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Die ungestellte Frage: Neutral oder nicht?

07.09.2012 | 18:45 |  von KARL ETTINGER UND pHILIPP aICHINGER (Die Presse)

Die Regierung findet Kompromissvariante zum Text der Befragung am 20. Jänner 2013 über Wehrpflicht und Berufsheer. Nun tauchen Neutralität und Nato-Beitritt als Konfliktargumente erneut auf.

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Wien. Der Weg für einen einjährigen Wahlkampf bis zur Nationalratswahl 2013 ist frei: Möglich ist das nach der am Freitag erfolgten Festlegung des Textes für die Volksbefragung zur Zukunft des Bundesheeres, die nunmehr für 20. Jänner 2013 fixiert wurde. Damit ist zugleich der Wahlkampf zwischen SPÖ und ÖVP eröffnet. Denn beide Parteien erhoffen sich von einem Erfolg der von ihnen bevorzugten Variante – die SPÖ will ein Berufsheer, die ÖVP ist für die Beibehaltung der allgemeinen Wehrpflicht – neue Schubkraft für die spätestens im Frühherbst 2013 fällige Nationalratswahl.

Bei der Volksbefragung können die Österreicher zwischen zwei Alternativen auf dem Stimmzettel wählen: „Sind Sie für die Einführung eines Berufsheeres und eines bezahlten freiwilligen Sozialjahres?“ oder „Sind Sie für die Beibehaltung der allgemeinen Wehrpflicht und des Zivildienstes?“

 

Parteichefs eingeschaltet

Dabei handelt es sich um einen Kompromiss. Denn auf die Aufnahme der Frage nach dem Zivildienst hat die ÖVP gedrängt, im Gegenzug wird nun die Frage nach dem von der SPÖ favorisierten Berufsheer zuerst auf dem Stimmzettel angeführt. Das sorgte im Lauf des Freitags noch einmal für Spannung. Welche Frage zuerst kommt, war nach Informationen der „Presse“ auch der letzte offene Punkt, der schließlich von Bundeskanzler Werner Faymann und Vizekanzler Michael Spindelegger am Freitagnachmittag entschieden wurde.

Zuvor haben sich Verteidigungsminister Norbert Darabos (SPÖ) und Innenministerin Johanna Mikl-Leitner um eine Klärung der Formulierung der Fragestellung bemüht. SPÖ wie ÖVP haben jedenfalls versichert, dass sie das Ergebnis der Volksbefragung, das an sich nicht bindend wäre, jedenfalls umsetzen wollen.

Während jetzt also Einvernehmen über die Fragestellung erzielt wurde, sind beide Regierungsparteien bereits mit allen Mitteln bemüht, sich einen Abstimmungserfolg bei der Volksbefragung für ihr jeweiliges Modell und damit eine gute Startposition für die Nationalratswahl zu sichern. Gegenseitige Angriffe werden nicht gescheut.

Bisher tobte die Schlacht um die Einsatzbereitschaft des künftigen Heeres bei Katastrophen und bei den Sozialorganisationen nach dem Wegfall des Zivildienstes. Jetzt flammt die Auseinandersetzung um die Beibehaltung der Neutralität und einen etwaigen Nato-Beitritt neu auf – aber unter umgekehrten Vorzeichen. Denn nun setzt die ÖVP in einem internen Papier für ihre Funktionäre, das der „Presse“ vorliegt, auf die bei der Bevölkerung populäre Neutralität: „Die Abschaffung der Wehrpflicht bedeutet Nato-Beitritt und damit die Aufgabe unserer Neutralität.“ Dabei hat Ex-Kanzler Wolfgang Schüssel vor einem Jahrzehnt die Neutralität mit der Mozartkugel verglichen; die ÖVP hat sich Ende der 1990er-Jahre für einen Nato-Beitritt starkgemacht.

 

SPÖ erbost über „Panikmache“

Für die SPÖ ist die Argumentation der ÖVP zur Neutralität „Unsinn“. Im Verteidigungsressort wurde dies als „Panikmache“ kritisiert. Deutschland sei einst mit Wehrpflicht bei der Nato gewesen.

Würde ein Ende der Wehrpflicht rechtlich bedeuten, dass Österreich seine Neutralität verliert? Nein, betont Verfassungsjurist Theo Öhlinger. Diese These „war schon immer schwach begründet, aber heute hat sie gar keine Rechtfertigung mehr“. Denn die heutige Neutralität habe mit der ursprünglichen, die auf eine in Ost und West geteilte Welt ausgerichtet war, nichts mehr zu tun. Die Restneutralität könne man wahlweise mit einem Berufsheer oder mit einer Wehrpflicht erfüllen. Die verbliebene Neutralität untersagt es Österreich etwa, einem Militärbündnis beizutreten.

Wenn man die Neutralität ganz abschaffen wollte, müsste man das Volk zuvor nicht befragen. Ein Parlamentsbeschluss mit Zweidrittelmehrheit reiche rechtlich betrachtet aus, so Öhlinger.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.09.2012)

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190 Kommentare
 
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Gast: inot
15.09.2012 19:52
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1.Fortsetzung:

Nun ist zur Abschaffung der Wehrpflicht immerhin eine Volksbefragung geplant und man publizierte bereits die Fragestellung für den 20.Jänner 2013: „Sind Sie für die Einführung eines Berufsheeres und eines bezahlten freiwilligen Sozialjahres? Oder: Sind Sie für die Beibehaltung der allgemeinen Wehrpflicht und des Zivildienstes?" Die Fragen müssten etwas konkretisiert werden, denn es ist ein gewaltiger Unterschied, ob es ein Verteidigungsheer für das (noch) neutrale Österreich sein soll oder gar eine Einsatzarmee als Teil einer europäischen Streitmacht. Im Sinne der Gleichbehandlung von Frauen und Männern, wie sie ständig von Frauenministerin gefordert wird, müsste das neue (oder auch alte) Heer künftig für alle jungen Leute gelten, also auch für die „Töchter“!
Liebe Politiker, besonders lieber Herr Bundespräsident, sollten wir noch „neutral“ sein, muss sich unser Land entsprechend „verteidigen“ - mit oder ohne Wehrpflicht - jedoch darf Österreich nie und nimmer auf der Seite anderer Staaten in den Krieg ziehen, das steht im Neutralitätsgesetz von 1955, das von euren Vorgängern und unseren Vorfahren zusammen mit dem Staatvertrag „erkämpft“ worden ist. Anscheinend haben viele Politiker im Geschichte-Unterricht nicht viel gelernt oder sie haben wieder vieles vergessen, was vor fast 75 Jahren passiert ist.

Gast: inot
15.09.2012 19:51
0 0

Heeresreform

Zur Wehrpflicht kann jeder stehen, wie er will, eines ist aber klar, über eine Abschaffung muss unbedingt das Volk befragt werden. Ich werde den Verdacht nicht los, dass hinter dem SP-Vorstoß in Richtung Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht, irgendeine EU-Richtlinie steckt! Ich habe seinerzeit – vor der Ratifizierung des Vertrages von Lissabon – diesen genau durchstudiert und bin schon damals auf die „Beistandsverpflichtung“ unseres Heeres gekommen. Eine solche Verpflichtung ist nicht mit mehr oder weniger unzureichend ausgebildeten Jungmännern durchführbar, sondern nur mit einem gut ausgebildeten Berufsheer. Warum sagt man den Menschen das nicht? In vielen EU-Ländern ist man diesen Schritt schon gegangen, z. B. auch in Deutschland! Bei uns ist jahrzehntelang auf dem Heeressektor nichts geschehen, eine Ausnahme war nur die unverständliche „Aufrüstung“ durch den Kauf der sündteuren Eurofighter.
Sind wir vielleicht schon heimlich, still und leise ein Mitglied der US-dominierten NATO? Ist unsere Neutralität schon auf dem „EU-Altar geopfert“ worden? Seit der Unterzeichnung des Lissaboner-Verfassungsvertrages, würde mich nichts mehr wundern.

Gast: LesenmachtSpass
09.09.2012 12:34
2 1

Zeit Unterzeichnung des WEU Vertrages ist Österreich nicht mehr Neutral.

Da können die verlogenen Roten behaupten was wollen (DIE haben ja mitunterschrieben!!)!!

Antworten Gast: LKU
09.09.2012 20:55
0 1

Re: Zeit Unterzeichnung des WEU Vertrages ist Österreich nicht mehr Neutral.

Na und. Sonst noch was? Oder wars das schon wieder?

Antworten Antworten Gast: Dubidu
10.09.2012 11:03
0 0

Re: Re: Zeit Unterzeichnung des WEU Vertrages ist Österreich nicht mehr Neutral.

Genaugenommen war Österreich drei Monate neutral: Von der Unterzeichnung des Staatsvertrages bis zum Beitritt zur UNO. Wie kann man denn neutral sein, wenn man in einem Völkerbund ist, der unter seiner Schirmherrschaft Truppen entsendet?

Die ungestellte Frage ist doch

Frauen auch in die Pflicht zu nehmen.

Das traut sich nur keiner der Politiker. Eine Volksbefragung dazu zu machen, wäre aber Unsinn-Frauen sind in der Bevölkerung in der Mehrheit.

Antworten Gast: Susanne L.
09.09.2012 20:57
0 0

Re: Die ungestellte Frage ist doch

Bezahltes freiwilliges Sozialjahr für jedes Geschlecht und jeden Alters.
Was gibt es denn da noch groß nachzudenken?
Wer will, meldet sich - wer nicht will, meldet sich eben nicht.
Nur das ist einer Demokratie in Friedenszeiten würdig.

Antworten Gast: nina blum
09.09.2012 08:20
0 0

Re: Die ungestellte Frage ist doch vielmehr....

was Ihre Frau zu Ihren Kommentar sagt.
Alleine im Internetz sind Sie ja offensichtlich sehr mutig!

Berufsheer driftet zur Aufgabe der Neutralität

Wenn man sich erinnert, wieviel im Zusammenhang mit dem EU-Beitritt und der Einführung des Euro gelogen worden ist um das gewünschte Ergebnis zu erzielen, so kann man sich leicht ausrechnen, wie es mit der Neutralität aussehen wird. Ein Berufsheer wird einen zu großen Anteil an Migranten, Haftentlassenen, Abenteurern und allgemein Leuten enthalten, deren Berufsaussichten auf anderen Gebieten schlecht wären. Bei niedriger Bezahlung werden es Leute sein, die eine niedrige Qualifikation haben, bei hoher Bezahlung (die sich der Staat eigentlich nicht leisten kann) werden es zum guten Teil Leute sein, die für Geld alles machen, auch auf die eigenen Leute schießen und im Sold der Wirtschaftskriege Amerikas ohne Wimpernzucken mitmachen, da ihnen so etwas wie Nationalbewußtsein oder Zugehörigkeitsgefühl fremd ist und es der insgeheim geplante NATO-Beitritt erfordern wird. Genau das wird ja hintenherum angestrebt. Seitens der ÖVP aus Gründen der Amerikahörigkeit, bei der SPÖ im Zuge eines Internationalismus, der ziemlich diffus ist und gegen die "Nationalismen" zu Felde zieht. Mit dem Ergebnis, daß alles in der Eine-Welt-Regierung der USA aufgeht. Schon spüre ich die Verschwörungstheoriekeule, die schon auf so manches niedergeprasselt ist, was sich später als zutreffend herausgestellt hat. Literatur gibt es genug, man braucht aber nur etwas genauer zu beobachten, um sich einen Reim auf das alles zu machen.

Gast: Opa100
08.09.2012 18:44
1 10

Frage?

Die Uniform der Soldaten erinnert an die deutsche Wehrmacht unter Hitlers Zeiten.

Da wird einem schlecht wenn man dass sieht.

Habt ihr kein Geld für eine Moderne Uniform die in die heutige Zeit passt.

Eine Schande!


Bedaure sehr

Das stimmt nicht.
Wenn irgendeine Armee auf der Welt optisch an Hitlers Wehrmacht anschloss, dann war das die Nationale Volksarmee der DDR. Die hatten einen Stechschritt, der einem tatsächlich die Gänsehaut aufsteigen ließ. Dazu einen eigenartig geformten Stahlhelm, der tatsächlich noch im Dritten Reich entworfen wurde, dort aber nicht mehr zum Einsatz kam.

In Österreichs Bundesheer wurde penibelst alles ausgeschieden, was nach 3. Reich roch. Das ging manchmal sogar bis zur Benennung der verwendeten Waffen und Geräte.

Was Sie vermutlich irritiert, das ist diese Uniform mit Mantel, Die war in den 1930er-Jahre allerdings bei allen Armen der Welt üblich. In der Sowjetunion sogar bis in die Siebzigerjahre.

Antworten Antworten Gast: Opa100
10.09.2012 00:57
1 0

Re: Bedaure sehr

Sie haben recht.

Es ist die Uniform mit dem Mantel

4 0

Da braucht man ...

... aber viel Fantasie für so einen Querverweis.

Gast: ROTFRONT
08.09.2012 18:38
0 1

Die ÖVP hängt noch immer am Bundesheer! Hat ja 34 den Dollfuss an die Macht gebracht!

Geht mit einem Berufsheer nimmer.
Also: ÖVP für Sklavenheer!

Antworten Gast: PeterundIch
09.09.2012 12:50
0 0

Re: Die ÖVP hängt noch immer am Bundesheer! Hat ja 34 den Dollfuss an die Macht gebracht!

Habens Ihren Text gelesen oder wird jetzt von der Löwlstrasse ungelesen übernommen?
Gott sind Sie ein Depp!

1934 war Berufsheer

Wehrpflicht wurde erst 1936 eingeführt. das war Dollfuß schon tot. Und er blieb der einzige Regierungschef weltweit, der im Kampf gegen Hitler sein Leben ließ. In einem Land, das sich als erstes gegen die Übernahme durch Hitler bewaffnet wehrte. Das nächste Land, das sich gegen Hitler militärisch wehrte, war Polen. Fünf Jahre später. 1939. Es starben im Zuge des Naziputsches im Juli 1934 um die hundert Polizisten, Soldaten und Heimwehrler.

Man kann also Dollfuß als autoritären Faschisten sehen, indem man sich auf allein auf den Februar 34 fokussiert. Oder man zieht sich auf eine differenzierte Sichtweise zurück, die auch den antinationalsozialistischen Dollfuß würdigt. Nichtösterreichische Historiker tun das.

Gast: DER ADVOKAT
08.09.2012 17:17
0 1

NEUTRALITÄT-BEI EU BEITRITT ERLOSCHEN

Unsere Neutralität ist de facto-spätesten beim EU-Beitritt Österreichs vor ca 15Jahren de facto erloschen!
Jeder Amateur-Völkerrechtler weiß das!
Aber in Österreich läuft ja schon seit langer Zeit alles ganz anders, als anderswo!

Re: NEUTRALITÄT-BEI EU BEITRITT ERLOSCHEN

Sehr richtig!!!! Herr und Frau "Kronen Zeitung" Österreicher verschliessen aber vor diesen Tatsachen einfach die Augen.....

Das mag ja sein

Bündnisfrei sind wir jedenfalls. Und bis zu einem gewissen Grad sogar noch neutral, weil militärisch immer nur dann einsetzbar, wenn die UN ja sagt.

Wir sollten uns also ein Heer halten, das einem Neutralen würdig ist. Auch wenn der serh nach bündnisfreu aussieht. Denn zu Hilfe kommen wird uns keiner, wenn bei keinem Bündnis. So gut wie alle anderen Wehrpflichtabschaffer Europas sind aber NATO-Mitglieder.

0 0

Bündnisfrei?

Ö ist Mitglied der UNO und der NATO-PfP, wo ist da die Bündnisfreiheit?

UN-Mitgliedschaft schützt nicht. Hat es noch nie.

Und ist auch nicht so gedacht.
Und der NATO muss man beitreten, um den Schutz der NATO-Partner zu genießen. PfP ist nett und vermutlich sogar sinnvoll, aber für die Landesverteidigung unbrauchbar.

Ich denke, wir sind sogar noch sehr neutral, weil eben Militär bei uns im Ausland nur eingesetzt wird, wenn die UN dazu ja sagt. Wie man aus der Geschichte weiß: Da muss man sich selber schützen.

Antworten Antworten Antworten Gast: PeterundIch
09.09.2012 13:07
0 0

Re: Bündnisfrei?

Und der WEU.
Die "Neutralität" ist ein Liebkind der Genossen obwohl GENAU wissen die hat Österreich schon lange aufgegeben mit HILFE der Genossen.
A verlogene Saubande halt!

Gast: echtedemokratiestärkung
08.09.2012 16:48
9 0

bei deiser gelegenheit könnet man gleich über ESM, bankenhilfen, eurochaos und die eu verfassungsänderungen u den sozialabbau bei den asvg pensionen abstimmen lassen. aber die SPÖ und ihre grünen werden dies sicher niemals zulassen.


Gast: Halbwissen
08.09.2012 16:46
0 2

Ist doch ein Schönwettervertrag !

Autofahrernation Nr.1 ohne Ölquelle kann doch gar nicht Unabhängig sein.

Ist doch das gleiche wie eine unabhängige EZB oder unabhängige Richter.

Gast: europassozialerabstieg
08.09.2012 16:43
9 0

nachdem die sozialisten in ganz europa jeden bezug zu den arbeitnehmern und jegliche volksverbundenheit verloren haben- brauchen sie so als schnell möglich eine hochgerüstete berufssöldnertruppe; die machtinteressen der banken sowie eurolobbyisten können nur gegen die interessen der bürger u. völker durchgesetzt werden.


Antworten Gast: Mander s'isch Zeit
08.09.2012 23:04
1 0

Bürgerheer statt Söldnermilitär


 
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