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„Kanzler-Ladung wäre kein Grund für Koalitions-Aus“

19.09.2012 | 18:17 |  ULRIKE WEISER (Die Presse)

Integrationsstaatsekretär Sebastian Kurz erklärt, warum die Wehrpflicht für die Integration wichtig ist. Und, die Parteistruktur der ÖVP müsse durchlässiger werden.

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Die Presse: Am Mittwoch gab es ein Tauziehen um einen Fristsetzungsantrag der Koalition für ein rasches U-Ausschuss-Ende. Laut Umfrage will die Bevölkerung eine Fortsetzung. Hat sie recht?

Sebastian Kurz: Über eine Fortsetzung entscheidet das Parlament. Wenn es noch etwas aufzuklären gibt, denke ich, sollte er weitergehen.

Sollte man dann den Kanzler laden? ÖVP-Minister Mitterlehner ist dafür.

Der Bundeskanzler hat ja gesagt, er kommt, wenn er geladen wird. Aber, wie gesagt, das entscheiden die Abgeordneten.

 

In der ÖVP wird argumentiert, man würde ihn ja gern laden, könne aber aus Koalitionsräson nicht. Glauben Sie, dass die Koalition wirklich an einer Faymann-Ladung zerbricht?

Ich kann mir nicht vorstellen, dass so etwas der Grund für eine Aufkündigung der Koalition wäre.

 

Was ist sonst der Grund, warum ihn ihre Parteikollegen nicht laden?

Ich habe meine Meinung gesagt. Ich glaube aber, an der ÖVP würde es nicht scheitern.

 

Abgesehen vom Thema U-Ausschuss ist der Ton in der Koalition rau. ÖVP-Klubobmann Kopf nennt die SPÖ „Diebe“, Verteidigungsminister Darabos sagt, die ÖVP stehle den Jungen mit der Wehrpflicht Zeit. Können Sie Darabos als JVP-Chef verstehen?

Viele junge Menschen haben beim Bundesheer und beim Zivildienst viel für ihr Leben mitgenommen, aber leider werden Rekruten auch für sinnlose Aufgaben eingeteilt. Daher braucht es eine Reform. Mir gefällt das Modell der Schweiz, bei dem Rekruten stärker nach ihren Interessen und Qualifikationen eingesetzt werden, etwa eben beim Katastrophenschutz oder beim Zivildienst, der nun endlich nicht mehr als Dienst zweiter Klasse gilt.

Das war in der ÖVP nicht immer so.

Das habe ich aber immer gefordert.

Diese Reform hätte doch längst durchgeführt werden können. Es gab auch ÖVP-Verteidigungsminister.

Das ist kein Argument gegen eine Reform.

 

Was ist für Sie eigentlich das wichtigste Argument für die Wehrpflicht?

Es sind zwei. Als Integrationsstaatssekretär halte ich sie für sinnvoll, weil Bundesheer und Zivildienst verschiedene Gruppen verbindet: Arm und Reich, Ur-Österreicher und Zugewanderte. Man setzt sich gemeinsam für das Land ein; das schafft Österreich-Bewusstsein. Der zweite, persönliche Grund ist: Ich habe den Eindruck, dass es in der Gesellschaft immer stärker darum geht, welchen Vorteil man vom Staat bekommt, und nicht, welchen Beitrag man leistet.

 

Sie nennen pädagogische Gründe, keine sicherheitspolitischen.

Das sind meine Hauptgründe. Ein sicherheitspolitischer Grund ist, dass ich viel davon halte, dass im Ernstfall nicht nur jene Waffen tragen, die sich freiwillig melden, weil sie das ihr ganzes Leben schon machen wollten oder weil sie keinen anderen Job finden.

Solchen Leuten trauen Sie nicht?

Ich habe ein besseres Gefühl, wenn die Landesverteidigung auf einem breiten Fundament steht.

 

Menschen, die, wie Sie gesagt haben, sonst keinen Job finden, sind eventuell Menschen aus einkommensschwächeren Schichten, was auch Zuwanderer betrifft. Wäre ein Berufs/Freiwilligen-Heer mit vielen Zuwanderern schlecht?

Es geht nicht darum, ob es viele oder wenige Migranten bei einem Berufsheer gäbe. Fakt ist: Bei einem Berufsheer hätten wir definitiv nicht dieses verbindende Element, wie jetzt, da alle ihren Beitrag leisten.

Sie gelten als Fan direkter Demokratie, haben aber auch immer gesagt, dass die Politik Entscheidungen nicht auslagern darf. Passiert das nicht mit der Volksbefragung?

Ich bin dafür, dass es zusätzlich neue Tools für Initiativen aus der Bevölkerung geben soll, aber ich finde es gut, dass wir durch die Befragung nun eine Sachdebatte haben. Wir hätten das schon längst machen können.

Sollte man dann nicht gleich breiter diskutieren? Der steirische ÖVP-Chef will Frauen verpflichtend in den Österreich-Dienst miteinbeziehen,

Freiwillig ja, aber verpflichtend nein. Gerade Frauen leisten nach wie vor in der Familie einen überdurchschnittlichen Beitrag.

Und was ist mit der Neutralität? Sollte man nicht auch über die reden?

Ich sehe keinen Grund, sie infrage zu stellen. Ich glaube, sie ist ein Markenzeichen, etwas, was uns als Land ausmacht.

Apropos infrage stellen: Nach den Personalrochaden-Gerüchten in der ÖVP wurde über die Macht der Bünde und der Länder diskutiert. Ist die Struktur Bauernbund, ÖAAB, Wirtschaftsbund zeitgemäß?

Die Lebensrealitäten haben sich geändert, man ist mobiler, wechselt öfter den Beruf. Ich selbst war neuer Selbstständiger, Angestellter, jetzt bin ich im öffentlichen Bereich. Die Struktur muss daher durchlässiger werden.

 

Was heißt das?

Die Partei muss sich für Menschen öffnen, die nicht ein Leben lang Mitglied sein wollen, sondern nur auf Zeit oder in einem Bereich inhaltlich mitarbeiten wollen. All jenen muss man ein Angebot machen.

Einen konkreteren Vorschlag für Änderungen haben Sie zuletzt für Ihr Thema, die Integration, gemacht: Kinder mit Sprachdefiziten sollen verpflichtend ein Vorschuljahr bzw. – im Fall von Quereinsteigern –Crashkurse besuchen. Wie geht es jetzt weiter?

Wir wollen, dass das Gesetz noch heuer dahingehend geändert wird, dass Deutsch vor Schuleintritt Pflicht wird. Wir wollen bereits nächste Woche Ministerin Schmied ein Vorhabenspapier übergeben.

Ein Thema, das auch Ihr Ressort betrifft: die blutigen Proteste gegen einen Anti-Islam-Film. In Deutschland wird debattiert, ob man den Film öffentlich zeigen darf. Sollte man?

Ich verurteile die Ausschreitungen zutiefst, Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut. Ich meine aber auch, dass wir absolut keinen Bedarf haben an Videos, die Religion herabwürdigen. Es braucht auch keine weitere Verbreitung solcher Filme, egal, mit welcher Religion sie sich beschäftigen.

 

Man könnte aber sagen: Die katholische Kirche muss so etwas auch aushalten.

Man sollte Religionen grundsätzlich nicht herabwürdigen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.09.2012)

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71 Kommentare
 
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der

Ohrwaschelkaktus

Gast: Denkensoll
21.09.2012 09:37
1 0

Jugend und Heer

Lehne es zutiefst ab - unserer Jugend das "Kriegsspielen" beizubringen. Unsinnigste Gesetze wurden schon beschlossen - warum dann nicht "verpflichtendes Sozialjahr" für alle (Burschen und Mädchen) anstatt Wehrdienst. Egal ob Maurer, Tischler, Bauer, Student - jeder kann den Dienst an der Gesellschaft seinen Qualifikationen nach leisten - und warum dann nicht entlohnt wie jetzt (Zivildienst..) Selbst unsere ca. 20jährigen Töchter sind dafür. Deren Freunde nutzten das Jahr Zivildienst um sich nach der Matura auch mit dem weiteren berufl. Perspektiven auseinanderzusetzen und sie sind sich einig, dass sie diese Zeit zum Reifen nicht missen möchten...
Berufsheer - ja; verpfl. Wehrdienst - klares NEIN - aber ein Jahr für die Gesellschaft... - das sind wirkliche Gründe für Abschaffung der Wehrpflicht - Hr. Sebastian Kurz (der hier klar das Parteicredo verzapft...)

Re: Jugend und Heer

da muss man Ihnen wirklich zustimmen

Gast: Herrenbauer
20.09.2012 20:08
1 2

der kurz sebastian ist ein geiler övp-ler und spricht alle unsere jungen österreicherInnen an

super sebastian, weiter so !

Antworten Gast: cruiser
20.09.2012 20:44
0 0

Re: der kurz sebastian ist ein geiler övp-ler und spricht alle unsere jungen österreicherInnen an

is not tight. wir stehen auf ende der wehrpflicht und deswegen vertritt der kurz auf keinsten uns sondern die alten. dann machen halt mit unseren stimmen diesmal die roten den jackpot, alder!

Antworten Antworten Gast: junges volk
20.09.2012 22:27
0 0

Re: Re: der kurz sebastian ist ein geiler övp-ler und spricht alle unsere jungen österreicherInnen an

kurz spricht jung und alt an. unsere jugend ist die zukunft von österreich und diese braucht perspektiven, motivationstraining

Antworten Antworten Antworten Gast: niemals Heer!
21.09.2012 02:00
0 0

Heer ist voll doof, was für die Kriegstreiber, die nur über Menschenleben abcashen wollen.

ja, genau. das wird das "junge Volk" sagen. Sehr lustig.

Ich kenne meine ganze Schule- und da will keiner zum Heer. Ist ein Gymnasium in Tirol.Von anderen Schulen (über schuelervz, fb etc) kenne ich kalr nicht alle, aber doch etwa 400 weitere. da will sicher keiner zum Heer. Heer ist voll doof, was für die Kriegstreiber, die nur über Menschenleben abcashen wollen.

Dass die ÖVP dass fördert zeigt wie sehr die fürs "Volk" ist.

kurz

wenn herr kurz ein verfechter der direkten demokratie ist,sollte es auch möglich sein über eine änderung der menschenrechte abzustimmen.diese wurden 1948 beschlossen,und damals hat man mit einer derartigen migration nicht gerechnet.es kann doch nicht sein,daß jährlich 400 000 menschen illegal in die EU einwandern und viele sich auf die menschenrechte berufen um bleiben zu können.

Antworten Gast: TheDude
20.09.2012 17:42
0 0

Re: kurz

Wenn die Mehrheit über die Menschenrechte von Minderheiten abstimmen könnte, bräuchten wir überhaupt keine Menschenrechte mehr. Das Konzept ist eigentlich gar nicht so kompliziert, wenn man ein wenig nachdenkt...

Re: kurz

Herr Kurz hat xmal betont, dass jeder Zuwanderer sich an die Spielregeln seines Gastlandes zu halten hat. Und hat niemals "illegale Einwanderer" auch nur ein einziges Mal verteidigt!

2 1

Wer lügt nun?


Kopf oder Kurz?

Koalitionsbruch oder nicht?

Feigheit oder Kalkül?

Selbst Dreck am Stecken oder uneigennützige Faymann-Liebe?

0 0

Wenn zwei Leute eine unterschiedliche Meinung haben,

bedeutet das nicht, dass einer lügt.

Antworten Antworten Gast: ib16
20.09.2012 21:03
0 0

Re: Wenn zwei Leute eine unterschiedliche Meinung haben,

es kann nämlich alles mögliche bedeuten :-))

Re: Wer lügt nun?

Das nächste dümmliche Kommentar...

Gratulation an Herrn Kurz

Klare, offene Worte zu Themen die mir unter den Nägeln brennen. Weiter so!

Gast: Kurz gesagt
20.09.2012 13:29
0 0

Und, die Parteistruktur der ÖVP müsse durchlässiger werden.

Vor allem das politische Finanzierungsgebahren
der letzten 15 Jahre würde mich interessieren.

Gast: Sumpfbewohner
20.09.2012 12:25
0 1

Schnell gelernt

Die Antworten von Herrn Kurz zum Untersuchungsausschuss haben gezeigt, wie schnell er von Rudas, Cap und Amon gelernt hat. Wieder eine Hoffnung weniger

Antworten Gast: Schnepfe-
20.09.2012 21:16
0 0

Re: Schnell gelernt

Yep! Yep!

Gast: The Cat
20.09.2012 11:50
0 3

...

Kurz erinnert mich optisch und von der Art an "Feivel, der Mauswanderer"- wenn diesen - eigentlich - traurigen Film jemand kennt.

Für die Zielgruppe ideal positioniertes Erscheinungsbild einer Partei internen Maus.

Gast: "Der" Gerät
20.09.2012 11:45
1 3

Kurz ist Geil-o-mobil.

Ja, der spricht alle Jungen an...

Guter Sch(w)achzug der BundesÖVP.

Antworten Gast: "Das" Gerät
20.09.2012 21:15
0 0

Re: Kurz ist Geil-o-mobil.

Der spricht die Jungen überhaupt nicht an mit seiner Befürwortung der Wehrpflicht! Im Gegenteil!

Antworten Gast: Österreicher
20.09.2012 13:58
0 0

Re: Kurz ist Geil-o-mobil.

Ein aussergewöhnlich dümmlicher Kommentar...

Gast: magnifico
20.09.2012 11:44
0 2

inhaltlich:

"Als Integrationsstaatssekretär halte ich sie für sinnvoll, weil Bundesheer und Zivildienst verschiedene Gruppen verbindet"
-> d.h. Frauen mit Migrationshintergrund werden von der Integration ausgeschlossen

"verpflichtend nein. Gerade Frauen leisten nach wie vor in der Familie einen überdurchschnittlichen Beitrag"
-> und scheinbar sollen sie für Hrn. Kurz auch dort bleiben

Pickelcreme

Von diesem Herrn kann man wohl nur Ratschläge zu Pickelcreme annehmen

Re: Pickelcreme

Was würden Sie vorschlagen?

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Darf man die Wahrheit nicht schreiben?

Warum wird mein Mommentar nicht veroeffendlicht? Ist die Wahrheit strafbar?

 
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