Nach dem Ortstafelerfolg sah es eigentlich sehr gut aus für Ihre Wiederwahl. Einen Skandalsommer später sieht es nicht mehr ganz so gut aus.
Gerhard Dörfler: Es ist erstaunlich, dass ein Skandal rund um Martinz und Birnbacher zu einer Neuwahldiskussion führt und daraus auch ein Dörfler-Problem entsteht.
Aber Ihr zeitweilig ganz passables Image hat doch Kratzer abbekommen. Aus dem „Landesvater“ wurde der „Mister ein Prozent“ – Sie sollen bei der Vergabe öffentlicher Bauaufträge jahrelang Provisionen für die Partei verlangt haben.
Diese Vorwürfe sind längst Geschichte. Das hat auch die Korruptionsstaatsanwaltschaft in einem Zwischenbericht festgestellt, dass da nichts dran ist. Außerdem basiert das auf einer anonymen Anzeigenserie der SPÖ. Das ist ein sehr durchschaubares Manöver der Bösartigkeit der SPÖ. Unter dem Motto: Neuwahlen erzwingen, Dörfler beschädigen.
Auffällig ist aber, dass unter den Auftragnehmern vor allem Firmen waren, die Ihre PR-Aktionen gesponsert haben.
Nein. Das ist eine Vermutung, die so mit Sicherheit nicht stimmt.
Beim Verkauf von Schloss Reifnitz an Frank Stronach soll Ihre Partei über die parteieigene Agentur Connect ebenfalls mitgeschnitten haben. Sie waren damals für die Parteifinanzen verantwortlich.
Auch das ist in der Zwischenzeit aufgeklärt. Das war wieder einmal eine Ente. Eine Zeitung hat geschrieben, dass 240.000 Euro auf ein Parteikonto geflossen sind. Mittlerweile kann ich auch belegen, dass dem nicht so war und ich da kein Mitspieler war.
Aber wohin ist das Geld dann geflossen?
In die Connect.
Aber die Connect gehört doch der Partei.
Noch einmal: Von der Connect habe ich nichts gewusst. Und außerdem: Top Team (die parteieigene Werbeagentur der Kärntner SPÖ, Anm.) gehört auch der SPÖ. Da verstehe ich nicht, wieso das bei der einen Partei ein Sündenfall sein soll und bei der anderen eine Selbstverständlichkeit.
Das heißt, von der Existenz der Connect-Agentur wussten Sie nichts?
Nein. Konnte ich auch nicht wissen. Wie sollte ich davon wissen?
Aber man wird in der Partei doch gewusst haben, dass es da eine eigene Werbeagentur gibt?
Ich habe von dieser Firma nichts gewusst. Das ist auch aktenkundig. Es hat niemals gegen mich Erhebungen gegeben.
Aber wo ist das Geld nun?
Das müssen Sie die Connect fragen.
Geschäftsführer war Manfred Stromberger, immerhin lange Zeit Landesgeschäftsführer Ihrer Partei.
Das müssen Sie ihn fragen. Ich habe mit der Firma nie etwas zu tun gehabt. Und ich wusste von ihr nichts, bis es die öffentliche Diskussion darüber gab.
Auch im Zusammenhang mit dem Asylwerberheim auf der Saualm wird gegen Sie ermittelt. Sie sollen der Heimbetreiberin übermäßige Förderungen zukommen haben lassen. Und eigenmächtig darüber entschieden haben.
Das ist ein völliger Blödsinn. Diesen Vertrag hat der Landesamtsdirektor unterschrieben und nicht der Landeshauptmann.
Am Montag fällt das Urteil in der Causa Dietrich Birnbacher. Dieser gab an, dass Ihre Parteikollegen Uwe Scheuch und Harald Dobernig ebenso Parteispenden von ihm verlangt haben.
Das kann ich nicht kommentieren. Mir wurde glaubhaft versichert, dass es kein Verlangen nach Parteispenden gegeben hat. Faktum ist, dass Herr Birnbacher sechs Millionen Euro erhalten hat und Herr Martinz 65.000 Euro kassiert. Es ist ja unerhört, dass man versucht, einen ÖVP-Skandal zu einem Skandal der Freiheitlichen zu machen.
Dennoch erhärtet sich der Eindruck, dass sich die Protagonisten des Systems Haider öffentlicher Gelder bedient haben – so wie man es immer schon vermutet hat.
Noch einmal: Ich habe mich nie öffentlicher Gelder bedient. Und alle Vorwürfe sind ja bereits widerlegt. Ich wusste nichts, ja, ich konnte von vielem nichts wissen.
Aber Jörg Haider hat anscheinend viel gewusst. Welche Fragen würden Sie ihm heute denn stellen, wenn Sie könnten?
Ich würde Jörg Haider jedenfalls die Frage stellen, ob das, was heute behauptet wird rund um diese Reifnitz-Causa, stimmt. Ob es tatsächlich so war, wie behauptet wird, dass es eine Dreiteilung eines Hypo-Birnbacher-Honorars gab. Das wären die Fragen, die ich ihm stellen würde – jedenfalls.
Wann wird denn nun in Kärnten gewählt?
Am 3. März 2013.
Und Sie werden der Spitzenkandidat Ihrer Partei sein?
Das wird mit Sicherheit so sein. Und die Wähler werden diejenigen bestrafen, die einen unbescholtenen Landeshauptmann angepatzt haben.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.09.2012)
Baustellen, Pleiten, SkandaleDer US-Präsident ringt um seine Glaubwürdigkeit
Staatsbürgerschaftstest neuKönnten Sie Österreicher werden?
Zitate der Woche''Die Ehre lasse ich mir nicht abschneiden''
X-47BGroßdrohne hebt erstmals von Flugzeugträger ab
''Kim on Tour''Der Diktator als Pappkamerad
