch Frauen den Grundwehrdienst leisten müssen – in einer Art Republiksjahr?

Sicher nicht verpflichtend. Es gibt Möglichkeiten auch für Frauen, sich freiwillig einzubringen. Das kann man noch erweitern, aber immer nur freiwillig: Wir könnten überlegen, Frauen in den Zivildienst einzubauen.

Seit April 2011 ist Michael Spindelegger Vizekanzler unter Bundeskanzler Werner Faymann, im selben Jahr wurde er auch Bundesparteiobmann der ÖVP. Seit Dezember 2008 ist Spindelegger Bundesminister für europäische und internationale Angelegenheiten.

Von 2006 bis 2008war Spindelegger Zweiter Nationalratspräsident. Seine politische Laufbahn begann beim ÖAAB.

Im Dezember 1959wurde Spindelegger in Mödling geboren. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.09.2012)

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80 Kommentare
 
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Gast: hk1190
04.09.2012 13:04
0 0

Gesamte Partei

Es gibt bitte keine gesamte Partei, sondern nur eine Ansammlung von unterschiedlichen Interessengruppen, deren Ziele unvereinbar und somit einer "gesamten Partei" gar nicht zugänglich sind.

Gast: Baur4
03.09.2012 14:06
2 2

Der "größte Schaden" für die ÖVP ist Spindelegger selber!


Gast: Gestalter
03.09.2012 10:37
2 4

Lichtgestalt

Michael Spindlegger ist im Gegensatz zu Strache und Faymann ja sowas wie eine Lichtgestalt

3 1

gibt es...

....eine Realitätsverweigerung zum Quadrat und wie lautet die Fomel?

Ein Spindelegger = eine Realitätsverweigerung zum Quadrat = eine politische Null.


Gast: Witzekanzler
02.09.2012 17:56
0 1

Mephisto hat sich das Regieren einfacher vorgestellt


Gast: Maneken Piss
02.09.2012 17:37
5 2

Spindelegger geht es nur um die Partei, also um das pekuniäre Wohl seiner Funktionäre & Freunderln, jedoch nicht um das Wohl Österreichs oder gar der österr. Mittelschicht

Der ESM etc. ist dann die logische Konsequenz dieser Mittelschichtplünderungspolitik im Dienste der Hochfinanz und der Superreichen, deren eifriger Söldner der tumbe Spindlige ist.

Die obige Fratze charakterisiert den schwarzen Machiavelli mit seinem diabolischen Grinsen bestens.

Wer kein Zahldepp mehr sein will,
der muß die ÖVP rigoros abwählen!

Gast: gggggg
02.09.2012 17:08
6 3

Entsetzlich.

Ich glaube diesem Mann kein Wort. Aber selbst wenn ich ein Wort glauben würde: wo ist Inhalt? Nichts als gähnende Leere. Verbale Verrenkungen der glitschigsten Art. Und dazu Willfährigkeit der beschämdesten Art gegenüber den Sozialisten. Wo bist du gelandet ÖVP???


Gast: Ph.Gudenus, P
02.09.2012 14:48
5 3

infra:

... notwendig ist, ist die ganze Mischpoke zum Teufel zu jagen, und zwar sofort

welche Verwandtschaft?

Junge Männer?

Können Frauen da nicht auch was beitragen, besonders wenn sie doch gleichberechtigt sind?

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allessamt aalglatte Antworten eines Berufslügners

seinem Namen nach auch etwas ähnlich "Schwindellecker", konnte man wie bei seinen Vorgängern nichts anderes erwarten als windende Antworten zu bekommen.

Das aber das Volk und somit der Wähler längst die Nase davon voll hat, werden diese Herrschaften wohl in ihrer Abgehobenheit nie begreifen weshalb nach der verlorenen Wahl das grosse Jammern einsetzt "wir müssen daran arbeiten ...." ;-)

Weg mit dem samt seinem Kollegen eine Stufe höher !!!


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Schade um Alpbach...

es ist tatsächlich zu einer parteinahen Veranstaltung verkommen

Gast: schuhplattler
02.09.2012 12:47
2 7

klar soll die Wehrpflicht bleiben,

da kann man die jungen Leute erst einmal so richtig ausbeuten, das liegt ja im Interesse dieser komischen Partei.

10 1

ein Biotop, in dem so etwas gut wachsen kann ...

ja, die övp ist so ein biotop.

da wachsen unfähige menschen in entscheidende ämter, da wachsen korrupte egomanen in hohe positionen, ...

wir werden sie abwählen - 2013.

4 1

Re: ein Biotop, in dem so etwas gut wachsen kann ...

Ja, die ÖVP und andere Parteien sind so ein Biotop...

Gast: Hans M..
02.09.2012 11:18
6 1

Herr pipifax

Wo sind die Diplomatenpässe und die Steuer-CD?

Antworten Gast: plattler
02.09.2012 13:05
0 0

Re: Herr pipifax

jetzt seien's doch endlich ruhig!

Gast: Hans M..
02.09.2012 10:48
3 0

Das taugt mir

Jeder Mensch und Steuerhinterzieher in Österreich weiß wer der Herr Pipifax ist.

6 0

warum hat er das der Partei angetan,

wäre die richtige Frage gewesen.

Aber was kann man nach Molterer noch erwarten? Das wäre die andere Frage, vergessen wir einfach das Intermezzo von P.

Re: warum hat er das der Partei angetan,

Spindelegger hat der Partei nichts angetan. Er hat sich nur still gefügt und das getan, was man von ihm erwartete. Die saure Suppe muss er nun wohl selbst auslöffeln. Er ist jetzt der "Ja-warum-denn-nicht"-Parteiobmann (O-Ton Leitl).
"Er bemüht sich" ... immer noch - gute Miene zum bösen Spiel zu machen.

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Re: Re: warum hat er das der Partei angetan,

nicht wissen, wo das persönliche Ende der Fahnenstange ist, ist ein persönliches Problem.
Hat man das aber als Obmann, dann ist es ein Parteiproblem, und das hat er der Partei nun angetan.

Gast: Hans M..
02.09.2012 10:14
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Farbloser Vogel

Mr.Pipifax

Fällt er in den Graben, fressen ihn die Raben...

ÖVP war schon immer ein schwerer Patient. Eine Bauernpartei die sich als Wirtschaftspartei lächerlich macht. Eine Christliche Partei die sich als Korruptionspartei entpuppt. Eine Fortschrittpartei die rückständiger nicht sein könnte. Eine "Starke Führung"-Partei die führerlos einen Schlingenkurs inden Graben fährt. Spindelegger sitzt zwar am Lenker, aber er kann das kaputte Fahrzeug gar nicht lenken.

Antworten Gast: Schlingenlegerei
02.09.2012 21:13
3 0

Re: Fällt er in den Graben, fressen ihn die Raben...

Ob sich die ÖVP eine Basisbefragung durchzuführen getraute? Wenn die Parteigranden noch immer nicht bemerkt haben, dass eine Neupositionierung der Partei überfällig ist, dann müssen wohl die Wahlen 2013 -hoffentlich- die Initialzündung dafür sein.

Soldatinen

Selbstverständlich sollen Frauen in unserer modernen Gesellschaft zum Wehrdienst / Katastrophenschutz / Zividienst verpflichtend eingezogen werden. Alles andere ist eine Diskriminierung der Frau und gehört der vergangenen Zeit des patriachalischen Habitus der Männer an.

Antworten Gast: Genau.
02.09.2012 14:20
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Re: Soldatinen


Und es muss auch endlich die Diskriminierung der Männer aufhören, bei der Kinderbetreuugung, am Küchenherd, und beim Staubsauger - Tango.

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Schwache Vorstellung

Wir werden es wohl nie erfahren, wie weit diese Gerüchte tatsächlich "geplant", oder doch nur eine Erfindung der Medien waren. Jedoch eines ist offensichtlich: besonders glaubwürdig klingt Spindelegger nicht.
Ja, in seiner Holprigkeit ist er authentisch, das ist aber auch schon alles. Letztendlich sind es die Inhalte, die entscheidend sind, doch da hören wir wenig bis kaum neues - Funkstille. Ich hielt ihn seinerzeit für einen klugen und integren Außenminister, als Parteiobmann gibt er nur eine äußerst schwache Vorstellung ab. Das ist wohl VP-systemimmanent. Das Zepter haben andere in ihrer Hand, ihr Obmann hat nur die Aufgabe, gute Miene zum bösen Spiel zu machen.

 
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