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Reinhold Lopatka: "Woher der Wind weht"

15.09.2012 | 18:07 |  von CHRISTIAN ULTSCH (Die Presse)

Außenamts-Staatssekretär Lopatka wirft dem SPÖ-Kanzler vor, kein europapolitisches Konzept zu haben und Merkel in den Rücken zu fallen. Frankreichs Präsident Hollande greift er frontal an.

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Kanzler Faymann hat sich zuletzt als glühender Europäer präsentiert. Läuft die SPÖ der ÖVP den Rang als Europapartei ab?

Reinhold Lopatka: (lacht) Keineswegs. Die ÖVP hat seit Jahrzehnten eine klare, pro-europäische Linie. Die wesentlichen Europa-Politiker kommen fast ausschließlich aus unseren Reihen. Bei Faymann tue ich mir schwer ...

Warum?

Weil er seine Position oft verändert, aber nie begründet. Denken Sie zurück: Den EU-feindlichen Brief, den er 2008 mit Gusenbauer an die „Kronen Zeitung“ geschickt hat, könnten heute Stronach und Strache absenden, ohne irgendetwas ändern zu müssen.

Da hat sich der Kanzler ja weiterentwickelt.

Faymann richtet seine Positionierung nicht an Überzeugungen aus, sondern schaut immer nur, woher gerade der Wind weht. Er hat kein Konzept. In den USA nennt man das eine Flip-Flop-Politik. Anfang des Jahres in Berlin war er noch im Lager von Kanzlerin Angela Merkel und unterstützte ihren Sparkurs in der Schuldenkrise, dann nach dem Sieg François Hollandes bei der französischen Präsidentenwahl wechselte er die Seiten und fiel Merkel in den Rücken.

Was werfen Sie Faymann konkret vor?

Es gibt eine Bruchlinie in Europa. Es geht deshalb darum, Allianzen zu bilden. Die EU darf nicht zur Schuldenunion werden. Faymann ist leider von Deutschland und Finnland abgerückt. Anstatt verantwortungsbewusste Reformer zu unterstützen, stärkt der Bundeskanzler nun das populistisch-sozialistische Lager von Hollande.

 

Sie dürften kein Freund von Hollande sein.

Hollande setzt falsche Schritte. Er senkt das Pensionsalter auf 60 und schwächt damit die Wettbewerbsfähigkeit seines Landes. Er hat auch verfrüht Großzügigkeit gegenüber Athen angedeutet. Und Faymann hat das noch gesteigert: Bevor noch der Bericht der Troika vorliegt, spricht er davon, die Frist zu strecken, statt auf Strukturreformen und Budgetdisziplin zu pochen. Das alles ist sehr unangenehm für Griechenland, es wird aber noch unangenehmer für die EU insgesamt, wenn man diesen Weg nicht durchhält.

Ist für Sie und den Vizekanzler die Situation nicht vor allem deshalb undankbar, weil seit dem Lissabon-Vertrag die Außenminister nicht viel zu vermelden haben in der EU?

Der Lissabon-Vertrag hat eine Veränderung gebracht. Umso wichtiger wäre es, dass der Bundeskanzler Linie hält.

 

Auch Merkel hat rote Linien aufgegeben.

Welche?

 

Vergangene Woche erst ließ sie zu, dass die EZB künftig unbegrenzt Staatsanleihen aufkaufen kann.

Das ist eine kurzfristige Maßnahme. Man soll nie zu früh das Ende der Krise herbeireden, aber seit dem Sommer hat sich durch EZB-Interventionen die Lage entspannt.

Sie sagten unlängst, die EU solle eine Bandbreite für das Pensionsalter festlegen. An welchen Rahmen denken Sie da?

Das Pensionsalter von 62 Jahren sollte in der EU nicht unterschritten werden.

 

Das faktische Pensionsalter in Österreich ist ja noch niedriger.

Der nächste Schritt wäre es, unter strengen EU-Auflagen zu kontrollieren, warum das faktische Pensionsalter in einzelnen Ländern zu niedrig ist.

Delegieren Sie da nicht den Mut zu Reformen nach Brüssel?

Die Nationalstaaten sollen auch weiterhin das Recht haben, ihre Sozialpolitik auszugestalten, aber die EU soll den Rahmen vorgeben. Gerade die Pensionen gehören europaweit zu den kostentreibendsten Faktoren.

Wollen Sie eine EU-Bundesregierung?

Ich halte nichts von einer europäischen Bundesregierung.

Aber wer soll die gemeinsamen Festlegungen dann exekutieren?

Die Staaten sollen ihre Souveränität behalten. Je weiter aber ein Staat hinter vereinbarten Zielen zurückbleibt, desto mehr Souveränität soll er verlieren. Umso mehr muss etwa ein Währungskommissar eingreifen können. Und wenn ein Staat nicht imstande ist, Vereinbarungen einzuhalten, muss nach einer Kette von Sanktionen – Strafzahlungen, Stimmrechtsverlust – ein EU-Ausschluss möglich sein. Diese Ultima Ratio sollte man mitbedenken, wenn im Dezember ein Konvent zusammentritt, um einen neuen Vertrag auszuarbeiten.

Und ab wann soll es den Vertrag geben?

Das wird Jahre dauern. Danach muss man den Vertrag dem Volk zur Abstimmung vorlegen, weil es zu Souveränitätsverlusten kommen kann.

Hätte es nicht längst eine Volksabstimmung über Fiskalpakt und ESM geben müssen? Im Regierungsabkommen war das bei Änderungen von EU-Verträgen vorgesehen.

Die Entscheidungen mussten schnell getroffen werden. Verfassungsrechtlich war ein Referendum nicht nötig.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.09.2012)

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39 Kommentare
 
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klein lopatka gegen den großen hollande ....

der hat seine absenz von der politbühne nicht verkraftet. zurück mischt er gleich in der weltpolitik mit.

ein talent wie er ist der welt die letzten jahre abgegangen. jetzt darf er wieder bla, bla, bla ...

Maulhelden

kann man sofort von klugen Menschen unterscheiden. Letztere denken zuerst. kann man das dem Herrn Lopatka einmal einsagen?

Gast: Hans Bieler
16.09.2012 17:31
5 2

Fekter II

Zuerst konnte man ihn in der Regierung nicht mehr brauchen.
Dann wurde er in die WKO verschoben, wo die Mitgliedsfirmen ihn erhalten mussten.
Früher war er für Sport zuständig, jetzt Außenpolitik.
Ein Allroundgenie? NEIN.
Er kennt nicht einmal den Unterschied zwischen Außenpolitiksprecher der ÖVP und Staatssekretär in einer Öffentlichen Funktion. Er ist peinlich wie Fekter.

Gast: Jonny Weismüller
16.09.2012 17:26
4 2

Der Kropf der Regierung!

Als ob wir mit Fekter, Berlakovic und Stöger nicht schon genug gestraft waren...

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Frage

Warum wurde dieser Untote der Schüsselregierung wieder ausgegraben???

Gast: American Nerd
16.09.2012 16:02
6 2

Der Lopatka ist ein typischer interner Aufhetzer

der die Demokratie im europäischen Raum
am liebsten zugunsten der Korruption abschaffen möchte.

6 0

politiker

ich versteh nicht wie man ueber unsere politiker so herziehen kann wir haben sicher die besten dieses wunderschoenen landes!! die frage ist nur,welche und wessen interessen sie vertreten?? die intressen des volkes koennen es allerdings ganz sicher nicht sein!!


Gast: Zweifel tut not
16.09.2012 13:23
6 0

Der Betrag der in Österreich für die Wirtschaftsförderung ausgegeben wird

ist genauso hoch wie der Bundeszuschuß für die Pensionen!
Jedes Jahr zahlen der Bund und die Länder Wirtschaftsförderung an Betriebe in der Höhe von 8 Milliarden Euro!
Auch an Betriebe die Gewinn machen. Die Gießkanne ist unerbittlich.
Aber die Pennsionen sind beliebige politische Manövriermasse.

Re: Der Betrag der in Österreich für die Wirtschaftsförderung ausgegeben wird

Sollte man Leistungsträger oder eher Versager fördern ? Das Giesskannenprizip ist schlecht aber es bewahrt davor eine Auswahl treffen zu müssen die sich nachher als falsch herausstellen könnte

Gast: referendenversprichtmannurmehr
16.09.2012 13:09
5 0

volksabstimmungen zu ESM und fiskalpakt bankensubventionen usw.wurden erfolgreich verhindert; in der eu-eurozone wurde das souverän volk von den finanzmärkten u. banken abgelöst.


Gast: Political smell
16.09.2012 13:04
6 1

Reinhold Lopatka (* 27. Jänner 1960 in Vorau, Steiermark) ist ein österreichischer Politiker der ÖVP und derzeit Staatssekretär im Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten. Im Jahr 1982 promovierte Lopatka nach dem Studium der Rechtswissenschaften und der Theologie an der Universität Graz zum Doktor iuris. Schon in seiner Jugend- und Studienzeit in verschiedenen ÖVP-Schüler- und Studentenvereinen aktiv, wurde er schließlich 1986 in den Steirischen Landtag gewählt.

1993 bis 2001 war Lopatka steirischer ÖVP-Landesgeschäftsführer. 2002 schließlich managte er für die Bundes-ÖVP den Nationalratswahlkampf. Wolfgang Schüssel, damaliger Bundesparteiobmann der ÖVP, holte nach diesem Wahlsieg Lopatka in die Bundespartei und ernannte ihn 2003 zum Generalsekretär der ÖVP. Im selben Jahr wurde er als Abgeordneter in den Nationalrat gewählt. In die Bundesregierung Gusenbauer wurde er von der ÖVP als Staatssekretär im Bundeskanzleramt entsandt, und betreute das Ressort Sport in die darauf folgende Bundesregierung Faymann als Staatssekretär im Bundesministerium für Finanzen. Im Zuge der Regierungsumbildung im April 2011 schied er unter dessen Nachfolger Michael Spindelegger aus dem ÖVP-Regierungsteam aus. Er nahm sein Nationalratsmandat wieder ein und ersetzte dabei Jochen Pack. Im Oktober 2011 wurde er außenpolitischer Sprecher seiner Partei. Seit dem 11. September 2012 ist er, in Nachfolge von Wolfgang Waldner, der als Landesrat nach Kärnten wechselte, als Staatssekretär im Außenmimisterium Mitglied der Bundesregierung Faymann.
Kritiker werfen Lopatka vor, durch zahlreiche Weiterbildungsaufenthalte bei republikanischen Bildungseinrichtungen in den Vereinigten Staaten zu einem österreichischen Meister in "Dirty-Campaigning" (zu deutsch: "Schmutziger Wahlkampf"; "Schmutzkübelkampagnen") und Diffamierung politischer Gegner geworden zu sein. Lopatka selbst verwahrt sich dagegen, Dirty-Campaigning zu betreiben.

Das eine Entscheidung

schnell getroffen werden muss, ist ein ziemlich mageres Argument deswegen das Volk nicht zu befragen. Detto das Hilfsargument mit der Verfassung, wobei dazu sogar noch offen ist (Klagen kommen erst), ob das überhaupt so stimmt.

Hr. Lopatka mag daher zumindest etwas besser formulieren können als der Kanzlerdarsteller Faymann (was keine große Kunst zu sein scheint?), die Ergebnisse für die Österreicher sind jedoch ident.

3 0

Re: Das eine Entscheidung

In der Verfassung steht ja auch, dass das Recht vom Volk ausgeht. Wo bleibt dieses Recht?

Re: Re: Das eine Entscheidung

Bei einer Volksbefragung zur Abschaffung der Steuern wäre eine große Mehrheit gewiss !

Re: Re: Re: Volksbefragung zur Abschaffung der Steuern

Wäre ich mir nicht so sicher. Es ist einer der immer wieder vorkommenden "Kapitalfehler", die Menschen zu unterschätzen.

Gast: europaja-euroeubankenunion-isganzwasanderes
16.09.2012 10:54
3 0

das vielfältige und gewachsene europa der verschiedenen völker in einem topf mit der eu und eurobankenwanshinnsunion zu hauen - ist eine verdrehung der tatsachen und des volkswillens.


Gast: ehschowurscht
16.09.2012 10:46
6 0

Woher der Wind weht

Hinter meiner, vorder meiner, links, rechts güts nix
Ober meiner, unter meiner siach i nix
Spür nix, hear nix und i riach nix.
Denk i nix und red i nix und tu i nix
Waun da Wind wahd in de Gossn
Waun da Wind wahd am Land
Waun da wind wahd, do steckt da
Sein Köpferl in Sand...(Arik Brauer)

Den Orkan des Volkes wird auch der Lopatka mehr als spürn!!!!!

Reinhold Lopatka:

sollte sich mehr um Österreich-Konzept bemühen, als die EU mit der Merkel zu verwechseln!

Gast: Rudi Huber
16.09.2012 10:37
6 4

Merkel gerät in die Defensive

weil sie nur für die Großbanken tätig ist und das Volk bluten läßt.
Die Milliarden Stuergeld, die die Banken bekamen, muss das Volk bezahlen. Kein einziger Bankster ist je belangt worden für diesen Skandal..
Die Merkel kapiert offensichtlich nicht, dass sie nur für das Kapital aber nicht für das Volk arbeitet.

Gast: Rabiatperle
16.09.2012 10:22
2 1

"Woher der Wind weht"



Ja, das täte uns interessieren. Und vor allem, was alles hinterrücks ausgemauschelt wird, und wozu man z.B. nicht einen einzigen Artikel in der "Presse" finden kann.

http://de.wikipedia.org/wiki/Multilaterales_Investitionsabkommen

Das ist in den Grundzügen die Selbstentmachtung des Staates, und dass derartige Verhandlungen im Geheimen stattfinden, diese Bestimmungen gar in die europäische Verfassung sollten, ist gruselig.
Wer waren die österreichischen Vertreter, warum gibt es keine Diskussion darüber?

Welchen Kräften sind unsere Politiker zu Diensten?

2 0

whotf is this one?


Gast: diewindfahnen
16.09.2012 09:24
5 2

der wind weht NUR gegen die arbeitenden und steuerzahlenden arbeitnehmer - der pensions-und sozialabbau beim volk ist die einzige antwort dieser banken- und finanzmarktlobbypolitiker. eine menschliche, öko soziale marktwirtschaft hat und wird es mit diesen politikern nie geben.


Gast: Hans M..
16.09.2012 09:07
6 3

Heute kommt ein Horrorfilm

Heute 11 Uhr Pressestunde mit dem grauslichen Kopf. Striktes Jugendverbot,erst ab 24 Jahre.
Ein Pflichttermin für die Mafia.

Gast: Isländer
16.09.2012 06:43
10 5

Falsch und hinterfotzig

wie seine gesamte Partei. Nur keine Verantwortung übernehmen darum haben wir auch jetzt Eurobonds durch die Hintertüre bekommen.
Na,Herr Lopatka was sagen sie jetzt zu diesen unkontrollierten Murkselbonds?
Die korrupte ÖVP und Merkel haben doch am lautesten gegen Euro-Bonds geschrien.

Jeder Volltrottel hat das vorausgesehen das es so kommt,nur Merkel und Lopatka anscheinend nicht und jetzt sind sie froh das die "böse" EZB die Kohlen für sie aus dem Feuer holt. Weil die schwarze Brut zu feige war und ist.

Re: Falsch und hinterfotzig

Die 'schwarze Brut' beherrscht mehrheitlich wenigstens die deutsche Rechtschreibung und Grammatik.

Re: Re: Falsch und hinterfotzig

egäu wias es schreibna tuast .......Schwarze Brut bleibt Schwarze Brut.

 
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