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Sozialjahr statt Zivildienst: Front gegen Hundstorfer

04.09.2012 | 16:50 |  von Karl Ettinger und Iris Bonavida (DiePresse.com)

Die ÖVP wirft dem Sozialminister „Lohndumping“ vor, die Vida-Gewerkschaft warnt vor einem „Billigersatz“. Hundstorfer deutet ein Einlenken bei seinem Lohnmodell an.

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[Wien] Gegen das Modell eines Sozialjahres als Ersatz für den bisherigen Zivildienst formiert sich verstärkter Widerstand. Hauptgrund dafür ist, dass Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) dafür eine Entlohnung von 1300 Euro brutto im Monat, zwölfmal pro Jahr, geplant hat - weniger als im betreffenden Kollektivvertrag fixiert ist. Dagegen laufen jetzt der Koalitionspartner ÖVP und Gewerkschaftskollegen Hundstorfers, der von 2006 bis Dezember 2008 ÖGB-Präsident war, Sturm.

„Ich lasse mir das nicht gefallen"

„Ich lasse mir das nicht gefallen", versicherte der Sozialsprecher der ÖVP, August Wöginger, der seit Kurzem auch ÖAAB-Generalsekretär ist, am Dienstag im Gespräch mit der „Presse". „Mich ärgert dieses Modell wirklich. Das ist Lohndumping", wetterte er: „Ich weiß nicht, warum Hundstorfer als ehemaliger ÖGB-Präsident so ein Modell vorschlägt."

Wöginger ist nicht nur Parlamentarier, sondern auch Betriebsratschef beim Roten Kreuz Oberösterreich. Dort betrage das Einstiegsgehalt für Rettungssanitäter rund 1900 Euro im Monat. Es seien auch arbeitsrechtliche Fragen offen - etwa, wenn jemand eine Ausbildung für das Sozialjahr erhalte und nach drei Monaten kündige.
Die Dienstleistungsgewerkschaft Vida, die gemeinsam mit der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA-DJP) rund 90.000 Beschäftigte in Sozial- und Gesundheitswesen vertritt, warnt den Sozialminister ebenfalls. Man habe schon Anfang 2011 betont, dass dem Kollektivvertrag für die Branche „Rechnung getragen werden muss", erklärte der Vizechef der Vida, Willibald Steinkellner, der „Presse". „Wir haben keinen Grund, von dieser Meinung abzugehen." Wer ein Sozialjahr mache, dürfe nur Hilfstätigkeiten ausüben. Diese Personen „dürfen kein billiger Ersatz" für erlernte oder angelernte Berufe werden: „Das wäre tatsächlich eine Unterwanderung." Der Kollektivvertrag sieht eine Untergrenze von rund 1400 Euro brutto im Monat (14-mal pro Jahr) vor, bei qualifizierteren Tätigkeiten sind es 1500 bis 1600 Euro.

Hundstorfer: Nur ein Vorschlag

Hundstorfer deutete am Rande des Ministerrats ein Einlenken an: Es handle sich bei seinem Modell, das schon seit Jänner 2011 vorliegt, nur um einen Vorschlag, auf dessen Basis man nun verhandeln könne. Wichtig sei, ein neues System zu finden, mit dem die Versorgungssicherheit gewährleistet werde. Er werde bis Ende September mit der Gewerkschaft und den betroffenen Organisationen ein Modell ausarbeiten, mit dem „die überwiegende Zahl leben kann".
Der Sozialminister rechnet mit einem Bedarf von rund 6000 Personen, die ein Sozialjahr absolvieren. Laut ÖVP-Sozialsprecher Wöginger würden dann jedoch 3000 Personen fehlen.

Das Budget für das Sozialjahr sollte laut Hundstorfer noch etwas mehr als geplant aufgestockt werden - um 2,5 Millionen bis fünf Millionen. Die Sozialorganisationen befürchten hingegen im schlimmsten Fall Mehrkosten von bis zu 200 Millionen Euro für den Ersatz der bisherigen Zivildiener.

Die SPÖ-Spitze wehrte sich am Dienstag gegen die Kritik der Gewerkschaft der Privatangestellten an den niedrigen Löhnen während des Sozialjahres („Uns schmeckt das gar nicht", sagte GPA-Vize Karl Proyer im „Standard"). Diese Kritik sei nicht gerechtfertigt, meinte Bundeskanzler Werner Faymann nach dem Ministerrat. Denn beim Hundstorfer-Modell seien immerhin 1300 Euro im Monat vorgesehen. „Wir wissen, wie viel die Zivildiener jetzt bekommen", sagte Faymann. Er spielte damit auf die derzeitige Pauschalvergütung von rund 300 Euro im Monat für Zivildiener an.

Spindelegger ist für Zivildienst

Vizekanzler Michael Spindelegger (ÖVP) wollte sich nicht näher äußern: „Ich bin ohnehin dafür, dass der Zivildienst erhalten bleibt." Verteidigungsminister Norbert Darabos (SPÖ) schlug in die gleiche Kerbe wie Faymann und zeigte kein Verständnis für die Kritik. Mit Hundstorfers Modell werde viel mehr Geld als jetzt beim Zivildienst ausgeschüttet. Deswegen handle es sich um „eine schlechte Argumentation" der Gewerkschaft.

Auf einen Blick
Zivildienstersatz. Im Falle einer Umstellung von der Wehrpflicht auf ein Berufsheer wird es den Zivildienst nicht mehr geben. Nach den Plänen von Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) soll dieser dann durch ein Sozialjahr ersetzt werden. Derzeit sind rund 13.000 Zivildiener im Einsatz, Hundstorfer will mit 6000 Personen, die ein Sozialjahr machen, das Auslangen finden.

Entlohnung. Nach Hundstorfers Plan würden für ein Sozialjahr 1300 Euro brutto im Monat, zwölfmal pro Jahr, gezahlt. Das ist weniger als laut Kollektivvertrag für Gesundheitsberufe, aber viel mehr als beim schon derzeit möglichen freiwilligen Sozialjahr (in dem man sechs bis zwölf Monate bei Sozialorganisationen mithelfen kann) mit maximal 376 Euro (Geringfügigkeitsgrenze).

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91 Kommentare
 
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Gast: gegenwehrpflicht
07.09.2012 18:58
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jedem nur noch 300€

warum eigentlich nicht? es wäre doch für alle billiger, bei den wehrpflichtigen männern regt sich die övp auch nicht auf

die volksbefragung ist doch absurd, warum sollen denn die abstimmen, die nur profitieren? warum machen wir keine volksbefragung darüber, dass krankenschwestern, pfleger, politiker und frisösen nur 300€ im monat verdienen? wäre für alle billiger oder? sicher kunden fallen weg, weil die AN nichts konsumieren können, aber was soll's? es ist billig

man muss sich mal vorstellen was das eigentlich kostet, würde man die menschen anständig beschäftigen, dann hätten wir zigtausende arbeitslose weniger, und in den diversen berufen würden die leute anständig verdienen, so nimmt man lieber zwangsarbeiter

die spitze vom roten kreuz, der caritas und der övp gefallen mir auch sehr gut, im negatien sinn, was würden sie sagen, wenn man ihre leistung nur mit 300€ im monat honorieren würde??

es ist eine schweinerei, dass frauen in dem zusammenhang mitreden und männer derart diskriminieren und für die gesellschaft ausbeuten wollen, aber das ist man von frauen als mann schon gewohnt

nicht frauen sind diskrimminiert, sondern männer

es ist doch lt eugh verboten die wehrpflicht nur des zivildienstes aufrecht erhalten zu wollen


Gast: gast17
06.09.2012 08:57
2 0

''Gleichbehandlung"

Ist vermisse bei der ganzen Diskussion den Aspekt einer zumindest künftigen Gleichbehandlung von Mann und Frau, von seiten der Politik.

Gast: kritika
05.09.2012 10:48
1 2

ausgerechnet der öaab

und die övp, die durch ihre "marktwirtschaft" und die ausrichtung einzig und allein auf die wirtschaft schuld tragen, dass die löhne sinken, die menschen mehr arbeiten müssen und ausgepresst werden (besonders krass im lebensmittelhandel etc.), wehren sich mit dem argument des "Lohndumping"?

die zivildiener und rekruten beim bundesheer mussten bis jetzt auch gerig entlohnte tätigkeiten für den staat übernehmen.

das soziale jahr soll auch nicht als lohndumping verstanden werden (populismus der övp) sondern viel mehr als leistung jedes einzelnen (frauen und männer) der gesellschaft gegenüber!

Gast: 300
05.09.2012 09:49
2 0

casablanca

"Sieh mir in die Augen Kleines" (Steuerzahlervolk)...der (Dauer)Blick von Hunsi verrät alles - wer würden dem Hab und Gut übern Sommurlaub anvertrauen wollen? Aber die Zukunft legn wir alle schon in solcher Leute Hände...komisch.
Machtgeile Leute ohne Skrupel. In der Privatwirtschaft wären die schon lange weg vom Fenster.

Gast: Moderndenkender
05.09.2012 09:37
1 1

Jeder..

...der ein Mindestmass an Vernunft im Kopf hat, kann eigentlich nur fuer die Abschaffung der Wehrpflicht sein.

Gast: Hacklwerfer
05.09.2012 09:36
2 0

Der "Asozialminister" rülpst schon wieder...


Gast: Guckst du
05.09.2012 08:38
0 0

Das eine ist Lohndumping, das andere wäre Arbeitsplatzklau.

Was ist da eigentlich besser oder schlechter?

Gast: 567
05.09.2012 08:35
1 0

Interessant

wäre, ob diese sozialen Granden auch ihre Wehrzeit abgedient haben.
Bin nämlich überzeugt dass sie sich davor schön gedrückt haben.

sozialjahr für junge männer u frauen nach der grundausbildung

und zwar aus sozialen gründen, weil es für maturanten etc. gut ist, der gesellschaft etwas zurück zu geben. deshalb ist auch nur ein anerkennungsbetrag siehe zivi angebracht und nicht ein gehalt von mehr als 1000 euro! der soziale gedanke soll im vordergrund stehen nicht das geldverdienen. ist das so schwer zu verstehen?

Antworten Gast: EGH
05.09.2012 08:46
1 2

Re: sozialjahr für junge männer u frauen nach der grundausbildung

So ein Quatsch kann auch nur einem "auch Mensch" mit wahrscheinlich vielleicht nur Hauptschulabschluss einfallen.
Die Menschen sollen so schnell wie möglich in in einen (gut) "bezahlten" Arbeitsplatz integriert werden, um dem Staat Steuereinnahmen zu bringen und für ihre eigene Pension vorsorgen zu können und nicht ein ganzes kostbares Jahr verplempern.

Antworten Gast: Hans im Glück
05.09.2012 08:46
1 1

Re: sozialjahr für junge männer u frauen nach der grundausbildung

Jeder der Arbeitet dient der Gesellschaft.

Jeder der Arbeitet gibt mehr der Gesellschaft bzw. dem Arbeitgeber als er selber verdient, da man ihn sonst nicht anstellen würde.

Es ist nicht notwendig die jungen Menschen zu einer unterbezahlte Tätigkeit zu zwingen.

Ich bin überzeugt, dass man mehr der Gesellschaft geben kann wenn man in seinem eigenen Bereich sein bestes gibt.

Antworten Gast: zzz
05.09.2012 08:38
0 0

Re: sozialjahr für junge männer u frauen nach der grundausbildung

und wieso soll man dann die allgemeine Wehrpflicht abschaffen?
Ist das so schwer zu verstehen?

Antworten Antworten Gast: G.D.
05.09.2012 10:10
2 1

Re: Re: sozialjahr für junge männer u frauen nach der grundausbildung

Weil das Zwangsrekrutierungen sind, einer Demokratie in Friedenszeiten unwürdig. Ist d a s so schwer zu verstethen?

Re: Re: Re: sozialjahr für junge männer u frauen nach der grundausbildung

Die Wehrpflicht stellt die Partizipation der breiten Bevölkerung an einer wesentlichen Staatsgewalt dar.
Es hat wenig Sinn in Kriegszeiten bei hunderttausend Menschen gleichzeitig eine Grundausbildung anzufangen. Das muss man rechtzeitig machen, wenn man die Leute im Ernstfall einsetzen können will. Also ist auch die Betonung der Friedenszeiten sinnlos.

Was gegen die Wehrpflicht spricht hat mit Demokratie nichts zu tun sondern sind die Menschenrechte. Nur sehen die eben Ausnahmen vor. Man darf Leute zu etwas zeingen, wenn es in einem demokratischen System notwendig ist. Steuern zahlen, Geschworener sein oder Wehrdienst leisten gehört da dazu.

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Gast: Leser
07.09.2012 16:44
0 0

Re: Re: Re: Re: sozialjahr für junge männer u frauen nach der grundausbildung

Wenn Frauen nicht dabei sind, sehe ich keinerlei "breite Bevölkerung".

Gast: zzz
05.09.2012 08:23
2 0

"Rudi" macht das schon,

sagt der Dauergrinser unlängst ins Mikro.
Ja der soziale Rudi wird das schon schupfen, so wie er jeden Maurer bis 65 hackeln läßt, jeden Knieprotesenträger nicht mehr in die Invalidenpension gehen läßt,u.v.m.
Bravo Rudi und tschüss bis zu den nächsten Wahlen.

Eines ist mir noch aufgefallen:

1400 brutto im Monat gibt netto genau 53 (!) Euro mehr als 1300 brutto... wow!

6 Monate verpflichtender

Sozialdienst für Männer und Frauen mit einem Mini-Berufsheer und das Problem ist gelöst.

Antworten Gast: Leser wissen mehr
05.09.2012 08:55
1 1

Re: 6 Monate verpflichtender

Ich empfehle Ihnen die Europäische Menschenrechtskonvention, insbesondere Artikel4, zu lesen. Dann wissen Sie nämlich, dass ein verpflichtender Sozialdienst ohne gleichzeitig verpflichtenden Wehrdienst menschenrechtswidrig ist.

Oder sind sie dafür in Österreich die Menschenrechte außer Kraft zu setzen?

Gast: Gasti
05.09.2012 07:16
3 0

Warum werden Frauen vom Zwangsdienst ausgeschlossen?

Seit Jahrzenten wird hier vom Staat diskriminiert. Hoert endlich auf damit.

Gleiche Rechte und gleiche Pflichten fuer Alle! Frauen sollen auch endlich einen Beitrag zur Gesellschaft leisten.

Antworten Gast: Hans im Glück
05.09.2012 08:48
0 2

Warum soll es überhaupt einen Zwangsdienst geben?

Würde ein Zwangsdienst so profitabel sein hätten wir immer noch die Sklaverei.

Menschen die glauben frei zu sein sind viel produktiver. Nur aus diesem Grund gibt es bei uns keine Sklaven mehr.

Gast: Hemingway
05.09.2012 06:44
0 0

Die Augen sind der Spiegel der Seele......


Gast: Saiffenstayn
05.09.2012 06:39
1 2

Gut, irre GUT .....

da lese ich:
"Die ÖVP wirft dem Sozialminister „Lohndumping“ vor, die Vida-Gewerkschaft warnt vor einem „Billigersatz“. ............"

DARAUS schliesse ich:
Die ÖVP will dass "diese Kräfte" in diesen "Diensten" mehr bekommen, Nichts leichter die Regierung beschließt gemeinsam höher Löhne für "unbezahlte Sozialarbeit" ...............;-))

Wieviel bekommt denn der Zividiener jetzt ?

Und dass sich die ÖVP einmal als Retter des von Kreisky & Co. erfundenen Zivildienstes auftun, hätte vor 40 Jahren keiner geahnt !!??

Oder geht es um billige Arbeitstiere für die oft hochprofitablen "Soialvereine" die große finanzeille Überschüsse angehäuft haben.

Was muss dieser "Minister" ...

noch alles anstellen, bis sein wiklicher Auftrag erkannt wird?

Re: Was muss dieser "Minister" ...

Der Pate, als der sich HeavyMetaller Hundstorfer manifestiert, betreibt ausschließlich Macht- und keine Sachpolitik, und das mit den Mitteln eines "autoritären Sozialismus", der nicht nur GleichbehandlungsGesetze unbeachtet lässt sondern schlagartig auch menschenrechtliche Standards kippt, scheinverhandelte Entscheidungen als alternativlos deklariert und auf Freunderlwirtschaft aus ist statt auf Wettbewerb und freie Entfaltung. Mit
Antidiskriminierungs-Werten geht der Mann aus aus dem gewerkschaftlichen Betonbau lediglich situativ um, da ihm die menschenrechtlich-demokratischen Grundideen wegen seiner kanalisierten Plattenbau-Sozialisation fremd geblieben sind. Und die Behinderten bekommen von dieser schleichenden Gefahr für ihre Rechte nicht einmal etwas mit, zumal Hundsis Gschaftla-Meute alles verbellt, was ihrem heilgen Beton-Schafskopf zu nahe kommen könnte.

Gast: von der Alm
05.09.2012 05:52
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5000 EUR pro Monat

ICh bin dafür, dass alle die ein soziales Jahr absolvieren, EUR 5000 monatlich erhalten, dafür bekommen die Parteien kein Geld mehr!

Der so soziale Hundstorfer ist gar nicht so sozial, wie die soziale Gerechtigkeit der SPÖ prpagiert wird!

Das Heinisch-Hoserl sagt ja zu diesem Thema gar nichts! Da ist Sie stumm, ich bin dafür dass auch die Töchter drann kommen, dass nenne ich dann soziale Gerechtigkeit alla SPÖ!
Lieber Werner, schicke Deine Freundin Laura auch gleich dort hin, damit Sie weiss was arbeiten heißt! Du kannst Dein soziales Jahr auch gleich nachholen, denn vom arbeiten hast auch keine Ahnung

 
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