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Strafe für Martinz ist hart, aber „durchaus üblich“

02.10.2012 | 18:16 |  PHILIPP AICHINGER (Die Presse)

Experte Helmut Fuchs hält fünfeinhalb Jahre Haft für vertretbar. Josef Martinz ortet hingegen einen „Schauprozess“ und einen „Alptraum“. Als Strafmaß kamen zwischen vier und sechs Jahre Haft in Betracht.

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Wien. Fünfeinhalb Jahre Haft für den einstigen Kärntner ÖVP-Chef Josef Martinz. Drei bzw. zwei Jahre für die Vorstände der Kärntner Landesholding, Hans-Jörg Megymorez und Gert Xander. Und drei Jahre Haft, davon aber zwei bedingt, für den Steuerberater Dietrich Birnbacher. Mit hohen Strafen ging am Montag der Prozess rund um Parteienfinanzierung infolge des Hypo-Verkaufs im Kärntner Straflandesgericht zu Ende. Insbesondere Martinz zeigte sich ob des Strafmaßes entrüstet: Er ortete „zu großen Druck“ auf den Richter und einen „Alptraum“. Es habe sich um einen „Schauprozess“ gehandelt.

Doch beim Delikt Untreue und bei einer derartigen Schadenssumme (5,7 Millionen Euro) seien solche Strafen „durchaus üblich“, analysiert Helmut Fuchs, Vorstand des Instituts für Strafrecht an der Universität Wien. Martinz hatte von der Kärntner Landesholding für ein Gutachten, das nur 300.000 Euro wert war, sechs Millionen erhalten. Ein Teil davon sollte den Kärntner Freiheitlichen und der Kärntner ÖVP zufließen. Bei Martinz lässt sich nachweisen, dass er Geld von Birnbacher erhielt. „Nach wiederholter Aufforderung von Martinz“, wie Richter Manfred Herrnhofer in seiner Urteilsbegründung festhielt.

Als Strafmaß kämen zwischen vier und sechs Jahre Haft in Betracht, meint Fuchs im Gespräch mit der „Presse“. So gesehen seien die fünfeinhalb Jahre für Martinz sicher „hart“, sagt der Experte. Allerdings habe der Richter wohl erschwerend berücksichtigt, dass Martinz keine Schuld eingestehen wollte. Und dass hier Politiker öffentliches Geld zweckentfremden wollten. Das Urteil des Gerichts zeige auch, dass ein Politiker, selbst wenn er Teil eines Systems ist, die volle strafrechtliche Verantwortung behält. Birnbacher wiederum hatte zwar im Prozess ausgepackt, seine Forderung, als Kronzeuge gewertet zu werden, stieß aber beim Richter auf taube Ohren. Denn Birnbacher gestand erst, als er schon unter Druck war. Und Strafmilderung bekam der Steuerberater ja ohnedies, schließlich fiel sein Urteil (drei Jahre, aber nur eines unbedingt) deutlich milder aus als das der anderen. Birnbacher war auch der Einzige, der sich nach dem Urteil Bedenkzeit erbat. Alle anderen Angeklagten kündigten Rechtsmittel an.

Auch abseits der Causa Hypo wartet auf die Justiz viel Arbeit, wenn es darum geht, die Kärntner Polithistorie aufzuarbeiten:
•So muss das Oberlandesgericht Graz entscheiden, ob die Strafe gegen Ex-FPK-Chef Uwe Scheuch in erster Instanz (sieben Monate bedingt und 150.000 Euro Geldstrafe wegen Korruption) korrekt war.
•Neu aufgerollt wird in Wien der Prozess rund um Franz Koloini, einst Protokollchef von Landeschef Jörg Haider. Es geht um die Frage, ob zwei Russen die österreichische Staatsbürgerschaft erhielten, weil sie Haider bestochen hatten.
•Dann gibt es Ermittlungen gegen die FPK-Spitze wegen einer Broschüre, die auf Kosten des Landes erstellt wurde, inhaltlich aber an die FPK erinnert. Die Broschüre wurde vor der Landtagswahl 2009 an die Haushalte versandt.
•Der freiheitlichen Parteiagentur Connect wird vorgeworfen, bei öffentlichen Aufträgen mitgeschnitten zu haben.
• FPK-Landeshauptmann Gerhard Dörfler wird beschuldigt, er habe einst als Verkehrslandesrat vorgeschrieben, welche Firmen Aufträge bekommen dürften. Auch angeblich überhöhte Zahlungen für das Asylwerberheim auf der Saualm sind Thema für die Justiz.
•Ermittelt wird auch, ob Landesaufträge an die SPÖ-Werbeagentur „Top-Team“ gegangen sind.

Alle Beschuldigten weisen die Vorwürfe zurück.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.10.2012)

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111 Kommentare
 
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Die Strafen sind zu Klein,das wehre besser.

Alle Berufspolitiker vor ein Volksgericht, fuer die Schuldigen, folgende Strafen:
Aberkennung der Staatsbuergerschaft und sofortige Landesverweisung.Verfall des ergaunerten Vermoegens zun gunsten des Staates.
Bildung einer Regierung, von Fachleuten mit Charakter und Verantwortungsbewusstsein.
Nur dann koennen wir ruhig schlafen, zur Zeit leider nicht.
Die Macht geht vom Volke aus,dann nuetzt endlich diese Macht und befreit euch von diesen miesen geldgierigen Verbrechern.

Haaaalooo schlafen alle.....

Was ist mit dem veruntreuten Geeeeeld. Haft und Rückzahlung oder nur Haft???? Weil wenns so ist kenne ich da Genug leute die für einpaar Millionen die Haft auf sich nehmen würden. 2 jahre Haft dann krank und auf Kur und dann Hafterlass... Sehr gerecht wenn vom Volk jemand zu viel Arbeitslosengeld oder Kindergeld kassier darf fleißig zurückzahlen. Die Haben recht nur ein Scheinprozess um das Geld reinzuwaschen...

Antworten Gast: Bodo Rakete
07.10.2012 07:47
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Re: Haaaalooo schlafen alle.....

wo er recht hat, hat er recht!

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Schluß mit lustig

und jetzt Verhandlungen für:
den "Ich entschlage mich der Aussage" Grafen,
den Ex-Innenminister (wie hieß der nochmal) dann den "Part of the Game" Uwe,
den Ex-Finanzminister (mei, ist der momentan still)
dann noch die unschuldigen Inseratenschalter von Werner "Stillstand" bis zum "ich habe einen runden Geburtstag" Wolferl!
usw.
(Liste bitte erweitern!)
Danke im Voraus

Bald ist Schluß mit Lustig in diesem Land.
Anonymous, Occupy-Bewegung, Onlineaktivisten - es gärt im Volk!

Die Politiker müssen sich daran gewöhnen ...

... dass Österreich kein Selbstbedienungsladen (mehr) ist, in dem man sich und/oder seiner Partei Vorteile zuschanzen kann,
... dass Korruption kein Kavaliersdelikt ist, sondern hart bestraft wird,
... dass der Wähler sich nicht mehr alles gefallen lässt, und sich dann auch noch dafür bedankt.

Dann braucht man auch nicht mehr von einem Schauprozess sprechen und ob das jetzt Unrecht ist.

Denn das muss auch gesagt werden: Jeder "Hendldieb" wird spätestens beim zweiten oder dritten Mal härter bestraft. Und das ist Usus, da spricht niemand von "Schauprozess".

Und jetzt kann man darüber diskutieren, welche Taten verwerflicher sind und mehr Schaden anrichten ...

Albtraum....Schauprozess...Gericht unter Druck....

all seine Aussagen zeigen eines: er hat nicht das geringste Unrechtsbewusstsein. Eigentlich müsste er sich bei jedem einzelnen Österreicher entschuldigen und den Rest seines Lebens ein schlechtes Gewissen haben.

Wir sind reich - NOCH!!

Es wird in unserem kleinen, schönen und enorm reichen Land abgezockt, gelogen, betrogen und Schwachsinn erzählt, dass es kaum zu ertragen ist. Man gewinnt den Eindruck, als hätten die meisten Volksvertreter jeglichen Coleurs dieses Landes den Sinn für Realität oder gar den Verstand verloren. Gerade versucht ein weiterer Minister zu erklären, dass ein lächerlicher Webauftritt ein paar Millionen kostet. Über ein Netzwerk von Agenturen, Beratern und Lobbyisten schöpfen ausnahmslos alle Parteien, und selbst Einzelpersonen den Rahm ab von dem gar nichtr mehr sicher ist, ob er noch da ist. Staatsnahe Betriebe zahlen kaum Steuern und dann taucht auch noch ein altersstarrsinniger 80jähriger auf mit Schilligfantasien.
Wenn wir das als Gesellschaft weiterhin zulassen und uns lieber wie die Kühe um einen Parkplatz am Samstag vor einem Baumarkt streiten, dann wird es ein böses Erwachen geben, fürchte ich.

Unverschämte Präpotenz

Zuerst den Hals nicht voll bekommen und dann jammern.
Die unverschämte Präpotenz ist leider vielen unserr "Volkseliten" anzumerken.
Ich hoffe, dass es auch wirklich bei den fünfeinhalb Jahren unbedingt bleibt und eine bitte an die Justiz, so weiter zu machen und nicht ins "Bockshorn" jagen lassen.

Gast: Gast 324
03.10.2012 09:13
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Fehler im Artikel

Nicht Martinz hat für ein Gutachten Geld bekommen, sondern Birnbacher.

Lg an die Redaktion

Re: Fehler im Artikel

...und damit ist Martinz sohin unschuldig? Das können Sie nicht wirklich glauben. Oder?

Re: Re: Fehler im Artikel

So wie ich das sehe, ist das sollte eine Korrektur des Inhalts sein und keine Wertung!

Re: Re: Fehler im Artikel

Martinz hat kein Geld für das Gutachten bekommen. Das ist so und deswegen ist ein Fehler im Artikel, auf den der Gast hingewiesen hat.
Mehr steht da nicht. Den Schluss, dass Martinz deswegen unschuldig wäre haben Sie selber gezogen.
Und der Schluss ist auch falsch, weil Martinz ja sehr wohl Geld bekommen hat. Nur eben nicht von der Holding für das Gutachten, sondern dann später von Birnbacher. Was im Artikel ja auch an anderer Stelle vorkommt.

Re: Fehler im Artikel

Für die ÖVP und Haider-Party!

Gast: Ali 99
03.10.2012 09:02
1 0

Harte Strafe in Kärnten

der capo dei capi hat sich, Gott sei Dank, rechtzeitig selbst eine ab-lebenslange Strafe verpasst

Gast: Nepomuk
03.10.2012 09:02
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Uneinsichtig


Der verurteilte Politiker zeigt sich schulduneinsichtig.

Das allein bedingt eine dramatisch höhere Strafe.

Wenn das Schule macht ...

... dann müssen wir damit rechnen, dass 80 % der derzeitigen Politiker die nächsten 20 Jahre im Häf'n verbringen.
Da wäre eine kleine Verwaltungs- und Staatsreform wohl auch noch drinnen?

Re: Wenn das Schule macht ...

hoffen wir mal das alle ihre Strafen bekommen. Wir brauchen Profis in der Politik nicht diese Betrüger!

Re: Re: Wenn das Schule macht ...

und wie wollens in diesem Klima und bei der Bezahlung Profis für diese Ämter bekommen?

Gast: tc_t
03.10.2012 08:34
1 0

es könnte einem glatt das herz über soviel ungerechtigkeit brechen...

eh nur a bissl geld genommen, und dann sooo drakonische strafen.... er ist ja ganz arm

Gast: Hans M..
03.10.2012 08:24
2 0

Die Strafe ist zu erhöhen

Man muss sich auch die Berufungsrichter vorknöpfen,es kann doch nicht sein das wenn man in Berufung geht einfach automatisch das Strafmaß reduziert bekommt. Dazu fällt mir gerade die Sanin ein.
Wie kann so was möglich sein?

Gast: Bärenfalle...
03.10.2012 06:36
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Viel zu wenig.

Schadenssumme / jährliches Netto-Durchschnittseinkommen eines Österreichers = Mindeststrafe in Jahren.

Natürlich würde ich für die Abschaffung der Luxusknäste wie Leoben plädieren.

Ein paar Container in einem umzäuntem Steinbruch reichen doch völlig aus, senkt auch die Kosten für den Steuerzahler.


Re: Viel zu wenig.

Naja, gar so viel Luxus gibt es in einem Gefängnis nicht. Ich empfehle Ihnen eine Exkursion (habe ich anlässlich meines Gerichtsjahres vor ein paar Jahren in Graz Jakomini gemacht); ich möchte da keinen einzigen Tag einsitzen. Anzunehmen ist, dass er nach etwa der Hälfte der Strafe auf Bewährung entlassen wird, "gute Führung" vorausgesetzt. Die Voraussetzungen dafür (Erstvollzug, kaum Rückfallgefahr, fortgeschrittenes Alter etc.) wären dafür gegeben. Trotzdem: weder 2, 3 noch 5,5 Jahre werden ihn läutern, er hat nicht das geringste Unrechtsbewusstsein sondern sieht sich als Opfer.

Gast: Hans M..
03.10.2012 06:05
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Härte

Hier sprechen alle von Härte.
Also ich weiß nicht was da hart sein soll,schließlich geht es hier um Lug und Betrug von unseren selbsternannten Leistungsträgern. Um 12 Millionen Euro umgerechnet 168 Millionen Schilling von unserem hart verdientem Steuergeld.
Für mich ist dieses Urteil viel zu milde. Und alle die dieses Urteil zu hart finden sollten Martinz und Co mithelfen dieses veruntreute und ergaunerte Geld zurück zuzahlen. Da müsst ihr dann aber lange arbeiten. Ein Leben wird nicht ausreichen dagegen sind doch 5 Jahre geschenkt.

Re: Härte

in Schilling umrechnen, das würde jetzt wahrscheinlich auch der Stronach machen...

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Re: Re: Härte

Immerhin die letzte ernstzunehmende Währung, die Österreich hatte.

Antworten Antworten Gast: Hans M..
03.10.2012 08:27
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Re: Re: Härte

Nur wegen den Relationen. Den Österreichern muss man immer wieder einmal vor Augen halten um welche Wahnsinnssummen hier eigentlich geht.

 
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