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Die Abrechnung mit den Mitläufern

01.10.2012 | 21:15 |  OLIVER PINK (Die Presse)

Die Lehre aus dem Birnbacher-Prozess: Wer sich auf den großen Verführer Jörg Haider einließ, muss nun die Rechnung begleichen. Und die kann sehr hoch ausfallen.

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Bevor nun die Legendenbildung um Dietrich Birnbacher einsetzt: Auch er war lange Zeit „part of the game". Ein Mitläufer und Profiteur des Systems Haider, der heute noch einen Großteil seiner Patriotenprämie von sechs Mio. Euro auf dem Konto hätte, wenn sein Fall nicht spät, aber doch vor Gericht gelandet wäre. Wo er dann in Raten sein Geständnis ablegte. Wohl auf Anraten seines Anwalts Richard Soyer, der es geschickt verstand, den Birnbacher-Spin in der medialen Öffentlichkeit so zu dessen Gunsten zu drehen, dass dieser letztlich als Kronzeuge dastand, der ein korruptes System zum Einsturz bringt. Den Richter und seine Schöffen beeindruckte das allerdings weniger: Auch Birnbacher soll ein Jahr in Haft.

Es war dieser Richter des viel gescholtenen Landesgerichts Klagenfurt, der sich nicht anlügen ließ und hartnäckig zu Tage förderte, was man immer schon vermutet hat: dass sich Jörg Haiders Brot-und-Spiele-Politik nicht von selbst finanziert. Und dass ebendieser Jörg Haider viele ihm ergebene und ihn bewundernde Mitstreiter- und -läufer hatte, die nicht nur jeden politischen Blödsinn mitmachten und jeden verbalen Unsinn verteidigten, sondern auch seine lockeren Umgang mit Geld übernahmen.

Dies war nicht nur auf seine eigene Partei beschränkt. Vermutlich wollte auch der biedere Kärntner ÖVP-Chef Josef Martinz einmal so richtig frech und unerschrocken sein wie Jörg Haider. Denn der Erfolg gab einem wie Haider ja (fast) immer recht. Martinz brachte das nun eine fünfeinhalbjährige Haftstrafe ein. Ein hartes Urteil, das wohl generalpräventiven Charakter haben soll.

Doch bevor nun die nächste Legendenbildung einsetzt, nämlich, dass die Causa Birnbacher ein ÖVP-Skandal wäre, wie der FPK-Landeshauptmann nicht müde wird zu erklären, sei die hypothetische Frage aufgeworfen: Was hätte eigentlich Jörg Haider geblüht, wenn Martinz fünfeinhalb Jahre bekommt? Denn offensichtlich ist: Haider und seine Entourage haben regiert, als würde ihnen das Land gehören. Die Ermittlungen gegen Uwe Scheuch und Harald Dobernig, denen ebenfalls vorgeworfen wird, Kickback-Zahlungen für die Partei eingefordert zu haben, laufen ja noch. Zudem wurde Scheuch bereits erstinstanzlich wegen Bestechung verurteilt. Auch der Verkauf von Schloss Reifnitz an Frank Stronach ging nicht ohne Provisionszahlungen ab. Wie Gerhard Dörfler auf die Idee kommt, der Umstand, dass das Geld auf das Konto der parteieigenen Agentur und nicht auf jenes der Partei floss, würde ihn und seinesgleichen entlasten, bleibt ein Rätsel. Der Geschäftsführer der Agentur war ebenso Geschäftsführer der Partei.

Für Landeshauptmann Dörfler hat die Sache durchaus eine tragische, persönliche Note. Anfangs nicht ernst genommen und - mitunter auch selbstverschuldet - verhöhnt, hat er mit der historischen Lösung der Ortstafelfrage, an der zuvor ganz andere Kaliber gescheitert sind, unerwartet an Statur gewonnen - auch über das eigene Lager hinaus. Dörfler war auf dem Weg zum respektierten und respektablen Staatsmann (sofern man auf regionaler Ebene von einem solchen sprechen kann). Doch mit den Scheuchs, Dobernigs und Martinz' ist er nun mitgehangen und mitgefangen. Zumal ihm selbst - es gilt die Unschuldsvermutung - auch noch vorgeworfen wird, in seiner Zeit als Straßenbaureferent für Bauprojekte Provisionen für die Partei verlangt zu haben.

Es scheint in Kärnten Usus gewesen zu sein, für den Erhalt öffentlicher Aufträge eine Spende an die regierende(n) Partei(en) zu entrichten. Wobei man wohl darauf wetten darf, dass diese Praxis nicht nur im Süden Österreichs üblich war und ist. Immerhin gab Josef Martinz vor Gericht an, sich sein Parteienfinanzierungsmodell von Ernst Strasser, damals Innenminister und zuvor Landesparteisekretär der ÖVP Niederösterreich, abgeschaut zu haben.

Wer sich auf den großen Verführer Jörg Haider und dessen Methoden einließ, muss damit rechnen, auch Jahre später noch zur Verantwortung gezogen zu werden. Das ist die Lehre aus dem Birnbacher-Prozess. Andere werden möglicherweise noch folgen. Lehren und Prozesse.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.10.2012)

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34 Kommentare
 
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Gast: Wolfsbergerin
03.10.2012 08:19
0 0

Wo ist das Geld...

Wo ist das Geld, dass die vielen Schulden verursacht hat in Kärnten?

Immobilien garniert mit hohen Fördergeldern für FPÖ und FPK nahe Firmen????

Konsequente und gnadenlose ABWAHL der "Corruption Four" ÖVPSPÖFPÖBZÖ!

Für Herrn Spindele. ist die Causa also beendet, da ja der Übeltäter aus der ÖVP ausgeschlossen ist und daher alles paletti - hallo? geht's noch?
So einfach macht er sich's??
Da muss wohl noch ein bisserl mehr passieren bei uns!
Man kann ein Problem nicht mit den gleichen Denkstrukturen lösen, die zu seiner Entstehung beigetragen haben (A. Einstein).
Daher: konsequente und gnadenlose ABWAHL der "Corruption Four":

Die Österreichische Vertuschungs Partei,
die Freibeuter Partei Österreichs,
die Schwachmann Partei Österreichs
und die Kopfgeburt des korrupten Haider

sollen von der Macht entfernt werden, damit sie sich in der Oppositionszeit regenerieren können und dort neue, anständige Leute ihre Chance bekommen.

Wahlverweigerung, ungültig wählen zementiert nur die üblen Zustände.

Re: Konsequente und gnadenlose ABWAHL der "Corruption Four" ÖVPSPÖFPÖBZÖ!

Bin ganz Ihrer Meinung. Hier (außer den Grünen, die sich aber leider oft selbst im Weg stehen) eine neue wählbare Alternative: www.dasneue.at / Neos - Das neue Österreich

Gast: Reservegulasch
02.10.2012 17:22
1 0

Langsam frage ich mich...

wozu brauchen wir Landesregierungen?
Wie wir sehen kosten sie dem Steuerzahler sehr viel Geld und im FAll Kärnten auch Image vom LAnd!

Gast: Free
02.10.2012 17:17
1 0

Verurteilt und bestraft wird nur der der mit den Falschen Geschäfte macht

Elsner rennt frei herum...

Also...

.... es wäre schon auch eine gute Gelegenheit für uns Bürgerinnen und Bürger ein weniger nachdenklich zu werden und uns zu fragen, wen wir wählen. Das Hinzeigen bloß auf "die Politikerinnen und Politiker" ist ganz einfach zu wenig. Da "das Recht vom Volk ausgeht" haben wir Bürgerinnen und Bürger die verdammte Pflicht und Schuldigkeit etwa sorgsamer mit unserer Stimme umzugehen als wir dies bis jetzt getan haben. Nur dort anzukreuzen wo man des größten Vorteil für sich selbst vermutet ist zu wenig, auch wir Bürgerinnen und Bürger sind in einer Demokatie dem "bonum commune" verpflichtet. Es ist auch und vor allem "unsere" Demokratie. Vorschlag: Da das klassische Mehrheit aufgrund der Tatsache dass sich die agierenden Abgeordenten nicht selbst aushebeln werden, nicht durchsetzbar sein wird, muss das Wahlrecht so ausgestaltet werden, dass die Allmacht der Parteien zurückgedrängt wird. Eine Person darf 10 maximal aber 12 Jahre (siehe Bundespräsident)Minister, Staatssekratär oder Bundeskanzler sein, das soll aber auch für Landeshauptleute und Landesregierungsmitglieder gelten.

Korrektur

..... für uns Bürgerinnen und Bürger ein wenig nachdenklich zu werden......

...

...... Erinnerung und als Beitrag zur Aufarbeitung (Brauchen wird das oder: haben wir es je gebraucht?): "Täter, Opfer, Mitläufer" von Prof. Botz mit seinen Studentinnen und Studenten.

Buchempfehlung zur .....


Gast: Rio,
02.10.2012 14:53
0 1

Was muss dann erst Strasser, Grasser und Schüssel drohen?


Gast: gast 1234567
02.10.2012 13:53
1 1

Danke für diesen ausgewogenen Artikel

Danke

Gast: Held der Arbeit
02.10.2012 13:10
1 0

das ganze

nur auf kärnten reduzieren zu wollen, ist doch reichlich blauäugig. glauben sie tatsächlich, in wien oder NÖ gehts anders zu? dort sind halt echte profis am werk und nicht solche dillettanten wie in kärnten. nur deshalb kommt dort nix zu tage.

Antworten Gast: Up.
02.10.2012 14:54
2 0

Re: das ganze

Steht doch eh im Artikel: Wobei man wohl darauf wetten darf, dass diese Praxis nicht nur im Süden Österreichs üblich war und ist.

Gast: Gerne nur Gast
02.10.2012 09:35
2 3

Und jetzt 20 Jahre für Faymann


mindestens.


Antworten Gast: Kärnten Steiermark Pendler
02.10.2012 17:23
0 0

Re: Und jetzt 20 Jahre für Faymann

Zuerst den ganzen Dunstkreis um HAIDER und SCÜSSEL festmachen und die FPK Riege aus Kärnten verscheuchen!

Gast: schluckspecht
02.10.2012 09:23
0 8

Die Causa Martinz ist ein veritabler ÖVP Skandal

genauso, wie die Unterdrückung einer längst überfälligen Anklage gegen KHG, der offensichtlich zuviel über ÖVP Granden weiß, und deshalb nicht angeklagt werden darf. Nachdenken, Herr Pink, bevor sie wieder reflexartig unreflektiert die FP anpatzen, nur weil es die Blattlinie verlangt.

Antworten Gast: rolfrüdiger
02.10.2012 12:55
0 3

reine ÖVP Geschichte

Der Bierbach hat nichts mit der FP zu tun ghabt, da war doch immer der P. Das Obernosterer von einer menschl. Tragödie spricht, zeigt dass Straftdaten von manchen ÖVP -Mann als Kavaliersdelikte empfunden werden. Das Strafausmaß zeigt das Verbrechensausmaß.

0 2

Re: Die Causa Martinz ist ein veritabler ÖVP Skandal

Ihr Posting entspricht wieder einmal ganz der FPö-Verteidigung:
"Immer sind die anderen schuld, nie die FPÖ"!

Unschuldslamm und Sündenbock sind die Wappentiere der FPÖBZÖFPK....!

Haider war der Initiator, der Motor, das Hirn, der Anstifter und der Ausführende in seinem System, sonst niemand.

Jetzt wurden nur die Mitläufer zur Verantwortung gezogen.

"Denn der Erfolg gab einem wie Haider ja (fast) immer recht."

das gilt aber auch für seinen geriatrischen haider-klon namens stronach!

und jede wette: sollte der wähler ihn in eine entsprechende position bringen, wird er genau so agieren wie sein jugendliches vorbild.
das entsprechende personal (bzö-abgeordnete und andere, die das ende ihrer karriere vor augen haben) läuft ihm ja bereits zu.

Gast: wky
02.10.2012 07:03
0 1

Die Kleinen hängt man.

Diei grossen lässt man laufen.....

Wer hängt sich schliesslich schon gern selber?

0 1

Re: Die Kleinen hängt man.

"...grossen lässt man laufen....."

Nein, die sind schon weggelaufen, mit einem Auto und mit 2,2 Promille!

nach der berufung

wird das strafausmass sicher geringer werden.
und diese "hascherl" sind nur die kleinen fische; die grossen schwimmen noch immer herum.
dörfler auf dem weg zum staatsmann gesehen zu haben, war und ist doch zuviel des guten.
ein respektabler landeshauptmann - für kärntner verhältnisse - vielleicht. aber das war´s dann schon.
ob die kärtner -und innen nach dem 3.märz 2013 - so der termin hält - gescheiter geworden sind, darauf darf man gespannt sein.

1 0

Re: nach der berufung

So negativ sehe ich das nicht. Für Kärntner Maßstäbe sind das keine kleinen Fische. Der große Fisch war natürlich Jörg Haider, aber der kann ja nicht mehr zur Rechenschaft gezogen werden.


Antworten Gast: wienerderdas auchgelesenhat
02.10.2012 07:51
1 0

Re: nach der Berufung

..ja, dann leider wohl weniger...
Nun hat es die "dritte Garnitur" erwischt - mal sehen, ob nur die (relativ) "kleinen" Fische erwischt werden, oder ob man sich an die nächsten Hierarchien von Korruptionisten (in Ktn sind ja noch einige ausständig abwärts von T.Berlin etc...), ferner an die "zweite" Garnitur wie Scheuch & Co, bzw. ob vielleicht sogar die "erste Garnitur" allen vorann KHG, Strasser, Faymann & Adlatus, der famose Hr. Meindl.... drann kommen. Oder sind einfach nur die Rechtsanwälte von KHG etc. "besser" ? Und können die Justiz und ganz Österreich besser am Schmäh halten - Länger hatten sie es ja schon zusdammengebracht...

Die Dämme sind gebrochen...

Wo bleiben die nächsten whistle blowers?

Gast: Jetzt geht's looos!
01.10.2012 20:42
9 3

"Jörg Haider und seine Entourage haben regiert, als würde ihnen das Land gehören."

Stimmt, und bundesweit in gewolltem und bewusstem Zusammenwirken der ÖVP unter Schüssel & Konsorten.

Schön, dass die Justiz mitunter noch arbeitet.

 
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