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Heeresdebatte: "Nicht als Wahlzuckerl verwenden"

14.09.2012 | 18:46 |  IRIS BONAVIDA (Die Presse)

Streitkräftekommandant Günter Höfler warnt davor, das österreichische Bundesheer zu "missbrauchen", und fordert von der Politik eine seriöse Aufklärungskampagne vor der Volksbefragung.

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Die Presse: Welche Aufgaben muss denn das österreichische Bundesheer im 21. Jahrhundert erfüllen?

Günter Höfler: Hier kann man sich die europäische Sicherheitsstrategie anschauen. Da gibt es Bedrohungsszenarien – von der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen über die Auswirkungen regionaler Konflikte. Wichtig ist auch die Cyber Security. Die Aufgabe im eigenen Land ist also immer noch die Landesverteidigung, die aber im 21.Jahrhundert als Aufrechterhaltung der Souveränität verstanden wird, damit der Staat als Gesamtes sicherheitsmäßig funktionieren kann. Im internationalen Bereich ist es der Beitrag zum nationalen Krisenmanagement.

 

Erfüllt das Heer die Aufgaben derzeit?

Zweifellos.

 

Norbert Darabos findet, dass diese Aufgaben besser von einem Berufsheer erfüllt werden. Generalstabschef Entacher widerspricht. Wo stehen Sie?

Ich möchte nicht die Seite ansprechen. Tatsache ist: Egal, wie die Volksbefragung ausgeht, wir müssen die Entscheidung umsetzen. Mein Zugang ist folgender: Die Sicherheitspolitik braucht einen hohen Stellenwert, auch in Österreich. Dafür braucht man einen nationalen Konsens. Diesen Konsens herbeizuführen ist Aufgabe der Politik. Ich glaube, es nur auf die Frage „Wehrpflicht oder Berufsheer?“ zu reduzieren ist zu wenig und erschwert der Bevölkerung eine seriöse Beantwortung der Frage. Man muss klar darstellen: Was sind die Aufgaben des Bundesheeres heute wirklich, mit welchem System kann man die Aufgaben am besten erfüllen und welche Bedingungen braucht es dafür? Das gehört im Vorfeld beantwortet.

 

Das heißt aber, die Politik hat das bisher Ihrer Meinung nach verabsäumt.

Ja, das ist sicherlich verabsäumt worden und sollte in den nächsten Monaten aufgearbeitet werden.

 

Bis Jänner sollte man also eine Aufklärungskampagne starten.

Absolut, eine seriöse Aufklärungskampagne, damit man als Bürger eine seriöse Entscheidung treffen kann. Die Entscheidung hat Auswirkungen auf die Gesellschaft und auf zukünftige Generationen.

 

Es wirkt so, als würden sie die Parteien eher als Wahlzuckerl missbrauchen.

Das hat es auch in der Vergangenheit schon gegeben. Die Sicherheitspolitik ist etwas zu Wichtiges, um sie in der Tagespolitik oder als Wahlzuckerl vor Wahlen zu verwenden. Die Leute brauchen Informationen, um Entscheidungen zu treffen. Denn sonst sind es Bauchentscheidungen. Die sollte man der Sicherheitspolitik nicht antun.

Wäre ein Berufsheer mit dem derzeitigen Budget von zwei Milliarden Euro umsetzbar?

Bei zwei Milliarden Euro muss man sich anschauen: Wie viele Berufssoldaten kriege ich, und was können sie umsetzen? Da kommt man wieder auf die Anfangsfrage zurück: Was sind die Aufgaben für das Heer? Und welche Aufgaben können mit welchem System am besten umgesetzt werden? Das gilt es vorher seriös darzustellen.

 

Glauben Sie, wird es genug Freiwillige geben, die sich dafür melden?

Das ist schwer zu beantworten. Wir haben in den letzten Jahren 2000 Zeitsoldaten, die länger dienen. Wenn man entsprechend zahlt, wird man vielleicht mehr haben. Diese Zahlen sind auch konjunkturabhängig: Ist die Konjunktur gut, hat man weniger Nachfrage. Die Frage müsste man wirklich einmal empirisch erheben.

 

Wenn man mit Soldaten spricht, hört man vor allem von einem großen Problem des Heeres: die extrem schlechte Werbung. Soldaten würden nur durch den Grundwehrdienst rekrutiert. Stimmt das?

Ich glaube, dass vor allem in der Bewerbung sicher noch viel zu machen ist. Auch ich stelle immer wieder fest, wenn man die Bevölkerung aufklärt, was das Bundesheer tatsächlich leistet, sind die meisten verwundert. Allerdings kann man sich ja auch im Internet über das Heer informieren.

 

Trotz all des politischen Hickhacks: Im Jänner wird es die Befragung geben. Sind Sie glücklich darüber?

Ja, weil hier Bewegung in die Sicherheitspolitik gekommen ist. Man kann nicht nichts tun und so weitermachen.

Auf einen Blick

Günter Höfler (59) ist seit 2006 Kommandant des Streitkräfteführungskommandos. Ab Jänner 2013 wechselt er nach Brüssel, wo er die österreichische Militärvertretung leiten wird. Damit wird er oberster Militärberater Österreichs und die heimischen Interessen gegenüber EU und Nato vertreten. Wer sein Nachfolger wird, ist allerdings noch nicht bekannt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.09.2012)

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30 Kommentare
 
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Gast: Obsörver
16.09.2012 09:39
1 1

Nicht der Norbert gehört abgeschafft

sondern die vielen Generäle, die sich für ein paar Hunderter (manchmal auch Tausender) mehr im Monat ideologisch auf seine Seite hauen, obwohl sie wissen, was er anrichtet. Aber das is ihnen egal - Stichwort: Studierende Kinder, dritte Zähne im Anmarsch, heimliche Freundin, neues Auto etc.
Einfach erbärmlich!

Gast: Orange-in-Wien
15.09.2012 20:46
1 0

sie wird wohl bleiben

Die KRONE macht kaum Stimmung in Richtung Berufsheer.

Die Frauen sind zu 99% der Meinung "ja nix ändern, sonst werden wir eingezogen".

Am Ende wird also egal sein ob die Zustimmung unter den Männer 51 zu 49 (Berufsheer vs. Wehrpflicht) oder 90 zu 10 ist.

Denn FRAUEN GIBT ES MEHR ALS MÄNNER!

Bananenrepublik

Ein Minister wie Darabos gehört abgeschafft!MfG

Travnicek lebt!

"Ich weiss zwar nicht wohin, aber dafür bin ich g'schwinder dort". Das scheint Darabos' Motto zu sein, wenn er ein Berufsheer fordert. Denn bislang hat er uns nicht erklärt, was sich denn an Aufträgen und Herausforderungen an das Heer von morgen stellt. Nach wie vor gilt die Verfassung, die vorschreibt, dass dem Bundesheer die militärische Landesverteidigung obliegt. Dazu kommt Assistenz der Behörden, Katastophenhilfe und ZULETZT die Auslandseinsätze. Und daran wird sich nichts ändern, auch wenn die Panzerschlacht im Tullnerfeld obsolet ist. Es warten andere Aufgaben, die eine große Zahl an Soldaten verlangt. Stichwort: Kritische Infrastruktur.

Höfler hält sich hier vornehm zurück, wenn er meint, dass man sich zunächst den Auftrag an das Heer ansehen muss. Wenn man zwischen den Zeilen liest, erkennt man, dass sich all das an Anforderungen mit einer Palastwache, die sich aus "Profis" aus dem Prekariat rekrutiert, wohl nicht ausgehen wird.

Vermutlich sind die Schweizer, die ähnliche Aufgaben für ihre Armee haben, dümmer als wir. Sie haben schließlich eine funktionierende Miliz, die im Bedarfsfall zusammentritt - kein Profiheer, das man vielleicht alle paar Jahre brauchen kann und das dann zu klein ist.

Die Nachbarn haben das genau durchgerechnet: Jedes Berufsheer ist teurer, als eine Wehrpflichtmiliz. Sie haben auch ein deutlich höheres BIP als wir. Ob sie die besseren Rechner sind als ein Lokführer im Team mit zwei, drei sich anbiedernden Generalstäblern?


Antworten Gast: foxy2
15.09.2012 19:00
2 0

Re: Travnicek lebt!

ich möchte nur anmerken, dass die Schweiz (meines Wissens) sehrwohl neben der Miliz ein Berufsheer hat, welches größer ist als das Österreichische.

Gast: eso-policier
15.09.2012 14:16
6 5

Wehrpflicht

Die Wehrpflicht, und diese verächtliche "Stellung", gehören sofort abgeschafft. Äußerst empfehlenswerte Seite zum Thema "Stellung"
www.musterung.us

2 3

Er schon wieder ...

... mit seiner verächtlichen Stellung.

Immer noch so verklemmt?

:-)

Gast: Obsörver
15.09.2012 12:33
4 2

Hihihi

Ich mag den Günter. Er is so herrlich unverbindlich. Und gar nicht uneigennützig. Immerhin muss ein Oberstleutnant aus Brüssel gehen, damit er dort sein kann. Als "Dreisterner" ohnehin viel zu hochrangig. Ich hoffe, er hält sich beim Essen zurück ... .

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte ...

Dass ein willfähriger General ob seinem gut bezahlten Abgang nach Brüssel (angeblich der bestbezahlte Job im BMLV) sich nicht einmal freimütig zu der einen oder anderen Position bekennt untermauert seine Willfährigkeit - im Gegensatz zum höchsten Soldaten, General Entacher. Vor ihm sollte man den Hut ziehen. Was aber ist den Augen Gesicht des Herrn Höfler zu entnehmen?

Unser Gesicht drückt Gefühle und innere Einstellungen aus. Die Augen sind nun einmal das Tor zur Welt und das Fenster zur Seele! Das sind sie auch bei Höfler. Was sagen uns nun schmale, zusammengekniffe Augen und ein konturenloes Gesicht? Aufrichtigkeit, Offenheit, Freimütigkeit und Loyalität oder Berechnung, Kalkül, jemanden "ins Visier nehmen", "über Leichen" gehen usw.?

Die Antwort möge sich jeder selbst geben!

Re: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte ...

Ich finde seine Augen auch klein - das hat aber IMHO nichts mit seinem Charakter sondern einfach ein paar Kilos zuviel auf den Rippen zu tun.

Nachdem die wenigsten unserer Generäle jemals im Auslandseinsatz waren (ausser zu Truppenbesuchen) ist das Gewicht ja egal. Tatsache ist jedoch dass mir in einer Berufsarmee eine Handvoll von ihnen einfallen würden, die in Ermangelung ausreichender Fitness schon vor Jahren in die Rente hätten geschickt werden müssen. Aber in Brüssel muss man ja nicht "kämpfen" sonder darf mit dem Champagnerglas in der Hand seinem Land dienen. Daher schlage ich als Generalstabschef in spe den General Schmidseder vor. So müssen Berufssoldaten aussehen!

Erfüllt das Heer die Aufgaben derzeit? Zweifellos.

waaahahahaha zuviel blut im alkohol? oder umgekehrt?
wiebitte???

oesterreich hat kein heer, sondern einen scherzartikel nach dem anderen.
unbrauchbare flugzeuge, die voellig ueberteuert und an der zahl viel zu gering sind.
ein paar panzer aus den 60ern (die an der zahl viel zu gering sind). artillerie? - nicht vorhanden. kavallerie? nicht vorhanden (speziell im unwegsamen huegelland sehr hilfreich). infantrie? - L O L, ein paar gerade noch taugliche unmotivierte 18 jaehrige mit 0 erfahrung - ein absoluter joke.

statt 17 mrd euro foerderungen & subventionen / jahr koennte man eine starke professionelle armee aufstellen, zu land (zu fuss, beritten, in fahrzeugen), luft, wasser

desweiteren ist die beste verteidigung fuer ein land eine schlag kraeftige miliz. waffenfreiheit und verteidigungsbewusstsein.

bin froh in einem land zu leben, wo leute mit der smith&wesson in der einen hand und der bibel in der anderen hand noch haus&hof, familie & vaterland verteidigen mit voller motivation.

1 0

Ja

Herr Höfler, ich bin bei ihnen. Die Frage ist, was machen die Medien.

Gast: gefreiter
15.09.2012 01:44
6 2

GWD

der liebe herr höfler weiß leider nicht wie es im grundwehrdienst zu geht....da kommt ein betrunkener EF zugsführer in einen schlafsaal voller rekruten und feuert zum spaß ein magazin k patronen aus seinen stg ab.
und dieser liebe herr zugsführer wird wahrscheinlich mal ein milizoffizier....toll wie es im bundesheer derzeit ist!!!

solche soldaten brauchen wir

2 0

Re: GWD

Die Silberstrichal san ja auch keine richtigen Soldaten.

...

wieso sind solche Leute nicht in der Politik?

Re: ...

Fachleute haben wenig Zeit für Werbeschaltungen

2 0

Re: ...

Sie wollten sagen: nicht bei den bekannten Parteien? Nun, das ist leicht beantwortet.

Berufsheer

Ein Berufsheer ist ausschließlich für EU und Nato notwendig. Alles andere ist Lüge. Man braucht diese Experten für globale Einsätze. Wir sollten entscheiden Berufsheer oder Wehrpflicht. Wer dafür ist, dass wir für internationale Einsätze sind, und natürlich auch bezahlen müssen, der sollte daher für ein Berufsheer stimmen. Personen, denen die Bewachung unserer Grenzen genuegt, der sollte für die Wehrpflicht stimmen. Besonders in dieser Situation sind die Schwarzen, die haben naehmlich gemeinsam mit den Roten unser Heer finanziell ausgeblutet und jetzt tun sie so, als wären sie die Retter. Einfach schäbig. Bei Darabosch wieder muss man sagen, dass der nie fürs Heer war. Dieses Schlamassel hat ihm Häupl eingebrockt. Wir sollten vielleicht einen Blick in die Schweiz werfen und vielleicht an denen orientieren.

Re: Berufsheer

Genau ...

den Blick zu den Deutschen, Tschechen, Slowaken, Ungarn, Slowenen, Italienern, Spaniern, Portugiesen, Franzosen, Briten, Belgier, Niederländer, Letten, Litauer, Schweden, etc. sparen wir uns ...

gut dass die Schweizer noch die Wehrpflicht haben

3 2

Würden Sie ...

.... "den Blick zu den Deutschen, Tschechen, Slowaken, Ungarn, Slowenen, Italienern, Spaniern, Portugiesen, Franzosen, Briten, Belgier, Niederländer, Letten, Litauer, Schweden, ..." werfen, und zwar direkt, dann würden Sie sehen, dass das bei denen auch nicht sooo toll funktioniert wie es von derern Politikern und Medien transportiert wird.

Die eigentliche Frechheit ist, dass Männer Dienst am Staat verrichten müssen, Frauen aber nicht!

Das Problem gehört gelöst, vielleicht von Heinisch-Hoschek?

;-)

Gast: strate
14.09.2012 22:15
3 3

SO sehen Generäle aus:

http://en.wikipedia.org/wiki/File:GEN_David_M._Rodriguez_in_ACU.jpg

und nicht wie Homer Simpson-Sackbauer.

Re: SO sehen Generäle aus:

Drahtig ist er ja, aber sonst erinnert er mich eher an den Nachrichtensprecher bei den Muppets.

Unterschätzen sie nie das Gewicht das unsere Generäle in die Waagschale werfen können!

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Re: SO sehen Generäle aus:

Ach geh, bleiben sie mit den Amis weg.

Dieser Herr war noch ein Heerführer:
http://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Conrad_von_Hötzendorf

Leider ist es ein Wahlzuckerl


das sich die roten Schmierbolzen zuschreiben wollen.
Aber eines ist klar: billiger wirds sicher nicht!

Re: Leider ist es ein Wahlzuckerl

so billig wie jetzt kann es aber auch nicht bleiben!

Junge Männer (Rekruten) vergammeln in sinnleerer Diensterfüllung,

missbraucht als Werbepotential für das Bundesheer und Sozialdienste (wenn Zivildiener),

unterbezahlt und mieserabel (wenn überhaupt) ausgebildet und

untergebracht (wenn überhaupt) in gefängnisgleichen Behausungen .. letztklassig bis zum geht nicht mehr.

 
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