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Höchstgerichtschef ist für Wehrpflicht

09.09.2012 | 18:18 |   (Die Presse)

Präsident Gerhart Holzinger befürwortet Volksbefragung, nimmt aber Neutralitätskampagne und Berufsheerkosten ins Visier. Spindelegger warnt vor "Vollkasko"-Denken bei Sicherheit.

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Wien/Red./Apa. Die PR-Offensiven der beiden Regierungsparteien für die Beibehaltung der allgemeinen Wehrpflicht (ÖVP) beziehungsweise den Umstieg auf ein Berufsheer (SPÖ) sind bereits im Laufen. Der Präsident des Verfassungsgerichtshofs (VfGH), Gerhart Holzinger, hält zwar aus demokratie- und gesellschaftspolitischen Überlegungen die Volksbefragung am 20.Jänner 2013 zur Zukunft des Heeres für „gut“. Er selbst bekannte in der ORF-„Pressestunde“ am Sonntag offen: „Aus heutiger Sicht bin ich für die Wehrpflicht.“ Er sei zwar selbst oft „sehr frustriert“ beim Heer gewesen, halte es aber für gut, wenn junge Männer eine Zeit lang eine Leistung für den Staat erbringen.

Zugleich stellte er zentrale Argumente der Koalitionsparteien infrage. So sei die Neutralität unabhängig von der Form des Heeres: „Man kann neutral sein mit einem Berufsheer. Man kann neutral sein mit der allgemeinen Wehrpflicht.“ Damit wandte er sich gegen Aussagen der ÖVP, die in einem Papier an Funktionäre zur Volksbefragung behauptet, die Abschaffung des Wehrdienstes bedeute „die Aufgabe unserer Neutralität“.

Für Holzinger gibt es auch „gute Argumente“ für ein Berufsheer. Allerdings bezweifelt er die Position von Verteidigungsminister Norbert Darabos (SPÖ), dass ein Berufsheer nicht teurer kommt. Er fürchte, dass ein Berufsheer Österreich bei den Kosten einiges abverlangen werde, warnte der Höchstgerichtspräsident.

 

Finnland: Berufsheer viel teurer

Dabei zeigt sich vor allem, dass beide Länder deutlich mehr als Österreich für die Landesverteidigung ausgeben und Österreich überdies bei der Ausrüstung nachhinkt. Finnland setzt hingegen weiter auf die Wehrpflicht und stützt sich dabei auf eine Studie, wonach ein Berufsheer viermal so viel kosten würde wie die bestehende Wehrpflicht.

Der Präsident des Verfassungsgerichtshofs nützte seinen TV-Auftritt nicht nur zu einem Bekenntnis zur Heeres-Volksbefragung, sondern mahnte die Regierung, das Volk mittels Abstimmungen mehr in Entscheidungen einzubinden.

 

Für mehr direkte Demokratie

„Wir sollten in Österreich mehr direkte Demokratie wagen.“ Und: „Auf Krisensymptome muss man einfach reagieren.“ Am „wichtigsten“ sei eine Wahlrechtsreform weg von den bisherigen Kandidatenlisten der Parteien hin zu mehr Persönlichkeitselementen.

Nach der Festlegung des Textes für die Volksbefragung spitzt sich die Diskussion vorerst um den Ersatz für den Zivildienst, an dem die ÖVP festhalten will, zu. Der Präsident des Bundesfeuerwehrverbandes, Albert Kren, sprach sich im ORF-Radio gegen die Berufsheer-Pläne von Verteidigungsminister Darabos aus. Seine Begründung: Prämien für Soldaten bei Katastropheneinsätzen wären für die Motivation der Feuerwehr, die gratis arbeite, schlecht. Darabos hält dem entgegen, ein künftiges „Profiheer“ sei keine Konkurrenz. Schon bisher gebe es Prämien für Milizsoldaten.

Vizekanzler ÖVP-Chef Michael Spindelegger nützte das Erntedankfest auf dem Wiener Heldenplatz zum Bekenntnis zur Wehrpflicht. Im Jänner gehe es darum, ob es einen Systemwechsel gebe, weg von Wehr- und Zivildienst zu etwas, „was wir noch gar nicht richtig sagen können“. „Da sage ich: Nein, danke. Bleiben wir auch bei der Solidarität in Österreich.“ Und: „Die Vollkasko-Gesellschaft in Österreich gibt's nicht, sorgen wir selbst für unsere Sicherheit.“

 

Erst 210 Millionen durch Verkäufe

Verteidigungsminister Darabos hat noch ein anderes Problem. Die Verkäufe von knapp 130 Heeres-Immobilien brachten bisher laut einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage 210 Millionen Euro, das ist nur rund die Hälfte des erhofften Erlöses.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.09.2012)

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59 Kommentare
 
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Welche Meinung haben Sie zur Wehrpflicht?

Sollen die Kosten des Bundesheeres auf 0.72% des BIP limitiert und die Offiziersanzahl auf die Quote von Deutschland reduziert werden?
Wie ist Ihre Meinung dazu? Stimmen Sie darüber ab, und sehen Sie, wie andere darüber denken:
http://forum.rdoe.at/index.php?page=Thread&threadID=45
Stimmen Sie auch über andere wichtige Themen ab, welche in Österreich dringend geändert werden müssten, und setzen Sie damit ein Zeichen, dass die Politik oft gar nicht berücksichtigt, was die Mehrheit der Bevölkerung will:
http://forum.rdoe.at/index.php?page=Board&boardID=90

Gast: almöhi
12.09.2012 11:54
0 0

dieser Artikel ist eine Frechheit,

der Herr Höchstgerichtschef hat für gar nichts zu sein, er hat in dieser Sache den Mund zu halten. Der Herr Holzinger kann natürlich sein, wofür er will, natürlich ohne umgehängtes Kragerl.

Gast: Dr. Wolfgang Schlüssel
11.09.2012 11:05
0 0

Für alte Grantler zur Errinnerung:

Schüssel-ÖVP fordert GENAU DAS, was DARABOS jetzt ausführt:

http://a2.sphotos.ak.fbcdn.net/hphotos-ak-ash4/s720x720/296095_491184520892765_1629615316_n.jpg


Gast: eineInfofürdieÖffentlichkeit
10.09.2012 15:00
1 0

Gute Neuigkeiten für die 16jährigen

Wir habe eine gute Nachricht für Euch:

Wer bei der Volksbefragung das 16. Lebensjahr erreicht hat und für ein Berufsheer stimmt, bekommt keinen Einberufungsbefehl mehr.

Denn ab 2014 werden keine Befehle ausgegeben.

Bitte weitersagen.

Bitte kreuzt für ein Berufsheer an, Ihr werdet es nicht bereuen.

Gast: derSöldner
10.09.2012 14:56
0 0

Wie erkenne ich einen gekauften ÖVP-Vertreter?

Sie fragen sich sicher oft: Woran kann man einen von der ÖVP-bezahlten General oder einen bezahlten NGO-Vertreter erkennen?4

Ganz einfach: Wenn die Person das Berufsheer mit einem Söldnerheer vergleichen. Das ist ÖVP-Linie. Bei der ATV-Talksendung hat ÖVP-Wehrsprecher Klikovitz das Berufsheer sogar mit der NS-Wehrmacht verglichen. Solche Entgleisungen passieren immer wieder in der ÖVP.

Also, bei der Erwähnung "Söldnerheer" wissen Sie, daß ist ein Gekaufter. Dann wissen Sie gleich, daß die Person lügt.

Der nächste wird der Ex-Schistar Karl Schranz sein. Auch er wird wahrscheinlich über ein Söldnerheer sprechen. Lassen wir uns also überraschen.

Antworten Gast: world-citizen
10.09.2012 23:11
0 0

Re: Wie erkenne ich einen gekauften ÖVP-Vertreter?

Ausgerechnet Schranz, den alle, die jünger als 40 sind gar nicht kennen und der außerdem ein weißer Jahrgang ist.

Hier will man Greise mit unseriöser Angstmache gegen die Jugend mobilisieren.

Überall in Europa funktionieren die Rettungs- und Pfledgedienste - ganz ohne Zivildienstsklaven.

Gast: Otto Walldorf
10.09.2012 14:40
2 0

Jeder halbwegs Vernüftige,

der beim Bundesheer als Wehrmann grundlos sekkiert wurde, ist für die Abschaffung der Wehrpflicht und hat auch schon in der Vergangenheit dafür gesorgt, dass seine Söhne dort nicht von Alkoholikern und Zivilversagern drangsaliert werden.

Gast: smilefile
10.09.2012 10:11
0 2

Eine Privatarmee,..



für die immerwährende Neutralität Österreichs? Sehr interessant,....meinen Sie nicht?

Antworten Gast: phu troc
10.09.2012 13:18
0 0

Re: Eine Privatarmee,..

was für eine "privatarmee"? heimwehr, schutzbund...? ich gehe doch davon aus, dass das berufsheer so wie heute auch schon, weiterhin der bundesregierung untersteht.

Gast: ich habe die lösung
10.09.2012 09:43
1 4

Gut, dass er seine privaten Ansichten herausposaunt.

So fällt der Befangenheitsantrag leichter.

Obwohl sich ein VfGH-Präsident diskret um seinen Gerichtshof kümmern sollte, anstatt die Medien mit irgendwelchen Privatmeinungen zu füttern.

Re: Gut, dass er seine privaten Ansichten herausposaunt.

Eine Meinung zu Vertreten ist in einer Demokratie sehr wichtig. Zumal Herr Dr. Holzinger seine Sicht der Dinge sachlich bringt und beide Modelle kritisch betrachtet. Danke!

Wir brauchen ein starkes Bundesheer

damit wir es so richtig krachen lassen können.

Gast: smilefile
10.09.2012 09:04
4 2

Eine Privatarmee,..



für,- oder gegen das österreichische Volk? Sehr dubios die ganze Geschichte,...

Gast: smilefile
10.09.2012 08:24
2 1

Werte Herren,...



...wo seid Ihr wenn es um unsere Demokratie geht.

Wo sind eure "demokratischen Bedenken" zum ESM??

"wenn junge Männer eine Zeitlang eine Leistung für den Staat erbringen"

das tun sie doch ein Leben lang, bei einer Abgabenquote von ca. 70 %, alle Gebühren eingerechnet!

Gleichheit vor dem Gesetz

wenn nun der oberste Hüter der Verfassung für den Wehrdienst Eintritt, dann bitte nicht ohne Außerachtlassung, dass auch (gem. dem Gleichheitsprinzip) die Mädels ihren Dienst antreten sollen. Ob mit oder ohne Waffe. sonst bleibt das eine permanente Benachteiligung aller jungen wehrfähigen Männer, denen einige Monate ihres Lebens gestohlen werden!

Ein Höchstrichter sollte sich

politisch nicht exponieren. Mit der Vorwegprüfung von staatlichen Verträgen hat er nicht unrecht, wenngleich sein Motiv sicher nur die Ausweitung seiner Macht(befugnisse) ist.

Nostalgie

Ich war 1968 beim BH, aufgrund des Einmarsches der Russen in die CSSR hatten wir erhöhte Alarmbereitschaft, Wache mit durchgeladenem Gewehr und Schießbefahl. Im Fliegerhorst Langenlebarn waren alle nervös. Wir Wehrdiener wußten wofür wir da waren und waren auch stolz.
Die Burschen eines Jahrganges im Dorf haben nach der Musterung ihre Tauglichkeit gefeiert.
Heute ist sicher alles anders. Aber ein Söldnerheer, wo sich nach EU-Recht (freier Arbeitsmarkt) arbeitslose Romanier, Bulgaren, Luxenburger usw. bewerben können, für die nur das Geld zählt, nein danke. Der 26. Okt. (Staatsfeiertag - Gesetz der immer wärenden Neutralität) hat leider seine Bedeutung verloren.

Neutralität unser höchstes Gut, wie toll !

Die ganze Welt schaut auf unsere Neutralität ! Im chinesisch - japanischen Konflikt um die Meeresfelsen sind wir neutral, selbstverständlich auch in der Diskussion um die Hoheitsrechte am Panamakanal, ganz zu schweigen vom Grenzdisput zwischen Botswana und Zimbabwe.
Auch wenn unsere Haltung sowieso niemanden interessiert sollten wir doch nicht so dumm sein zu glauben Ignoranz sei ein Gut, sogar unser "höchstes".

Antworten Gast: wolfi48
10.09.2012 08:45
1 0

Re: Nostalgie

Hier irrt Holzinger - „…junge Männer eine Zeit lang eine LEISTUNG für den Staat erbringen“ - das (tun) können sie in der übergroßen Mehrzahl eben nicht. Ich war 1968 ebenfalls beim BH. Rückblickend war die Ausbildungszeit (11 Wochen) in Mistelbach interessant und auch fordernd. Die restlichen 6 Monate in Wien (noch dazu damals mit Uniformpflicht und Kasernenschlafpflicht) waren völlig sinn-und nutzlos. Wir waren durch die Ereignisse 1968 sicher verunsichert, aber „wofür wir da waren“ wussten wir – für Hilfsdienste verschiedenster Art. Auch war das Bundesheer damals ein „Selbstbedienungsladen“ für die ÖVP und auch aus heutiger Sicht „Rechter Kreise“.
Von meinen 3 Söhnen hatte einer „etwas“ davon. Für die beiden anderen war es ebenfalls nach der Ausbildungszeit uninteressant. Alle 3 haben eine großen Nacheil gegenüber ihren weiblichen Altersgenossen in Kauf nehmen müssen. Gerade in einem Alter, wo die jungen Frauen (Mädchen) im Allgemeinen sowieso schon „g’scheiter“ sind als die jungen Männer, verlieren relativ viele ihren Arbeitsplatz bzw verlieren Studienzeiten – haben einen beruflichen Nachteil. Daher brauchen wir keinen Wehrersatzdienst, sondern eine „Sozialjahr“ (wie auch immer) für Männer UND Frauen.
Im Übrigen klingt das Argument mit einem Söldnerheer (also haben 22 EU-Staaten ein Söldnerheer?) in abgewandelter Form, nach altbekannter FPÖ-Propaganda mit Überflutung durch ausländische Arbeitskräfte.


Antworten Gast: CS
10.09.2012 08:22
2 2

Re: Nostalgie

"Wir Wehrdiener wussten wofür wir da waren" ... als schlecht ausgebildete, mehr als unterbezahlte Jugendliche als Kanonenfutter eingesetzt zu werden bis die richtige Armee kommt? Verzeihen Sie meine Arroganz, aber ich fühl mich einfach zu Gut um mich einem kaputten Heer unterzuordnen. Allein die letzte Kampagne mit dem Panzer hat uns weltweit als Volldeppen ausgezeichnet. Suchen Sie auf YouTube nach dem österr. Bundesheer, Sie finden dumme Jugendliche die Kästen umwerfen, im Schutzanzug "krochen", Betten kaputt machen und bekifft (!) Interviews geben. Kein klar denkender Mensch würden solchen Leuten ein geladenes Sturmgewähr anvertrauen. Da hätte ich mehr Angst, dass die sich im Kriegsfall alle gegenseitig erschießen.

Gast: UKW
10.09.2012 04:24
5 4

Er sei zwar selbst oft „sehr frustriert“ beim Heer gewesen, halte es aber für gut, wenn junge Männer eine Zeit lang eine Leistung für den Staat erbringen.

Er sei zwar selbst oft „sehr frustriert“ beim Heer gewesen, halte es aber für gut, wenn junge Männer eine Zeit lang eine Leistung für den Staat erbringen.

Ach so der Herr Verfassungsgerichtshofspräsident findet es also gut, dass weiter nur die männliche Bevölkerung Österreichs zur Zwangsarbeit für den Staat verpflichtet wird? Sind vor der Verfassung denn nicht alle Menschen gleich?

Höchstgerichtschef ist für Wehrpflicht:

In dieser "Rechtsmeinung" ist er aber doch befangen, der Herr Rat: als "praktisch Offizier unser Heer", wird er sich doch vom Volk nicht sein waffenfreundliches Hobby vermiesen lassen!

Antworten Gast: Bärenfalle...
10.09.2012 06:27
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Re: Höchstgerichtschef ist für Wehrpflicht:

Aus der Geschichte lässt sich gelegentlich etwas lernen, denn:

Ein Land hat entweder eine Armee die sich aus allen Teilen der eigenen Bevölkerung zusammensetzt.

Oder einen Söldnerhaufen der sich ruckzuck mitsamt dem ihm anvertrauten Mitteln des staatlichen Machtmonopols selbstständig macht sobald die Kohle nicht pünktlich am Konto ist.

Dann doch lieber ersteres.

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1. hilft eine Buergerwehr,

Militaer auch wirklich im Sinne des Buergers einzusetzen und nicht im Sinne der Nato, Industrie, Kaiser, EU etc.
2. auf das im Zivilleben stehende Verteidigungspotential - vor allem intelligenzmaessig - kann ein kleines Land nicht verzichten.

Gast: F11
10.09.2012 00:33
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"Präsident Gerhart Holzinger befürwortet Volksbefragung, nimmt aber Neutralitätskampagne und Berufsheerkosten ins Visier."

Was ist dieser jetzt? - ist dieser (unparteiischer) Richter oder Volkswirt oder Politiker?

 
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