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Birnbacher-Prozess: Urteil für heute erwartet

21.09.2012 | 07:13 |   (DiePresse.com)

Im Untreueprozess wird erneut der Steuerberater Birnbacher zu seinem Millionen-Honorar befragt. Er hat bereits einmal ein spektakuläres Geständnis abgelegt. Der Staatsanwalt behält sich indes eine Anklageerweiterung vor.

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Es könnte der letzte Tag im Untreueprozess gegen die Vorstände der Kärntner Landesholding, Hans-Jörg Megymorez und Gert Xander, sowie den ehemaligen Kärntner ÖVP-Chef Josef Martinz und den Wirtschaftsprüfer Dietrich Birnbacher werden. Nach dem ursprünglichen Plan sollen die Urteile heute fallen. Ob diese tatsächlich verkündet werden, gilt aber als unsicher. Denn Richter Manfred Herrnhofer könnte noch einen weiteren Verhandlungstag anberaumen. Die Verteidiger hatten nämlich diverse Anträge angekündigt. (-->Live-Ticker)

Sicher ist hingegen, dass es heute noch zwei Einvernahmen geben wird: Neben dem Leiter der Finanzabteilung des Landes Kärnten, Horst Felsner, soll auch Birnbacher noch einmal befragt werden. Und zwar zu seiner Verwendung des Millionenhonorars, das er im Zuge des Verkaufes der Kärntner Hypo an die BayernLB im Jahr 2007 kassiert hatte.

Verdacht auf Steuerhinterziehung

Am Donnerstag war der Prozess im Landesgericht Klagenfurt fortgesetzt worden. Dabei stand eine neuerliche Einvernahme von Megymorez auf dem Programm. Dieser bekannte sich wie bisher „nicht schuldig“. Damit blieb es vorerst bei jenem spektakulären Geständnis, das Birnbacher Ende Juli abgelegt hatte. Dabei hatte er von verdeckter Parteienfinanzierung (teils vollendet, teils geplant) gesprochen. Und vor allem Martinz schwer belastet.

Staatsanwalt Andreas Höbl stellte indes eine Ausdehnung der Anklage gegen Martinz und Birnbacher wegen Steuerhinterziehung in den Raum: Dabei geht es um jene 65.000 Euro, die Martinz von Birnbacher in einem Kuvert erhalten hat. Martinz hat erklärt, das Geld im Wahlkampf ausgegeben zu haben. Höbl hatte sich schon am 9. August vorbehalten, gegen die Angeklagten wegen einer Schadenssumme von sechs Millionen Euro (Birnbacher-Honorar) und der damit mutmaßlich verbundenen Hinterziehung von Abgaben (eine Million Euro Umsatzsteuer, 1,4 Millionen Euro Körperschaftssteuer) weiter zu ermitteln.

„Angemessenheit“ des Honorars

Richter Manfred Herrnhofer befragte indessen Megymorez zur Beauftragung jener Gutachter, die die Rechtmäßigkeit und die Angemessenheit des für Birnbacher gedachten Honorars prüfen sollten. Dieses umstrittene – und mittlerweile von einem Gerichtsgutachter als weit überhöht eingestufte – Honorar sollte für Birnbachers Expertise beim Verkauf der Hypo Alpe Adria an die Bayerische Landesbank fließen. Ursprünglich war von zwölf Millionen Euro die Rede gewesen, später wurde diese Summe halbiert. Das Geld kam aus der Landesholding, es handelte sich also um öffentliche Mittel.

Er habe eine klare Aussage über die „Angemessenheit“ des Honorars haben wollen, verteidigte sich Megymorez. Sein Anwalt Martin Nemec verlangte auch die Verlesung der Einvernahmen der Gutachter Gottfried Spitzer (Deloitte) und Rudolf Siart, die die Auszahlung des Honorars in der Höhe von sechs Millionen Euro an Birnbacher als angemessen beurteilt hatten und mittlerweile im Visier der Korruptionsstaatsanwaltschaft stehen. So hatte etwa Siart den als Honorar ausgemachten Prozentsatz aus dem Verkauf der Hypo-Anteile als „angemessen“, „vertretbar“ und „üblich“ bezeichnet.

Verlesung beantragt

Gegen die beiden und einen weiteren Gutachter läuft mittlerweile ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Beteiligung an der Untreue. Freilich gilt die Unschuldsvermutung. Auch gegen FPK-Landesrat Harald Dobernig und gegen den zurückgetretenen FPK-Obmann Uwe Scheuch läuft infolge des Birnbacher-Geständnisses ein Ermittlungsverfahren wegen versuchter Geldwäsche. Beide bestreiten die Vorwürfe.

Der Verteidiger verlangte nun eine Verlesung der Aussagen der Gutachter (vor Gericht hatten sich diese einer Aussage entschlagen), sollte der Verlesung nicht stattgegeben werden, so wolle er eine neue Vorladung der beiden als Zeugen. Der Rechtsbeistand von Xander, Gernot Murko, beantragte indessen die Verlesung der Einvernahme der Anwältin Astrid Wutte-Lang, die Martinz zuvor verteidigt hatte und wegen einer mutmaßlichen Involvierung ebenfalls von der Korruptionsstaatsanwaltschaft befragt wurde. Gegen sie läuft ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Geldwäsche. Sie weist diesen Vorwurf zurück.

Der Senat lehnte die Verlesungen ab, versprach aber anzufragen, ob die genannten Personen ihre Aussageverweigerung aufrecht halten.

(Red./mS/APA)

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10 Kommentare
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Presse und Kleine Zeitung

arbeiten wohl bei der Berichterstattung zum "Birni-Prozess" zusammen, da der Live-Ticker ziemlich gleich ist.

Gast: ROTFRONT
21.09.2012 12:19
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Liebe Freunde, gehts mal zu einem Notar und dann schauts, was ihr für eine Beglaubigung eines Schriftstückes zahlt!

Tja, und wieviel Ihr dann für die Beglaubugung von 10 Bebe-Ordner voll Zettel zahlts.
Und DANN reden wir mal davon, was der Staat als angemessen betrachtet!
Für einen Stempel und eine Kraxen drauf.

Ich wundere mich über das Rechtsempfinden

Birnbacher begleitete beratend einen Verkaufsablauf, der 1,5 Milliarden €uro EVerkaufserlös erbrachte. Dass er dabei im Zuge dieses Verkaufs seine exakte Strategie nicht in jede Einzelheit lesbar in einem Gutachten ausbreitet, dafür hab ich gewisses Verständnis.

Dafür wurde Birnbacher mit einem Honorar von 6 Millionen €uro entschädigt. Dies entspricht 0,4 % der Gewinnsumme. Diese Honorarhöhe ist gewinnbezogen zu anderen Deals SEHR NIEDRIG.

Dass Birnbacher von diesem Honorar eventuell weitere Zahlungen an Parteien tätigte oder in Aussicht stellte, macht natürlich keine gute Optik. Das steht außer Zweifel.

Jedoch, wenn ich bedenke, dass ein Kanzler für eine ihn angelastete Straftat sich weigert unter Wahrheitspflicht vor einem U-Ausschuss auszusagen, ist es lächerlich hier einen Prozess zu statuieren.

Sorry, aber das hat mit Gerechtigkeit NICHTS mehr zu tun.

Antworten Gast: iustus 66755
21.09.2012 11:13
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Re: Ich wundere mich über das Rechtsempfinden

Zitat: "Birnbacher begleitete beratend einen Verkaufsablauf, der 1,5 Milliarden €uro EVerkaufserlös erbrachte.
Dafür wurde Birnbacher mit einem Honorar von 6 Millionen €uro entschädigt. Dies entspricht 0,4 % der Gewinnsumme. Diese Honorarhöhe ist gewinnbezogen zu anderen Deals SEHR NIEDRIG."

Sorry, aber das sehe ich ganz und gar nicht so!

Solche Geschäfte nach dem Provisionsprinzip abzuhandeln mag vielleicht der sizilianischen Mafia gut anstehen, aber aus Steuergeld FAST 100 Mio. Schilling ausgezahlt zu bekommen nach einem vergleichsweisen NICHTS an Arbeit, das finde ich frivol, um es sehr milde auszudrücken!

FRIVOL, und das war auch die Annahme dieses merkwürdigen Honorars durch den Herrn Sachverständigen. Man könnte auch sagen: so richtig unverschämt. Ja, und es gibt auch reichlich Mitbürger, die das ganze KRIMINELL finden.

Warten wir auf den Richter, vielleicht ist der gleicher Meinung.

Weiteres Zitat: "Sorry, aber das hat mit Gerechtigkeit NICHTS mehr zu tun."

Sofern Sie das auf die Honorarhöhe beziehen, haben Sie aber sowas von Recht!

Zu hoffen ist

dass es aus generalpräventiven Gründen ein hartes urteil gibt, das PolitikerInnen zukünftig von Malversationen "erzittern" läßt.

Antworten Gast: diegedanken
21.09.2012 08:40
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Re: Zu hoffen ist

Leute durch hohe Strafen einzuschüchtern hat noch nie funktioniert..
Da wünsche ich mir lieber saubere und faire Arbeit, aber eine die schnell (und unabhängig von der Position/Stellung im Land) eingeleitet werden kann.

Gast: Anton von der Rebe
20.09.2012 23:33
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Die Hauptfrage müsste sein.....

...WO IST DAS GELD HINGEKOMMEN???...wir reden hier immerhin von 80 000 000 (ArschzigMillionen) NEUEN Schillinge! WO IST DAS GELD??? Ich weiß schon, die öst. Gerichte interessieren sich nicht über den Verbleib der Millionen(siehe Bawag-Milliarden O.B. O.W.), ABER mich würde es interessieren!

Der Staat

kümmert sich nur um seine Steuern. Moral ist ihm fremd.
Zum Schbeim.

Ein Eindruck reicht dem Gutachter Novotny,


um festzustellen, dass Birnbacher verdienstlich geworden sei wie eine Investmentbank.

Etwa so: "Ich hab so das Gefühl, dass Birnbacher ein fleißiger Mann ist..."

Da braucht man gar kein Leistungsverzeichnis und schon gar nicht rückzufragen, was tatsächlich gemacht wurde und schon sind 8.000 Euro verdient.

Auf Basis eines solchen angeblichen Gutachtens wurden Millionen ausbezahlt, die dann zum Teil bei der Familie des Steuerberaters landeten.

Der Herr Professor soll sich aus der Gutachterliste streichen lassen!

Gast: Abkassierer
20.09.2012 14:42
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Schein und Gefälligkeitsgutachten

von NOWOTNY. Man kann nur hoffen das so einer kein Gutachten mehr erstellt. Und die,die er erstellt hat gehören angefochten. Normal gehört so einer eingesperrt.