Frauenfeindliche Aussage: VfGH rügt Sozialministerium

03.09.2012 | 17:52 |   (DiePresse.com)

Eine Bewerberin musste sich beim AMS eine frauenfeindliche Aussage anhören. Das Ministerium ignorierte die "offensichtliche Diskriminierung". Jetzt hob der Verfassungsgerichtshof den Bescheid auf.

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Das Sozialministerium hat in einem Bewerbungsverfahren für einen Posten beim AMS Burgenland eine offensichtliche Diskriminierung einer Bewerberin ignoriert. Das stellte der Verfassungsgerichtshof (VfGH) fest und hob den Bescheid, mit dem eine Schadenersatzklage abgewiesen wurde, auf, berichtet der "Kurier". Jetzt muss die Causa neu aufgerollt werden und das Ministerium möglicherweise eine Gehaltsnachzahlung leisten.

Die Frau bewarb sich vor drei Jahren um die Leitung der AMS-Stelle Jennersdorf, zum Zug kam allerdings - bei gleicher Eignung - ein männlicher Mitbewerber. Im Bewerbungsgespräch wurde sie gefragt: "Warum können Frauen eigentlich nicht in der Erziehung der Kinder ihre Erfüllung finden?" Die Burgenländerin protestierte gegen die Entscheidung und klagte die Republik - als Arbeitgeber - auf Schadenersatz in Höhe von fast 180.000 Euro.

Ihre Beschwerde wurde abgewiesen, auch vom Sozialministerium als letzte Instanz. Die Frau wandte sich an den VfGH - und hatte Erfolg. Die Burgenländerin wurde in ihrem Recht auf Gleichheit verletzt, stellte der VfGH fest. Der Bescheid wurde aufgehoben, das AMS bzw. das Sozialministerium müssen nun neu entscheiden. Ob bzw. in welcher Höhe der Frau Schadenersatz zusteht, gibt der VfGH aber nicht vor - nur, dass sie diskriminiert wurde.

Für das Sozialministerium setzte es einen Tadel. Denn obwohl die frauenfeindliche Bemerkung auch in einem Gutachten der Gleichbehandlungskommission erwähnt wurde, habe das Ministerium "jegliche Auseinandersetzung hiermit unterlassen".

(APA)

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12 Kommentare

AMS

Wo liegt das Problem?

Gast: zufallstreffer
05.09.2012 00:00
0

Diskriminierung

Mir wurde auch bei einem Hearing um eine Weiterbildungsmöglichkeit innerhalb des AMS die Frage gestellt, warum ich das machen möchte bei 3 Kindern. Hätte man diese Frage auch einem Mann gestellt? Dazu sei gesagt, dass ich 1 Jahr arbeitslos war, mein Studium (FH) selbst finanziert habe und nachdem ich einen Beratungstermin wahrgenommen habe, indem ich erfahren habe, dass das AMS keine offenen Stellen hat aufgrund meiner Ausbildung, sich eine Nebentür geöffnet hat mit 2 Türken (Schwiegertochter und Vater) und dem Vater über 60 ein Deutschkurs genehmigt wurde. Es war auch bis vor 2 Jahren möglich fürAusländer, den Führerschein auf Kosten des AMS zu machen. Ist schon traurig.

beim AMS

hat niemand ein leiberl… ombudsmann, voksanwalt, ams... alle stecken unter einer decke.

Gast: hk1190
04.09.2012 13:01
0

Ich bin ...

... tief erschüttert. Man sollte einen Straftatbestand daraus machen, der eine Strafdrohung von 6 Monaten bis zu einem Jahr beinhaltet. Gleichzeitig natürlich nicht der Fußfessel zugängig.

Männliche Bezieher doppelt so häufig sanktioniert

"Jobcenter" kürzen bei Verstößen gegen Bestimmungen Frauen _weitaus_ seltener das Arbeitslosengeld als Männern.

Man muss davon ausgehen, dass das auch für Österreich gilt.

http://www.zeit.de/wirtschaft/2012-07/arbeitslose-sanktionen-frauen-maenner

Gast: nK
04.09.2012 10:47
0

Männerdiskriminierung

Die Liste der Diskriminierungen von Männern am AMS ist endlos, nur dass das niemanden juckt.

Es werden sogar iNet-Fragebögen vorgegeben, wo Personen mit männlichem Geschlecht erst gar nicht ihr Diskriminierung zum Ausdruck bringen können.

Wer (m) ankreuzt, dem wird die entscheidende Frage erst gar nicht gestellt.

Gast: Gasti
03.09.2012 19:55
6

"Warum können Frauen eigentlich nicht in der Erziehung der Kinder ihre Erfüllung finden?"

Es handelt sich ja eigentlich nicht um eine Aussage, sondern um eine offene Frage.

Aber lassen wir die Grammatik bei Seite.

Von jemandem der das AMS LEITEN will, erwarte ich mir schon eine gewisse Schlagfertigkeit. Wer so eine laeppische Frage nicht geeignet kontern kann, ist tatsaechlich fehl am Platz.

Leider genuegt es heute Frau zu sein um einen Posten zu bekommen. Qualifikation ist voellig irrelevant. Sehr erbaermlich.

Re: "Warum können Frauen eigentlich nicht in der Erziehung der Kinder ihre Erfüllung finden?"

Das ist keine offene Frage, sondern eine Unterstellung, Anschuldigung usw. in Form einer Frage.

Aussage

und in China ist ein Rad umgefallen!!!!

Ehrlicherweise...

Man kann über das AMS sagen was man will, aber Geschlechterdiskriminierung ist sehr unwahrscheinlich, das geht dort noch immer streng nach (rotem) Parteibuch.

Recht auf Gleichheit

Das ist ziemlich zynisch den Beschluss so zu nennen wenn es eigentlich ein Automatismus zur Bevorteilung von Frauen ist.

Allerdings hat die Dame schon recht, wer sich so einen blöden Spruch anhören muss kann nicht hoffen tatsächlich gleich bewertet und behandelt zu werden.

Gast: mummy
03.09.2012 18:16
2

AMS und Diskriminierung

tja nix neues, geschieht tagtäglich!

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