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Hart, aber herzlich: Die Exekutorin der Volkspartei

08.09.2012 | 18:06 |  von KARL ETTINGER (Die Presse)

Sie gilt als der verlängerte Arm Erwin Prölls in Wien, inzwischen ist die 48-jährige Innenministerin Johanna Mikl-Leitner aber auch eine der Stützen des zerzausten ÖVP-Obmanns Spindelegger.

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Das ist Mobilisierung ganz im Stil der niederösterreichischen ÖVP: Dem Leiter des Heimes einer Sozialeinrichtung in einer Bezirksstadt des Bundeslandes wurde recht eindringlich nahegelegt, dass seine Anwesenheit bei einer Tagung der schwarzen Christgewerkschafter (FCG) in Wien erwünscht sei. Er solle auch Kollegen mitbringen. Wenn das ÖVP-Regierungsteam mit Vizekanzler Michael Spindelegger und Innenministerin Johanna Mikl-Leitner wie zuletzt am Donnerstag die allgemeine Wehrpflicht beschwört, gibt es für Verantwortungsträger aus Niederösterreich kaum ein Kneifen. Vielleicht kann sich die Anwesenheit später einmal bezahlt machen.

Die 48-jährige gebürtige Weinviertlerin kam im April des Vorjahres mit dem Stempel „Prölls Frau fürs Grobe“ als niederösterreichische Soziallandesrätin zu Innenministerehren. Dieser Ruf datiert aus der Zeit, als sie ab 1998 teils gefürchtete, jedenfalls resolute ÖVP-Landesgeschäftsführerin unter Landeshauptmann Erwin Pröll war. Um deftige Sprüche, die sie vom Land her kennt, ist die „Hanni“, wie sie von Freunden liebevoll genannt wird, auch abseits der Politik nicht verlegen. Manch derben Witz würde man der leutseligen, studierten Wirtschaftspädagogin gar nicht zutrauen.


ÖVP-Chefverhandlerin.
Inzwischen hat sich die Innenministerin zu einer der Stützen des zuletzt parteiintern zerzausten ÖVP-Obmanns Spindelegger entwickelt. Den Text zur Volksbefragung über Wehrpflicht oder Berufsheer am 20. Jänner 2013 hat sie am vergangenen Freitag zwar in erster Linie als „Spiegelministerin“ im Sicherheitsbereich mit Verteidigungsminister Norbert Darabos (SPÖ) ausgehandelt. Typisch Mikl-Leitner: Sie scheute in den vergangenen Monaten nicht, Darabos als Verhandlungspartner scharf zu attackieren und ihm „Schiffbruch“ zu prophezeien. Daneben wurde sie von Spindelegger schon vor Monaten zur Chefverhandlerin für das Paket zum Ausbau der direkten Demokratie erkoren. Das war und ist immerhin eines der zentralen Anliegen, mit denen die ÖVP hofft, die Enttäuschung der Wähler über die rot-schwarze Regierung besänftigen zu können. Typisch Mikl-Leitner: die schwarze Exekutorin, die die ihr erteilten Kommandos mit Beharrlichkeit zu erfüllen versucht.

Leise Töne sind ihre Sache jedenfalls nicht. Die ehemalige HAK-Lehrerin und Unternehmensberaterin führt ihr häufiges lautstarkes Auftreten allerdings nicht auf ihre politische Herkunft aus der einst als „Stahlhelmfraktion“ bezeichneten Landes-ÖVP zurück, sondern auf ihr Elternhaus. „Ich gebe schon zu, dass ich das eine oder andere Mal scharf formuliert habe. Ich habe das von zu Hause mitbekommen. Immerhin wurde ich in einer Greißlerei groß“, schildert die verheiratete Mutter zweier Töchter. Die Ministerin gibt sogar zu, dass man ihr mitunter sage, sie solle „nicht so schreien“.

Eine wortgewandte Rednerin ist die Innenministerin nicht. Ihre Aussagen klingen bisweilen (vor-)gedrechselt, etwa wenn die frühere Soziallandesrätin über die rote „Zwangsjacke“ bei der Kindererziehung loszieht.

Mikl-Leitners Stärke ist, dass sie als Ministerin auch mit einfachen Beamten oder mit Menschen von der Straße locker ins Reden kommt und sie diesen Personen irgendwie als Kumpel gegenübertritt. Sie ist zugleich genug politischer Profi, um mit dem Wiener Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) über Parteigrenzen hinweg „Schmäh zu führen“ und eine Vereinbarung über zusätzliche Polizisten schließen zu können. Mit Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ), mit dem sie eine weitere „Aktion scharf“ gegen Sozialbetrug und Schwarzarbeit auf die Beine stellt, versteht sie sich besser als mit manchem ÖVP-Politiker.

Sie ist loyal: So hat Mikl-Leitner ihren Kabinettschef Michael Kloibmüller standhaft bis zur Einstellung der Ermittlungen nach Vorwürfen rund um die Telekom-Affäre verteidigt. Dabei wäre es für sie wesentlich leichter gewesen, ihre rechte Hand auszutauschen und sich damit selbst aus der Schusslinie zu nehmen.

Sie kann konsequent bis brutal sein. Das bekommen bisweilen Gewerkschafter zu spüren, aber auch der politische Gegner. Mit Härte und Beharrlichkeit hat Mikl-Leitner ihrer Arbeit im Innenministerium ihren Stempel aufgedrückt: mehr Polizeibefugnisse – Stichwort Anti-Terror-Paket, weitere Verschärfung der Fremdenrechtsbestimmungen durch die Anwesenheitspflicht für Asylwerber, die der Koalitionspartner SPÖ nur mit Bauchweh schluckte. Auf der Habenseite verbucht sie die Neuordnung der Polizeistruktur, die von der SPÖ scheel beäugt wird.


Patzer als ÖAAB-Chefin. Als neue Obfrau des ÖVP-Arbeitnehmerbundes (ÖAAB) unterlief ihr gleich bei der Kür im November 2011 ein kräftiger Patzer. Mit ihrem regelrecht rausgeschrieenen „Her mit dem Zaster“-Schlachtruf unterlief sie die „Keine-höhere-Steuer“-Linie der ÖVP. Am Ende wurde dann allerdings heuer im Frühjahr doch eine Solidarabgabe für Spitzenverdiener ins Sparpaket der Regierung verpackt.

Zur Ablöse von Lukas Mandl als ÖAAB-Generalsekretär Ende August kursieren zwei Versionen. Die harmlose lautet: Mandl wolle sich Richtung Personalmanagement der Partei verändern. Die brutale lautet: Mikl-Leitner habe ihn abserviert.

Zurück nach St. Pölten zieht es Mikl-Leitner vorerst nicht: Sie sei „mit Leidenschaft Innenministerin“. Was nichts daran ändert, dass ihr als mögliche Nachfolgerin Prölls dennoch gute Chancen eingeräumt werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.09.2012)

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92 Kommentare
 
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Gast: Hellboy
10.09.2012 15:15
0 0

"Hart, aber herzlich..."

also besser passt "mit Bart und schmezlich..."

Gast: Ex-ÖVP-Mitglied
09.09.2012 21:11
0 0

der verlängerte Arm von Erwin Pröll

verlängert damit gekonnt die Aufgabe als Sargnagel der ÖVP...

Gast: hugentobler
09.09.2012 20:55
0 0

mit jedem Glaserl reschen Radlbrunner

wird die erträglicher, noch ein paar und man hält sie für gescheit, aber herzlich.

Gast: Personalchef
09.09.2012 15:33
3 0

Frau Mikl Leitner

erscheint uns sehr bemüht, den Anforderungen gerecht zu werden.

Gast: M. Leitner
09.09.2012 15:32
1 0

Die unzähligen Mikl-Leitner Inserate auf Kosten der Steuerzahler

nachdem sie Ministerin geworden war, haben mich genauso geärgert wie die analoge Inseratenkampagne der Frau Maria Fekter zu ihrer Eigenwerbung und die empörende Geldverschwedung der vom Steuerzahler finanzierten defizitären ÖBB für ganzseitige flächendeckende Nutzlos-Inserate, als ob Presseförderung zum Kerngeschäft eines Transportunternehmens gehörte.

Man konnte - nach meiner Erinnerung wochenlang - keine Zeitung in die Hand kriegen, in der nicht Frau Mikl Leitner für uns lächelte, neben einem trivialen Stehsatz von absoluter Nullinformation.
Eine reine Marketingaktion der Frau Minister in eigener Sache, von uns finanziert.

Gast: gesperrter makaberich
09.09.2012 14:49
2 1

Sie ist einer der Sargnägel der ...

.. .ÖVP.
Letztlich geht es einfach darum, dass die ÖVP zu einer reinen Beamtenpartei mutiert ist.
Beamte können im Grunde garnichts außer Verwaltung, halten sich aber aufgrund ihrer Schulabschlüsse für besonders begabt (bei Lehrern steigert sich das noch).
Dadurch belasten sie die Wirtschaft, die - in den westlichen Gesellschaften - das aber aushält.
Wenn sie aber die Konkurrenz abdrehen (und das versuchen sie in der EU) und den Wirtschaftstreibenden die Möglichkeit nehmen, ihren Wahnideen zu entkommen, ruinieren sie die Wirtschaft - was überdeutlich zu sehen ist.
Mikl-Leitner ist das neue Gesicht der ÖVP. So ist diese Partei inzwischen und so wird sie sich auf ihren Beamtenkern reduzieren.
Daher wird sie auch nie aus dem Parlament fliegen, aber sich der 15% Grenze nähern.

Gast: Habakuck
09.09.2012 14:13
1 0

Jo Mei

Ja! Und wenn man bedenkt, dass sich der Generalsekretär der ÖVP bei den Republikanern in Tampa herumtreibt, da kann einem um die ÖVP ganz Angst und Bange werden. Oder wollen die auf George W. Bush-Marionetten-Niveau gehen?

Gast: DER ADVOKAT
09.09.2012 13:31
2 0

EXEKUTORIN VON WEM,ODER WAS?!

Unsere Frage lautet ganz einfach:
Und wen, oder was Exekutiert Sie?!
Eine große Bevölkerungsmehrheit (so an die min 80%!) wünscht sich intensiv, diese "wilde Henne"-EXEKUTIERT DIE GANZ UND GAR-UNNÖTIG GEWORDENE ÖVP!!

Gast: wehrdienstverweigerer
09.09.2012 13:05
0 0

Wehrdienst wird von Mikl-Leitner untergraben

Die Strategie von Mikl-Leitner ist es den Wehrdienst durch den Zivildienst zu legitimieren. Wenn die Wehrpflicht wegfällt, dann fallen auch die Zivildiener weg. Dadurch wird der Zivildienst als wichtig von Mikl-Leitner und ÖVP gesehen, der Wehrdienst als unwichtig. Das wird, falls die Volksbefragung am 20. Jänner pro Wehrdienst ausfällt, die jungen zum Zivildienst treiben. Weil der Zivildienstler wichtiger ist, werden sich viele junge Erwachsene die für die Gesellschaft etwas leisten wollen für den Zivildienst entscheiden. Das Heer wird mehr als Minderleisterorganisation gesehen, wo viele junge Erwachsene nichts leisten und leisten müssen. Die Schlagkraft des Heeres wird weiter sinken. Somit leistet Mikl-Leitner dem Wehrdienst einen Bärendienst.

Re: Wehrdienst wird von Mikl-Leitner untergraben

Sie haben es richtig erkannt man muss beim Heer nix leisten wenn man es sich richtet.
Ich hab mich damals 2000 auch nur für den Grundwehrdienst entschieden weil er 8 statt 12 Monate gedauert hat und mir klar war dass ich da nicht wirklich viel tun muss wo hingegen man beim Zivildienst je nach Stelle schon hart arbeiten muss.
Ist aber auch nicht schlecht viele von meinem Zug haben sich schon aufs Studium vorbereitet oder eben für Jobs beworben, hat man halt nach der Schule paar Monate zum entspannen gehabt.
Paar Schulkollegen die sich vorher nicht um die Stelle gekümmert haben wurden halt an die Grenze geschickt, die kann man heute noch ärgern wenn man sie an die Zeit von damals anspricht.

Gast: radoxx
09.09.2012 12:46
1 0

Argumente

Eine Person, die mit folgenden Argumenten auftritt, ist als Politikerin nicht geeignet:

*Für einen exklusiv männlichen Zwangsdienst.
*Zivildienst wird als europäisches Erfolgsmodell bezeichnet.
*Hält am jetzigen System mit allen Mitteln fest, schei** auf die Meinung des Volkes bei der Volksbefragung

Gast: Gasti
09.09.2012 12:42
2 0

Liebe Presse,

habt Mitleid und erspart mir Photos unserer Politikerinnen.

Die grossen oesterreichischen Toechter sind leider grossteils nicht vorzeigbar. Ich fuehle mich jedenfalls belaestigt.

Danke und Gruss

Die hatten ja nicht einmal eine Landeshauptstadt, in Wien haben sie sich versteckt die Feiglinge, und jetzt wollen sie uns Mores lehren.

Gast: gustl
09.09.2012 12:27
2 0

Mikl

warum tritt diese frau nicht zurück,diese kann nur noch die ÖVP schw
ächen

Indexphilie

oder eine Erscheinungsform der Selbstliebe. Derlei an einem medientrainierten Volksvertreter zu erkennen, ist symptomatisch.

Summt. Sie und ihre Parteifreunde exekutieren die ÖVP erfolgreich.


Frauen

Wo Klonen die alle solche Beautys es ist ja zum derfürchten. Hanni allein zu Haus.

Gast: Gast: Leser
09.09.2012 11:16
2 0

Stütze?

Mit derartigen "Stützen" wird Spindelegger bei nächster Gelegenheit - aber jedenfalls spätestens bei der NR-Wahl 2013 - wohl auf seine große Nase fallen. Wenn sich in einer Partei eine fachlich, geistig, rhetorisch und optisch derart unterklassige Figur wie Mikl-Leitner nach oben arbeiten kann, zeigt das nur, wie dünn die Personaldecke dieser Partei ist (natürlich auch, wie mächtig ihr Mentor - Onkel Erwin - tasächlich ist, und wie schwach der nominelle Parteiobmann ist).

Was soll an ihr "herzlich" sein?

Vielmehr punktet sie politisch - und tragischerweise ist das für die PRESSW offenbar die wichtigste Komponente - als reine "Beisszange" aus der Werkzeugkiste der Firma PRÖLLS&SPINDI durch erkennenswerte Kaltschneuzigkeit entgegen den Menschenrechten und mit ÖAAB-Polsterung als reine "Parteiblinde".

Was ist aus dem politischen Lebenslauf bei dieser Dame Zukunftsträchtiges abzulesen? Ein paar Strähnen graue Haare, die sie sich im Veitstanz auf vielen Hochzeiten ohne Sachverstand abgeholt hat.

Aber in Zeiten von FAYMANN&SPINDELEGGER reicht dieses Minimalismus. Wie sagt man doch: "So wie der Herr, so das Gscher"

Wenn sie nicht das positive "Feigenblatt" Sebastian Kurz zur Verfügung hätte, stände die Dame mit ihrem Charakter- und Persönlichkeitsprofil ziemlich nackt da.


Gast: nina blum
09.09.2012 10:47
3 2

die ÖVPler - eine Lachnummer!

Die folgen auch dem Lauf allen irdischen.

exekutorin?

denke dabei an henkerin...
sie wird sicher nicht unbeteiligt am untergang der övp bei den nächsten wahlen sein!

Gast: almöhi
09.09.2012 09:54
4 0

sie repräsentiert St. Pölten,

hervorragend, da gibt es viele ihrer Sorte, nur,
warum bleiben die bloss nicht dort ? Was haben wir anderen verbrochen, dass wir so brutal bestraft werden.Die Logik der Marie Zaster ist ja kaum auszuhalten.

Die schwarze Wagenburg

der niederösterreichischen Pröll-"Buren" nimmt langsam Gestalt an!

Gast: zzz
09.09.2012 09:06
1 0

Sozi

das sie sich mit dem Hundstorfer bestens versteht ist kaum ein Wunder. Ist der doch schwärzer als manch Schwarzer.

Gast: Miki Leitner
09.09.2012 08:25
6 2

Politikerin, what else?

Lange Rede kurzer Sinn: Gibt einen spürbaren Unterschied zu anderen Politikern?

ja

nicht ganz so widerlich und abstoßend wie die rechtsrechten Schmuddelkinder aus der FPÖ aber um einiges jenseitiger als die meisten SPÖler und fast alle Grünen.


 
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