Nach der jüngsten Gewalt in Libyen haben die Behörden die Auflösung aller "illegitimen" Milizen beschlossen. "Alle Brigaden und bewaffneten Gruppen, die sich außerhalb der staatlichen Autorität" befänden, würden aufgelöst, erklärte Parlamentspräsident Mohammed al-Megaryef am Samstag. Zuvor hatten hunderte wütende Libyer mehrere bewaffnete Milizen von ihren Stützpunkten in Benghazi verjagt, dabei wurden mindestens elf Menschen getötet.
Bei dem Aufstand der Bürger in der Nacht auf Samstag waren nach neuen Angaben zudem mehr als 70 Menschen verletzt worden. Die Ausschreitungen sollten durch einen Richter untersucht werden, kündigte der Parlamentspräsident an. Demonstranten hatten auch die Gruppe Ansar al-Sharia vertrieben, die für den Tod des US-Botschafters Chris Stevens und drei weiterer Diplomaten verantwortlich gemacht wird. Deren Führung bestreitet eine Verwicklung in die Vorfälle.
Aus Protest gegen den in den USA produzierten islamfeindlichen Mohammed-Film hatten Angreifer am 11. September das US-Konsulat in Benghazi gestürmt. Bei den jüngsten gewaltsamen Auseinandersetzungen wurden offenbar mehrere Sicherheitskräfte hingerichtet. Die Art der Verletzungen deute darauf hin, dass "sechs Personen hingerichtet wurden", erklärte ein Arzt der städtischen Leichenhalle am Samstag. Nach den Angriffen der Bürger auf die Milizen-Stützpunkte übernahmen im Laufe des Tages die regulären Sicherheitskräfte die Kontrolle über mehrere Gebäude, darunter das Hauptquartier von Ansar al-Sharia.
Wie die amtliche Nachrichtenagentur Lana meldete, setzte die Armee den Milizen eine Frist von 48 Stunden, binnen derer sie alle Kasernen, öffentlichen Gebäude und Grundstücke von Mitgliedern der alten Führung in der Hauptstadt Tripolis und ihrer Umgebung räumen müssten. Andernfalls werde die Armee Gewalt anwenden.
Tagsüber hatten am Freitag bereits rund 30.000 Menschen in Benghazi friedlich protestiert. Ihr Zorn richtete sich vor allem dagegen, dass seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi in den vergangenen Monaten vielerorts Milizen das Sagen haben und es die Behörden versäumten, die Gruppen zu entwaffnen.
(APA/AFP/dpa)
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